Band 2011: "Das Fluut von Yuna"

Autorin: Susan Schwartz

Deprimiert durch die grausame Unterdrückung von Morkhero Seelenquell ziehen die Kraverker wieder zurück in Richtung ihrer Stadt, aus der sie eigentlich vor dem "Gott" geflohen sind. Auch ihr Anführer, der Hochschamake Kellmi, ist verzweifelt. Er konnte sein Volk nicht in die Freiheit führen, sondern hat ihm Verderben gebracht. Nun muß er sich zusammenreißen, um ihm wieder neuen Mut zu geben. Das bessert sich nicht gerade, als eine neue große Kugel am Himmel über ihnen erscheint und für einen Moment die Sonne verdunkelt. Doch es scheint nicht Morkhero zu sein, denn es bricht kein neues Unheil über sie herein. Vielmehr steigen seltsame Wesen heraus, als die Kugel wiederkehrt und im Sumpf niedergeht. Es ist die LEIF EERIKSSON, aus der Bré Tsinga erscheint, um mit den Kraverkern den ersten Kontakt aufzubauen. Da sie aufgrund der PsIso-Netze auf ihre latenten Psi-Fähigkeiten verzichten muß, fordert Perry Rhodan sie auf, ihre Erfahrung ins Rennen zu werfen, was sie auf eine Art macht, die in der LEIF ERIKSSON gar nicht auf Gegenliebe stößt. Aber schließlich ist danach das Vertrauen zwischen Bré und Kellmi hergestellt.
Während auf der einen Seite also nun diskutiert wird, ob die Neuen denn nun wie Morkhero Götter sind oder nicht, ziehen diese auf Erkundung aus und machen schnell einige ungewöhnliche Erfahrungen mit der Psi-durchsetzten Umwelt. Mehr per Zufall findet ein Kommando eine Ortungsboje, die von Morkhero stammen muß. Der Feind sitzt also auf der Lauer und muß nun aus seinem Versteck herausgelockt werden. Das geschieht auf sehr unangenehme Weise, denn Suchmannschaften entdecken auf einmal ein zerstörtes Kraverkerdorf und versuchen nun, den Überlebenden zu helfen. Morkhero hat offensichtlich von den Terranern unbemerkt zugeschlagen. Zudem ist es ihm gelungen, ein Besatzungsmitglied zu übernehmen, das ein Attentat auf Perry Rhodan verübt. Dies stellt sich im nachhinein aber als Fehler heraus, denn es ist genau dieses Attentat, das schließlich eine Spur ergibt. Es gelingt nämlich, herauszufinden, wann und wo die Übernahme geschehen ist. So wird Morkhero aufgestöbert. Doch er kann entkommen. In einem 180m durchmessendem Kugelraumer mit vielen Vertiefungen und Aufbauten macht er sich auf den Weg aus dem System und ist von den Terranern nicht aufzuhalten, die sich auch weigern, sein Schiff direkt anzugreifen.
Morkhero ist also entkommen, und die Zeit der Terraner auf Morbienne III ist somit auch abgelaufen. Es ist Zeit für Bré Tsinga, Abschied von Kellmi zu nehmen, mit dem sie in den letzten Tagen viel Zeit verbracht hat. Auch Perry Rhodan kommt, um sich von dem Hochschamaken zu verabschieden. Als Geschenk bringt er eine große Menge Fluut mit, das sie aus Morkheros Höhle retten konnten.
Auf dem Weg nach Hause fangen sie dann noch eine Nachricht von der Erde auf. Die Nachfolgerin von Kaif Chiriatha ist aus dem Pilzdom gekommen, um den 6. Boten zu treffen.

Am Ende dieses Romans haben wir nun zum allerersten Mal so etwas wie den Anfang einer Charakterisierung von Morkhero Seelenquell. Ein Kind, das schmollend in der Ecke sitzt und wütend ist, weil man ihm ein Spielzeug weggenommen hat, weshalb es sich nun an dem dafür Verantwortlichen rächen will. Ganz klar, der heißt Perry Rhodan.
Wie üblich stellen sich bei einem Roman wie diesem zunächst einmal mehr Fragen, als es Antworten gegeben hat. Zentral unter diesen scheint mir jene: Wer steckt hinter Morkhero Seelenquell? Wir wissen, daß es sich bei diesem um eine Geistesmacht handelt, die erst vor kurzem entstanden ist, und nun ist auch klar, daß das Bild eines Kindes bisher nicht zufällig gewählt wurde, sondern vielmehr sehr passend ist. Wer sind also die Eltern? Wer hat das Raumschiff gebaut, mit dem Morkhero in der Lage ist, dem technischen Wunderwerk LEIF ERIKSSON zu entkommen?
Die Arkoniden werden das nicht sein. Sie würden sich die Chance nicht entgehen lassen, diese Technik für ihre eigenen Schiffe zu verwenden, um Terra damit brutal und aggressiv in die Knie zu zwingen. Diese etwas diffizilere Strategie paßt im Moment nicht zu ihnen.
Also wird uns der Hintergrund wohl noch eine Weile beschäftigen. Morkhero ist erst einmal von der Bildfläche verschwunden, leckt seine Wunden, sinnt auf Rache und ist dabei, erwachsen zu werden.
Aber mal ganz ehrlich: Was kann gefährlicher sein als ein verletztes und wütendes Kind? (* Kommt auf die Kräfte des Kindes bzw. seiner Eltern an... will sagen: NOCH gefährlicher ist allerhöchstens seine Mutter. >:-))) Heike) Ich gehe mal davon aus, daß der Balg Mr. Rhodan noch einiges an Kummer bereiten wird. (* Und das, wo der doch schon mit seinen eigenen Bälgern genug Kummer... ääähhh... ;-) Heike) Schließlich bin ich aber immer noch überzeugt, daß Morkhero am Ende von den Monochrom-Mutanten zur Strecke gebracht werden wird. Frei nach dem Motto: Kinder gegen Kinder. (* Waaas? Nicht: "Einer für alle - alle gegen Einen?" Ist, glaube ich, der Leitsatz der Daltons gegen Lucky Luke... ;-) Heike)
Was bleibt auf Morbienne III zurück? In meinen Augen eine Susan Schwartz, die endlich mal wieder an ein Volk geraten ist, mit dem sie sich so richtig austoben konnte. Das heißt, eigentlich war es ja nur einer. Aber ich fand gerade die Ebene um Bré Tsinga und Kellmi am durchdachtesten und gelungensten geschrieben. Offen und ehrlich geht Bré mit dem Kraverker um (mal davon abgesehen, daß sie ihm verschweigt, daß sie eine Frau ist; aber ich denke, das ist in Bezug auf die unterschiedliche biologische Entwicklung der beiden Völker durchaus verständlich). Bré versucht auf recht geniale Weise, dem kleinen Kellmi ein paar Dinge über das Universum beizubringen, ohne ihn zu überlasten, und es ist kein Wunder, daß dieser am liebsten gleich die ganze Technik der Terraner für sich requirieren möchte. Bré muß ihm hier klarmachen, daß dies einfach nicht funktionieren würde. Auf dieser Ebene sind die beiden einander so fremden Charaktere extrem nachvollziehbar und in sich passend geschildert. Und generell wirkt der Roman im großen und ganzen sehr engagiert geschrieben. Zwar läuft alles doch recht direkt ab, aber immer wieder gibt es kleine Schlenker in der Handlung oder geschickt eingefügte Absätze, die ein wenig ablenken oder Spannung erzeugen sollen.
Abschließend will ich noch die Bemerkung einfließen lassen, daß bestimmt einige unverbesserliche Machos gerade an den Kraverkern ihre Freude gehabt haben werden. Man bedenke nur: Die Frauen sind dumm und sorgen für Essen und Nachwuchs... (* Ich fürchte, Du hast recht. Du könntest ja mal eine Umfrage starten, wieviele xy-Chromosomenträger es gibt, die davon überzeugt sind, daß weibliche Wesen nicht nur freudig putzen, kochen und Kinder kriegen, sondern was anderes gar nicht erst können... Du wärst mit Sicherheit über das Ergebnis erschüttert. Heike)

Fazit:
Endlich mal ein Roman, der nicht mit großer Technik zu überzeugen versucht, sondern vielmehr durch seine Charaktere. Die Handlung war zwar nicht umwerfend, aber wenigstens recht überzeugend geschrieben.
11 Punkte

Alexander Haas

Endlich einmal wieder kann Susan Schwartz ihre Stärken voll ausspielen, gelingt ihr ein gut zu lesender und schön charakterisierter Roman. Man merkt deutlich, daß ihr vor allem das Zusammenspiel zwischen dem Kraverker Kellmi und Bré Tsinga sehr gut gelegen hat, denn hier läuft der Roman zur Höchstform auf. Susan Schwartz schildert hier auf einfühlsame Weise das Zusammentreffen zweier Kulturen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten - den Terranern auf der einen und den frühkulturellen Kraverkern auf der anderen Seite.
Und hinzu kommt noch ein erster Charakterisierungsansatz zu Morkhero Seelenquell, der ebenfalls als äußerst gelungen bezeichnet werden muß. Hier kann man doch sehr gespannt sein, wie das noch weitergehen wird. Bis jetzt wird Morkhero jedenfalls mehr als störrisches Kleinkind geschildert (sehr gekonnt, wie ich aus eigener Erfahrung anmerken darf... <g>) - mit einer Macht, die ein Kleinkind eigentlich noch gar nicht haben dürfte. Du meine Güte, wenn der erstmal erwachsen wird... (* Das hab' ich über Eric auch schon mal gesagt... ;-) Heike)
Doch die Rätsel um die Herkunft Morkheros sind nach diesem Band sicherlich nicht kleiner geworden, denn hierzu erfährt der Leser leider nichts. Immerhin bleiben so weiterhin unzählige Möglichkeiten zur Spekulation offen. (Und irgendwie kann ich mich tatsächlich weiterhin gut mit der Spekulation anfreunden, daß es sich hier um die geistigen Überbleibsel Torr Samahos bzw. seines Volkes handelt. Mal sehen, was an dieser Spekulation dran ist - wahrscheinlich mal wieder nichts...)
Insgesamt bleibt hier eine zwar recht unspektakuläre Geschichte, die jedoch gekonnt und einfühlsam erzählt wird und ein paar erste Einblicke in Morkhero Seelenquells Psyche bietet. Von den Kraverkern werden wir jedenfalls wohl in der nächsten Zeit nichts mehr zu hören bekommen - und bis diese eine Entwicklungsstufe erreicht haben, die sie befähigt, von selber in der Handlung aufzutauchen, dürfte es die Perry Rhodan-Serie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr geben (so in ein paar tausend Jahren)... Schade eigentlich, denn dieses Völkchen liegt Susan Schwarz nun wirklich bestens.

Fazit:
Mit Ausnahme der ersten Erkenntnisse über Morkhero Seelenquell bleibt "Das Fluut von Yuna" ein zwar recht unspektakulärer, dafür jedoch umso einfühlsamer beschriebener Roman. Gerade die Szenen um Bré Tsinga und Kellmi gehören zu den wirklich Highlights, die das Lesen zu einem Vergnügen machen.
12 Punkte.

Winfried Brand

Hier findet dann das statt, was im letzten Roman eigentlich vorbereitet werden sollte. Die Terraner landen auf dem Planeten und jagen den Seelenquell. Susan Schwartz ist bemüht, eine saubere Handlung aufzubauen, und es gelingt ihr auch recht ordentlich. Die Autorin präsentiert einen recht achtbaren Band, wobei jedoch die erwartete "Action" fast völlig ausbleibt. Da ist man gelandet und schaut sich halt um.
Die Kontaktaufnahme zu den Kraverkern wird gut in Szene gesetzt. Bré Tsinga als Kosmopsychologin kann hier wieder einmal glänzen. Das Ganze erinnert schon fast an Jean-Luc Picard und seine peinlich genaue Beachtung der Ersten Direktive. Die Terraner haben sich früher zwar nicht um so etwas gekümmert, aber da macht sich wohl der Zeitgeist bemerkbar.
Morkhero kann jetzt plötzlich selbst Paratronschirme mühelos überwinden. Wie das genau funktioniert, dazu lese man den PR-Kommentar. Aber woher wissen die Terraner das plötzlich? Nach Mutmaßung des Rezensenten war es wohl Aufgabe des vorhergehenden Romans, solche Dinge vorzubereiten. Das ist aber leider nicht geschehen.
Es kommt (einmal mehr) zu einem Attentat auf PR. Irgendwie hat dieser Seelenquell es auf den Terraner abgesehen. Erste Einzelheiten über Morkhero werden enthüllt. Man weiß jetzt, wie er aussieht, aber das muß nichts zu bedeuten haben. Auch auf der LKS wird schon spekuliert, wer hinter diesem Wesen steckt, und einmal mehr fällt hier der Name "Torr Samaho".
Wahrscheinlich ist es noch zu früh, hier eine weitergehende Aussage zu machen, doch das wäre eine geschickte Möglichkeit. Der Epilog jedenfalls ist gelungen: Hier deutet sich an, daß Morkhero erst am Beginn seiner Entwicklung steckt, quasi im Kinderstadium. Wenn es sich bei diesem Wesen um die mentale Substanz Torr Samahos handelt, die sich irgendwo wieder manifestiert hat, könnte das hinkommen. Doch war der eigentlich tot???
Die erwartete direkte Konfrontation zwischen den Terranern und Morkhero fällt jedoch (leider) aus, denn als man Morkheros Raumschiff findet, ergreift dieses mit irrsinnigen Beschleunigungswerten die Flucht.
Perry Rhodan hat hier wieder einmal Skrupel. Man könnte doch versuchen, das Schiff mit den schweren Waffen der LEIF ERIKSSON abzuschießen. Aber nein! Befinden sich Gefangene an Bord? Bringt man möglicherweise Unschuldige um? Ob das bei einer solchen Bedrohung noch ernste Überlegungen sind, darf bezweifelt werden. Immerhin hat Morkhero schon mehrfach versucht, PR zu töten. Rhodan scheint in der letzten Zeit ohnehin nicht sehr konfliktfreudig zu sein. Auch der Rezensent wünscht sich keine bluttriefende SF nach dem Motto: "Erst schießen und dann fragen", aber etwas mehr Entschlußfreudigkeit würde man sich vom Hauptprotagonisten der Serie schon erhoffen. Denkt man an PR 1999, wo der Held quasi im Vorübergehen gleich ein ganzes Universum rettet (und zwar im Wortsinn), dann wirkt diese Entwicklung irgendwie müde und für den führenden Politiker der LFT doch ziemlich unpassend. Daß man dann aber nicht in der Lage ist, das Schiff Morkheros durch den Hyperraum zu verfolgen, enttäuscht doch etwas. Um die Ebene wieder aufzugreifen, brauchen die Terraner neue Ansatzpunkte, was heißt, sie müssen wieder einmal warten, bis der Seelenquell erneut aktiv wird. "Verschieben wir die Konfrontation auf später, es muß für den Rest des Zyklus auch noch etwas bleiben." So bleibt bei diesem Handlungsstrang der Eindruck: Die Ereignisse kommen nicht so recht vorwärts. Zusammen mit 2010 gesehen, hätte ein Roman auch hier locker ausgereicht.

Fazit:
Ganz in Ordnung für den ersten Einsatz gegen Morkhero. Guter Durchschnitt, aber ganz ehrlich: Ich warte auf die Neue USO. (* NUSO? ;-) Heike)
8 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

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