Peter F. Hamilton:

„Die unbekannte Macht“

(Der Armageddon-Zyklus 1)
OT: The Reality Dysfunction, Part 1 (Kap. 1-18)
Ü: Axel Merz
USA 1996
(862 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 23221, ISBN 3-404-23211-0, DM 19,90)
- erschienen: Februar 2000 -

Die Menschheit im Zeitalter jenseits der 2600: Überall in der Galaxis breiten sich die menschlichen Kolonien aus; Fremdrassen spielen dabei kaum eine Rolle. Die Kolonisierung geht dabei nicht gerade sanft mit den Neubürgern um. Unter der Leitung kommerzieller Organisationen wird versucht, solange wie möglich jeden Pfennig aus dem Planeten herauszuholen, und viele können zunächst kaum glauben, daß sie sich ihre neue Heimat erst selbst mit Hammer und Säge aufbauen müssen. Unterstützt werden sie dabei von Sträflingen, die auf diese Weise ihre Strafe abdienen. Unter ihnen ist auch Quinn, der sich vorgenommen hat, so schnell wie möglich von seinem "neuen" Zuhause zu verschwinden, was sich für ihn allerdings ganz anders entwickelt, als er glaubt.
Andernorts taucht Joshua ständig durch ein Trümmerfeld einer unbekannten fremden Rasse. Gemeinsam mit hunderten von anderen Glücksrittern ist er auf der Suche nach dem großen Fund, der ihn reich und unabhängig machen soll. Das Glück scheint ihn auch tatsächlich zu treffen, bis die Dinge auch für ihn außer Kontrolle geraten.
Irgendwo im Universum leben die Ly-Cilph, ein Volk, das - nachdem es eine "Jugend" voller Chaos durchgemacht hat - in geistiger Form durchs Universum zieht und dort alles untersucht, bis sie auf geheimnisvolle Weise in die Ereignisse in der Milchstraße hineingezogen werden...

Wie kein anderer Roman zeigt dieser hier, wann man einen Roman splitten darf und wann nicht. Man mag es kaum glauben, aber es handelt sich bei diesem über 800 Seiten starken Schinken doch tatsächlich um einen halben(!!!) Originalroman. Wenn sich das komplette Werk dann wirklich als Trilogie herausstellen sollte (also drei mal zwei Romane!!), dann stehen dem Leser etwa 4000 bis 6000 Seiten ins Haus. Aber zu bedauern dürften jene, die sich darauf einlassen, kaum sein, denn schnell wird klar, daß es sich hier um einen SF-Zyklus der allerfeinsten Sorte handelt.
Im Sinne von "eine gute Geschichte braucht Zeit" führt Hamillton zunächst einmal Handlungsebene um Handlungsebene ein, ohne dabei Rücksicht auf die Seitenanzahl zu nehmen. Fast scheint es, daß es sich hierbei um verschiedene Romane handelt, die bloß zusammen im gleichen Buch stehen. Aber dann beginnt er ganz langsam, die Ebenen aufeinander zuzuführen. Dabei kommt es zunächst jedoch eher zu Kontakten, als daß sie ineinanderlaufen. Auf diese Weise führt Hamilton den Leser in sein Universum ein, ohne sich in langen Vorgeschichten und Erklärungen zu verlieren. Davon scheint er gar nichts zu halten, denn jegliche Hintergrundinformation müssen sich die Leser aus den Geschichten der Charaktere selbst erschließen und heraussammeln.
Beim Thema Charaktere verfährt der Autor dann ähnlich wie mit seinen Ebenen: Einfache scheint es nicht zu geben. Alle, hinter denen sich mehr als nur Randfiguren verbergen, sind geheimnisvoll und offenbaren in "Die unbekannte Macht" noch lange nicht alles, was sie zu sagen haben.
Die Komplexität der Geschichte dürfte viele abschrecken, und durch ihre lange Vorbereitung kommt auch erst mit der Zeit so etwas wie Spannung auf, aber das dürfte sich in den nächsten Bänden dafür um so schneller legen. Auch weiß man jetzt noch gar nicht, wohin die eigentliche Handlung laufen soll. Aber das macht in meinen Augen den Reiz der Geschichte erst aus. Hinter der ganzen Angelegenheit scheint ein gigantischer Aufwand zu stecken, denn niemand denkt sich eine derart verknüpfte Geschichte so nebenbei beim Bahnfahren aus.

Fazit:
Der erste Band einer faszinierenden Reihe, wenn sie einigermaßen das Niveau dieses Teiles halten kann. Unbedingte Kaufempfehlung für Liebhaber umfangreicher und gut konstruierter Geschichten.
13 Punkte

Alexander Haas


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.


home...