R.A. Salvatore:

"Der steinerne Arm"

(Dämonendämmerung 5)
(432 Seiten, Taschenbuch, Blanvalet 24936, ISBN 3-442-24936-8, DM 17,90)
- erschienen: Mai 2000 -

Der Zentaur Bradwarden ist aus den Fängen der Abelikaner Mönche befreit worden, und diese haben den guten Meister Jojonah als Ketzer verbrannt. Gemeinsam mit ihrem Freund fliehen Elbryan und Pony in die Wildnis des Nordens. Hier wollen sie helfen, ihre zerstörten Heimatstädte wieder aufzubauen und die Siedler vor streunenden Pauris und Goblins zu beschützen. Dabei arbeiten sie eng mit den Soldaten des Königs zusammen.
Währenddessen ist der wahnsinnige Abt von St. Mere-Abelle noch lange nicht am Ende. Es gelingt ihm, einen seiner Jünger zum Bischof von Palmaris zu machen und auf diese Weise große Teile des Bärenreiches unter seine Kontrolle zu bringen. Über diese weltliche Macht erfährt er aber auch, daß Elbryan und Pony sich in seinem Machtbereich aufhalten...

Band 5 der "Dämonendämmerung" bringt Business as usual, und wieder kommt sie in geteilten Stücken - einmal eine Serie gesplittet, bleibt das auch dabei.
Genauso, wie die Geschichte im letzten Band endete, geht es hier weiter. Die Charaktere halten sich fern von jeglichem Tiefgang, und eine Weiterentwicklung steht sowieso nicht zur Debatte. In diesem Fall müßte die Handlung sich ja von der Aneinanderreihung der Metzeleien wegbewegen, wie es im "Steinernden Arm" einmal mehr geschieht.
Allerdings gibt es tatsächlich eine Neuerung, auf die ich allerdings wirklich gerne verzichtet hätte. Diesmal versucht Salvatore, die Handlungsweisen seiner Protagonisten zu erklären bzw. zu rechtfertigen, indem er den Lesern einen Einblick in die Gedankenwelt von Elbryan und Pony gewährt. Ich will hier ja gar nicht den oft gebrauchten und noch viel öfter mißbrauchten Begriff der Gewaltverherrlichung herbeizitieren, aber wenn ein gnadenloses und verachtendes Abschlachten eines Gegners nur die Begründung hat, daß die "Heldin" sich von ihren Problemen abreagieren und damit den Tod ihrer Eltern verarbeiten muß, dann finde ich das weder glaubhaft noch gut - besonders, da die Goblins, die Ms. Pony da über den Weg gelaufen sind, mit dem Tod der besagten Eltern absolut nichts zu tun hatten, sondern jemand ganz anders dafür verantwortlich war.
Dennoch geht es in diesem Stil fleißig weiter. Je mehr Gedanken zum Zuge kommen, desto abstruser wird die Geschichte.
Auf der anderen Ebene soll neben dem Schlachten im Norden wohl auch noch ein wenig an der Intrigen-Seite des Südens gearbeitet werden. Doch auch hier verkommt die Handlung immer mehr zu einem langweiligen Streit zwischen Kirche und Staat um die Macht im Reich. Anstatt hier so eine Art Gegengewicht zu der oberflächlichen Story der anderen Ebene zu schaffen, benutzt der Autor die gleichen Elemente: Oberflächlichkeit (statt Gefühlsduselei geht es hier allerdings in Richtung Geheimniskrämerei und Drohungen) und Gewalt (es ist schon schön zu sehen, wie der frischernannte Bischof eigenhändig ein paar kämpfende Hunde aus dem Weg räumt, daß seiner "Leibwache" Hören und Sehen vergeht).
Durch diese Aufteilung kommen mal wieder nur die Splatterfans auf ihre Kosten, und das wirklich nicht zu knapp. Ich will Salvatore lassen, daß er es wirklich versteht, einen Kampf zu schildern, wie es besser kaum geht, aber was hier halt stört, ist das bißchen Geschichte zwischen den Kämpfen.

Was bleibt, ist eine Mischung aus städtischer Intrige und den Kämpfen auf dem Land, die weder mitreißend noch spannend noch schön geschrieben ist.

Fazit:
Hier wird eine Handlung in die Länge gezogen, die man besser in einem Roman und nicht in einem ganzen Zyklus abgehandelt hätte. Vielleicht sollte man Salvatore eine Kurzgeschichten-Sammlung empfehlen, dann müßte er sich nicht so sehr mit der überflüssigen Handlung beschäftigen.
4 Punkte

Alexander Haas


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