Band 3: "Rom sehen und sterben"

Autor: Jo Zybell

Die Haupt-Rezension folgt in der nächsten Ausgabe des Flash nach.

Gar nicht gut finde ich, daß man zunächst eher auf Einzelromane, in sich abgeschlossene Geschichten, setzt.
Daß sich Matt und Aruula in Band 4 noch näher kommen, konnte man im neuesten "Hit Comics" lesen (wie, das hätte ich nicht verraten dürfen...?). Wieso auch nicht.
In der Arena bekommt es Matt mit einer Riesenspinne zu tun. Etwas ähnlich hatte er ja schon in Bologna gesehen, der Säure-Strahl hätte ihm also bekannt sein müssen.
Überhaupt scheinen bestimmte Mutationen nur regionale Berühmtheiten zu sein: von Taratzen und Heuschrecken war in Rom nichts mehr zu sehen...
Sehr nett wäre es auch, wenn einer vielleicht eine Übersicht der Geschehnisse 2000 bis 2012 geben könnte. Wo waren die Religionskriege 2005?
Gelesen hatte ich den Band noch schneller als die beiden ersten von Jo Zybell, daß die Geschehnisse in Rom auf einen Band begrenzt wurden, fand ich schade. Ein Zweiteiler wäre nicht schlecht gewesen.
11 Punkte

Guido Latz

 Es geht doch...
Nachdem man die ersten beiden Hefte als "typischen" Serienstart mit den üblichen Eingewöhnungsproblemen (beim Rezensenten) ansehen kann, kommt so langsam Laune auf. (Die erste Fußnote auf Seite 6 habe ich nicht begriffen. Gibt es ein Copyright auf Formulierungen???) (* Bei Werbeslogans oder ähnlichem vielleicht...? Heike)
Matt Drax macht sich eine Menge Gedanken. Fragen werden aufgeworfen, die womöglich erste Rätsel für die weitere Handlung bilden. Weshalb hat sich die Menschheit nicht weiterentwickelt, sondern ist in die Primitivität zurückgefallen? Als alter Rhodan-Leser sucht man natürlich nach solchen Sachen, aber ob es irgendwann einen "roten Faden" gibt, kann man noch nicht absehen. Der Verlag scheint sich zunächst einmal auf das Naheliegende zu konzentrieren: Die vorgefundene Welt muß ausgebaut werden, und wie das im vorliegenden Band geschieht, ist überraschend gelungen.
Rom als Handlungsort, mit dem Kolosseum, dem Petersplatz und der Spanischen Treppe, darunter kann sich jeder Leser etwas vorstellen. Timothy Stahl gelingt es geschickt, nebenbei einige Dinge einzuflechten, die dem Leser einen Lacher entlocken. (Star Wars - Episode III usw.)
Spaßig: Da gibt es Mutanten vom Format eines "Incredible Hulk". Die sind so stark, daß sie im Dutzend gleich ein komplettes Flugzeugwrack wegschleppen können. Beeindruckend. Der Original-Hulk hätte das zwar auch allein geschafft, aber... lassen wir das. Vielleicht begegnen wir irgendwann ja noch dem Äquivalent der Avengers oder der Fantastic Four.
Immerhin treffen wir jetzt auf Menschen, die doch etwas fortgeschrittener sind als die aus den ersten beiden Bänden. Es scheint also doch so etwas wie Zivilisationsreste zu geben, zumindest in den ehemaligen Millionenstädten. Matt Drax ist auch so schlau, seinen Jeep zurückzulassen, bevor er sich in die Stadt begibt.
Der Spannungsbogen ist sauber zum Ende hin aufgebaut; und daß Drax aus jeder noch so verfahrenen Lage entkommt, dürfte logisch sein. Das darf man daher nicht zu kritisch sehen.
Daß dann allerdings der Pilot des zweiten Jets doch auf der Strecke blieb, war schon überraschend. Eigentlich hätte der doch überleben müssen... Aber das zeigt auf der anderen Seite doch, daß man an die Handlung nicht zu stereotyp herangeht. Irgendwann werden mit Sicherheit auch Drax' noch fehlende Kameraden auftauchen. Vielleicht läßt man ja einen von denen am Leben.
Was den Leser jedoch wundern sollte: Mit Schwertern, Äxten, Lanzen usw. wird reichlich gekämpft. Feuerwaffen scheint es jedoch nicht zu geben. Woher stammen all diese Hieb- und Stichwaffen? Im Zweifelsfall müßte man die doch erst herstellen, während man davon ausgehen kann, daß Pistolen, Gewehre usw. in irgendwelchen Ruinen zu finden sein dürften. Allzu schwierig kann das nicht sein (vgl. Nr. 2, wo Drax ohne große Probleme gleich ein Schnellfeuergewehr mit reichlich Munition fand). Mit Feuerwaffen hatte die Menschheit doch wohl etwas länger Erfahrung. Aber vielleicht sieht das im Amerika dieser Zukunftsepoche ja ganz anders aus. Wenn man bedenkt, wieviel Waffen und Munition dort heutzutage vor allem beim Normalverbraucher lagern...
Mit seiner Pistole jedenfalls ist der Held in dieser Welt der King. Irgendwann, denkt man immer wieder, irgendwann wird dem Mann die Munition für seine Pistole ausgehen. Das dürfte in einer solchen Umgebung dann für Drax (und auch für die Serie) das Ende sein. Daher erhält er seine ihm abhanden gekommene Waffe auch gegen Ende des Romans prompt zurück.
Dieses Ende, d. h. die "Entmachtung" der "Götter", war dann etwas schwach. Da bleibt vieles im Unklaren; aber möglicherweise kann man darauf noch zurückgreifen.

Fazit:
Ein Aufwärtstrend ist klar erkennbar. Der bisher beste "Maddrax".
10 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Nach dem Einführungs-Zweiteiler präsentiert uns Timothy Stahl hier nun den ersten "richtigen" Roman der Serie (zumindest was die ersten zwanzig Bände angeht, die Entwicklung danach dürfte dann eh noch einiges zulegen) - und, es sei vorweggenommen, ihm gelingt es recht mühelos, die ersten beiden Romane noch zu übertreffen, die für sich genommen als Einstieg sowieso schon ziemlich gut waren.
Diesmal zieht es den guten Matt also in Richtung der Ewigen Stadt - wo natürlich auch nichts mehr so ist, wie er es aus seinem bisherigen Leben kennt. Allerdings ist hier auch nichts so, wie es der Leser aus den bisherigen Romanen der Serie kennt. Die menschlichen Bewohner der Stadt haben sich offensichtlich eine "Restzivilisation" erhalten, auch wenn diese aus antiken Zirkusspielen und Drogenkonsum besteht. Doch das Szenario an sich vermag den Leser zu fesseln. Daß Maddrax hierbei auch gleich noch auf den ersten seiner Kameraden trifft - schade eigentlich, daß dieser den Roman nicht überlebt hat. Allerdings dürfte auch fraglich sein, ob man ihn von der Sucht überhaupt hätte heilen können. Da stellt sich nebenbei noch gleich die Frage, ob man hinsichtlich der Kameraden des Matthew Drax nun nach dem "10-kleine-Jägermeister"-Prinzip verfahren wird. Ich hoffe nicht, denn ein wenig mehr Teamgeist bei den Hauptpersonen wäre durchaus wünschenswert; auch wenn natürlich nicht jeder der anderen nun einen Überlebensgarantieschein ausgestellt bekommen sollte. Nur ein wenig länger sollten die Leutchen doch durchhalten dürfen, sonst wird's schon in ein paar Bänden ziemlich eng mit der Motivationsbegründung der Drax'schen Reiseorgie... Wobei sich allerdings auch die Frage stellt, ob dies überhaupt gewollt ist. Immerhin könnte man auch durchaus die Serie darauf ausgelegt haben, daß man es hier mit einem einzelnen, versprengten Charakter zu tun hat, der sich durch die Umwelt schlagen muß und nur von Leutchen unterstützt wird, die auch in diese Zeit gehören. Und die ersten zwanzig Bände sind dann für die Aufgabe reserviert, die Überbleibsel seines bisherigen Lebens aus dem Weg zu schaffen. Vielleicht auch keine so dumme Idee...
Hinsichtlich der größeren Hintergründe der Handlung macht sich nach den Rezensenten nun auch Matt Drax Gedanken darüber, wie die Menschheit derartig devolutionieren konnte. Und im Gegensatz zu unserem Protagonisten kennen wir immerhin die ungefähre Zeit, in der die Geschichte spielt - und können uns nur um so mehr wundern, wie all die Mutationen in dieser relativ kurzen Zeitspanne in dieser Form zustande kommen konnten. Vor allem, da die meisten tierischen Mutationen nur recht eng lokal begrenzt zu sein scheinen - denn bisher haben sich diese noch nicht wiederholt. Und gerade die Taratzen wären an sich wie geschaffen dafür, den ganzen Kontinent zu überlaufen (man denke an die Ausbreitungswut von Ratten).
In diesem Zusammenhang ist dann doch schon das göttliche Auftreten der ersten beiden Bände interessant - denn wenn man diesem nun auch noch hinzurechnet, daß das ganze Kolosseum mal eben in Richtung des alten Vatikan versetzt wurde... Dies ist sicherlich eine Leistung, die die Menschheit auf diesem Niveau nicht abzuliefern imstande ist. Das schreit förmlich nach Fremdeinwirkung.
Nimmt man das lokale Auftreten der monströsen Mutationen, das praktische Fehlen solcher bei den Menschen (die Hulks zähle ich nicht als Mutation, da diese drogenbeeinflußt hervorgerufen wurden) und die Versetzung des Amphitheaters zusammen, bleibt zumindest eine reichliche Einflußnahme der "Götter" dieser Welt auf die Geschehnisse im sehr wahrscheinlichen Rahmen. Fast schon scheint es mir, als ob hier eine Art von Experiment laufen würde, hinter dessen Geheimnis der gute Matt erst noch kommen müßte - und was in diesem Fall wohl seine Aufgabe für die nächsten Bände wäre.
Und wenn man diesen Gedanken noch ein wenig weiterspinnt, ist es auch nicht mehr weit bis zu der Spekulation, daß dieser Anfang der Serie mit den eigentlichen Begebenheiten nicht mehr viel zu tun hat. Da könnte es durchaus auch sein, daß bereits der Komet von einer außerirdischen Macht auf die Erde gelenkt, Matt und seine Leutchen bewußt in der Zeit versetzt und aus der ganzen Erde eine Art Forschungsobjekt gemacht wurde. Und mit etwa Band 20 lassen wir dann das kleine Vorspiel in Sachen Fantasy und Zurechtfinden in dieser Welt erst einmal hinter uns und wenden uns größeren Aufgaben zu, wie z.B. die Befreiung der Erde aus dem Experiment. Womit dann sicherlich auch wieder der SF-Anteil einen gehören Auftrieb bekommen würde.
Haltlose Spekulationen eines verwirrten Rezensenten?
Nun, wer weiß - sicher erscheint zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls, daß es eine "Macht dahinter" wohl geben muß. Wie diese nun aussehen wird? Es bleibt abzuwarten.
Nach diesem recht ausführlichen Ausflug in die Spekulationsecke aber nun endlich wieder zum Roman zurück. ;-)
Hier fällt auch wieder sehr positiv auf, daß Timothy Stahl in gewohnt sicherer Manier die Handlungsführung keinen Zufällen überläßt, sondern die Handlung durchaus am Zügel zu halten in der Lage ist. Daraus ergibt sich nicht nur ein wirklich gut zu lesender Roman ohne größere Logikfehler (sieht man einmal davon ab, daß ich an diese Serie durchaus andere Maßstäbe anlege wie z.B. an Perry Rhodan, wo die Handlungsführung und der große Bogen sicherlich wesentlich komplexer und dementsprechend auch logischer aufeinander aufbauender zu sein hat), sondern auch ein wohlproportionierter Spannungsbogen, der nicht erst auf der letzten Seite sein abruptes Ende findet, sondern sich statt dessen auch ein wenig Zeit nimmt, das Ende zügig, aber nicht zu schnell anzugehen, es in angemessener Form und Breite abzuhandeln und auch dessen Folgen noch gekonnt abzuarbeiten. "Maddrax" hat in dieser Hinsicht offensichtlich so einigen anderen Serie etwas voraus, die ihr Ende zu abrupt darbieten und dabei jegliche Atmosphäre restlos vernichten. Es wäre wirklich schön, wenn sich die anderen Autoren auch an diese Vorgabe halten würden - und wer weiß, vielleicht ist dies ja gar eine Verlagsvorgabe. In diesem Fall wäre es eine, die der Bastei-Verlag in letzter Zeit ein wenig vernachlässigt hat, die jedoch der Serie selber nur sehr guttun würde.
In dieser Form jedoch kann ich mich problemlos an Maddrax als Dauerlektüre gewöhnen. Unterhaltsame, spannende und atmosphärische Heftromane sind leider in letzter Zeit recht selten geworden. Und wenn diese dann auch noch recht problemlos zur Entspannung am Feierabend gelesen werden können, so ist das eigentliche Ziel doch mehr als erfüllt. Und bevor hier jemand einen Vergleich mir Perry Rhodan zieht und anmerkt, daß dieser doch um so vieles besser sei, möchte ich noch erwähnen: Ja, ich weiß. Allerdings sollte man diese beiden Serie erst gar nicht miteinander vergleichen, denn PR spielt eindeutig in einer anderen Liga. Dies soll heißen: Wer die PR-Romane als reine Entspannungslektüre liest, bei der man das Gehirn auch schon mal ein paar Minuten abschalten kann, ist bei der weltgrößten SF-Serie eigentlich ziemlich falsch aufgehoben, denn dies kann hier ob des komplexen Hintergrundes eigentlich nur in einer ziemlichen Verwirrung enden. Hier setze ich eindeutig ganz andere Maßstäbe an, die sich auch in der Bewertung niederschlagen. In dieser Hinsicht ist Maddrax eindeutig die bessere Entspannungslektüre am Feierabend - paradoxerweise, obwohl er ein "Spannungsroman" ist... (Sollte jemand anderer Meinung sein, steht das Forum hier im Flash jedem zur Diskussion offen...)
Eins zum Ende noch: Da schreibt Michael Schönenbröcher - äh, sorry, Mad Mike auf der Leserbriefseite noch, daß er eigentlich noch eine Autorin für das Team vorgesehen hatte, die jedoch zuerst keine Zeit hatte und danach der Reduzierung des Erscheinungsrhythmus zum Opfer gefallen ist. Sowie daß diese ins Team nachstoßen würde (jaja, Mike, ich weiß schon, welch' obszöner Gedanke dir bei dieser Formulierung durch den Kopf geht; dabei dürfte das "Stoßen" jedoch ziemlich problematisch werden... ;-))) ), sobald der erste Autor "alle Viere von sich streckt"... Just zum Erscheinen dieses Romans liest sich dann doch bereits auf der Internetseite der Serie (www.bastei.de/maddrax), daß genau dieses bereits geschehen ist und Carter Jackson sich verabschiedet hat. Warum nur macht man sich jedoch im Verlag die Mühe, für "die Frau" nun ein Pseudonym zu finden? Jedem aufmerksamen Leser auch anderer Bastei-Produkte (hier ist speziell "Professor Zamorra" gemeint...) dürfte wohl schon schwanen, wer sich hinter "dieser Frau" denn nun wohl verbergen wird. Zumindest dürfte sich der Name "Claudia Kern" in dieser Hinsicht einer beliebten Aufdrängung mit einer "99%-Chance" nicht entziehen können... Ups... Habe ich jetzt ein Verlagsgeheimnis verraten?!? Sorry... Ich jedenfalls freue mich schon sehr auf ihre Romane innerhalb der "Maddrax"-Serie, beweist sie doch zur Zeit immer stärker in der "Kollegen-Serie", daß sie wirklich das Zeug hat, gute, spannende und atmosphärisch schöne Romane zu schreiben. (Und jetzt hoffe ich mal, daß meine "99%-Chance" nicht danebenliegt, denn das wäre dann ziemlich peinlich - ähem... grins)
Ansonsten geht ein Dank an Mike Schönenbröcher für die Erwähnung des Flash auf der Link-Seite.

Fazit:
Timothy Stahl gelingt der temporär beste Roman der noch jungen Serie. Nachdem nun der Einführungs-Zweiteiler abgehandelt ist, legt er die Latte, an der die kommenden Romane gemessen werden müssen. Die vorliegende Story ist gut und in sich schlüssig aufgebaut (wobei die Unerklärlichkeiten sich später noch lösen müssen und wohl zum "großen roten Faden" gehören), angenehm und spannend zu lesen und ideal als Entspannungs- und Feierabendlektüre geeignet. Eben ein Heftroman der besten Sorte. Dafür gibt's dann immer noch vorsichtige
12 Punkte.
(Wer weiß schließlich, was da noch nachkommt? Ein bißchen Spielraum möchte ich mir noch freilassen...)

Winfried Brand

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