Nachdem
der junge Raistlin seine Zauberprüfung überlebt und seine
alte Schule als kranker und gezeichneter Magier verläßt,
ziehen er und sein Bruder aus, um sich dem Söldner-Baron
Langbaum anzuschließen. Dabei treffen sie auf den Halbkender
Tauscher, dessen Haupttalent darin besteht, jedem das zu besorgen,
was er braucht - wobei er auch noch einen fetten Gewinn für sich
selbst aushandeln kann.
Weit entfernt ist die Schwester der beiden Brüder dabei, sich
einer anderen finsteren Söldner-Armee anzuschließen.
Schnell hat sie das Vertrauen des Kommandanten erlangt und wird zu
dem uralten roten Drachen Immolatus geschickt; ein Auftrag, der sie
leicht das Leben kosten kann.
Dennoch sollen ihre Wege sich schneller mit denen ihrer Brüder
kreuzen, als ihr lieb ist, und noch lange ist nicht klar, wer aus
diesem Treffen als Sieger hervorgehen wird...
Somit liegt also nun der zweite Teil der Geschichte vor, die den
großen Magier Raistlin beschreibt, der einmal eine der
zentralen Figuren in den Drachenkriegen sein wird, wie sie vielen
Fantasy-Freunden bereits als die Geschichten der Drachenlanze bekannt
sind.
Fiel es mir aber bei der "Zauberprüfung" noch recht leicht, ein
eindeutig euphorisches Urteil zu fällen, so muß ich sagen,
daß "Der Zorn der Drachen" hier deutlich abfällt.
Das liegt hauptsächlich an der Handlung, die ich doch ein wenig
zu klassisch - zu gewöhnlich finde. Schnell geht es wieder um
Ausbildung und Training; und das einzige, das wirklich deutlich wird,
ist, daß die Guten und die Bösen fast auf dieselbe Art
trainieren. Ansonsten bleibt dieser nicht gerade kleine Teil sehr
hinter dem zurück, was man einen spannenden Roman nennt. Doch
die Geschichte wird besser, je weiter sie fortschreitet, und bringt
einige interessante Szenen zustande, z.B. als Gut und Böse auf
derselben Seite stehen und gegen einen gemeinsamen Feind
kämpfen. Dennoch scheint mir alles sehr routiniert strukturiert
und nicht absolut überzeugend, besonders, da am Ende doch einige
sehr vage und mäßige Erklärungen herausspringen.
Was den Roman aber lesenswert macht, sind seine Charaktere. Hier
stehen besonders Raistlin und sein Bruder Caramon im Mittelpunkt, ein
Paar, wie es unterschiedlicher kaum sein kann. Und doch spannt sich
ein unsichtbares Band zwischen ihnen, das durch nichts getrennt
werden kann. Das mag zwar ein wenig kitschig klingen (ist es
vermutlich auch), aber gerade dies sorgt für die wirklich guten
Momente in diesem Buch, wenn der undurchsichtige Raistlin mit seinen
Launen auf seinem Bruder herumhackt und eigentlich sofort merkt,
daß er das gar nicht tun möchte, aber nicht anders kann...
Dies überzeugend zu schildern, ist eine wirkliche
Herausforderung, die zudem auch noch sehr gut gelöst wurde.
Auch die anderen, weniger ausführlich beschriebenen Charaktere
haben ihren Reiz. So zeigt der Halbkender Tauscher, daß man
Kender auch anders schildern kann, statt sie nur als die nervigen
kleinen Diebe darzustellen. Aber auch der alte Magier Horkin oder der
"verrückte" Baron sind sehr liebenswürdig dargestellt und
sorgen dafür, daß man dieses Buch einfach gern haben
muß.
Fazit:
Eine sehr klassische Geschichte, die gut umgesetzt wurde. Allen Fans
der Drachenlanze wärmstens empfohlen. Allen anderen sei zuvor
die Lektüre der "Zauberprüfung" ans Herz gelegt, die hier
doch sehr wichtige Grundlagen für das Verständnis der
Geschichte legt.
11 Punkte
