(Die Saga vom Großen Wald -Band 1)
OT: Farnor
Ü: Rainer Schumacher
1992
(601 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 20382, ISBN
3-404-20382-8, DM 18,90)
- erschienen: April 2000 -
Weitab von
jeder Zivilisation, zudem anscheinend vom König und seinen
Steuereintreibern lange vergessen, leben die Bewohner eines kleines
Dorfes in einem gemütlichen Tal. Über ihnen thront das
letzte Zeichen des Königreiches, eine alte, schon seit
Jahrzehnten nicht mehr bewohnte Burg.
Eines Tages zieht ein seltsames Wesen durch das Tal und reißt
einige Schafe. Die Bewohner glauben zunächst an einen
streunenden Hund, aber der will sich partout nicht einfangen
lassen.
Da taucht auf einmal ein Truppe Reiter auf. Krieger in
erbärmlichen Zustand, auf der Flucht vor einem unheimlichen
Feind. Sie sorgen bei den Dorfbewohner für einige Unruhe,
besonders, da sie sich in der alten Burg einquartieren. Nur einer
scheint sich an dem Spektakel zu erfreuen: der Dorfspinner Rannick.
Von den anderen isoliert, entwickelt er seine magischen
Fähigkeiten, und es gelingt ihm auch, das unheimliche Wesen zu
kontrollieren, mit dessen Hilfe er langsam aber sicher seine Macht
über das Tal ausdehnt.
Roger Taylor ist bekannt dafür, daß es ihm gelingt, sich
eine Geschichte auszudenken, die sich in dieser Form von fast allem
abhebt, was sich derzeit auf dem Markt tummelt. So geht es also in
"Farnor" nicht um große Dämonen oder Gefahren, die die
Welt bedrohen, sondern nur um ein kleines Dorf irgendwo weitab
jeglicher Zivilisation, in dem die Bewohner recht unbedarft, einfach,
aber zufrieden, dem alltäglichen Leben nachgehen. In diese heile
Welt bricht nun das Fremde, Bedrohliche ein, gelenkt durch jemand
direkt aus ihrer Mitte.
Roger Taylor geht hier einen Weg der kleinen Schritte. Er konstruiert
eine fast vollständig unabhängige Welt, in der er dann
seine Geschichte verlegt und auf diese Weise wieder klassisch werden
läßt (da diese ja jetzt nun vor großen und
wesentlichen Umwälzungen steht). Diese Perspektive ist
äußerst interessant und gibt eine Menge
Möglichkeiten, diese kleine Welt von verschiedenen Punkten aus
zu sehen: Wo ist sie heil - bzw. besser als die unserige - Wo ist sie
schlecht?
Allerdings geht die Glorifizierung des Dorfes stellenweise dann doch
ein wenig weit. Zu idyllisch und zufrieden wird das Leben meiner
Meinung dargestellt. Zudem hätte es sicher gut getan, wenn der
Autor sich ein wenig mehr über die Größe des Dorfes
ausgelassen hätte, das hätte bei einigen Fragen dann doch
für Aufklärung gesorgt, z.B. wie sieht es mit den
"Erblasten" der Bewohner aus?
Zudem ist der entwickelte Hintergrund zwar durchaus Interesseweckend,
aber leider kann die eigentliche Handlung da nicht mithalten, sondern
ist in der Regel wenig spannend und hin und wieder auch recht plump.
So fand ich die Beziehungen derjenigen, die die Handlung vorantreiben
und zu den wesentlichen Leitfiguren der Dörfler gehören arg
an den Haaren herbeigezogen. Zwar gibt es hier einige Reifeprozesse,
aber die finden erst dann statt, wenn die wichtigsten Schritte schon
vollzogen sind. Dadurch gleiten Handlung, Charaktere und leider auch
die Sprache hin und wieder sehr ins kitschige ab, was das
Lesevergnügen doch sehr schmälert.
Je weiter der Roman dann fortschreitet, desto mehr stellt sich auch
die Frage, wie die Handlung denn noch einen ganzen weiteren Roman
aushalten soll, wenn es denn nicht ganz langweilig werden wird. Ganz
zaghaft werden dann in den letzten Kapiteln zwei Dinge vorbereitet.
Zum einen wird das positive Gegenelement zum "Bösewicht" ganz
langsam aufgebaut; dadurch ahnt man dann auch endlich, daß in
der Geschichte durchaus noch Potential steckt, aber ob man damit
richtig liegt, wird man erst am Ende des zweiten Teiles wissen.
Fazit:
Auf alle Fälle ein interessanter Hintergrund mit einer
klassischen Geschichte, die aber an ihrer Umsetzung krankt. Taylor
bleibt hier in meinen Augen weit unter dem, was er sonst zu leisten
vermag. Aber Fans des Autors sollten sich davon nicht abschrecken
lassen.
6 Punkte
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