Prinz
Rohan und sein Vater sind so unterschiedlich, wie es extremer kaum
geht. Während der Vater ein alter Draufgänger und
Drachenjäger ist, so handelt es sich bei seinem Sohn um einen
Visionär, der nach dem Tod seines Vaters seinen eigenen Wege
gehen will, um das Reich seines Vaters zu erhalten. Dabei macht ihm
der alte Haß seines Volkes auf die Drachen der Wüste
schwer zu schaffen. So steht er hin- und hergerissen zwischen seiner
Liebe zu diesen edlen Wesen und der Tatsache, daß sie
ständig das Vieh und das Leben seiner Vasallen bedrohen. Doch er
hat auch noch andere Probleme, denn er ist nicht der einzige, der
Pläne hat. Wie es scheint, glaubt fast jeder aus seiner
Umgebung, mit ihm ein Spiel veranstalten zu können - und all
jene wird er zunächst einmal enttäuschen müssen...
Zuallererst einmal: Bei diesem Zyklus handelt es sich um eine
Wiederveröffentlichung - und mit Recht, wage ich zu behaupten,
denn mit "Gesicht im Feuer" liegt ein wirklich zauberhafter Roman
vor, der so ziemlich alles in sich trägt, was die
Fantasy-Freunde schätzen dürften.
Im Zentrum steht Prinz Rohan, der sich erst einmal von dem Ruf als
Träumer befreien muß, ohne darüber seine Träume
aufzugeben. Gleichzeitig will er verhindern, daß alle mit ihm
ihre Spiele treiben. Er ist vielmehr derjenige, der sein Spiel
durchziehen will, doch dabei ist er keineswegs der coole König,
der alles von vornherein unter Kontrolle hat. Er ist von Zweifeln und
Schwächen durchzogen, und das in einer Welt, in der seine Feinde
kaum Schwächen zeigen. Auf diese Weise gelingt der Autorin ein
Protagonist, den man als Leser sehr gut nachvollziehen oder sich auf
eine distanzierte Beobachtung zurückziehen kann - denn
schließlich ist die Lichtläuferin Sioned auch noch eine
Figur, die gewiß viele Leser in ihren Bann ziehen wird.
Überhaupt ist die Vielfalt der unterschiedlichen Charaktere
überraschend groß - besonders unter den
Sympathieträgern, also unter den "Guten". Die Gegenseite hat
sich bisher noch gar nicht so richtig konstituiert, und da ist in den
Folgebänden noch einiges zu erwarten - sonst wird's langweilig.
Aber ich bin da guter Dinge, weil der "Oberbösewicht" doch schon
herrlich "böse" ist, und da ist bestimmt noch einiges drin.
So faszinierend wie die Charaktere präsentiert sich auch die
Welt, in der die Handlung spielt. Ein recht kleiner Kontinent, voll
mit vielen Menschen und vielen Persönlichkeiten, die sich in der
Zukunft noch behakeln werden. Im Zentrum der Geschehnisse stehen
natürlich die Bewohner des Wüstenstaates von Rohan, der mit
vielen Plänen darangeht, sein Land in ein wahres Paradies zu
verwandeln.
Aber etwas, das mich am allermeisten freut, ist die Anwesenheit von
etwas, über das ich nach meinem Ermessen noch viel zu wenig
gelesen habe: Drachen. In dieser Welt gibt es richtig viele Drachen,
und Prinz Rohan ist - wie ich - ein großer Drachenliebhaber.
Doch kommt hier eine weitere Zwiespältigkeit: Auf der einen
Seite liebt der die Drachen, auf der anderen Seite weiß er,
daß er sie bekämpfen muß. Eine Tatsache, die sich in
der Zukunft noch viel mehr auf die Handlung ausprägen wird, denn
die Drachen werden wohl eine sehr wesentliche Rolle in dem Zyklus
spielen.
Ein paar Worte noch zur Handlung. Ein wenig ist diese nämlich
der Schwachpunkt, denn so richtig kommt sie im Lauf dieses Bandes
nicht in Gang. Eigentlich geht der ganze Roman dabei drauf, die Welt,
Magie, Drachen, Schauplätze und die Charaktere vorzustellen.
Erst am Ende laufen die Intrigen an, und dann wird auch die Spannung
zu einem tragenden Element. Das mag aber einmal mehr daran liegen,
daß es sich hier um einen geteilten Roman handelt und im
Originalroman genau jetzt die Geschichte richtig losgeht - aber daran
tippe ich mir irgendwann noch die Finger wund. Dennoch ist das aber
nur ein nicht sehr wesentlicher Schwachpunkt des Romans.
Fazit:
Ein sehr schöner Roman, der ein wenig an seiner Handlung
kränkelt, aber eine sehr schöne Welt mit einer zauberhaften
Magie, vielen Drachen und tollen Charakteren. Ein Auftakt zu einem
großen Zyklus.
12 Punkte