Rainer Castor:

"Juwelen der Sterne"

(Band 3 der Arkon-Trilogie)
(Atlan Hardcover - Band 16))
(431 Seiten, Hardcover, Moewig, ISBN 3-8118-1515-6, DM 24,80)
- erschienen: Mai 2000 -

Mit diesem Band liegen Abschluß und Höhepunkt der Arkon-Trilogie vor.
Normalerweise sollte an dieser Stelle einer Rezension eine (zumindest kurze) Inhaltsangabe erfolgen, doch davor muß ich leider - nicht zuletzt auch, um diesen Text auf annehmbarer Länge zu halten - kapitulieren.
Die Trilogie spielt auf der Hauptebene in den Jahren 2047/2048, und Atlan als Imperator muß sich innerer wie äußerer Feinde erwehren. Neben den schon aus den frühen Perry Rhodan-Romanen bekannten innenpolitischen Feinden wie etwa den Antis, mächtigen arkonidischen Clans und Untergrundbewegungen wie der SENTENZA muß sich der Imperator vor allem mit dem Tekteron-Bund auseinandersetzen, dessen Wurzeln bis in die ferne Vergangenheit zurückreichen.
Rainer Castor brennt in diesem Roman mehr noch als in den beiden Vorgängern ein grandioses Ideenfeuerwerk ab. Er knüpft Zusammenhänge von den Sieben Mächtigen und dem Schwarm zur Superintelligenz Seth-Apophis, den Hütern des Lichts und den Rittern der Tiefe, ES und Anti-ES, dem Suprahet, den Molekülverformern und einigen anderen Handlungskomplexen, deren Hintergründe in den Heften nicht komplett aufgearbeitet wurden. Sogar Thoregon taucht auf. Da der Roman innerhalb der Atlan-Reihe erscheint, werden passenderweise auch Ungereimtheiten aus früheren Atlan-Zeitabenteuern geglättet und in einen logischen Zusammenhang mit den Geschehnissen des PR-Kosmos gebracht. Als Beispiel sei hier nur die Nr. 13 der Hardcover-Reihe mit den darin enthaltenen späten TBs von Hans Kneifel genannt. Die ursprünglichen Texte standen teilweise in massivem Widerspruch zur "offiziellen" PR-Geschichte der Dritten Macht.
Der Leser steht dem Ergebnis etwas zwiespältig gegenüber. Es ist schon beeindruckend, wie der Autor Handlungskomplexe, die in der Heftserie nicht vollständig abgehandelt wurden, zu einem logischen Ganzen zusammenstellt.
Leider schießt Rainer Castor dabei deutlich über das Ziel hinaus, denn alles geht stark auf Kosten der Lesbarkeit. Der Aufbau überfordert zumindest den Durchschnittsleser massiv. Was bei demjenigen gut ankommen mag, der die PR-Serie WIRKLICH gut kennt, wirkt auf alle anderen eher einschüchternd, womöglich sogar abschreckend. Rainer Castor beschreibt zwar jeden Handlungsschauplatz und jede Phase der Handlung äußerst detailreich, aber irgendwie ist es selbst als Altleser schwer, in die Handlung einzusteigen. Eine Handlung komplex aufzubauen, ist sicherlich nicht einfach, aber hier ist es vielfach verwirrend. So wird kontinuierlich zwischen verschiedenen Handlungskomplexen, die teilweise mit dem eigentlichen Thema oder auch miteinander nur wenig zu tun haben, hin- und hergewechselt. Vergangenheit, Gegenwart und sogar zukünftige Ereignisse werden angerissen, abgehandelt und/oder miteinander verwoben; eine Vielzahl von Personen erschwert den Lesefluß beträchtlich. Zudem hat man oft das Gefühl, ein Lexikon zu lesen. Rainer Castor hat ein unglaubliches Detailwissen über den PR-Kosmos, aber im Vergleich zu den Romanen eines K. H. Scheer oder William Voltz ist sein Schreibstil einfach zu überfrachtet. Er verliert sich oft in Einzelheiten und fordert auch dem PR-Kenner ein Höchstmaß an Konzentration ab - eine Erscheinung, die in den Romanen der PR-Erstauflage (glücklicherweise) nur ansatzweise auftritt. Aber eine in sich abgeschlossene Handlung vom Umfang dreier Bücher zu je 430 Seiten (zudem recht klein gesetzt) ist etwas völlig anderes als ein Heftroman nach einem Exposé.
Von der dargelegten Problematik her ist es auch beinahe utopisch, eine kurze und prägnante Inhaltsangabe zu liefern, denn man stößt hier rasch an seine Grenzen. Irgendwie sind auch scheinbare Nebensächlichkeiten letztlich wichtig...
Etwas weniger "kosmischer Überbau" und konsequente Konzentration auf die Zeitebene der Jahre 2047/48 hätten den Roman und damit die gesamte Trilogie erheblich aufgewertet. Das eigentliche Geschehen hätte man in drei PR-TBs sicherlich locker abhandeln können. Gut, dann fallen halt diverse "kosmische" Aspekte und Hintergründe einfach weg, aber man muß ja nicht gleich versuchen, ALLE Rätsel aus 2000 PR-Heften in einem einzigen Buch zu lösen. Dieser Eindruck drängt sich jedenfalls mir auf. Wie so oft gilt auch hier die Devise: "Weniger wäre (deutlich) mehr gewesen".
An sich ist das Ergebnis beinahe enttäuschend, denn wohl kaum ein PR-Leser wird bestreiten, daß Rainer Castor zu den herausragenden Autoren des Perry Rhodan-Teams gehört und dort auch kontinuierlich erstklassige Romane abliefert.

Fazit:
Tiefe Einblicke in den PR-Kosmos, aber schwierige Kost für den Leser.
7 Punkte

Hans-Joachim Kleimann


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