Band 5: "Festung des Blutes"

Autor: Ronald M. Hahn

Die Hauptrezension wird in der nächsten Ausgabe des Flash nachgereicht...

Ronald M. Hahn war ja schon von Anfang an als "Maddrax"-Autor angekündigt. Der Mann ist bekanntlich ein populärer deutscher SF-Autor, Herausgeber usw. Man durfte also gespannt sein...
Und der Autor hat die in ihn gesetzten Erwartungen nicht enttäuscht - im Gegenteil. Mit diesem fünften "Maddrax" haben wir in fast perfekter Form jene Mischung aus SF und Horror, die der Rezensent sich von der Serie erhofft hatte.
Der Roman läßt sich äußerst angenehm lesen; Ronald M. Hahn hat einen attraktiven Stil: Scheinbar mühelos und doch detailliert, gelingt es ihm, dem Leser die Welt plastisch darzustellen. Das Ganze ist spannend geschrieben und in sich logisch. Maddrax ist zwar der Held, doch gleich zu Beginn des Romans zeigt sich, daß er mit den Gegnern, auf die er hier trifft, nicht allein fertigwerden kann. Die gehören offenbar einer höher entwickelten Spezies an. Sie fahren Motorräder und bewohnen einen Häuserblock, den sie in eine Festung verwandelt haben. Offenbar verfügen sie sogar über elektrischen Strom. Es handelt sich um eine Gruppe bestens organisierter Blutsauger ("Nosfera"), gegen die normale Hieb- und Stichwaffen weitgehend wirkungslos sind. Sie terrorisieren die Umgebung und verschleppen die "normalen" Menschen, von denen es hier auch eine größere Zahl zu geben scheint, in ihre Festung (wobei zuerst geschickt der Eindruck erweckt wird, sie würden sich von ihren Opfern ernähren). Die Menschen ergeben sich fatalistisch in ihr Schicksal, denn nach ihrer Auffassung sind die Nosfera von den Göttern geschickt worden, um sie zu prüfen. Von ihnen hat Maddrax wohl keine Hilfe zu erwarten, und so ist er (zunächst) auf sich allein gestellt.
Die Nosfera sind schon länger da, aber erst seit kurzem sind sie so aggressiv. Auch die Motorräder benutzen sie erst seit kurzer Zeit. Das macht Maddrax natürlich nachdenklich. Da gibt es also einen mysteriösen Hintermann. Daß dies ausgrechnet sein Co-Pilot, Professor Jacob Smythe ist, erkennt Maddrax erst spät, für den Leser werden jedoch bis dahin mehrfach Andeutungen eingestreut, die ihn neugierig werden lassen: So tauchen zwischendurch Begriffe wie "Schulmedizin", "strahlungsbedingte Mutationen", usw. auf. Diesen Sprachschatz verwenden eigentlich nur Menschen aus Maddrax' Epoche... Da dies aber aus der Sicht Aruulas geschildert wird, kann man zunächst nur Mutmaßungen anstellen. Der Name des Beherrschers der Nosfera ("Jacobo") liefert dann für denjenigen, der die ersten Bände gelesen hat und der daher auch weiß, daß Maddrax bereits einem seiner Kameraden aus der Vergangenheit begegnet ist, die ersten konkreten Hinweise.
Gut gefällt auch, daß Maddrax hier weniger mit offener Gewalt und seiner Waffe zum Ziel kommt, sondern sich erst einmal durch unterirdische Gänge einen Weg in die Festung bahnen muß, sich als Nosfera maskiert und trotzdem auffliegt. Er wird gefangengenommen, und es gelingt ihm schließlich nur mit einigen Tricks und der Hilfe einer Bande von Sklavenhändlern, den Nosfera das Handwerk zu legen. Smythe, der wahnsinnig gewordene Wissenschaftler in Reinkultur, kommt bei diesem Showdown ums Leben - leider, muß man fast sagen, denn der hätte noch für mehrere Romane einen hervorragenden Gegenspieler abgegeben. Aber wer weiß? Vielleicht kramt man ihn ja irgendwann noch einmal hervor (Tricks gibt es da wohl genug). Auf der anderen Seite gilt es auch, die Prämisse des Verlages zu verfolgen, und die heißt "in sich abgeschlossene Einzelhefte".
Nebenbei ist Ronald M. Hahn bemüht, viele Details zu erklären. So macht er sich auch Gedanken über die Sprache der Bewohner dieser Gegend ("italienische Vokabeln, aber auch Brocken von Französisch und Deutsch", vgl. Seite 19 oben).

Fazit:
Ein rundum gelungener Band. Überzeugend. Mehr davon...
13 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Tja, das war dann doch bei weitem schon wieder etwas anderes als der letzte Band.
Nun gut, auf den Einstiegsband von Ronald Hahn war ich natürlich schon recht gespannt, ist dieser doch nun beileibe kein Unbekannter - und er hat die recht hochgesteckten Erwartungen durchaus erfüllen können.
Dies macht sich auch vor allem im stilistischen Bereich bemerkbar, in dem Ronald M. Hahn anders als seine Kollegen einen eher etwas sachlicheren und erklärenderen Stil verwendet, der jedoch keineswegs schlechter zu lesen ist, sondern statt dessen beim Leser eher das Gefühl hervorruft, daß das SF-Element hier etwas mehr im Vordergrund steht - bzw. zumindest gleichwertig mit den anderen Bereichen daherkommt. Dadurch verliert der Roman zwar vielleicht ein wenig in seiner emotionalen Wirkung, gewinnt jedoch an Realismus und zumindest in meinem Fall auch an Interesse und Spannung. Denn hierdurch wird der Roman wie die Welt nachvollziehbarer, kann sich der Leser besser in die Welt und das, was hinter ihr steht, hineinfinden. Und eine Serie, die als Genre-Mix aus SF, Fantasy und Horror ausgelegt ist, braucht halt auch ein wenig realistische Schilderung.
Aber nun zum eigentlichen Inhalt des Romans:
Hier gefällt vor allem, daß Maddrax nicht einfach pistolenschwingend durch die Gegend rennt, sondern sich statt dessen einen Plan zurechtlegt - wobei das "Pistolenschwingen" natürlich auch in den letzten Bänden nicht so direkt vorhanden war; allerdings wurde der gute Matt in den letzten Romanen doch mehr von den Ereignissen überrannt, als daß er wirklich selber etwas dazu beigetragen hätte. Hier jedoch reagiert Matt nicht nur, sondern er agiert auch, legt sich Pläne zurecht und handelt dann nach diesen. Ob diese dann nun auch klappen, steht dabei natürlich auf einem ganz anderen Blatt...
Für den Stammleser der Serie ist die Handlung dieses Heftes jedoch manchmal ein wenig arg durchschaubar. So ist natürlich sofort klar, wer sich hinter "Jacobo" verbirgt, da man spätestens mit der Verwendung eher technischen Vokabulars einen der "Zeitreisenden" als hinter den "Nosfera" stehend vermutet. Daß dies dann nun Smythe ist, ist keine große Verwunderung, paßt dies alles doch recht gut zu seinem bisherigen Charakter. Jedoch hätte ich mir hier vielleicht noch gewünscht, daß die Ereignisse, die zwischen der Eisspalte und den Nosfera liegen, ein wenig beleuchtet worden wären. Allerdings - was nicht ist, kann ja noch kommen. Denn daß Smythe so einfach den Löffel abgegeben hat, glaube ich noch nicht so richtig. Immerhin könnte ihm als Wissenschaftler durchaus noch ein Trick eingefallen sein, der "Schnecke" zu entkommen - und sein Tod wurde ja auch nicht direkt geschildert, eher wirkt sein Abgang fast schon wie eine geplante Flucht auf bekannten Wegen. Aber dies wird die Zeit, bzw. die nächsten Romane wohl zeigen...
Minimal trüben jedoch kleinere Flüchtigkeitsfehler den ansonsten wirklich positiven Eindruck des Romans. Da wird z.B. auf S. 54 erwähnt, daß Maddrax Gosseyn eine Tür im Untergrund beschrieben hätte - wie jedoch noch auf der letzten Seite richtig bemerkt wurde, war es Riva, die die Beschreibung lieferte - nachdem sie sie von Maddrax auf S. 39 erhalten hatte. Eine Namensverwechslung, die allerdings durchaus vorkommen darf, den Leser jedoch auch stutzen läßt...
Oder da hätten wir Daman, der auf S. 57 von Matt als "Maddrax" denkt, dessen Namen jedoch nur von Smythe gehört haben kann - und dieser hat "Maddrax" niemals erwähnt, sondern immer nur von "Commander Drax" gesprochen, während Matt sich Daman gegenüber als "Gholan" vorstellte. Die Frage, woher Daman den Namen "Maddrax" kennen kann, bleibt also unbeantwortet - ein bißchen unschön, wenn natürlich im weiteren Verlauf der Handlung nicht weiter wichtig...
Insgesamt bleibt jedoch ein nur leicht getrübter (die Unklarheiten sind nicht gravierend, fallen aber bei intensivem Lesen ins Auge) Eindruck von diesem Roman zurück. In dieser Form jedenfalls kann man der Serie eigentlich nur ein möglichst langes Leben wünschen - und anscheinend sind auch die ersten Vorabeindrücke der Verkaufszahlen recht positiv, so daß wohl bereits die Überlegungen laufen, die Serie zwischen Band 17 und 20 auf eine wöchentliche Erscheinungsweise umzustellen. Wollen wir hoffen, daß diese Möglichkeit dann auch wahrgenommen wird. Denn ein verdoppelter Romanausstoß bedeutet auch, daß man die Handlung selber weiter ineinander verzahnen kann, als dies bei einer zweiwöchentlichen Erscheinungsweise möglich ist. Wünschenswert wäre dies jedenfalls - auch wenn ich noch nicht so genau weiß, wie ich zwei wöchentliche Serien, eine zweiwöchentliche und einen Stapel Taschenbücher rein zeitlich mit meinen anderen Pflichten in Einklang bringen kann. Doch dies ist natürlich ein rein privates Problem, das den Verlag tunlichst nicht in seiner Entscheidungsfindung beeinflussen sollte - und Maddrax steht dabei auch sicherlich noch lange nicht auf dem ersten Platz meiner "Abschußliste" - eher dürfen bei dieser Form der Serie diverse Taschenbuch-"Experimente" oder auch "Zamorra" dran glauben - aber dies gehört eigentlich gar nicht in diese Rezension. Mehr zu letzterem in der entsprechenden Rezi...

Fazit:
Ronald M. Hahn gelingt es als erstem Autor, im stilistischen Bereich den SF-Aspekt wirklich gleichwertig zu dem Horror- und Fantasy-Aspekt zu schildern. Dies wird wohl demjenigen, der aus der Horror-Ecke kommt, nicht ganz so gut gefallen, wer jedoch aus der SF-Ecke stammt, wird an diesem Roman seine Freude haben. Hiermit übertrifft Ronnie dann auch den bisher besten Roman der Serie (Band drei von Timothy Stahl) noch ein wenig und schraubt die Erwartungen für die Zeit nach den Einzelromanen noch ein wenig in die Höhe.
13 Punkte.

Winfried Brand

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