Band 7: "Das letzte Opfer"

Autor: Brian Frost

Matthews und Aruulas Flug mit dem Drachengleiter durch die Alpen endet abrupt durch ein Luftloch. Kaum hat Matt sich vom Absturz erholt, sieht er sich gefährlichen Raubtieren gegenüber, während Aruula durch den Sturz bewußtlos ist. Beistand bei seinem Kampf gegen die pantherähnlichen Lupa leisten ihm Fischer, die seit Tagen auf der Jagd nach den Raubtieren sind.
Das Dorf der Fischer ist in der Nähe, und sie bieten Matt und Aruula Gastfreundschaft an. Besonders der Häuptling, Rarok, kümmert sich um die verletzte Aruula.
Bei aller Freundlichkeit kommt Aruula rasch der Verdacht, daß Rarok und seine Familie ein Geheimnis hüten. Offensichtlich ist Raroks Tochter Anaka, die von Fradak umworben wird, darin verwickelt.
Als Fradak sodann versucht, Anaka nächtens aus dem Haus ihrer Eltern zu entführen, fordert Matt Aufklärung. Er erfährt, daß in dem See, der die Fischerdörfer ernährt, der dunkle Gott Lemarr lebt. Früher hat Lemarr wahllos die Fischer angegriffen, bis die Priester und die Dorfbewohner einen Pakt mit ihm schlossen: Aus jedem Dorf wird reihum eine Auserwählte als Opfer bestimmt - in diesem Fall Anaka. Matt empört sich gegen die Opferungen, kann als Fremder jedoch nicht viel ausrichten. Später in der Nacht beobachten Matt und Aruula, wie Anaka abgeholt wird. Gezwungenermaßen unterstützen sie Fradak und seine Gang und folgen ihnen zum Opferplatz.
Dort ist schon alles vorbereitet, und Anaka wartet auf Lemarr, der auch bald erscheint - eine Art Kreuzung zwischen einer Echse und einem Dinosaurier. Matt gelingt es zwar, Anaka zu befreien, doch Lemarr kann nur vertrieben, nicht aber besiegt werden. Da Lemarr in den Augen der Fischer seinen Gottstatus verloren hat, wächst die Opposition gegen ihn. Matt stellt Lemarr eine Falle. Mit selbstgebauten Bomben soll der ehemalige Gott vernichtet werden. Doch er kann erneut entkommen.
Während des unfreiwilligen Tauchgangs, den Lemarr Matt beschert hat, hat er merkwürdige Kugeln am Grund des Sees gesehen. Zusammen mit seiner Aruula - nach dem Umbau einer alten Kirchglocke zur Taucherkapsel - taucht er zum Grund hinunter und entdeckt eine funktionsfähige Forschungsstation. In den Unterlagen findet er Hinweise darauf, daß hier einst Genexperimente betrieben worden sind. Offensichtlich ist Lemarr ein Ergebnis dieser Experimente. Noch während Matt und Aruula die Station erforschen, führt Lemarr wieder einen Angriff aus. Dabei bleibt er mit der Schnauze in einer Lücke stecken und kann von den Fischern und Matt aufs Ufer gezogen werden, wo sein Körper verbrannt und endgültig vernichtet wird.

Mein ehemaliger Deutschlehrer hat mal gesagt: "Eine Geschichte soll eine Handlung haben, die möglichst auf einen Höhepunkt zuläuft." Würde man diese Figur aufzeichnen, hätte man eine Art Dreieck. Dieser Roman hat zwar einen Anfang, aber einen Höhepunkt konnte ich nicht entdecken. Das Ergebnis dieser Zeichnung wäre eine flache, monotone Linie.
Die Handlung selbst ist soweit in Ordnung. Zwar nicht besonders originell, aber man kann sie lesen. Logikfehler habe ich keine entdeckt, aber für sowas ist ja Winy der Experte. ;-) Allerdings - wie lange dauert es wohl, bis Urin in der Sonne verdunstet ist? (* Menschlicher Urin? Da dieser (für gewöhnlich...) dünnflüssig ist, kann man wohl eine ähnliche Verdunstungszeit wie bei ganz gewöhnlichem Wasser annehmen. Wärme und Luftbewegung verringern die Verdunstungszeit. Kommt auch drauf an, wie durchlässig der Untergrund ist: Ein Kies- oder Sandboden wird, im Gegensatz zu einer Felsplatte oder einer dicken Lehmschicht, nicht sehr lange besonders viel Flüssigkeit zum Verdunsten an der Oberfläche lassen... Heike) Und ob ein Kernkraftgenerator nach annähernd 500 Jahren noch funktioniert - hmm, da ich kein Naturwissenschaftler bin, weiß ich das nicht. Obwohl, das Ganze spielt ja in der Zukunft, und bis 2012 haben wir sicherlich solche haltbaren Dinger erfunden. ;-)
Brian Frosts Roman hat zwei Schwächen: Seinen Stil und seine Art, die Geschichte aufzubauen. Er bemüht sich redlich, dem Leser so viele Informationen wie möglich zu geben - übersieht dabei aber, daß ein Zuviel an Information den Leser daran hindert, sich in den Roman zu vertiefen. Lesevergnügen stellt sich so nicht ein. Zudem sollte der Autor auch mal öfter seinen Satzbau ändern. Diese monotone Gleichförmigkeit erzeugt beim Lesen ein mentales Gähnen. Und es gibt keinen Höhepunkt. Jedenfalls keinen, den ich entdeckt habe, da die einzelnen Szenen sehr schematisch nacheinander ablaufen. Spannung kommt so gar nicht erst auf.
Zweitens: Da ist die Handlungsebene um Lemarr auf der einen Seite, und fast gleichzeitig bekommt man gegen Ende noch die Szenen mit der unterseeischen Station geboten. Sie erklären zwar, was Lemarr denn nun eigentlich ist und woher er kommt - doch warum hat man diese nicht vorgezogen? Warum hat man sie nicht besser in den Roman integriert? Am Ende wirken sie reichlich deplaziert.

Fazit:
Ein sehr, sehr durchschnittlicher Maddrax-Roman, dem Atmosphäre und der Sense of Wonder leider fehlen.
6 Punkte

Christian Spließ

Tja, auch der zweite Roman von Brian Frost für diese Serie erweist sich nicht gerade als Highlight derselben.
Im Handlungsaufbau zeigen sich die größten Schwächen. Vor allem die ersten 80% des Roman plätschern in 08/15-Manier dahin, und erst bei der Entdeckung der Station kommt so etwas wie Feeling auf. Bis dahin bewegt sich die Handlung auf dem klassischen Nessie-Niveau, das kaum noch einen Leser hinterm Ofen hervorlocken kann. Toll - ein Seeungeheuer, dem Menschen geopfert werden - kann irgend jemand dem noch Spannung abgewinnen? Das ganze ist einfach viel zu oft geschildert worden, so daß dies nur noch ausgelutscht wirkt (und zudem auch in jeder beliebigen anderen Serie hätte spielen können)...
Maddrax-typische Elemente tauchen erst im letzten Fünftel der Handlung auf. Und dies ist dann eindeutig zu wenig, um den Roman noch entscheidend zu retten.
Zudem gibt es auch ein paar kleinere Seltsamkeiten, die mir hier trotz der aufkommenden Langeweile (und dem damit zusammenhängenden fast schon "flüchtig Lesen") aufgefallen sind.
Da wäre z.B. die Frage, wie wasserdicht denn die Berettas des Jahres 2012 sind. Denn wenn Matt sich diese Waffe auf S. 27 zwischen die Zähne klemmt und dann durchs Wasser krault, ist es wohl mehr als nur unwahrscheinlich, daß die Waffe keine Feuchtigkeit mitbekommen hat, zumal Lemarr doch einiges an Wellen verursacht. Ob die Patronen dies wohl durchgehalten haben? Offensichtlich, denn Matt schießt auf S. 28 im direkten Anschluß daran auf Lemarr...
Wirklich witzig wird es jedoch, wenn Nessie - ups, sorry - Lemarr offensichtlich schon bei kurzem Aufenthalt unter Wasser in Atemnot gerät (S. 48, 1. Spalte). Abgesehen davon, daß er so niemals von der Station zur Oberfläche gekommen wäre, würde dies auch bedeuten, daß das Viech eigentlich dauernd auf der Oberfläche auftauchen müßte. Da stellt sich nur die Frage, weshalb es sich sonst in diesem Roman praktisch nur unter Wasser aufhält. Denn wäre dies anders, hätte Matt es in diversen Szenen schon lange vorher entdecken müssen...

Fazit:
Ein eher enttäuschender Maddrax-Roman, der sicherlich zu den bisherigen Tiefpunkten gehört. Die Story um das menschenfressende Seeungeheuer hat man nun wirklich schon oft genug gelesen, und sie ist zudem so banal und alltäglich geschildert, daß sie mit der Serie im Allgemeinen nicht besonders viel zu tun hat. Erst gegen Ende kommt ein wenig von der typischen Faszination auf.
4 Punkte.

Winfried Brand

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