(Die Krondor-Saga 1)
(Ein Midkemia-Roman)
OT: Krondor the Betrayal. Book One of the Riftwar Legacy
Ü: Susanne Gerold
USA 198
(504 Seiten, Taschenbuch, Blanvalet 24914, ISBN 3-442-24914-7, DM
17,90)
- erschienen: März 2000 -
Junker
Locklear, von Prinz Arutha in den Norden strafversetzt, rettet den
Dunkelelben Gorath, der von seinem Volk als Verräter gejagt
wird. Gorath hat eine Botschaft an Prinz Arutha: Die Dunkelelben
sammeln sich unter Delekhan und haben vor, Sethanon zu stürmen.
Sie vermuten dort Murmandamus und wollen ihn befreien.
Zusammen mit dem Magier Owyn bricht Locklear nach Krondor auf.
Während ihrer Reise werden sie in Vorkommnisse verwickelt, die
alle irgendwie miteinander zu tun haben. Offenbar steckt hinter
Delekhan weit mehr, als es zunächst den Anschein hat.
Und während Locklear versucht, sich der herannahenden
Streitmacht der Dunkelelben zu erwehren, versuchen Gorath und Owyn
herauszufinden, wer hinter Delekhan steckt...
Raymond Feist mag zwar "in der Tradition von Tolkien stehen"
(Klappentext), sein Talent hat er sicher nicht geerbt.
Es könnte eine Geschichte sein, die Spaß macht. Es geht um
Verrat, Treue und heroische Heldentaten - also alles, was den
Fantasyleser glücklich macht. Leider schafft der Autor es nicht,
diese Geschichte spannend zu erzählen. Feists Helden stolpern
orientierungslos und ohne erkennbaren Antrieb durch den Roman. Gut,
der Leser weiß, es geht um Delekhan und um die Abwendung dieser
Bedrohung, aber warum die Helden dieses Ziel nicht konsequent
verfolgen und sich des öfteren regelrecht verzetteln, bleibt ein
Rätsel. Es gibt zu viele Nebenhandlungen, durchaus nett und
gefällig erzählt, die den Roman jedoch nur aufblähen.
Zu zufällig sind diese Einzelepisoden aneinandergereiht. Es ist,
als hätte Feist mehrere Kurzgeschichten zu einem Paket
verschnürt und mit verbindenden Texten versehen. Das kann
funktionieren, muß aber nicht.
Mancher Roman wird durch seine Charaktere gerettet. Dieser jedoch
nicht. Die Hauptpersonen bleiben verschwommen, leblos und flach. Sie
haben weder Ecken noch Kanten, begeistern den Leser nicht, sondern
lassen ihn gleichgültig. Je weiter der Leser in der Handlung
kommt, desto mehr vermindert sich der Anreiz, den Roman bis zum Ende
durchzulesen. Weder Locklear noch seine Gefährten bleiben dem
Leser nach dem Zuklappen des Buches in Erinnerung. Dabei gibt es gute
Ansätze, Nebenfiguren wie der Magier Patrus zeigen, was Feist
leisten kann. Und damit haben wir noch ein weiteres Problem: Feist
kann seine Figurenfülle nicht so recht bändigen,
überlädt die Handlung mit ihnen. Das verwirrt.
Fazit:
Leider eine Enttäuschung auf der ganzen Linie. Weder die
Geschichte noch die Charaktere vermögen zu überzeugen. Ab
und an gibt es ein Aufflackern von Erzählkunst, das jedoch
schnell wieder verlischt.
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