Band 2013: "Sternvogels Geheimnis"

Autor: Hans Kneifel

Akellm da Premban spielt den reichen Adeligen, der erfolgreich an einer der wichtigsten arkonidischen Shows teilnimmt, die im gesamten Kristallimperium ausgestrahlt werden. Unter dieser Identität ist er Sternvogel, der meistgesuchte "ausländische" Agent, der sich auf Arkon aufhält. Sein Brötchengeber: die neue USO.
Auf Arkon selbst unterhält er eine Agentur, hinter der sich sein Einsatzteam versteckt. Einsatzziel auf Arkon: das Golkana-Gefängnis, in dem ein prominenter ausländischer Gefangener stecken soll. Was liegt näher, als dort Reginald Bull zu vermuten?
Akellm da Premban versucht nun, an die Leiterin des Gefängnisses, Endra da Kimbarley, heranzukommen. Diese ist äußerst attraktiv, hat aber einen angeblich sehr eifersüchtigen Ehemann. Ansonsten lebt sie zumeist einsam in einer luxuriösen Wohnung in dem großen Gefängnis.
Nachdem Akellm aus einem Teil der Show siegreich hervorgeht, gelingt es ihm, auf einem Ball die Bekanntschaft der Lady zu machen. Seine Aufgabe wird sehr dadurch erleichtert, daß sein Herz beim Anblick der adeligen Arkonidin ganz weich wird. Aber auch sie kann sich nicht lange beherrschen, und so scheinen die beiden wie füreinander geschaffen zu sein. Schnell lädt sie ihn auch ein, sie in ihrer abgeschiedenen Bleibe zu besuchen.
Zuvor muß er sich aber noch um die letzte Prüfung der Show kümmern, ein großes Rennen, für das er und sein Team zunächst einmal einen Wagen brauchen. Zum Glück hat Akellm einen Stellvertreter, der ihm ähnlich sieht, und so kann er sich bei dem einen oder anderen Anlaß doubeln lassen.
Dann aber geht es ab ins Liebesnest zu Endra, und schnell haben die beiden entdeckt, daß in ihnen die Flamme der Leidenschaft lodert. Und doch steckt in Akellm auch noch immer Sternvogel. So gelingt es ihm, die eine oder andere Information über das Gefängnis zu erhalten. Zwar schafft er es nicht, an Bull heranzukommen, aber sein Team bekommt dennoch eine ganze Menge zum Analysieren.
Aber die werte Endra da Kimbarley ist auch nicht ganz ohne. Kurz vor dem großen Rennen entdeckt sie, daß Akellm an ihren Computern herumgespielt und sie anscheinend nur benutzt hat. Sie reagiert ihrem Stand als altarkonidischer Adel angemessen: Sie heuert einen Killer an, der Akellm während des Rennens erledigen soll. Leider nimmt dieser aber gar nicht teil, sondern schickt sein Double, das nun am Ende spektakulär ins Gras beißen muß. Während des Rennens hat Sternvogel nämlich noch einen Besuch in Madames abgeschiedener Wohnung vor. Hier durchforstet er die Computer nach Spuren, nachdem er einen harten und blutigen Kampf mit Endras "Schoßkatze" hinter sich gebracht hat.
Danach schleppt er sich wieder zu seinem Team, das in Gedenken an den toten Kameraden reichlich deprimiert von dannen zieht.

So, das war also der lang angekündigte "Gastauftritt" von Hans Kneifel. Daß es sich dabei um einen Arkon-Roman gehandelt hat, dürfte niemanden überraschen; daß der Inhalt recht abgeschlossen innerhalb des Zyklus steht, war wohl auch ziemlich klar. Aber das war bei einem Gastroman auch nicht anders zu erwarten, und es ist ja auch keinesfalls ein negatives Qualitätsmerkmal. Die Essenz dürfte sein, daß aufgrund Sternvogels Daten nun endlich eine Aktion losgehen kann, die Bull aus seiner augenblicklichen Zwangslage befreien soll. Zwar hat man noch keine wirkliche Ahnung, was dann da genau passieren wird, aber das ist jetzt wohl auch noch nicht wichtig. Auf diese Weise hat sich der Roman also gut und passend in die Handlung eingefügt.
Inhalt war - einmal mehr - das Agentenmilieu, nur daß diesmal die Arkoniden dran waren, nachdem sie ja bisher demonstrieren durften, wie man sich am besten vor der gesamten galaktischen Öffentlichkeit so richtig schön lächerlich macht.
Hans Kneifel präsentiert uns einen durchweg recht schnellen Roman, mit Action, Intrige und Liebe, also das volle Agentenpaket; in meinen Augen routiniert geschrieben und flüssig und recht spannend zu lesen.
Dennoch gibt es aber ein paar Punkte, die mir dann doch ein wenig aufgestoßen sind. Ich gebe ja zu, daß man in einem Perry Rhodan Band nicht gerade einen gigantisch großen Agenten-Thriller plazieren kann; und doch ging mir das "Verlieben" zwischen Endra und Akellm ein wenig schnell. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind sie sich noch nie in ihrem Leben begegnet und kennen sich nur von Bildern und Aufzeichnungen. Und doch brauchen sie nur ein paar Minuten, um zu erkennen, daß auch das Gegenüber sich unsterblich in den anderen verliebt hat. Zudem frage ich mich, wo denn hier ein eifersüchtiger Ehemann zu spüren gewesen sein soll? Der taucht erstmal so gut wie gar nicht auf, läßt seine extrem attraktive Frau wochenlang allein und läßt sich dann mit einem Satz abspeisen, als er dann doch einmal nachfragt. Zeigt sich Eifersucht aber nicht gerade durch einen Mangel an Vertrauen? Das konnte ich dann doch eher weniger nachvollziehen.
Aber allgemein bleiben die Charakterisierungen doch eher etwas am Rande. Das liegt vermutlich daran, daß einfach nicht der Raum da ist, denn bei der ganzen Handlung muß zwangsläufig etwas unter den Tisch fallen. Vielleicht hätte man ein wenig beim Rennen sparen können.
Zwar tauchen hin und wieder ein paar Züge der Mehrseitigkeit auf, z.B. bei Sternvogel, der zwischen seinem Auftrag und seiner Liebe ein wenig hin- und hergerissen ist. Doch macht er sich ständig Gedanken über die Unversehrtheit seines Teams, und die anderen Sachen treten eher in den Hintergrund. Im Zusammenhang mit den Charakteren fand ich Endras Reaktion auf Akellms "Verrat" aber sehr spaßig, und ihre Reaktion war ganz so, wie ich sie von einer Vertreterin ihrer Position erwartet hätte.

Fazit:
Ein netter Roman, der gut zu lesen ist, aber doch nicht ganz zu überzeugen vermag. Vieles ist nur im Ansatz vorhanden, und so bleibt ein eher durchschnittlicher Eindruck.
8 Punkte

Alexander Haas

Das war also nun der langerwartete Gastroman Han(n)s Kneifels, der nach rund 17 Jahren Abstinenz noch einmal zugeschlagen hat.
Man merkt diesem Roman an, daß Kneifel sich immer noch recht gut in der Materie auskennt und auch durchaus den Überblick über die neuere Entwicklung der Serie hat. Und daß er für seinen Gastroman natürlich eine Handlung auf Arkon bekommen würde, war eigentlich schon von vornherein vollkommen klar.
Der Altmeister zeigt dann auch gekonnt, wie man einen Roman gut schreiben kann. "Sternvogels Geheimnis" ist stilistisch sicherlich als sehr gut zu bewerten (aber wen wundert dies schon - wenn man sich Kneifels Romane aus den letzten 15 Jahren so ansieht, merkt man dies ja auch hier schon sehr stark).
Auch inhaltlich hat die Exposé-Redaktion diesen zweiten Gastroman innerhalb der PR-Serie stärker an die laufende Handlung geknüpft, als dies noch bei Andreas Eschbach der Fall gewesen ist. Hans Kneifel darf hier die Grundlagen für die Befreiungsaktion Bullys legen - und er macht dies in einem Roman, dem es weder an Action oder Intrigen noch an der Liebesgeschichte fehlt. In dieser Hinsicht, und auch stilistisch, ist "Sternvogels Geheimnis" sicherlich als hervorragend zu bewerten.
Ein kleines Detail stört jedoch den ansonsten positiven Eindruck: Wieso schreibt Hans Kneifel einen Roman gleich zweimal? Handlungsmäßig erinnert dieses Heft jedenfalls sehr stark an Kneifels zwei Beiträge zum Traversan-Zyklus - hier sind deutlich Versatzstücke aus beiden Roman wiederverwertet worden. Akellm da Premban könnte man durchaus auch durch "Atlan" (Traversan Heft 5) oder "Timberkan da Copper" (Traversan Heft 11) ersetzen, während Endra da Kimbarley auch schon mal in der Rolle der "Imperatrix Siamanth" zu lesen war. Zumindest entsteht ein starker Eindruck davon...
Aber dies schmälert den durchweg positiven Eindruck dieses Roman nicht allzu stark, da Kneifel auf allen anderen Gebieten gekonnt zu überzeugen weiß. Seine Charakterzeichnungen sind sehr gut, und auch die Handlungsbeschreibung ist gekonnt.
Handlungsmäßig ist jedenfalls jetzt in den nächsten Bänden wohl so langsam die "Aktion Bully" im Kommen. Mal schauen, was man sich hierfür ausgedacht hat. Daß die USO gegenüber den Arkoniden die besseren Agenten hat, hat man mit diesem Roman jedenfalls sehr deutlich gesehen - denn hier geht es überlegt zur Sache und nicht so überstürzt und laienhaft wie in einigen anderen Heften, in denen die Arkoniden auf Terra zugange waren.

Fazit:
Ein gelungener Roman, hervorragend geschrieben, der jedoch ein wenig an dem Mangel von Originalität krankt. Aber trotz allem eine interessante Geschichte.
12 Punkte.

Winfried Brand

Es sieht so aus, als würden der Serie die Gastautoren bekommen.
Nach dem äußerst beeindruckenden Band von Andreas Eschbach liegt hier der zweite "Gastroman" vor. Die Anführungszeichen sind in diesem Fall angebracht, war Hans Kneifel doch fünfzehn Jahre lang Stamm-Autor bei Perry Rhodan, ist also nur schwerlich als Gastautor zu bezeichnen. Auch wenn sein letzter Roman mit der Nummer 1119 schon mehr als siebzehn Jahre zurückliegt, blieb er durch die Bearbeitung der Atlan-Hardcover "im Stoff" und dürfte die Serie auch weiterhin aufmerksam verfolgt haben. Jedenfalls bleibt dieser Eindruck nach der Lektüre des Bandes.
Daher überrascht auch nicht, daß man diesen Autor so eng in die Haupthandlung eingebaut hat. Mit Andreas Eschbach (der im übrigen einen herausragenden Roman verfaßt hat), war das wegen der fehlenden Detailkenntnisse sicher nicht möglich.
Es ist, als wäre Hans Kneifel nie weggewesen. Das ist schon mehr, als man bei der derzeitigen durchschnittlichen Leistung einiger anderer Autoren sagen kann. Er hat es sogar geschafft, sich deutlich zu steigern. Es wäre natürlich Unsinn, jetzt die alten Hefte wieder hervorzukramen, um nachzuschauen. Mir ist Hans Kneifel als solide, aber nie auffällig (weder gut noch schlecht) in Erinnerung, und das mag reichen. Spontan kann ich jedenfalls keine PRs aus seiner damaligen Zeit nennen, die mir in Erinnerung geblieben sind (bei William Voltz wäre das anders).
Atmosphärische Dichte, gute Charaktere und eine durchdachte und ausgeführte Handlung kennzeichnen den Roman. Erwähnenswert ist auch Hans Kneifels sicherer und fehlerloser Umgang mit der nicht immer ganz einfachen serieneigenen Terminologie, voran die spezifischen arkonidischen Begriffe. Das darf jedoch nicht verwundern, hat der Autor doch zum noch nicht so alten "Traversan-Zyklus" zwei Bände beigesteuert. Irgendwie erinnert dieser Band auch frappierend an die TRAVERSANs...
Die USO hat nicht nur, wie man erwartet hätte, einen einzigen oder ein paar Agenten auf Arkon, sondern insgesamt 220, davon 40 in einem komplett eingerichteten Stützpunkt. Das ist für die Organisation leicht übertrieben. Der strahlende Held ist zweifelsfrei eine perfekte James Bond-Kopie (selbst beim Poppen denkt der Mann immer noch an seinen Auftrag), aber etwas anderes war auch nicht zu erwarten. Amüsant war es allemal, auch wenn hier wieder sämtliche Klischees bedient wurden (was jedoch dem Ganzen in keiner Weise abträglich war).
Ein Problem taucht allerdings auf, das die Ausgangslage für die nachfolgende Befreiungsaktion nicht gerade leichter macht: Der Agent hat zwar wichtige Informationen gesammelt, aber leider auch eine Spur hinterlassen - wie der berüchtigte Elefant im Porzellanladen. Die Arkoniden sollten gewarnt sein. Da kommt einiges auf das NUSO-Befreiungskommando zu. Da nach Aussagen Arndt Ellmers auf der LKS Roi Danton im folgenden Roman eine Rolle spielt (Arndt Ellmer muß es wissen, denn Band 2014 stammt von ihm), darf man auf die Fortsetzung gespannt sein. Die hätte man sich ebenfalls von diesem Autor wünschen können, doch ein Doppelband war wahrscheinlich nicht drin.

Fazit:
Der Altmeister beherrscht sein Metier noch immer bestens. Er hält mit seiner Leistung auch einem Vergleich mit den derzeitigen Glanzlichtern des Teams mühelos stand. Ein hervorragender Band, kurzweilig, ohne größere Längen, flüssig erzählt. Die positive Überraschung des bisherigen Zyklus, weil so nicht erwartet.
14 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

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