Frank Herbert:

"Der Wüstenplanet"

(Jubiläums-Edition 40 Jahre Heyne Science Fiction)
OT: Dune
Ü: Ronald M. Hahn
USA 1965
Mit einem Vorwort von Norman Spinrad (Ü: Erik Simon)
(875 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/8212, ISBN 3-453-16420-2, DM 20,-)
- erschienen: April 2000 -

Teilweise infolge von Machenschaften des Hauses Harkonnen und seines Führers, des Barons Wladimir Harkonnen, verleiht der Padischah-Imperator, Herrscher des interstellaren Sternenreiches der Menschen, dem Haus Atreides mit seinem Führer, Herzog Leto Atreides, den Wüstenplaneten Arrakis zum Lehen. Arrakis ist eine lebensfeindliche und doch äußerst begehrte Welt, denn einzig und allein in ihren Dünenfeldern wird das "Gewürz", die "Melange", angebaut. Hierbei handelt es sich um eine psychoaktive Droge, dank der die Navigatoren der Raumgilde ihre Schiffe schneller als Licht durch eine Art Hyperraum steuern können und so den Zusammenhalt des feudal und quasi mittelalterlich organisierten Reiches bewahren.
Bei der ganzen Aktion handelt es sich um eine Intrige, bei der die Harkonnens insgeheim vom Imperator unterstützt werden. Sie wollen die Atreides, ihre Todfeinde, ausschalten und selbst die Kontrolle über Arrakis und das Gewürz erlangen.
Harkonnen-Söldner landen auf Arrakis, und ein Krieg beginnt. Leto Atreides wird ermordet, und seine Armee fällt einem tödlichen Hinterhalt zum Opfer. Die Harkonnens übernehmen die Macht über den Planeten. Letos Sohn und Erbe Paul flieht mit seiner Mutter Jessica in die unendlichen Wüsten des Planeten, wo sie von den Ureinwohnern, den Fremen, aufgenommen werden. Die Fremen sind ein beduinenähnlicher Stamm, der gegen die Unterdrückerherrschaft der Harkonnens kämpft. Paul Atreides gelingt es schließlich, zum Führer der Fremen aufzusteigen. Er sammelt sie um sich und beginnt einen gnadenlosen Rachefeldzug.

Was soll man zu diesem Roman anmerken? Die meisten SF-Leser werden ihn ohnehin kennen; viele andere werden zumindest den Film gesehen haben. Dieser rafft die Handlung zwar, vor allem, was die Komplexität angeht, auf einen Kern, bietet aber immer noch nachhaltige Eindrücke dieses Kosmos.
Der Roman "Dune" stammt aus dem Jahr 1965, wird aber nach wie vor als einer der besten SF-Romane aller Zeiten angesehen. Der Roman wurde sowohl mit dem Nebula Award als auch mit dem Hugo Gernsback Award, den beiden bedeutendsten US-amerikanischen SF-Preisen, als bester Roman des Jahres ausgezeichnet. Wohl zu Recht. Heyne legt das Werk im Rahmen einer Jubiläumsedition "40 Jahre Heyne Science Fiction" neu auf. Die Ausstattung ist opulent: Neben einem erstklassigen, neuen Titelbild gibt es ein umfangreiches Vorwort von dem selbst nicht gerade unbekannten SF-Autor Norman Spinrad, der etliche Aspekte des Romans neu beleuchtet und einige neue Fakten (u. a. zur Entstehungsgeschichte des Romans) bringt, die in dieser Form nicht jedem Leser bekannt sein dürften. Der sowohl vom Umfang her beeindruckende als auch in der Sache äußerst nützliche Anhang umfaßt mehr als 60 Seiten und bietet zahlreiche Detailinformationen, z. B. zur Okölogie des Wüstenplaneten und zur Religion, kurze Lebensläufe der wichtigsten Hauptpersonen, eine zum schnellen Nachschlagen nützliche Erklärung oft verwendeter Begriffe sowie eine Karte der Schlüsselregion des Planeten samt Erläuterungen.
Das Buch umfaßt alles in allem mehr als 870 Seiten und ist mit 20,- DM für ein Taschenbuch preislich adäquat. Inhaltlich (samt Anhang) entspricht es bis auf das Titelbild und das Vorwort einer älteren Ausgabe, bietet also für diejenigen, die "Dune" schon in ihrem Regal stehen haben, nichts wirklich Neues.
Mit diesem Werk, das später um einige Fortsetzungen erweitert wurde, schuf Frank Herbert eine atemberaubende Welt: Bei den plastischen Schilderungen der unendlichen Wüsten von Arrakis wird man unwillkürlich an die überwältigenden Panoramabilder aus dem Filmklassiker "Lawrence von Arabien" erinnert. Doch "Dune" ist weit mehr. Die Handlung ist facettenreich und spielt in einem detailliert ausgearbeiteten Kosmos mit farbenprächtigen Kulturen, bei denen der Autor auf viele Nuancen eingeht, bis hin zu Ökologie, Religion usw. Vieles wird in Einzelheiten beschrieben; es gab (ebenfalls vom Heyne-Verlag) sogar ein zweibändiges Lexikon mit kompletter Hintergrundgeschichte.
Wer sich auch nur entfernt für Science Fiction interessiert, kommt um dieses Buch nicht herum. Perfekte Unterhaltung und ein absolutes Muß. (Wie oft hab ich "Dune" jetzt eigentlich schon gelesen?) Auch wer "nur" an reiner "Space Opera" interessiert ist, wird es mögen. (Wobei gerade der Begriff "Space" wohl eher unangebracht ist, denn die Handlung spielt fast ausschließlich auf dem Planeten - aber es ist halt ein Gattungsbegriff.)

Fazit:
Nicht umsonst ein Meilenstein der SF.
15 Punkte

Hans-Joachim Kleimann


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