Band 2009: "Der V-Inspekteur"

Autor: H.G. Francis

Angriff der Arkon-Agenten Teil II. Allerdings geht es nicht auf menschliche Ziele, sondern auf technische. Diesmal ist eine Gruppe von Agenten mit dem Ziel unterwegs, einen neuen Raumer der Wächter-Klasse zu stehlen. Die WAYLON JAVIER steht kurz vor der Fertigstellung, und daher erhofft man sich hier weniger Sicherheitsvorkehrungen als bei einem "normalen" Raumschiff, auch wenn man dazu erst einmal durch die Sicherheitssperren der Mondwerften hindurch muß, was kompliziert genug ist.
An Bord des Raumers ist derweil der Teufel unterwegs. Sein Name: Eizo Vikaryo; sein Beruf: V-Inspekteur; seine Mission: dafür zu sorgen, daß an Bord auch alles so zusammengebaut wird, wie es sich gehört und wie es in den Vorschriften steht. Und das tut er intensiv und pedantisch wie niemand anders. Er kennt auch keine Gnade, wenn es den Betrieb um Tage oder länger zurückwerfen würde. Das alles hat ein Ende, als die Arkoniden kommen. Kompromißlos und scheinbar gut vorbereitet stürmt man mit lautem Knall und Feuer auf das Schiff und setzt das Personal fest - bis auf eine kleine Gruppe, in der sich überraschenderweise auch V-Inspektor Eizo Vikaryo befindet. Anführer Sebustian Krovan führt harte Verhandlungen mit Perry Rhodan. Noch hat er Probleme, denn ein großer Teil seiner Einsatztruppe befindet sich in Containern und außer Gefecht - durch terranische Sicherheitsvorkehrungen. Das kostet Zeit und Aufwand.
Währenddessen gehen in der WAYLON JAVIER die ersten Diskussionen los. Die meisten des kleinen Trupps, der sich bisher verbirgt, sind einfache Techniker und keine Kämpfer. Sie rechnen sich gegen die gut ausgebildeten Arkoniden keinerlei Chancen aus und wollen sich ergeben. Das aber will Eizo Vikaryo nicht akzeptieren. Gemeinsam mit der Technikerin Nehle Askys und seinem Roboter Grossier schmiedet er Pläne, um einzugreifen.
Mit der Zeit wird Krovan ungeduldig. Weiterhin laufen einige Leute unerkannt an Bord "seines" Schiffes umher, draußen ist die Werft bereits abgeriegelt, und viele seiner Leute sind immer noch nicht einsatzfähig. Zudem wird es auch merklich kühler an Bord, und das stinkt den wärmeliebenden Arkoniden gewaltig. Der Grund: Eizo Vikaryo ist es mit Hilfe seines Roboters gelungen, die klimatischen Bedingungen an Bord dauerhaft zu manipulieren. Doch nun müssen sie sich vor den Nachstellungen der Arkoniden schützen. Ihr Kampf ist noch nicht vorbei; schließlich gelingt es ihnen, das Schiff mit Gas zu fluten und so einfach alle auf einmal auszuschalten. Und wieder endet ein Trupp arkonidischer Agenten in terranischer Gefangenschaft. Aber es gibt noch eine positive Nachricht: Trim Marath hat gemeinsam mit Blo Rakane das Bild von Morkhero Seelenquell identifiziert, und nun gibt es wenigstens eine Spur.

Es scheint sich ja anscheinend zu einer selbständigen Handlungsebene zu entwickeln, die beschreibt, wie arkonidische Topagenten sich auf Terra eine blutige Nase holen, und das in der Regel durch eigenes Verschulden. Sowohl Soi Maklur im vorigen Roman als auch Sebustian Krovan in diesem scheitern nicht am terranischen System (das ja schon vorhanden ist und das man doch eigentlich im Vorhinein ausspionieren könnte), sondern im Endeffekt an sich selbst. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da geht das im Moment mächtigste Reich der Galaxis hin und schickt dem Erzfeind ein paar absolute Stümper auf den Hals. Die vermeintlichen "Opfer" brauchen dann eigentlich nur noch abzuwarten, bis sich der Gegner selbst aus dem Spiel nimmt. Das wird besonders im aktuellen Fall deutlich. Da sind die arkonidischen Topleute nicht in der Lage, ein paar unerfahrene Eigenbrötler zu lokalisieren, bzw. sie geben sich kaum Mühe.
Logische Konsequenz: die fast totale Ausschaltung jeglicher Spannung. Was hier im Roman einfach gefehlt hat, war ein wirklicher Gegner. Ich habe ja gar nichts dagegen, daß der kleine spießige V-Inspekteur über sich hinauswächst und dann am Ende die Gegner besiegt, aber man hat eigentlich nie das Gefühl, daß es sich um wahre Gegner handelt. Hier hätte einfach der wahre böse Feind gefehlt, den man Eizo auf den Hals schickt, der ihn jagt und ihn zu fangen versucht. Statt dessen haben wir hier einen phantasielosen Einsatzleiter, der daran scheitert, daß zu viele seiner Leute im Koma liegen, und so etwas wie Mediziner scheinen die Arkoniden nicht auf Einsätze mitzuschicken - ist ja auch blöd, sowas.
Dennoch scheint mir eine derart kompetenzlose Einsatzplanung nicht mit reiner Arroganz erklärbar zu sein. So blöd können die Arkoniden einfach nicht sein. Trotzdem hatten wir schon zum zweiten Mal hintereinander keinen gut durchgeplanten Angriff, sondern einen Dilettantismus ohnegleichen. An dieser Stelle ist einfach eine etwas größere Ideenvielfalt des Autoren gefragt, und genau die hab ich hier leider nicht gefunden. In die Rubrik Phantasielosigkeit kommt auch der Witz über das Wesen der Frau auf Seite 11. Dieser ist hier in der Realwelt schon so dermaßen abgegriffen und wiederholt in allen Varianten, daß ich den eigentlich nicht in einem Perry Rhodan lesen muß; zumindest hätte man sich da etwas anderes als einen Flaschengeist ausdenken können.
Genauso spannungsfrei wie die Hauptebene verlief auch der Bereich um Trim Marath und Blo Rakane. Da muß der arme Junge Bild um Bild durchgehen, um am Ende dann erst mit den halutischen "Spezialphotos" zum Erfolg zu kommen. Dennoch muß ich hier auch Francis zugute halten, daß man aus so einer Ebene vermutlich auch nix anderes machen kann - zumindest kann ich mir das nicht vorstellen. Lediglich die Art, wie Blo Rakane charakterisiert wurde, hat mir in einem Punkt gefallen. Zwar habe ich so bisher nicht darauf geachtet, wie die Haluter sich mit anderen Menschen unterhalten, aber den Verweis auf das konsequente Siezen des Haluters fand ich einen erinnerungswürdigen Einfall.

Fazit:
Bleibt eine weitere Episode, die die Frage nicht beantwortet, wie es die Arkoniden geschafft haben, ein derart großes Imperium aufzubauen, wenn sie sich so blöde anstellen.
3 Punkte

Alexander Haas

Es geht also weiter - die Arkoniden versuchen über alle Ecken und Kanten, an die Geheimnisse der Terraner heranzukommen. Diesmal wird dann ein fast fertiger WÄCHTER-Raumer gekapert.
H.G. Francis schildert dies dann auch recht anschaulich, wenn ich auch so langsam das Gefühl nicht loswerde, daß die arkonidischen Agenten auf Terra nicht gerade zur Eliteeinheit gehören. Immerhin werden sie von einer Handvoll terranischer Werftarbeiter, angeführt von einem Bürokratenhengst, in die Knie gezwungen und gleich mehrfach abgeschossen. Ein bißchen unrealistisch ist das dann ja schon.
Allerdings macht dieser Roman auch durchaus Spaß beim Lesen. Man merkt ihm deutlich an, daß die Einzelabenteuer der Vergangenheit hier wieder in modernisiertem Gewand hervorgekramt werden sollen. Mit Eizo Vikaryo haben wir hier zwar nicht unbedingt einen der eckigen Charaktere, die die früheren Einzelabenteuer so interessant gemacht haben, sondern eher die Ausgeburt eines Klischee-Bürokraten - doch allein schon mit seinem kleinen Roboter bekommt das Ganze dann doch ein wenig mehr Farbe.
Ein bißchen seltsam kam mir jedoch der Einmarsch der Arkoniden in die Fertigungshalle vor. Vor allem der Einsatz dieser neuartigen Zwillingsspiegel scheint mir hier doch ziemlich an der Haaren herbeigezogen zu sein. Nimmt man nämlich das Glossar zu Hilfe, steht hier, daß diese Teile nur bei unveränderlichen Örtlichkeiten ohne Bewegung eingesetzt werden können. In diesem Teil jedoch wimmelten die Roboter bzw. Verpackungsmaschinen nur so durch die Gegend, was den Einsatz der Spiegel also schon von vorneherein unmöglich machte. Oder sollten wirklich nur die Türen gesichert gewesen, die Halle jedoch unbeobachtet geblieben sein? Das wäre dann in der Tat noch ein wenig merkwürdiger...
Und auch die zweite Neuheit der Arkoniden, der Quantenfiler, ist für meinen Geschmack auch viel zu weit hergeholt. Eigentlich wunderbar: Eine Waffe, die mal eben Organe in Hyperraumfalten versetzt. Nur - wie zielt man damit eigentlich? Woher weiß die Waffe, in welcher Entfernung ihr Ziel denn nun steht? Muß man das eingeben? Am besten noch schätzen? Innerhalb von Sekundenbruchteilen? Hmmm - also, irgendwie kann es das wohl nicht sein. Kein Wunder, daß das Teil am Ende dann auch gleich verschrottet wird. Sorry - so schön es ist, mit fiktiven Erfindungen herumzuspielen - das hier war es jetzt nun wirklich nicht. Dieser Quantenfiler ist dann doch deutlich zu seltsam - vor allem in seiner Anwendung, die einfach nicht durchdacht erscheint. Aber, wie gesagt, von dem Viech werden wir wohl so schnell hoffentlich auch nichts mehr hören...
Bis auf diese Kleinigkeiten ist H.G. Francis jedoch ein guter Agentenroman, ein schöner Einzelroman gelungen. Vor allem die einleitenden Texte zu den Kapiteln gefallen sehr gut.

Fazit:
Ein Agenten-Einzelroman, der einiges in den Schatten stellt, was man in den letzten Heften so gelesen hat. H.G. Francis scheint endlich wieder einmal in Schreiblaune gewesen zu sein. So kann es jetzt auch weitergehen.
9 Punkte.

Winfried Brand

Ein Lichtblick am Horizont... H. G. Francis stellt unter Beweis, daß man nicht zwangsläufig auf einen von Rainer Castor oder Uwe Anton geschriebenen PR-Band warten muß, um einen GUTEN Roman in die Hand zu bekommen.
Ein Kommando arkonidischer Agenten überfällt die Luna-Werften. Es gelingt ihnen, die WAYLON JAVIER, ein fast fertiggestelltes Raumschiff der WÄCHTER-Klasse, zu erobern und mit einem Paratronschirm abzuschotten. Da die Arkoniden das Solsystem nicht so einfach verlassen können, bringen sie eine Reihe von Technikern in ihre Gewalt und drohen mit der Erschießung dieser Geiseln, wenn man sie nicht wegläßt.
Perry Rhodan befindet sich damit in einem Dilemma. Soll er sich dieser Erpressung beugen und die Geiseln opfern, oder soll er riskieren, daß die Arkoniden sich unbehelligt mit dem unersetzlichen Schiff aus dem Solsystem absetzen - mit womöglich verheerenden Folgen für die terranische Verteidigung? Perry Rhodan zeigt sich etwas weich: Wenn so viel auf dem Spiel steht, wer wird schon WIRKLICH Rücksicht auf etwa dreißig Menschen nehmen??? Zu seinem Glück muß er diese Entscheidung letztlich nicht treffen.
Eizo Vikaryo, ein an Bord befindlicher Inspekteur, entschließt sich zum Widerstand, obwohl er auf Grund seiner Psyche dazu gar nicht in der Lage sein sollte. Er ist völlig auf sich allein gestellt; Hilfe hat er von keinem der Terraner, die sich noch an Bord versteckt halten, zu erwarten. Lediglich sein kleiner Roboter bietet ihm eine wertvolle Unterstützung.
Dann kommen die Arkoniden doch in Schwierigkeiten. Von den Agenten des Kommandos sind zwei Drittel ausgefallen. Das hochmoderne Schiff kann jedoch von den verbleibenden Spezialisten nicht beherrscht werden, da es noch nicht ganz fertig ist. Daher brauchen die Arkoniden die in ihre Gewalt geratenen terranischen Techniker.
Ein ganz durchschnittlicher Terraner, der über sich selbst hinauswächst - diese Idee ist nicht ganz neu, macht jedoch den Reiz des Romans aus. Es geht auch ohne Mutanten (die sind den Terranern ja bisher eher ein Hindernis als ein echter Gewinn). Dieser Mann wird im Laufe der Handlung mehr oder weniger in seine Rolle als unfreiwilliger Held hineingedrängt. Daß es ihm schließlich gelingt, die verfahrene Situation zu retten, ist weniger ihm selbst als vielmehr seinem Roboter zu verdanken. Die Lösung des Ganzen entpuppt sich als ein Kniff, der zwar aus dem Hut gezogen wirkt, aber das wirkt sich nicht weiter negativ auf das Ganze aus.
Positiv anzumerken ist weiter, daß H. G. Francis auch die Technik des PR-Kosmos nicht vernachlässigt und diese dann auch wirklich plausibel einsetzt. Das hat man auch nicht in jedem Band.
Die Arkoniden sind leider wieder nach dem üblichen Schwarz-Weiß-Schema beschrieben: Sie sind arrogant, leiden an Selbstüberschätzung und hassen die Terraner. Etwas mehr Differenzierung könnte hier nicht schaden.
Gleichzeitig wird in einem Nebenstrang endlich die weitere Handlung um Morkhero Seelenquell vorbereitet.

Fazit:
Ein Roman aus der Perspektive eines Zivilisten, der um sein Leben kämpfen muß (glaubhaft!), mit einer klassischen Konfliktsituation, gut aufgebaut und dargestellt, allerdings etwas schwach aufgelöst. Dafür leichte Abstriche. Insgesamt reicht es aber für ein knappes "GUT".
10 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

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