Margaret Weis & Don Perrin:

"Der Zorn des Drachen"

(Ein DragonLance-Roman)
(464 Seiten, Paperback, Blanvalet 24930, ISBN 3-442-24930-9, DM 22,-)
- erschienen: Mai 2000 -

Nachdem der junge Raistlin seine Zauberprüfung überlebt und seine alte Schule als kranker und gezeichneter Magier verläßt, ziehen er und sein Bruder aus, um sich dem Söldner-Baron Langbaum anzuschließen. Dabei treffen sie auf den Halbkender Tauscher, dessen Haupttalent darin besteht, jedem das zu besorgen, was er braucht - wobei er auch noch einen fetten Gewinn für sich selbst aushandeln kann.
Weit entfernt ist die Schwester der beiden Brüder dabei, sich einer anderen finsteren Söldner-Armee anzuschließen. Schnell hat sie das Vertrauen des Kommandanten erlangt und wird zu dem uralten roten Drachen Immolatus geschickt; ein Auftrag, der sie leicht das Leben kosten kann.
Dennoch sollen ihre Wege sich schneller mit denen ihrer Brüder kreuzen, als ihr lieb ist, und noch lange ist nicht klar, wer aus diesem Treffen als Sieger hervorgehen wird...

Somit liegt also nun der zweite Teil der Geschichte vor, die den großen Magier Raistlin beschreibt, der einmal eine der zentralen Figuren in den Drachenkriegen sein wird, wie sie vielen Fantasy-Freunden bereits als die Geschichten der Drachenlanze bekannt sind.
Fiel es mir aber bei der "Zauberprüfung" noch recht leicht, ein eindeutig euphorisches Urteil zu fällen, so muß ich sagen, daß "Der Zorn der Drachen" hier deutlich abfällt.
Das liegt hauptsächlich an der Handlung, die ich doch ein wenig zu klassisch - zu gewöhnlich finde. Schnell geht es wieder um Ausbildung und Training; und das einzige, das wirklich deutlich wird, ist, daß die Guten und die Bösen fast auf dieselbe Art trainieren. Ansonsten bleibt dieser nicht gerade kleine Teil sehr hinter dem zurück, was man einen spannenden Roman nennt. Doch die Geschichte wird besser, je weiter sie fortschreitet, und bringt einige interessante Szenen zustande, z.B. als Gut und Böse auf derselben Seite stehen und gegen einen gemeinsamen Feind kämpfen. Dennoch scheint mir alles sehr routiniert strukturiert und nicht absolut überzeugend, besonders, da am Ende doch einige sehr vage und mäßige Erklärungen herausspringen.
Was den Roman aber lesenswert macht, sind seine Charaktere. Hier stehen besonders Raistlin und sein Bruder Caramon im Mittelpunkt, ein Paar, wie es unterschiedlicher kaum sein kann. Und doch spannt sich ein unsichtbares Band zwischen ihnen, das durch nichts getrennt werden kann. Das mag zwar ein wenig kitschig klingen (ist es vermutlich auch), aber gerade dies sorgt für die wirklich guten Momente in diesem Buch, wenn der undurchsichtige Raistlin mit seinen Launen auf seinem Bruder herumhackt und eigentlich sofort merkt, daß er das gar nicht tun möchte, aber nicht anders kann... Dies überzeugend zu schildern, ist eine wirkliche Herausforderung, die zudem auch noch sehr gut gelöst wurde.
Auch die anderen, weniger ausführlich beschriebenen Charaktere haben ihren Reiz. So zeigt der Halbkender Tauscher, daß man Kender auch anders schildern kann, statt sie nur als die nervigen kleinen Diebe darzustellen. Aber auch der alte Magier Horkin oder der "verrückte" Baron sind sehr liebenswürdig dargestellt und sorgen dafür, daß man dieses Buch einfach gern haben muß.

Fazit:
Eine sehr klassische Geschichte, die gut umgesetzt wurde. Allen Fans der Drachenlanze wärmstens empfohlen. Allen anderen sei zuvor die Lektüre der "Zauberprüfung" ans Herz gelegt, die hier doch sehr wichtige Grundlagen für das Verständnis der Geschichte legt.
11 Punkte

Alexander Haas


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