(Der Armageddon-Zyklus 1)
OT: The Reality Dysfunction, Part 1 (Kap. 1-18)
Ü: Axel Merz
USA 1996
(862 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 23221, ISBN
3-404-23211-0, DM 19,90)
- erschienen: Februar 2000 -
Die
Menschheit im Zeitalter jenseits der 2600: Überall in der
Galaxis breiten sich die menschlichen Kolonien aus; Fremdrassen
spielen dabei kaum eine Rolle. Die Kolonisierung geht dabei nicht
gerade sanft mit den Neubürgern um. Unter der Leitung
kommerzieller Organisationen wird versucht, solange wie möglich
jeden Pfennig aus dem Planeten herauszuholen, und viele können
zunächst kaum glauben, daß sie sich ihre neue Heimat erst
selbst mit Hammer und Säge aufbauen müssen.
Unterstützt werden sie dabei von Sträflingen, die auf diese
Weise ihre Strafe abdienen. Unter ihnen ist auch Quinn, der sich
vorgenommen hat, so schnell wie möglich von seinem "neuen"
Zuhause zu verschwinden, was sich für ihn allerdings ganz anders
entwickelt, als er glaubt.
Andernorts taucht Joshua ständig durch ein Trümmerfeld
einer unbekannten fremden Rasse. Gemeinsam mit hunderten von anderen
Glücksrittern ist er auf der Suche nach dem großen Fund,
der ihn reich und unabhängig machen soll. Das Glück scheint
ihn auch tatsächlich zu treffen, bis die Dinge auch für ihn
außer Kontrolle geraten.
Irgendwo im Universum leben die Ly-Cilph, ein Volk, das - nachdem es
eine "Jugend" voller Chaos durchgemacht hat - in geistiger Form
durchs Universum zieht und dort alles untersucht, bis sie auf
geheimnisvolle Weise in die Ereignisse in der Milchstraße
hineingezogen werden...
Wie kein anderer Roman zeigt dieser hier, wann man einen Roman
splitten darf und wann nicht. Man mag es kaum glauben, aber es
handelt sich bei diesem über 800 Seiten starken Schinken doch
tatsächlich um einen halben(!!!) Originalroman. Wenn sich das
komplette Werk dann wirklich als Trilogie herausstellen sollte (also
drei mal zwei Romane!!), dann stehen dem Leser etwa 4000 bis 6000
Seiten ins Haus. Aber zu bedauern dürften jene, die sich darauf
einlassen, kaum sein, denn schnell wird klar, daß es sich hier
um einen SF-Zyklus der allerfeinsten Sorte handelt.
Im Sinne von "eine gute Geschichte braucht Zeit" führt Hamillton
zunächst einmal Handlungsebene um Handlungsebene ein, ohne dabei
Rücksicht auf die Seitenanzahl zu nehmen. Fast scheint es,
daß es sich hierbei um verschiedene Romane handelt, die
bloß zusammen im gleichen Buch stehen. Aber dann beginnt er
ganz langsam, die Ebenen aufeinander zuzuführen. Dabei kommt es
zunächst jedoch eher zu Kontakten, als daß sie
ineinanderlaufen. Auf diese Weise führt Hamilton den Leser in
sein Universum ein, ohne sich in langen Vorgeschichten und
Erklärungen zu verlieren. Davon scheint er gar nichts zu halten,
denn jegliche Hintergrundinformation müssen sich die Leser aus
den Geschichten der Charaktere selbst erschließen und
heraussammeln.
Beim Thema Charaktere verfährt der Autor dann ähnlich wie
mit seinen Ebenen: Einfache scheint es nicht zu geben. Alle, hinter
denen sich mehr als nur Randfiguren verbergen, sind geheimnisvoll und
offenbaren in "Die unbekannte Macht" noch lange nicht alles, was sie
zu sagen haben.
Die Komplexität der Geschichte dürfte viele abschrecken,
und durch ihre lange Vorbereitung kommt auch erst mit der Zeit so
etwas wie Spannung auf, aber das dürfte sich in den
nächsten Bänden dafür um so schneller legen. Auch
weiß man jetzt noch gar nicht, wohin die eigentliche Handlung
laufen soll. Aber das macht in meinen Augen den Reiz der Geschichte
erst aus. Hinter der ganzen Angelegenheit scheint ein gigantischer
Aufwand zu stecken, denn niemand denkt sich eine derart
verknüpfte Geschichte so nebenbei beim Bahnfahren aus.
Fazit:
Der erste Band einer faszinierenden Reihe, wenn sie
einigermaßen das Niveau dieses Teiles halten kann. Unbedingte
Kaufempfehlung für Liebhaber umfangreicher und gut konstruierter
Geschichten.
13 Punkte
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