Zanecchi
ist ein Mun-12, sprich: ein Raumlande-Soldat des alleruntersten
Dienstrangs - und noch dazu nicht mal besonders helle. Noch nie hat
Zanecchi ein Blaues Blond getötet, aber diesmal ist er guten
Mutes; diesmal will er nach vorne stürzen und endlich seinen
ersten Feind töten. Doch beim tatsächlichen Angriff
verfängt er sich und kommt erst nach seiner Einheit im
Kampfgebiet an. Genau das ist diesmal jedoch sein Glück, denn
die Mundänen sind in eine Falle gelaufen, und so ist er auf
einmal der letzte Überlebende. Er selbst kann gerade noch einem
tödlichen Angriff entgehen, wird aber schwer am rechten Arm
verletzt.
Es gelingt ihm, einem Blauen Blond durch einen Transmitter zu folgen;
er findet sich auf einer Plattform im Weltraum wieder. Hier mäht
er zunächst einmal eine ganze Gruppe Feinde nieder, bevor er
sich seine Umgebung näher zu Gemüte führt. Zurück
kann er nicht, da der Transmitter erloschen ist; so stürzt er
sich einfach in das nächstbeste Entzerrungsfeld. Zwar hat er
keine Ahnung, auf welchem Planeten er herausgekommen ist, aber hoch
über einer Stadt sieht er das gesuchte Hantelschiff: die SOL. Er
weiß jetzt, daß er auf alle Fälle einen Sender
finden muß, um diesen Planeten an seine Kameraden verraten zu
können. Seine Situation verschlechtert sich aber drastisch, als
er auf einmal einen seltsamen Begleiter zur Seite bekommt. Ein
kleines, pelziges Wesen, das seine Rasse mit Quantrone und seinen
Namen mit Mautsch angibt. Mautsch verfügt offenbar über
paranormale Kräfte und ist in der Lage, zu kommen und zu gehen,
wie es ihm paßt. Sein Volk ist von den Mundänen
dahingeschlachtet worden, und nun will der Kleine wohl auf die eine
oder andere Weise Rache üben.
Aber Zanecchi ist kein Intellektueller, der sich große Gedanken
über seine Situation macht. Statt dessen begibt er sich
zielstrebig auf die Suche nach einem Hypersender, auch wenn es ihn
über eine steile Felswand weit nach oben führt und er seine
Schmerzen ständig mit starken, drogenartigen Medikamenten
unterdrücken muß.
Wie Mundänen es so an sich haben, verläuft sein Weg nicht
ganz unauffällig, und so hat er bald einige Verfolger am Hals,
aber nachdem er den ersten Gleiter abgeschossen hat, scheint sich
zunächst niemand wirklich an ihn heranzutrauen.
Unterdessen bekommen Atlan und Tekener endlich ein paar wichtige
Informationen, die ihren Auftag betreffen. Sie kommen einer
Dunkelwolke auf die Spur, die einst den Namen Auroch-Maxo trug und im
Aufmarschgebiet der Mundänen liegt, also dem gefährlichsten
Territorium von ganz Segafrendo. Hier werden sie auch über den
eingedrungenen Mundänen-Krieger informiert. Zwar werden nun
sämtliche Funkgeräte aus seiner möglichen Route
entfernt, aber es gelingt Zanecchi, zu einer alten Station
vorzudringen, in der er tatsächlich sein Ziel erreichen
könnte. Dabei setzt er sich auf seinem Weg auch über die
hartnäckigsten Hindernisse hinweg, die ihm die Tharoidoner und
die Natur des Planeten in den Weg legen können.
Zwar mag es Zanecchi vielleicht gelungen sein, die Bewohner dieses
Planeten zu überraschen, aber gerade als er glaubt, an seinem
Ziel zu sein, greift der kleine Quantrone Mautsch wieder ein und
tötet den grausamen Krieger. Danach zieht er geheimnisvoll und
unbekannt seines Weges - hinfort vom Zentral-System der Galaktischen
Krone.
Für diese bricht aber genau in diesem Moment eine harte Zeit an,
denn der ehemalige Prinzipal Zelban Vit-Terous kann sich mit seiner
Absetzung nicht abfinden, sondern ersinnt einen Plan, der ihn wieder
zurück an die Macht bringen soll. Er "kidnappt" sein ehemaliges
Flaggschiff und nimmt Kontakt zu einem
Mundänen-Kriegsführer auf. Mit ihm will er über einen
Frieden verhandeln. Dieser verspricht ihm anscheinend auch Gott und
die Welt, denn Zelban hat nichts besseres zu tun, als ihm die
Koordinaten von Orllyndie zu verraten. Allerdings hatte der
Mundäne seine Zusage wohl etwas anders gemeint, denn statt mit
einem Schiff kommt er mit ein paar tausend davon zur Verhandlung -
und die sehen auch eher nach einer Vernichtungsflotte aus als nach
Frieden...
Nun ist also das eingetreten, was vor kurzem schon prophezeit worden
ist: der Untergang der Galaktischen Krone. Das heißt, noch ist
sie nicht wirklich untergegangen, aber mit der Vernichtung von
Orllyndie dürfte ein weiterer, sehr entscheidender Schritt in
diese Richtung getan worden sein. Und dabei ist das auf fast
"lächerliche" Weise geschehen. Da dreht sich doch
tatsächlich alles um einen Mundänen, der diesen Planeten an
sein Volk verraten will - und dann ist es ein Kronenangehöriger
selber, der den entscheidenden Schritt tut. Aber ich will hier gleich
keinen Zweifel zurücklassen. Gerade diesen Verlauf fand ich sehr
gut, und damit bestätigt sich das, was ich bereits in der
letzten Rezi angedeutet habe: rein von der Geschichte her macht sich
Segafrendo mittlerweile ungemein. Im Moment scheint mir die Handlung
recht innovativ zu sein und sich von den bisherigen
Katz-und-Maus-Spielen mit den Mundänen etwas abzusetzen.
Ebenso positiv war für mich, daß man sich hier auf einen
recht kleinen Aspekt konzentriert und nicht zu viele Elemente in den
Roman gepackt hat. Dadurch hat der Autor den Raum, sich mit dem
Charakter zu beschäftigen, der im Zentrum des Romans steht. Auch
diese Idee - einen etwas drögen Soldaten zu nehmen, der hier
seine große Chance gekommen sieht - ist durchaus recht gut
angekommen.
Nun muß also der arme "Mun-13"-Krieger Zanecchi eine
überaus vielfältige Betrachtung über sich ergehen
lassen. Allerdings muß ich hier jetzt anmerken, daß diese
im großen und ganzen zwar recht gut gelungen ist, sich aber oft
in zu vielen Wiederholungen ergeht. Irgendwann weiß auch der
letzte Leser, daß Zanecchi nicht wirklich helle ist, daß
für ihn eigentlich ein neuer Dienstgrad (eben jener "Mun-13")
eingeführt werden sollte, und irgendwann weiß man auch,
daß sein Arm schmerzt. Dafür ist es aber verwunderlich,
was er damit noch alles hinbekommt. Aber es gibt viele Stellen, an
denen man sich sehr gut in die Situation und Gedankenwelt des
einsamen Kriegers hineinversetzen kann. So ist z.B. seine
Enttäuschung über die verpaßte Schlacht (Seite 8)
recht gut nachvollziehbar, oder auch seine Situation, als er sich auf
dem Weg nach Orllyndie befindet (ab Seite 11). Gerade hier denkt er
nicht viel, sondern reagiert sehr stark intuitiv, was vom Autoren
auch in dieser Form dargestellt wird.
Was ich allerdings so von seinem "externen Gewissen" halten soll,
weiß ich nicht richtig. Ich persönlich hätte hier
eher eine "klassische" Variante bevorzugt, in der Zanecchi doch noch
von den Tharoidonern aufgehalten wird - oder von Atlan und Tekener,
denn die beiden scheinen sich auf dem Planeten ja ohnehin eher zu
langweilen.
Aber es ist schön, zu sehen, daß auch die Tharoidoner
alte, vergessene Stationen haben, in denen schon seit Ewigkeiten
niemand mehr gewesen ist - haben wir auf Terra eigentlich
mittlerweile alle alten Überreste der Lemurer entdeckt? Aber ich
will nicht so richtig glauben, daß dies in die Sparte
Back-to-the-roots fällt, sondern möchte hier einfach mal
Zufall unterstellen.
Dem gegenüber (also, ich meine Zanecchi) steht der über
alle Maßen enttäuschte Zeiban Vit-Terous. (Also, die
Namensgebung ist im Moment echt extrem kreativ!! Wirklich - kein
Scherz!) (* Warum nicht gleich Banzai statt Zeiban...? ;-)
Heike) Dieser kann offensichtlich nicht verwinden, daß er
einfach so seinen Job verloren hat, und nun sinnt er nach einer
Möglichkeit, wieder zur Geltung zu kommen. Allerdings macht ihn
seine Machtgier noch viel blinder als Zanecchi's Haß auf das
Blaue Blond, und so dürfte er den Untergang der Krone um einiges
beschleunigt haben. Aber es ist gerade diese Ebene, die zwar kurz und
knapp, aber für mich wirklich brillant war - psychopathische
Bösewichte sind nun mal einfach die besten. Spannung ist hier
fehl am Platz; zu schnell ist deutlich, wohin die Reise geht. Aber
die Schilderung von Zeibans Gedankenwelt war für mich einfach
nur klasse. Der Schluß dieser Ebene liegt nahe: Macht macht
süchtig. Wie wahr!!
Fazit:
Ein gut konzipierter und über weite Strecken wirklich guter
Roman, mit einigen Schwächen, die dann doch den einen oder
anderen nervenden Eindruck machen. Auf alle Fälle hat aber
meiner Meinung nach die Segafrendo-Ebene weiter gewonnen!
11 Punkte
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Tja, was soll man zu diesem Roman noch großartig
schreiben? Orllyndie geht den Bach runter - einerseits, weil
ein Slapstick-Mundäne hier sein Unwesen treibt,
andererseits, weil ein abgesetzter Herrscher dem Wahnsinn
verfällt... |
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Auf diesen Roman hätte man verzichten können.
Es handelt sich um einen reinen Lückenfüller,
über den es eigentlich nicht viel zu sagen gibt. |