Band 8: "Der schlafende König"

Autor: Ronald M. Hahn

Sepp Nüssli, Spion der Grauen Eminenzen, hat den Auftrag, in den Tempel der Broglianer einzudringen und ihre Verteidigungsanlagen auszukundschaften. Bei diesem Versuch erliegt er allerdings seiner krankhaften Kleptomanie und wird von den Broglianern gefangengenommen.
Währenddessen haben sich Matt und Aruula der Karawane des Händlers Achmaz angeschlossen, dessen Ziel Doyzland ist. Kurz vor ihrem Ziel werden sie von Guulen, Menschenmetzgern, angegriffen, die Matt mit seiner Beretta in die Flucht treiben kann. Was ihn allerdings verblüfft, ist die Tatsache, daß er während des Kampfes eine Waffe gefunden hat, die im Jahr 2008 hergestellt worden ist.
Kurze Zeit später erreichen Matt und Aruula Zürich, vielmehr das, was von Zürich noch übrig ist. Achmaz und seine Karawane setzen ihren Weg fort, während Matt das Geheimnis der Waffe ergründen will. Seine Nachforschungen ergeben, daß die Broglianer, eine jahrhundertealte Religionsgemeinschaft, diese Waffen benutzt. Am anderen Morgen werden Aruula und er von den Guulen angegriffen und geraten in den Tempel der Broglianer.
In den unterirdischen Kellern finden sie einen Kryogentank, in dem der exzentrische kanadische Milliardär Claude de Broglie schläft. Nachdem Matt sich das Computertagebuch angehört ist, ist ihm einiges klar: Die Religionsgemeinschaft der Broglianer ist nur zu dem Zweck gegründet worden, die Sippe der Mötzli vor dem Absinken in die Primitivität zu retten. Matt erfährt auch, daß es einen jahrhundertealten Konflikt zwischen ihnen und den Nüsslis gibt. Trotz aller Skepsis weckt er den Milliardär auf - ein Fehler, denn dieser hat während des langen Schlafes seinen Verstand verloren. Da die Broglianer glauben, Matt und Aruula würden ihren König bedrohen, setzen sie die beiden erstmal fest. Im Gefängnis machen sie Bekanntschaft mit Sepp, der auch einen ersten Fluchtversuch organisiert. Nachdem dieser scheitert, werden sie vor Claude gebracht. Dieser hält sich für den Kaiser des Universums. Mit Hilfe einer IntelliBombe, die er allen dreien einpflanzen läßt, zwingt er sie, in das Hauptquartier der Grauen Eminenzen einzudringen und diese außer Gefecht zu setzen.
Nachdem Sepp sie erneut aus einer brenzligen Situation retten kann, werden sie zu den Grauen Eminenzen in die ehemaligen Keller der Nationalbank gebracht. Und kaum haben diese von den IntelliBomben Wind bekommen - Sepp hat das Gerät gestohlen, mit dem die Bomben verwendet werden - pflanzen sie ihnen auch schon neue ein. Kurze Zeit später haben die Bomben sich automatisch außer Betrieb gesetzt. Matt sowie Aruula und Sepp sind frei von ihnen.
Gezwungenermaßen begeben sie sich jedoch zurück zu Claude, der ihnen die Geschichte von der Eroberung des Hauptquartiers glaubt und mit seiner Armee von dannen zieht. Bevor Aruula und Matt jedoch verschwinden, wollen sie sich noch aus den reichen Waffenkammern Claudes bedienen. Da Sepp die Hauptenergiequelle des Generators stiehlt, bleibt den dreien nur wenig Zeit, die Keller zu verlassen, bevor er in die Luft fliegt. Claude wird von den Guulen getötet, die für die Nüsslis arbeiten.

Nachdem eine Leseprobe von Band 8 schon vorab im Netz zu lesen war, hatte ich meine Zweifel, ob Ronald M. Hahn der Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit gelingt. Diese Zweifel hat dieser Band jedoch ausgeräumt.
Allein schon die zahlreichen Anspielungen auf bekannte SF-Serien und SF-Romane machen diesen Band zu einem wahren Lesevergnügen. Spielerisch streut Hahn sie in den Romantext ein, und man muß manchmal regelrecht an sich halten, um nicht mit dem Lachen herauszuplatzen.
Neben aller "Blödelei" gelingt es ihm jedoch auch, die ernsten Stellen mit Leben zu füllen und sie wohltuend von den komischen Teilen abzuheben. Daß sich der Roman eigentlich um die Bürokratie und deren Auswüchse dreht, merkt der Leser recht schnell. Diese Behördenkritik wird jedoch nicht mit dem moralischen Zeigefinger vorgetragen, sondern in bester Pratchett-Manier in einer spannenden und an keiner Stelle langweiligen Handlung erzählt.

Fazit:
Der zweite Hahn-Roman ist einer der Höhepunkte der Serie. Spannend, witzig und hervorragend erzählt.
15 Punkte

Christian Spließ

Ein "humoristischer" Maddrax-Roman sollte dies sein - sollte, ist es aber nur sehr bedingt. Ronald M. Hahn schreibt hier wie zu besten T.N.T. Smith-Zeiten, dummerweise jedoch keinen Maddrax-Roman.
Dies liegt vor allem an der "locker-schlampigen" Ausdrucksweise, die Hahn dem Helden (und nicht nur diesem) in den Mund legt. Dies paßt zu einem Smith der 40er Jahre, jedoch nicht zu einem Matt Drax aus dem Anfang des 21. Jahrhunderts (auch wenn diesem bisher noch von keinem Autor so etwas wie ein tiefergehender Charakter angedichtet wurde).
Dabei ist die grundlegende Handlung dieses Romans durchaus als gut zu bezeichnen und hätte allein auch ausgereicht, um einen humoristischen Roman zu füllen, ohne diesen auch noch in einem Stil zu schreiben, der zwar locker wirken soll, jedoch an manchen Stellen einfach zu übertrieben wirkt.
Und in dem Bemühen, möglichst locker zu bleiben, schlägt Ronald M. Hahn dann auch einmal derart massiv über die Stränge, daß ich mich frage, was zum Teufel er sich denn hierbei wohl gedacht hat (und reiche diese Frage auch gleich noch an Michael Schönenbröcher durch, der diesen Absatz hat stehen lassen). Denn auf Seite 55 findet sich in der ersten Spalte folgender Text (und das auch noch als eine Beschreibung aus der Hand des Autors, die man keiner der handelnden Figuren zuschreiben kann): "Seine Männer brüllten vor Lachen, und das machte weder auf Aruula noch auf Matt einen sonderlich guten Eindruck - zumal das Gelächter der Leichenfresser wie das Husten von zwanzig Tuberkulosepatienten hinter einer Friedhofsmauer klang."
Diesen "Witz" kann man mit zwei unterschiedlichen Worten beschreiben: "geschmacklos" ist dabei der harmlose Ausdruck, "menschenverachtend" das durchaus vertretbare Extrem - was man nun bevorzugt, hängt vom Einzelnen selber ab.
Im richtigen Umfeld kann man solcherlei Sprüche sicherlich bringen, so z.B. innerhalb eines T.N.T. Smith-Romans, wenn dieser Ausdruck einem von Thaal zuzuschreiben ist, wo er dann dazu dient, das nationalsozialistische Weltbild durch Zurschaustellung zu persiflieren. In einem Maddrax-Roman, noch dazu als Beschreibung aus der Hand des Autors, hat sowas jedoch keinesfalls etwas zu suchen.
Solch ein Fehlgriff kann dann auch einen ganzen Roman zunichtemachen - selbst einen ansonsten gar nicht mal so schlechten.

Fazit:
Ein durchaus recht guter Roman, der jedoch einfach nicht in diese Serie paßt. Zuviel Herumgealber und -geblödel von Seiten der Hauptpersonen wirkt manchmal stark aufgesetzt. Außerhalb der Serie wäre dieser Roman sicherlich besser aufgehoben gewesen. Aufgrund der weiter oben beschriebenen Szene sehe ich mich allerdings außerstande, hier überhaupt eine Bewertung abzugeben. Die übliche und konsequente Abwertung auf 0 Punkte wird diesem Roman nicht gerecht; jeglicher Punkt ist jedoch aufgrund der erwähnten Szene unverantwortbar.
Keine Wertung.

Winfried Brand

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