Reginald
Bull wird auf Arkon ins Golkana-Gefängnis eingeliefert. Hier
fällt er in die Hände des Verhörspezialisten Yomarill,
der den Auftrag hat, Bull die Geheimnisse der LFT zu entreißen.
Für Bully beginnt damit ein Martyrium, in dem nicht selten die
Grenzen der Realität verschwimmen und er sich in Welten
flüchtet, in denen kein Schmerz und Leid für ihn existiert.
Doch immer wieder wird er von Yomarill zurückgeholt und erneut
gefoltert. Hin und wieder gesellt sich auch die
Gefängnisleiterin da Kimbarley hinzu, um seinen Qualen
beizuwohnen. Sie scheint ein besonderes Interesse an seinen Leiden zu
haben. Bull wehrt sich mit aller Macht, aber er kann nicht
verhindern, daß es den Arkoniden gelingt, ihm einige
Informationen zu entlocken. Doch Bull wäre nicht Bull, wenn er
nicht auch versuchen würde, seinen Folterern die eine oder
andere Spukgeschichte aufzubrummen. So versucht er ihnen die
Aagenfelt-Barriere als etwas zu verkaufen, das den ganzen
Überlichtraumflug innerhalb der Galaxis unterbinden kann. Doch
nicht alle seine Geschichten erreichen ihren Zweck, und so greifen
die Arkoniden wütend zu einem weiteren Mittel: der Infiniten
Todesstrafe. Mehrfach wird Reginald Bull getötet und dann wieder
zum Leben erweckt. Immer wieder muß er die Qualen des
Todeskampfes erleiden, und einmal mehr spürt er die Nachteile
des ZA, denn dieser versucht seinen Tod ja zu verzögern. Auch
als er Yomarill überwältigt und als Geisel nimmt, gelingt
ihm nicht die Flucht, denn schnell ist er über den Haufen
geschossen und wieder hergestellt.
Doch die Rettung naht. Die arkonidische Korvette KYRANTAR hat den auf
Cormitto gefangenen Mrii'Qaaler an Bord - und eine ganze Menge
USO-Spezialisten, deren Ziel das Golkana-Gefängnis ist. Die
Tarnung ist perfekt, und so gelangt man ohne Probleme auf die
Oberfläche. Dann wird der Behälter mit dem Mrii'Qaaler auf
den Weg geschickt - mit Monkey als blindem Passagier an Bord.
Sodann setzt die USO die Arkoniden mit ihrer eigenen Waffe
außer Gefecht. Mitten auf Arkon setzen sie das
Golkana-Gefängnis dem KorraVir aus. Das Ergebnis ist
katastrophal, und schwer stürzt die Festung auf den Planeten, wo
sie sich spektakulär in den Boden bohrt.
Für Bully kommt die Aktion gerade noch rechtzeitig, denn soeben
wollten die Arkoniden ihm den Kopf vom Körper trennen und sein
Gehirn dann künstlich am Leben erhalten.
Die Befreiungsaktion selbst nimmt dramatische Züge an. Auf
Golkana ist das Chaos ausgebrochen, und zudem wütet der
Mrii'Qaaler im Blutrausch. Die Aktion scheint zu scheitern, doch es
ist einmal mehr Monkey, der plötzlich mit Bull auftaucht, so
daß die Truppe sich endlich per Transmitter absetzen kann.
Mir scheint, diesen Roman könnte man auch überschreiben:
Mr. Bully schlägt zu. Haensel hat sich nicht nur sehr gut mit
Reginald Bull beschäftigt, er ist auch in der Lage, sich
äußerst gut mit dem alten Kerl auseinanderzusetzen.
Aber beginnen wir ganz vorne. Zuerst soll noch einmal gesagt werden,
daß ich das Konzept, das hinter der ganzen
Bully-Befreiungsaktion steckt, doch sehr gut und durchdacht finde;
und zum ersten Mal gibt es in diesem Zyklus etwas, das wirklich
überzeugt - vor allem, wenn es mit einem so furiosen Finale
abgerundet wird.
Hubert Haensel schickt Reginald Bull durch ein Martyrium nach dem
anderen. Es scheint, als ob Bully jede nur erdenkliche Art der
modernen Folter durchzustehen hat. (Fast entwickelt sich hier ein
Nachschlagewerk für Rollenspieler. ;-) ) (* Meister, wolltest
Du wohl sagen. ;-) Heike) Dennoch gleitet der Roman auch nicht zu
sehr in den Gewaltsektor ab (besonders, da auf die wirklich brutalen
Szenen verzichtet wurde), sondern bleibt auf seine Weise unglaublich
faszinierend und fesselnd. Das mag auch an der Perspektive liegen,
die die Geschichte in der Ich-Form aus Bullys Sicht erzählt.
Die Handlung bleibt dabei auf der Strecke, doch so richtig
vermißt man sie nicht. Genau betrachtet, passiert in der ersten
Hälfte eigentlich gar nichts, außer den Kämpfen
zwischen Bully und seinem Folterknecht und zwischen Bully und sich
selbst. Ständig erleben wir Bulls Zweifel, ebenso wie seine
Hoffnungen. Sei es nun die Hoffnung auf den Tod oder die
Halluzinationen, die seinen Freund Gucky heraufbeschwören.
Besonders faszinierend fand ich dann die Szenen der Infiniten
Todesstrafe. Zum einen muß man sich einmal die Boshaftigkeit
vorstellen, die dahinter steht, und dann noch, wie ein
Zellaktivatorträger die ganze Sache erleben muß. Für
ihn wird es noch viel schwieriger, zu sterben, da sein Chip ja genau
das verhindern will - das ist wahrhaft diabolisch!
Doch der Roman bleibt auf der Ebene Bully noch lange nicht stehen.
Mit der Zeit wird klar, daß auch der Folterknecht Yomarill
unter Druck steht und auf diese Weise den Leser auch ein wenig in
seine Psyche blicken läßt.
Also: Die erste Hälfte ist ein wunderbares Erlebnis, das so ein
paar kleine Fehlerchen ruhig wegstecken kann. Zum anderen habe ich
mich dann gefragt, wieso die Arkoniden Bull mit Stahlfesseln anketten
und nicht mit Fesselfeldern - und sind Stromstöße nicht
ein wenig out of Date? Aber so richtig weh tun diese Fragen
eigentlich keinem.
Dem ersten Teil folgt dann die eigentliche Befreiung. Mit der
KYRANTAR landet das USO-Kommando auf Arkon und schleust den
Mrii'Qaaler zusammen mit einem Team ins Gefängnis ein.
Dieser Part ist wirklich das absolute Gegenteil des anderen. Der
totalen Psycho-Ebene wird die totale Action entgegengesetzt. Das
führt dazu, daß der Roman auch nie Gefahr läuft,
langweilig zu werden, sondern vielleicht sogar genau im richtigen
Moment umschwenkt, bevor die Folter-Ebene sich totgelaufen hat.
Allerdings hat mir dieser Teil nicht ganz so gut wie der erste
gefallen. Es handelt sich halt um eine typische Actionsequenz. Der
Mrii'Qaaler mordet fleißig im wracken Gefängnis herum und
wird schließlich von den Arkoniden erlegt. Immerhin hat man
sich noch die Mühe gemacht, diese Gestalt mit
hinüberzubringen und sie nicht nur als einfaches Transportmittel
nach Arkon zu benutzen.
Das Ende ist furios und des Romans durchaus würdig: Monkey kehrt
mit Bull auf der Schulter zurück, und in allerletzter Sekunde
verlassen sie das Schiff per Transmitter.
Was ich an dieser Ebene aber zu bemängeln habe, sind einmal mehr
die Arkoniden und meine Frage, wie die sich an die Galaxisspitze
geschummelt haben. (* Schon mal das "Sprichwort" gehört: 'Mit
Frechheit kommt man weiter'? Heike)
Wir wissen alle, daß Arkoniden und Terraner sich derzeit hassen
wie die Pest. Wir wissen auch (und das sollten die Arkoniden mit
ihrer Tu-Ra-Cel erst recht wissen), daß die Terraner die
Meister des Diebstahls und des Hereinlegens sind. Ich kann ja
nachvollziehen, daß es "relativ" einfach war, die Korvette zu
klauen, aber ich fand es doch recht simpel, wie die dann ins
Golkana-Gefängnis hineinspaziert sind. (* Zum Thema
"Sicherheitsvorkehrungen" lese man meine Rezension - huch! Jajaja,
ich bin mal wieder zu einer gekommen (<schmoll> Wieso will
eigentlich niemand sonst Robert Rankin lesen?) - zu "Kohl des Zorns"
des soeben genannten Autors... Heike) Ich meine, da befindet sich
ja nur der wichtigste Gefangene, den Arkon jemals in den Händen
hielt. Also frage ich mich, ob man da nicht für die eine oder
andere Sicherheitsstufe hätte sorgen müssen? Aber
vielleicht hat eine Großmacht von Arkons Rang das ja nicht
nötig.
Fazit:
Ein Roman, wie ihn dieser Zyklus noch nicht gesehen hat, und
gleichzeitig auch das Ende eines recht guten Abschnittes. Ein paar
Fehlerchen sind drin, aber die fallen eigentlich gar nicht
großartig auf, weil das Lesegefühl darunter kaum zu leiden
hat; und wer sucht, findet eigentlich immer was. (* Hey!!! Wieso
hat das denn noch keiner dem Lektor gesagt???
Öööhhhmmm -
flööööööt.... ;-) Heike) Lediglich
die Schummel-Arkoniden gehen mir langsam etwas auf die Nerven. (*
Deswegen werden sie ja auch demnächst umgetauft - in
"Gatoniden". >:-) Heike)
13 Punkte
Alexander Haas
![]()
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Aber hallo! Im Vorfeld war ich ja schon recht gespannt
auf diesen Roman - vor allem nach der guten Vorgabe von
Arndt Ellmer - und die Schlußbemerkung Klaus N. Fricks
im letzten Roman bezüglich des "Spezialisten für
den rothaarigen Terraner" ließ fast schon die Frage
aufkommen, ob denn Hubert Haensel vielleicht an Andreas
Eschbachs Gastroman, bzw. dessen Bully-Schilderung,
heranreichen könnte. Kurz und knapp: Jep, er
kann's!
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Um es vorauszuschicken: So sollte ein PR-Roman
aussehen! |