100 Jahre Science Fiction

(Classic Films - Classic TV)

Magazin, Softcover, 84 Seiten, 9,80 DM
Herausgeber: Highbury House Communications PLC/Starlog
- erschienen: März 2000 -

Vom Cover blicken dem Betrachter u.a. Godzilla, Darth Vader, Mad Max, Spock sowie Scully und Mulder entgegen. Das weckt Interesse, was auch für die auf dem Cover genannten Film- und Serientitel gilt.
Blättert man durch das Magazin, fallen einem ein zwar gediegenes, aber ausreichendes Layout auf sowie viele Bildchen; meistens zwei je Film oder Serie. Zu sehen gibt es also auch genug.
Ist es aber möglich, auf nur 84 Seiten 100 Jahre SF in Film und TV erschöpfend zu behandeln? Nun, die wichtigsten Filme und Serien sind dabei. Dieses Magazin soll einen Überblick geben, und dieser Aufgabe wird es gerecht.
Von der Stummfilmzeit über Frankenstein führen die Autoren u.a. zu folgenden Filmen und Serien: Time Tunnel, Doctor Who, Red Dwarf, Formicula, Die Fliege, Planet der Affen, Kampfstern Galactica, Blade Runner, Der Wüstenplanet, Total Recall, Contact.
Alle Klassiker der SF-Film- und -Serien-Historie werden in leider oft zu kurzen Artikeln vorgestellt. "Star Trek" und "Star Wars" bekamen jeweils eine eigene ausführliche Rubrik. Mit Akira und Ghost in the Shell wird auch an die Anime-Fans gedacht. Und aktuell ist das Magazin auch, denn Matrix und der letzte "Star Wars"-Film werden ebenfalls erwähnt.
Nicht unbedingt nachvollziehbar ist die Erwähnung einiger hierzulande eher weniger bekannter Produktionen, wie z.B. The Lathe of Heaven, The Greatest American Hero, Captain Video, Space Patrol.
Daß dies alles durchaus sachkundig ist, lassen auch die Quellenangaben vermuten. Hier werden hauptsächlich die verschiedenen STARLOG-Magazine genannt, aber auch andere interessante Sekundärliteratur, aus denen Zitate, aber anscheinend auch ganze Texte (wohl vor allem aus STARLOG) übernommen wurden, was die verschiedenen Autoren erklärt.

Um einen Überblick über 100 Jahre SF in Film und TV-Serie zu bekommen, scheint dieses Magazin also geeignet und empfehlenswert zu sein.
Allerdings gibt es da einige Probleme. Erstens wäre da die Tatsache, daß die Texte einen Lektor nicht mal aus der Ferne gesehen haben. Da fehlen also schon mal Buchstaben oder gar Worte.
Erstaunlich auch die Silbentrennung: Entweder gibt es diese gar nicht, was zu großen Lücken in Zeilen oder Worten führt. Oder es gibt sie, dann aber häufig falsch, z.B. Mil-itärstützpunkt. (* Derart dümmliche Trennungen könnten inzwischen sogar erlaubt sein... Heike)
Ärgerlich ist, daß in den Überschriften immer der englische Film- oder Serientitel steht. Man erfährt erst im Text den deutschen Titel.
Und ein absoluter Hammer ist die Übersetzung. Ein Übersetzer ist nicht angegeben, was auch nicht verwundert; liest man nämlich die Texte, kann man aufgrund einiger kurioser Formulierungen nur zu einem Schluß kommen: Hier war ein Übersetzungsprogramm am Werk! Nun ist der größte Teil der Artikel von dem Programm schon gut übersetzt worden, fast alles ergibt einen Sinn. Aber eben nur fast alles. Wenn die Software aber schon damit Probleme hat, bestimmte englische Formulierungen so zu übersetzen, daß sie auch im Deutschen noch Sinn machen, dann darf man auch allgemein am Informationsgehalt der Texte zweifeln. Das wird ganz besonders deutlich bei der Behauptung auf Seite 45, daß Zefram Cochrane den Zeitsprung erfunden hätte. Er erfand natürlich den Warpantrieb.

Hier nun einige der schönsten Übersetzungs-Fakes (teilweise nur Satzfragmente):

"(...) und intergalaktischen Tollkühnheiten - und das Jahre bevor George Lucas mit den Mücken flog." (S. 6, Flash Gordon)

"Ein Raumschiff kehrt minus zwei Mitglieder seiner 3-Mann-Crew (...)" (S. 25, The Quatermass Experiment)

"Er machte diesen Film mit einem Budget und niemand ahnte, (...)" (S. 28, The Time Machine) [Natürlich mit einem Budget, womit auch sonst? Aber wie hoch war es denn nun?]

"Die kahlen Glühbirnen in dunklen Treppenhäusern und bedrohliche Umstehende in langen Fluren verstärken Cautions Paranoia und lösen nostalgische Gefühle für die Tropen des vergangenen Genre noir aus." (S. 32, Alphaville) [Diesen Satz muß man sich auf der Zunge zergehen lassen... und sich dann weglachen.]

"Die Handlung ist eine Art Soft-Porno/ S & M Herz der Finsternis (...)" (S. 34, Barbarella)

"(...) erkannten Produzent Harve Bennett und Nimoy, dass eine Tollerei ein wahres Trek-Tonic sein könnte." (S. 43, Star Trek IV: The Voyage Home)

"James Doohan kaut mit Gusto an den Kulissen, während Scotty Informationen über die Zukunft einhandelt, um den Walen einen vorläufigen Unterschlupf zu bauen." (S 43, Star Trek IV: The Voyage Home) [Very Big GRIN]

Es gibt noch viel mehr solcher Übersetzungs-Fakes zu entdecken, aber das mag reichen, um aufzuzeigen, daß die Übersetzung Schrott ist. Es zeigt, daß die entsprechenden Programme noch längst nicht soweit sind, gute Arbeit zu liefern. (* Vor allem wird bei sämtlichen derartigen Programmen die Zeichensetzung stark zu wünschen übriglassen. Wie will man einer Maschine erklären, daß im Deutschen ein Komma an eine Stelle muß, wo im Englischen nicht nur keines vonnöten war, sondern latürnich auch keins stand??? Die reduzierten Regelungen der neudeutschen Schlechtschreibung nützen da auch nicht mehr viel... Heike)
Für dieses im Ansatz interessante Magazin bedeutet es eine massive Abwertung, da der korrekte Informationsgehalt der Texte eben durch die schlechte Übersetzung stark angezweifelt werden muß.

Noten:
8 (für den Versuch)

1 (für das Ergebnis)

15 (für die lustigen Übersetzungs-Fakes)

© 04/2000 by Kuno Liesegang

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