Band 2019: "Mundänen-Alarm"

Autor: Horst Hoffmann

Zanecchi ist ein Mun-12, sprich: ein Raumlande-Soldat des alleruntersten Dienstrangs - und noch dazu nicht mal besonders helle. Noch nie hat Zanecchi ein Blaues Blond getötet, aber diesmal ist er guten Mutes; diesmal will er nach vorne stürzen und endlich seinen ersten Feind töten. Doch beim tatsächlichen Angriff verfängt er sich und kommt erst nach seiner Einheit im Kampfgebiet an. Genau das ist diesmal jedoch sein Glück, denn die Mundänen sind in eine Falle gelaufen, und so ist er auf einmal der letzte Überlebende. Er selbst kann gerade noch einem tödlichen Angriff entgehen, wird aber schwer am rechten Arm verletzt.
Es gelingt ihm, einem Blauen Blond durch einen Transmitter zu folgen; er findet sich auf einer Plattform im Weltraum wieder. Hier mäht er zunächst einmal eine ganze Gruppe Feinde nieder, bevor er sich seine Umgebung näher zu Gemüte führt. Zurück kann er nicht, da der Transmitter erloschen ist; so stürzt er sich einfach in das nächstbeste Entzerrungsfeld. Zwar hat er keine Ahnung, auf welchem Planeten er herausgekommen ist, aber hoch über einer Stadt sieht er das gesuchte Hantelschiff: die SOL. Er weiß jetzt, daß er auf alle Fälle einen Sender finden muß, um diesen Planeten an seine Kameraden verraten zu können. Seine Situation verschlechtert sich aber drastisch, als er auf einmal einen seltsamen Begleiter zur Seite bekommt. Ein kleines, pelziges Wesen, das seine Rasse mit Quantrone und seinen Namen mit Mautsch angibt. Mautsch verfügt offenbar über paranormale Kräfte und ist in der Lage, zu kommen und zu gehen, wie es ihm paßt. Sein Volk ist von den Mundänen dahingeschlachtet worden, und nun will der Kleine wohl auf die eine oder andere Weise Rache üben.
Aber Zanecchi ist kein Intellektueller, der sich große Gedanken über seine Situation macht. Statt dessen begibt er sich zielstrebig auf die Suche nach einem Hypersender, auch wenn es ihn über eine steile Felswand weit nach oben führt und er seine Schmerzen ständig mit starken, drogenartigen Medikamenten unterdrücken muß.
Wie Mundänen es so an sich haben, verläuft sein Weg nicht ganz unauffällig, und so hat er bald einige Verfolger am Hals, aber nachdem er den ersten Gleiter abgeschossen hat, scheint sich zunächst niemand wirklich an ihn heranzutrauen.
Unterdessen bekommen Atlan und Tekener endlich ein paar wichtige Informationen, die ihren Auftag betreffen. Sie kommen einer Dunkelwolke auf die Spur, die einst den Namen Auroch-Maxo trug und im Aufmarschgebiet der Mundänen liegt, also dem gefährlichsten Territorium von ganz Segafrendo. Hier werden sie auch über den eingedrungenen Mundänen-Krieger informiert. Zwar werden nun sämtliche Funkgeräte aus seiner möglichen Route entfernt, aber es gelingt Zanecchi, zu einer alten Station vorzudringen, in der er tatsächlich sein Ziel erreichen könnte. Dabei setzt er sich auf seinem Weg auch über die hartnäckigsten Hindernisse hinweg, die ihm die Tharoidoner und die Natur des Planeten in den Weg legen können.
Zwar mag es Zanecchi vielleicht gelungen sein, die Bewohner dieses Planeten zu überraschen, aber gerade als er glaubt, an seinem Ziel zu sein, greift der kleine Quantrone Mautsch wieder ein und tötet den grausamen Krieger. Danach zieht er geheimnisvoll und unbekannt seines Weges - hinfort vom Zentral-System der Galaktischen Krone.
Für diese bricht aber genau in diesem Moment eine harte Zeit an, denn der ehemalige Prinzipal Zelban Vit-Terous kann sich mit seiner Absetzung nicht abfinden, sondern ersinnt einen Plan, der ihn wieder zurück an die Macht bringen soll. Er "kidnappt" sein ehemaliges Flaggschiff und nimmt Kontakt zu einem Mundänen-Kriegsführer auf. Mit ihm will er über einen Frieden verhandeln. Dieser verspricht ihm anscheinend auch Gott und die Welt, denn Zelban hat nichts besseres zu tun, als ihm die Koordinaten von Orllyndie zu verraten. Allerdings hatte der Mundäne seine Zusage wohl etwas anders gemeint, denn statt mit einem Schiff kommt er mit ein paar tausend davon zur Verhandlung - und die sehen auch eher nach einer Vernichtungsflotte aus als nach Frieden...

Nun ist also das eingetreten, was vor kurzem schon prophezeit worden ist: der Untergang der Galaktischen Krone. Das heißt, noch ist sie nicht wirklich untergegangen, aber mit der Vernichtung von Orllyndie dürfte ein weiterer, sehr entscheidender Schritt in diese Richtung getan worden sein. Und dabei ist das auf fast "lächerliche" Weise geschehen. Da dreht sich doch tatsächlich alles um einen Mundänen, der diesen Planeten an sein Volk verraten will - und dann ist es ein Kronenangehöriger selber, der den entscheidenden Schritt tut. Aber ich will hier gleich keinen Zweifel zurücklassen. Gerade diesen Verlauf fand ich sehr gut, und damit bestätigt sich das, was ich bereits in der letzten Rezi angedeutet habe: rein von der Geschichte her macht sich Segafrendo mittlerweile ungemein. Im Moment scheint mir die Handlung recht innovativ zu sein und sich von den bisherigen Katz-und-Maus-Spielen mit den Mundänen etwas abzusetzen.
Ebenso positiv war für mich, daß man sich hier auf einen recht kleinen Aspekt konzentriert und nicht zu viele Elemente in den Roman gepackt hat. Dadurch hat der Autor den Raum, sich mit dem Charakter zu beschäftigen, der im Zentrum des Romans steht. Auch diese Idee - einen etwas drögen Soldaten zu nehmen, der hier seine große Chance gekommen sieht - ist durchaus recht gut angekommen.
Nun muß also der arme "Mun-13"-Krieger Zanecchi eine überaus vielfältige Betrachtung über sich ergehen lassen. Allerdings muß ich hier jetzt anmerken, daß diese im großen und ganzen zwar recht gut gelungen ist, sich aber oft in zu vielen Wiederholungen ergeht. Irgendwann weiß auch der letzte Leser, daß Zanecchi nicht wirklich helle ist, daß für ihn eigentlich ein neuer Dienstgrad (eben jener "Mun-13") eingeführt werden sollte, und irgendwann weiß man auch, daß sein Arm schmerzt. Dafür ist es aber verwunderlich, was er damit noch alles hinbekommt. Aber es gibt viele Stellen, an denen man sich sehr gut in die Situation und Gedankenwelt des einsamen Kriegers hineinversetzen kann. So ist z.B. seine Enttäuschung über die verpaßte Schlacht (Seite 8) recht gut nachvollziehbar, oder auch seine Situation, als er sich auf dem Weg nach Orllyndie befindet (ab Seite 11). Gerade hier denkt er nicht viel, sondern reagiert sehr stark intuitiv, was vom Autoren auch in dieser Form dargestellt wird.
Was ich allerdings so von seinem "externen Gewissen" halten soll, weiß ich nicht richtig. Ich persönlich hätte hier eher eine "klassische" Variante bevorzugt, in der Zanecchi doch noch von den Tharoidonern aufgehalten wird - oder von Atlan und Tekener, denn die beiden scheinen sich auf dem Planeten ja ohnehin eher zu langweilen.
Aber es ist schön, zu sehen, daß auch die Tharoidoner alte, vergessene Stationen haben, in denen schon seit Ewigkeiten niemand mehr gewesen ist - haben wir auf Terra eigentlich mittlerweile alle alten Überreste der Lemurer entdeckt? Aber ich will nicht so richtig glauben, daß dies in die Sparte Back-to-the-roots fällt, sondern möchte hier einfach mal Zufall unterstellen.
Dem gegenüber (also, ich meine Zanecchi) steht der über alle Maßen enttäuschte Zeiban Vit-Terous. (Also, die Namensgebung ist im Moment echt extrem kreativ!! Wirklich - kein Scherz!) (* Warum nicht gleich Banzai statt Zeiban...? ;-) Heike) Dieser kann offensichtlich nicht verwinden, daß er einfach so seinen Job verloren hat, und nun sinnt er nach einer Möglichkeit, wieder zur Geltung zu kommen. Allerdings macht ihn seine Machtgier noch viel blinder als Zanecchi's Haß auf das Blaue Blond, und so dürfte er den Untergang der Krone um einiges beschleunigt haben. Aber es ist gerade diese Ebene, die zwar kurz und knapp, aber für mich wirklich brillant war - psychopathische Bösewichte sind nun mal einfach die besten. Spannung ist hier fehl am Platz; zu schnell ist deutlich, wohin die Reise geht. Aber die Schilderung von Zeibans Gedankenwelt war für mich einfach nur klasse. Der Schluß dieser Ebene liegt nahe: Macht macht süchtig. Wie wahr!!

Fazit:
Ein gut konzipierter und über weite Strecken wirklich guter Roman, mit einigen Schwächen, die dann doch den einen oder anderen nervenden Eindruck machen. Auf alle Fälle hat aber meiner Meinung nach die Segafrendo-Ebene weiter gewonnen!
11 Punkte

Alexander Haas

Tja, was soll man zu diesem Roman noch großartig schreiben? Orllyndie geht den Bach runter - einerseits, weil ein Slapstick-Mundäne hier sein Unwesen treibt, andererseits, weil ein abgesetzter Herrscher dem Wahnsinn verfällt...
Sonderlich aufregend stellt sich dieser Roman dann auch wahrlich nicht dar. Gerade der gezwungene Möchtegern-Humor um den angeblichen "Mun-13" wirkt auf die Dauer nervend und in seinen immer wiederkehrenden Wiederholungen teilweise schon recht peinlich. Wenn der Leser zum dreizehnten Mal unter die Nase gerieben bekommt, daß dieser Mundäne eigentlich zu dumm ist, um auch nur den niedrigsten Rang zu bekleiden, wirkt dies nun überhaupt nicht mehr interessant, geschweige denn auch nur im Geringsten aufmunternd. Es wirkt vielmehr, als ob Horst Hoffmann hier verzweifelt versucht hätte, die Seiten zu füllen...
Dementsprechend hat der Leser es auch recht schwer, sich durch diese Geschichte hindurchzukämpfen. Hier wäre es eindeutig besser gewesen, die bisherige Linie auf dieser Ebene beizubehalten und sich um die Schilderungen des Untergangs des Krone nicht weiter zu kümmern. Denn daß Orllyndie fallen würde, das dürfte wohl keinen Leser überrascht haben.
Und viel mehr bietet dieser Roman dann auch nicht. Nur der Computer erweist sich noch als interessant und nebenbei wesentlich auskunftsfreudiger und handlungsweisender als der eigentliche Roman. Erst hier bieten sich Perspektiven für die nachfolgenden Romane. Den Romantext selber jedoch kann man bestenalls als Lückenfüller und Langweiler bezeichnen. Schade eigentlich, denn von Hoffmann ist man eigentlich besseres gewohnt (vielleicht hat er mit der Bearbeitung des Plophoser-Zyklus zur Zeit jedoch auch zuviel um die Ohren...). (* Soso. Und zu Guckys Urururururururur-Urahn - mag er auch espern und teleportieren und noch so einiges andere - fällt Euch also überhaupt nichts ein, wie??? Heike)

Fazit:
Nicht besonders aufregend; vor allem in den andauernden Wiederholungen in der Mundänen-Handlung eher langweilig und einschläfernd.
4 Punkte.

Winfried Brand

Auf diesen Roman hätte man verzichten können. Es handelt sich um einen reinen Lückenfüller, über den es eigentlich nicht viel zu sagen gibt.
Bevor sich jetzt irgend jemand aufregt: Auch etliche der qualitativ besseren Romane der Serie waren eigentlich absolut verzichtbar, jedenfalls in der Hinsicht, daß sie die Haupthandlung vorangebracht hätten. Bestes Beispiel der letzten Zeit war Band 2013 "Sternvogels Geheimnis", Autor Hans Kneifel. In diesem Band wurde trotzdem eine Story hervorragend erzählt.
Doch dieser Roman plätschert so vor sich hin. Daß die SOL die Koordinaten der Dunkelwolke Auroch-Maxo erhält, hätte man im vorhergehenden Roman kurz anreißen können. Die eigentlich wichtige Aussage, daß die SOL nicht nur den Kym-Jorier zu bergen hat, sondern daß danach weitere Aufträge auf das Schiff und seine Besatzung warten, ist interessanterweise dem PR-Kommentar zu entnehmen.
Alles andere war entbehrlich.
Horst Hoffmann bemüht sich redlich, aber man merkt dem Roman durchgehend an, daß der Autor sich angestrengt hat, ihn auf die erforderliche Länge zu bringen. Man kann zwar keine exakten Rückschlüsse auf das Exposé ziehen (das ist ein Grundproblem bei der Beurteilung), doch ich kann (gerade wenn man den Vorgänger-Band als Vergleich heranzieht) mich des Eindrucks nicht erwehren, daß Robert Feldhoff mit seinen Vorgaben hier sparsamer war als ein schottischer Bankdirektor.
Die Geschichte um den Mundänen Zanecchi bietet zwar einige interessante Einblicke in das Innenleben eines Mundänen (* Nanu - ein Crossover von Perry zu Quincy? ;-) Heike), doch das hatten wir schon. Die Figur liefert ansonsten recht wenig. Es handelt sich um einen einfachen Krieger, der keine weitergehenden Kenntnisse hat und zudem nicht mit Intelligenz gesegnet ist. So wuselt er sich eher in Slapstick-Manier durch die Handlung.
Daß der abgesetzte Prinzipal der Galaktischen Krone dann noch dem Wahnsinn verfällt und versucht, mit den Mundänen zu verhandeln, war ebenfalls verzichtbar. Nach den letzten Romanen war ohnehin absehbar, daß die Mundänen irgendwann auch die letzten Planeten der Galaktischen Krone finden würden.
Was bleibt übrig? Irgendeine höhere Macht, wahrscheinlich die Superintelligenz K'UHGAR, hat die Mundänen darauf programmiert, die Blauen auszurotten. Es scheint nicht auszureichen, einfach nur die Galaktische Krone als Gesamtzivilisation zu zerschlagen.
Viel mehr bleibt über diesen Roman eigentlich nicht zu schreiben. Er bringt nichts wirklich Neues und ist auch von der Handlung her eher uninteressant.
4 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

home...