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Tja, das war dann doch bei weitem schon wieder etwas
anderes als der letzte Band.
Nun gut, auf den Einstiegsband von Ronald Hahn war ich
natürlich schon recht gespannt, ist dieser doch nun
beileibe kein Unbekannter - und er hat die recht
hochgesteckten Erwartungen durchaus erfüllen
können.
Dies macht sich auch vor allem im stilistischen Bereich
bemerkbar, in dem Ronald M. Hahn anders als seine Kollegen
einen eher etwas sachlicheren und erklärenderen Stil
verwendet, der jedoch keineswegs schlechter zu lesen ist,
sondern statt dessen beim Leser eher das Gefühl
hervorruft, daß das SF-Element hier etwas mehr im
Vordergrund steht - bzw. zumindest gleichwertig mit den
anderen Bereichen daherkommt. Dadurch verliert der Roman
zwar vielleicht ein wenig in seiner emotionalen Wirkung,
gewinnt jedoch an Realismus und zumindest in meinem Fall
auch an Interesse und Spannung. Denn hierdurch wird der
Roman wie die Welt nachvollziehbarer, kann sich der Leser
besser in die Welt und das, was hinter ihr steht,
hineinfinden. Und eine Serie, die als Genre-Mix aus SF,
Fantasy und Horror ausgelegt ist, braucht halt auch ein
wenig realistische Schilderung.
Aber nun zum eigentlichen Inhalt des Romans:
Hier gefällt vor allem, daß Maddrax nicht einfach
pistolenschwingend durch die Gegend rennt, sondern sich
statt dessen einen Plan zurechtlegt - wobei das
"Pistolenschwingen" natürlich auch in den letzten
Bänden nicht so direkt vorhanden war; allerdings wurde
der gute Matt in den letzten Romanen doch mehr von den
Ereignissen überrannt, als daß er wirklich selber
etwas dazu beigetragen hätte. Hier jedoch reagiert Matt
nicht nur, sondern er agiert auch, legt sich Pläne
zurecht und handelt dann nach diesen. Ob diese dann nun auch
klappen, steht dabei natürlich auf einem ganz anderen
Blatt...
Für den Stammleser der Serie ist die Handlung dieses
Heftes jedoch manchmal ein wenig arg durchschaubar. So ist
natürlich sofort klar, wer sich hinter "Jacobo"
verbirgt, da man spätestens mit der Verwendung eher
technischen Vokabulars einen der "Zeitreisenden" als hinter
den "Nosfera" stehend vermutet. Daß dies dann nun
Smythe ist, ist keine große Verwunderung, paßt
dies alles doch recht gut zu seinem bisherigen Charakter.
Jedoch hätte ich mir hier vielleicht noch
gewünscht, daß die Ereignisse, die zwischen der
Eisspalte und den Nosfera liegen, ein wenig beleuchtet
worden wären. Allerdings - was nicht ist, kann ja noch
kommen. Denn daß Smythe so einfach den Löffel
abgegeben hat, glaube ich noch nicht so richtig. Immerhin
könnte ihm als Wissenschaftler durchaus noch ein Trick
eingefallen sein, der "Schnecke" zu entkommen - und sein Tod
wurde ja auch nicht direkt geschildert, eher wirkt sein
Abgang fast schon wie eine geplante Flucht auf bekannten
Wegen. Aber dies wird die Zeit, bzw. die nächsten
Romane wohl zeigen...
Minimal trüben jedoch kleinere Flüchtigkeitsfehler
den ansonsten wirklich positiven Eindruck des Romans. Da
wird z.B. auf S. 54 erwähnt, daß Maddrax Gosseyn
eine Tür im Untergrund beschrieben hätte - wie
jedoch noch auf der letzten Seite richtig bemerkt wurde, war
es Riva, die die Beschreibung lieferte - nachdem sie sie von
Maddrax auf S. 39 erhalten hatte. Eine Namensverwechslung,
die allerdings durchaus vorkommen darf, den Leser jedoch
auch stutzen läßt...
Oder da hätten wir Daman, der auf S. 57 von Matt als
"Maddrax" denkt, dessen Namen jedoch nur von Smythe
gehört haben kann - und dieser hat "Maddrax" niemals
erwähnt, sondern immer nur von "Commander Drax"
gesprochen, während Matt sich Daman gegenüber als
"Gholan" vorstellte. Die Frage, woher Daman den Namen
"Maddrax" kennen kann, bleibt also unbeantwortet - ein
bißchen unschön, wenn natürlich im weiteren
Verlauf der Handlung nicht weiter wichtig...
Insgesamt bleibt jedoch ein nur leicht getrübter (die
Unklarheiten sind nicht gravierend, fallen aber bei
intensivem Lesen ins Auge) Eindruck von diesem Roman
zurück. In dieser Form jedenfalls kann man der Serie
eigentlich nur ein möglichst langes Leben wünschen
- und anscheinend sind auch die ersten Vorabeindrücke
der Verkaufszahlen recht positiv, so daß wohl bereits
die Überlegungen laufen, die Serie zwischen Band 17 und
20 auf eine wöchentliche Erscheinungsweise umzustellen.
Wollen wir hoffen, daß diese Möglichkeit dann
auch wahrgenommen wird. Denn ein verdoppelter
Romanausstoß bedeutet auch, daß man die Handlung
selber weiter ineinander verzahnen kann, als dies bei einer
zweiwöchentlichen Erscheinungsweise möglich ist.
Wünschenswert wäre dies jedenfalls - auch wenn ich
noch nicht so genau weiß, wie ich zwei
wöchentliche Serien, eine zweiwöchentliche und
einen Stapel Taschenbücher rein zeitlich mit meinen
anderen Pflichten in Einklang bringen kann. Doch dies ist
natürlich ein rein privates Problem, das den Verlag
tunlichst nicht in seiner Entscheidungsfindung beeinflussen
sollte - und Maddrax steht dabei auch sicherlich noch lange
nicht auf dem ersten Platz meiner "Abschußliste" -
eher dürfen bei dieser Form der Serie diverse
Taschenbuch-"Experimente" oder auch "Zamorra" dran glauben -
aber dies gehört eigentlich gar nicht in diese
Rezension. Mehr zu letzterem in der entsprechenden
Rezi...
Fazit:
Ronald M. Hahn gelingt es als erstem Autor, im stilistischen
Bereich den SF-Aspekt wirklich gleichwertig zu dem Horror-
und Fantasy-Aspekt zu schildern. Dies wird wohl demjenigen,
der aus der Horror-Ecke kommt, nicht ganz so gut gefallen,
wer jedoch aus der SF-Ecke stammt, wird an diesem Roman
seine Freude haben. Hiermit übertrifft Ronnie dann auch
den bisher besten Roman der Serie (Band drei von Timothy
Stahl) noch ein wenig und schraubt die Erwartungen für
die Zeit nach den Einzelromanen noch ein wenig in die
Höhe.
13 Punkte.
Winfried
Brand

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