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Nach dem Einführungs-Zweiteiler präsentiert uns
Timothy Stahl hier nun den ersten "richtigen" Roman der
Serie (zumindest was die ersten zwanzig Bände angeht,
die Entwicklung danach dürfte dann eh noch einiges
zulegen) - und, es sei vorweggenommen, ihm gelingt es recht
mühelos, die ersten beiden Romane noch zu
übertreffen, die für sich genommen als Einstieg
sowieso schon ziemlich gut waren.
Diesmal zieht es den guten Matt also in Richtung der Ewigen
Stadt - wo natürlich auch nichts mehr so ist, wie er es
aus seinem bisherigen Leben kennt. Allerdings ist hier auch
nichts so, wie es der Leser aus den bisherigen Romanen der
Serie kennt. Die menschlichen Bewohner der Stadt haben sich
offensichtlich eine "Restzivilisation" erhalten, auch wenn
diese aus antiken Zirkusspielen und Drogenkonsum besteht.
Doch das Szenario an sich vermag den Leser zu fesseln.
Daß Maddrax hierbei auch gleich noch auf den ersten
seiner Kameraden trifft - schade eigentlich, daß
dieser den Roman nicht überlebt hat. Allerdings
dürfte auch fraglich sein, ob man ihn von der Sucht
überhaupt hätte heilen können. Da stellt sich
nebenbei noch gleich die Frage, ob man hinsichtlich der
Kameraden des Matthew Drax nun nach dem
"10-kleine-Jägermeister"-Prinzip verfahren wird. Ich
hoffe nicht, denn ein wenig mehr Teamgeist bei den
Hauptpersonen wäre durchaus wünschenswert; auch
wenn natürlich nicht jeder der anderen nun einen
Überlebensgarantieschein ausgestellt bekommen sollte.
Nur ein wenig länger sollten die Leutchen doch
durchhalten dürfen, sonst wird's schon in ein paar
Bänden ziemlich eng mit der Motivationsbegründung
der Drax'schen Reiseorgie... Wobei sich allerdings auch die
Frage stellt, ob dies überhaupt gewollt ist. Immerhin
könnte man auch durchaus die Serie darauf ausgelegt
haben, daß man es hier mit einem einzelnen,
versprengten Charakter zu tun hat, der sich durch die Umwelt
schlagen muß und nur von Leutchen unterstützt
wird, die auch in diese Zeit gehören. Und die ersten
zwanzig Bände sind dann für die Aufgabe
reserviert, die Überbleibsel seines bisherigen Lebens
aus dem Weg zu schaffen. Vielleicht auch keine so dumme
Idee...
Hinsichtlich der größeren Hintergründe der
Handlung macht sich nach den Rezensenten nun auch Matt Drax
Gedanken darüber, wie die Menschheit derartig
devolutionieren konnte. Und im Gegensatz zu unserem
Protagonisten kennen wir immerhin die ungefähre Zeit,
in der die Geschichte spielt - und können uns nur um so
mehr wundern, wie all die Mutationen in dieser relativ
kurzen Zeitspanne in dieser Form zustande kommen konnten.
Vor allem, da die meisten tierischen Mutationen nur recht
eng lokal begrenzt zu sein scheinen - denn bisher haben sich
diese noch nicht wiederholt. Und gerade die Taratzen
wären an sich wie geschaffen dafür, den ganzen
Kontinent zu überlaufen (man denke an die
Ausbreitungswut von Ratten).
In diesem Zusammenhang ist dann doch schon das
göttliche Auftreten der ersten beiden Bände
interessant - denn wenn man diesem nun auch noch
hinzurechnet, daß das ganze Kolosseum mal eben in
Richtung des alten Vatikan versetzt wurde... Dies ist
sicherlich eine Leistung, die die Menschheit auf diesem
Niveau nicht abzuliefern imstande ist. Das schreit
förmlich nach Fremdeinwirkung.
Nimmt man das lokale Auftreten der monströsen
Mutationen, das praktische Fehlen solcher bei den Menschen
(die Hulks zähle ich nicht als Mutation, da diese
drogenbeeinflußt hervorgerufen wurden) und die
Versetzung des Amphitheaters zusammen, bleibt zumindest eine
reichliche Einflußnahme der "Götter" dieser Welt
auf die Geschehnisse im sehr wahrscheinlichen Rahmen. Fast
schon scheint es mir, als ob hier eine Art von Experiment
laufen würde, hinter dessen Geheimnis der gute Matt
erst noch kommen müßte - und was in diesem Fall
wohl seine Aufgabe für die nächsten Bände
wäre.
Und wenn man diesen Gedanken noch ein wenig weiterspinnt,
ist es auch nicht mehr weit bis zu der Spekulation,
daß dieser Anfang der Serie mit den eigentlichen
Begebenheiten nicht mehr viel zu tun hat. Da könnte es
durchaus auch sein, daß bereits der Komet von einer
außerirdischen Macht auf die Erde gelenkt, Matt und
seine Leutchen bewußt in der Zeit versetzt und aus der
ganzen Erde eine Art Forschungsobjekt gemacht wurde. Und mit
etwa Band 20 lassen wir dann das kleine Vorspiel in Sachen
Fantasy und Zurechtfinden in dieser Welt erst einmal hinter
uns und wenden uns größeren Aufgaben zu, wie z.B.
die Befreiung der Erde aus dem Experiment. Womit dann
sicherlich auch wieder der SF-Anteil einen gehören
Auftrieb bekommen würde.
Haltlose Spekulationen eines verwirrten Rezensenten?
Nun, wer weiß - sicher erscheint zum jetzigen
Zeitpunkt jedenfalls, daß es eine "Macht dahinter"
wohl geben muß. Wie diese nun aussehen wird? Es bleibt
abzuwarten.
Nach diesem recht ausführlichen Ausflug in die
Spekulationsecke aber nun endlich wieder zum Roman
zurück. ;-)
Hier fällt auch wieder sehr positiv auf, daß
Timothy Stahl in gewohnt sicherer Manier die
Handlungsführung keinen Zufällen
überläßt, sondern die Handlung durchaus am
Zügel zu halten in der Lage ist. Daraus ergibt sich
nicht nur ein wirklich gut zu lesender Roman ohne
größere Logikfehler (sieht man einmal davon ab,
daß ich an diese Serie durchaus andere
Maßstäbe anlege wie z.B. an Perry Rhodan, wo die
Handlungsführung und der große Bogen sicherlich
wesentlich komplexer und dementsprechend auch logischer
aufeinander aufbauender zu sein hat), sondern auch ein
wohlproportionierter Spannungsbogen, der nicht erst auf der
letzten Seite sein abruptes Ende findet, sondern sich statt
dessen auch ein wenig Zeit nimmt, das Ende zügig, aber
nicht zu schnell anzugehen, es in angemessener Form und
Breite abzuhandeln und auch dessen Folgen noch gekonnt
abzuarbeiten. "Maddrax" hat in dieser Hinsicht
offensichtlich so einigen anderen Serie etwas voraus, die
ihr Ende zu abrupt darbieten und dabei jegliche
Atmosphäre restlos vernichten. Es wäre wirklich
schön, wenn sich die anderen Autoren auch an diese
Vorgabe halten würden - und wer weiß, vielleicht
ist dies ja gar eine Verlagsvorgabe. In diesem Fall
wäre es eine, die der Bastei-Verlag in letzter Zeit ein
wenig vernachlässigt hat, die jedoch der Serie selber
nur sehr guttun würde.
In dieser Form jedoch kann ich mich problemlos an Maddrax
als Dauerlektüre gewöhnen. Unterhaltsame,
spannende und atmosphärische Heftromane sind leider in
letzter Zeit recht selten geworden. Und wenn diese dann auch
noch recht problemlos zur Entspannung am Feierabend gelesen
werden können, so ist das eigentliche Ziel doch mehr
als erfüllt. Und bevor hier jemand einen Vergleich mir
Perry Rhodan zieht und anmerkt, daß dieser doch um so
vieles besser sei, möchte ich noch erwähnen: Ja,
ich weiß. Allerdings sollte man diese beiden Serie
erst gar nicht miteinander vergleichen, denn PR spielt
eindeutig in einer anderen Liga. Dies soll heißen: Wer
die PR-Romane als reine Entspannungslektüre liest, bei
der man das Gehirn auch schon mal ein paar Minuten
abschalten kann, ist bei der weltgrößten SF-Serie
eigentlich ziemlich falsch aufgehoben, denn dies kann hier
ob des komplexen Hintergrundes eigentlich nur in einer
ziemlichen Verwirrung enden. Hier setze ich eindeutig ganz
andere Maßstäbe an, die sich auch in der
Bewertung niederschlagen. In dieser Hinsicht ist Maddrax
eindeutig die bessere Entspannungslektüre am Feierabend
- paradoxerweise, obwohl er ein "Spannungsroman" ist...
(Sollte jemand anderer Meinung sein, steht das Forum hier im
Flash jedem zur Diskussion offen...)
Eins zum Ende noch: Da schreibt Michael
Schönenbröcher - äh, sorry, Mad Mike auf der
Leserbriefseite noch, daß er eigentlich noch eine
Autorin für das Team vorgesehen hatte, die jedoch
zuerst keine Zeit hatte und danach der Reduzierung des
Erscheinungsrhythmus zum Opfer gefallen ist. Sowie daß
diese ins Team nachstoßen würde (jaja, Mike, ich
weiß schon, welch' obszöner Gedanke dir bei
dieser Formulierung durch den Kopf geht; dabei dürfte
das "Stoßen" jedoch ziemlich problematisch werden...
;-))) ), sobald der erste Autor "alle Viere von sich
streckt"... Just zum Erscheinen dieses Romans liest sich
dann doch bereits auf der Internetseite der Serie
(www.bastei.de/maddrax), daß genau dieses bereits
geschehen ist und Carter Jackson sich verabschiedet hat.
Warum nur macht man sich jedoch im Verlag die Mühe,
für "die Frau" nun ein Pseudonym zu finden? Jedem
aufmerksamen Leser auch anderer Bastei-Produkte (hier ist
speziell "Professor Zamorra" gemeint...) dürfte wohl
schon schwanen, wer sich hinter "dieser Frau" denn nun wohl
verbergen wird. Zumindest dürfte sich der Name "Claudia
Kern" in dieser Hinsicht einer beliebten Aufdrängung
mit einer "99%-Chance" nicht entziehen können... Ups...
Habe ich jetzt ein Verlagsgeheimnis verraten?!? Sorry... Ich
jedenfalls freue mich schon sehr auf ihre Romane innerhalb
der "Maddrax"-Serie, beweist sie doch zur Zeit immer
stärker in der "Kollegen-Serie", daß sie wirklich
das Zeug hat, gute, spannende und atmosphärisch
schöne Romane zu schreiben. (Und jetzt hoffe ich mal,
daß meine "99%-Chance" nicht danebenliegt, denn das
wäre dann ziemlich peinlich - ähem... grins)
Ansonsten geht ein Dank an Mike Schönenbröcher
für die Erwähnung des Flash auf der
Link-Seite.
Fazit:
Timothy Stahl gelingt der temporär beste Roman der noch
jungen Serie. Nachdem nun der Einführungs-Zweiteiler
abgehandelt ist, legt er die Latte, an der die kommenden
Romane gemessen werden müssen. Die vorliegende Story
ist gut und in sich schlüssig aufgebaut (wobei die
Unerklärlichkeiten sich später noch lösen
müssen und wohl zum "großen roten Faden"
gehören), angenehm und spannend zu lesen und ideal als
Entspannungs- und Feierabendlektüre geeignet. Eben ein
Heftroman der besten Sorte. Dafür gibt's dann immer
noch vorsichtige
12 Punkte.
(Wer weiß schließlich, was da noch nachkommt?
Ein bißchen Spielraum möchte ich mir noch
freilassen...)
Winfried
Brand

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