Perry Rhodan Fan-Edition

Band 2: „Sturz in die Unendlichkeit“

Autor: Rainer Hanczuk

(76 Seiten, DIN A5, Perry Rhodan Fanzentrale e.V., DM 4,50 + Porto)
- erschienen: April 2000 -

Man mußte lange auf den zweiten Band der Fan-Edition warten. Eigentlich war ja eine zweimonatliche (?) Erscheinungsweise geplant. Aber das Warten hat sich gelohnt. Autor des Romans ist Rainer Hanczuk. Beim informatorischen Stand von Band 1900 hat er mit diesem Roman seine Version des Rätsels "Shabazza" niedergelegt. Die Handlung spielt damit in einem alternativen PR-Kosmos.

Perry Rhodan, Reginald Bull, Mondra Diamond und einige andere (in der Originalversion die Besatzung der KAURANGG) befinden sich an Bord des Raumschiffes TEBB in der Galaxis DaGlausch. Ein von der SOL geflohenes Besatzungsmitglied übergibt ihnen in der ersten Szene die Koordinaten, an denen sich die SOL aufhält. Der Solaner stirbt, ohne weitere Informationen preisgegeben zu haben, und so machen sich PR und seine Begleiter auf und finden die SOL. Sie begeben sich an Bord. Das Schiff sieht aus, als sei es seit Jahrhunderten verlassen. Die künstliche Schwerkraft ist ausgefallen, die Atmosphäre fehlt. Überall an Bord liegt ein seltsamer Staub, der sich als organische Materie entpuppt - Rhodan vermutet, es handele sich um die Überreste der ehemaligen Besatzung.
Im Mittelteil des Schiffes begeben sich die Terraner ins Innere der Bio-Positronik SENECA, die ebenfalls ausgefallen ist. Hier herrscht allerdings normale Schwerkraft, und eine Atmosphäre ist auch vorhanden. Senecas Plasmaanteil fehlt. In der Hauptschaltzentrale der Positronik entdeckt man ein sargähnliches Gebilde, in dem ein perfektes Duplikat Perry Rhodans liegt. Das Duplikat trägt einen der alten, eiförmigen Zellaktivatoren, und als Rhodan diesen an sich nimmt, beginnt der Körper des Schläfers rasch zu altern und zerfällt schließlich zu Staub.
Perry Rhodan und seine Begleiter verlassen die SOL wieder, weil sie nichts Interessantes mehr finden. Über einen Pilzdom begibt PR sich auf die Brücke der Unendlichkeit, die sich seltsam verändert hat. Sie ist trotz seines Passantums kalt und ablehnend. Rhodan erreicht über den Planeten Trokan das Solsystem, wo die Terraner um ihr nacktes Überleben kämpfen. Seltsame Raumschiffe haben damit begonnen, die Sonne zu manipulieren, und Terra wird gerade evakuiert. Perry Rhodan will über die Brücke zum Prototor, um den Rat von Thoregon in dieser bedrohlichen Situation um Hilfe zu bitten. Auf der Brücke begegnet er Shabazza. Dieser materialisiert aus einem Mikrokosmos im Inneren des Zellaktivators von der SOL, den der Terraner noch bei sich trägt, und greift PR sofort an. Als Rhodan schließlich am Boden liegt und sich kaum noch wehren kann, gibt Shabazza seine Geschichte preis. Er erklärt, er habe die SOL zur Falle aufgebaut, um durch Rhodan auf die Brücke und hinter das Prototor zu gelangen. Dort will er den Rat von Thoregon ausschalten.
Der Rest jetzt in Kurzform (sonst wird es zu lang ... ):
SENECA mutierte an Bord der SOL und spaltete sich auf. Der Abkömmling, eine Art Zweitbewußtsein, wurde von dem Kosmokraten-Roboter Cairol im Sinne der Kosmokraten konditioniert, besiegte SENECA schließlich und übernahm die SOL. Seitdem ging er gegen das entstehende Thoregon vor. Das Wissen und die Motive Shabazzas sind damit geklärt.
Es gelingt Rhodan schließlich doch, Shabazza im Kampf zu töten. Die Schiffe, die die Sonne manipulieren, stellen daraufhin ihre verhängnisvollen Aktivitäten ein. Es handelt sich um die von den Baolin-Nda konstruierten Virtuellen Schiffe, die Shabazza ebenfalls übernommen hatte.
Terra ist erst einmal gerettet.

Rainer Hanczuk präsentiert hier einen beachtlichen Roman, besonders, wenn man seinen damaligen Kenntnisstand bedenkt. Verblüffend ist vor allem, daß auch hier die Kosmokraten (bzw. einer ihrer Handlanger, nämlich der Roboter Cairol) der eigentliche Feind Thoregons sind. Es lohnt sich, diesen Band zu lesen. Der Stil ist allerdings eher karg; Rainer Hanczuk beschränkt sich auf das Wichtigste, nämlich die Handlung, und davon gibt es eine Menge. Teilweise wirkt die Handlung arg gerafft, was aber nicht verwundert, denn der Autor hat eine Menge Stoff verarbeitet. So präsentiert er zwar nicht die eigentliche Auflösung des Großzyklus, aber immerhin einen guten Teil - und das in einem einzigen Roman. Dieser dürfte allerdings, nimmt man die Norm von 55 bis 60 Seiten, beinahe den Umfang eines Taschenbuches erreichen. Das Heft hat (alles eingerechnet, inclusive Umschlag) einen Umfang von 76 Seiten, wovon bis auf eine Innen-Illustration, den Umschlag und drei Seiten Werbung alles Text ist. Gegenüber dem ersten Band der Edition wurde auch die Ausstattung aufgepeppt; so finden sich auf dem Innenumschlag Seite 2 Steckbriefe des Autors und des Titelbildzeichners.
Auch ein vergleichbarer Roman eines "professionellen" Autors würde kaum anders aussehen. Ein wesentlicher Pluspunkt ist zweifelsohne der Ideenreichtum der Handlung. Man muß zwar davon ausgehen, daß die PR-Expo-Factory sich für eine solche Handlungsfülle mehrere Hefte gelassen hätte, doch das kann man Rainer Hanczuk nun wirklich nicht anlasten. Für ein Erstlingswerk hat dieses Heft wirklich Klasse. Insgesamt hinterläßt der Band einen wesentlich besseren Eindruck als der erste Roman der Edition.

Für einen Fan-Roman dieser Qualität gibt es dann auch
13 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Es ist wirklich verblüffend, was dabei herauskommt, wenn ein Autor mit Kenntnisstand um den Band 1900 herum einfach einen Band 1950 schreibt, so wie er ihn sich vorstellt, und diesen dann als Bewerbungsroman an die Redaktion schickt.
Der vorliegende Roman von Rainer Hanczuk beweist wieder einmal recht eindrucksvoll, wozu dieser Autor in der Lage ist. Denn sein alternativer Band 1950 erweist sich als weitaus besser, als es dem wirklichen Band gelungen ist. Hanczuks Fassung sprüht nur so vor Ideen, die alle nicht nur in den PR-Kosmos passen, sondern gleichzeitig auf noch aufs Äußerste faszinieren.
Sicherlich hat Hanczuk diesen Roman ein wenig überfrachtet, so daß sich die Atmosphäre nur in gelegentlichen Szenen wirklich entwickeln kann - doch dies ist in Jubi-Bänden durchaus keine Seltenheit, so daß man sich hier wirklich nicht beschweren sollte. Was der Autor hier geschaffen hat, ist ein Roman, der sicherlich seinesgleichen sucht. Die sich aus der Handlung ergebende Spannung ist jedenfalls mörderisch - und fast schon wünscht man sich, daß der Zyklus genau diesen Verlauf genommen hätte, anstatt dessen, was nun wirklich erschienen ist.

Fazit:
Ein hervorragender Roman aus einem alternativen PR-Kosmos. Angesichts der aktuellen "Zeitscheide" wäre es wirklich noch ein Überlegung wert, diese Handlungsmöglichkeit zur Wirklichkeit mutieren zu lassen. Den offiziellen Band 1950 kann Hanczuk jedenfalls problemlos übertreffen - und auch gleich noch die meisten anderen Romane des kompletten Großzyklus. Einzig die Atmosphäre muß naturgemäß ein wenig unter der Handlungs- und Erklärungsfülle leiden.
13 Punkte.

Winfried Brand

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