Frank Festa (Hrsg.):

"Psycho-Express"

(Edition Metzengerstein - Band 13)
Ü: Andreas Diesel
D 2000

1) Kim Newman: "Wochenfrau"
OT: Week Woman
GB 1992

2) Terry Lamsley: "In der Vorstadt"
OT: Suburban Blight
USA 1998

3) Richard Laymon: "Der Pelzmantel"
OT: The Fur Coat
USA 1994

4) Pagan Kennedy: "Elvis Presleys Badezimmer"
OT: Elvis's Bathroom
USA 1989

5) Nicholas Royle: "Der Karpfenteich"
OT: The Crucian Pit
1998

6) S.P. Somtow: "Summertime"
OT: Fish are Jumping, and the Cotton is High
GB 1996

7) Steve Rasnic Tem: "Die Schutzengel"
OT: Guardian Angels
USA 1992

8) Brian McNaughton: "Ringard und Dendra"
OT: Ringard and Dendra
USA 1997

9) Michael Marshall Smith: "Die Banner der Hölle"
OT: Hell Harth Enlarged Herself
GB 1996

(175 Seiten, Paperback, Blitz-Verlag 2713, ISBN 3-932171-23-3, DM 19,80)
- erschienen: Juni 2000 -

Neun Stories hat Frank Festa in diesem Band versammelt. Stories, die bisher noch nicht in Deutschland erschienen sind, deren Autoren aber zu den bekannteren in Amerika gehören. Das nötigt schon einigen Respekt ab, denn der Erfolg einer solchen Sammlung ist nicht vorprogrammiert.
Daß den Stories jeweils "eine kurze Einleitung" vorangeht, stimmt. Es sind allerdings sehr kurze Einleitungen, in denen die Werke des Autors genannt werden; und oft findet man auch eine Bemerkung, warum Frank Festa gerade diese Geschichte ausgesucht hat.
Also, steigen wir ein in den Psycho-Express und schauen in die verschiedenen Abteile...

Kim Newman: Wochenfrau
Peter Mysliwiec ist einer sehr peinlichen Situation. Jahrelang hatte er angenommen, er sei englischer Staatsbürger. Nun stellt sich heraus, daß er eigentlich Pole ist. Eine Scheinheirat mit der jungen Madeleine hilft ihm zwar aus dieser vertrackten Lage, doch irgendwie scheint sie sich von Woche zu Woche zu verändern - und dies nicht immer im positiven Sinn...

Kim Newmans Geschichte ist originell und spannend erzählt. Zudem findet man einen Hauch von feinem Humor in der Erzählung, der zwar nicht immer offensichtlich ist, die Geschichte aber trotzdem wunderbar abrundet.
15 Punkte

Terry Lamsley: In der Vorstadt
Ann und Hal Simmons leben schon seit etlicher Zeit in einer kleinen, beschaulichen Vorstadt. Hal hat die Angewohnheit, mit seinem Hund immer an der Ruine eines Schwimmbads vorbeizugehen, das auf dem Grundstück einer alten Chemiefabrik errichtet worden ist. Als er nun eines Tages wieder einmal dort vorbeigeht, wird er von einem merkwürdigen Insekt gestochen. Eine Beule am Hinterkopf sowie die seltsamen Ereignisse, die sich um die Verlegung des Friedhofs drehen, scheinen irgendwie zusammenzuhängen. Und haben die damaligen Experimente in der Fabrik etwas mit den Geschehnissen zu tun?

Lamsleys Geschichte beginnt zwar sehr beschaulich, gewinnt jedoch im Lauf der Handlung immer mehr an Tempo und endet mit einem großen Knall, der einen frösteln macht. Trotz der Tatsache, daß Lamsley an einigen Stellen etwas zu sehr ausufert, bietet die Geschichte soliden Horror.
12 Punkte

Richard Laymon: Der Pelzmantel
Nach dem Tod ihres Mannes Harold hat sich Janet in ihr Haus eingeschlossen. Endlich wagt sie sich mit ihrem Pelzmantel, ein Geschenk Harolds, auf die Straße und fällt prompt sehr hartnäckigen Tierschützern in die Hände.

Nun ja, wer Stephen Kings Hamburger mag, der wird diesem Häppchen von Laymon auch etwas abgewinnen können. Mein Geschmack ist es nicht gerade, dafür ist der Schluß zu platt.
7 Punkte

Pagan Kennedy: Elvis Presleys Badezimmer
Spike ist eine gescheiterte Existenz, die in Boston lebt. Sie trifft dort auf den Gitarrenspieler Juan Hombre, der bald eine Beziehung mit ihr eingeht. Irgendwie hat Spike eine innige Beziehung zu Elvis entwickelt. Zusammen mit Juan bricht sie nach Memphis auf...

'Ist das eine Horrorgeschichte?' habe ich mich während des Lesens immer wieder gefragt. Und auch nach dem zweiten Lesen war ich mir noch nicht sicher. Schließlich passiert nichts, was einem einen Schauer über den Rücken laufen läßt.
Vielleicht ist diese Geschichte einfach derart anspruchsvoll, daß ich mit ihr nicht klarkomme, den subtilen Horror, den Frank im Vorspann anpreist, nicht verstehe. Sei's drum. Für eine Horrorgeschichte kann ich da nur folgende Punktzahl vergeben:
7 Punkte

Nicholas Roye: Der Karpfenteich
Der Ich-Erzähler besucht mit seiner Freundin die Orte seiner Kindheit. Zu diesen gehört auch der Karpfenteich, an dem er geangelt und die erste Liebe erfahren hat. Er ist gekommen, um der Vergangenheit endgültig Lebewohl zu sagen - doch die Vergangenheit ist sehr lebendig...

Lullt Roye den Leser zu Anfang noch relativ in Sicherheit, so wird die Bedrohung gegen Ende immer fühlbarer und spürbarer. Ein Meisterstück, sowohl im Aufbau als auch im Stil.
15 Punkte

S. P. Somtow: Summertime
Jeden Sommer fährt Jody mit seinem Vater zum Fischen. Allerdings - was hier unter Fischen verstanden wird, ist die Ermordung von Prostituierten im Namen des Herrn. In diesem Sommer jedoch kommt die Polizei ihrem Treiben auf die Spur...

Grandios makaber und dennoch so erzählt, daß man den Hauptpersonen ihre Motivation abnimmt. Eine sehr auf das Ziel hin erzählte Geschichte.
15 Punkte

Steve Rasnic Tem: Der Schutzengel
Jeder Mensch hat einen Schutzengel, erzählt der Ich-Erzähler seinem Sohn. Nachdem die Mutter auf geheimnisvolle Weise verschwunden ist, steht der Schutzengel persönlich vor der Tür...

Hmm. Eine Hommage an Lovecraft, ohne Frage. Allerdings frage ich mich: Was zum Teufel passiert denn da eigentlich am Ende?
Die Geschichte löst sich praktisch in Luft auf, und nachdem man am Ende angekommen ist, steht man fassungslos und achselzuckend davor. Der Stil des Autors ist ohne Frage erstklassig, aber ich kann mich nur wiederholen: Er läßt den Leser am Schluß etwas ins Leere laufen.
7 Punkte

Brian McNaughton: Ringard und Dendra
Der Lord Fariel von Sleith will seinen angeheirateten Verwandten vor dem Zorn religiöser Eiferer beschützen und lädt ihn in sein Haus ein. Dort erzählt Ringard seine Geschichte: Wie er damals zufällig die Lady Dendra kennengelernt hat, wie sie beide zusammen flohen und in das Haus eines Gelehrten kamen, der merkwürdige Pflanzen in seinem Garten besaß...

McNaughton erzählt eine Geschichte, die in der Tradition von Clark A. Smith steht und wirklich brillant erzählt ist. Vielleicht etwas weitschweifig, und stellenweise schleicht sich auch eine gewisse Langeweile ein.
Dennoch - eine Geschichte, die brillant unterhält.
12 Punkte

Michael Marshall Smith: Die Banner der Hölle
Ein Dreierteam aus begabten Wissenschaft forscht in der Nanotechnologie. Als die Wissenschaftlerin des Teams stirbt, versucht ihr Freund, eine Möglichkeit zu finden, um erneut mit ihr in Kontakt zu kommen. Dazu untersucht er Medien und vergleicht Gewebeproben von ihnen. Tatsächlich gelingt es ihm, kleine Maschinen zu erfinden, die eine Rücksprache mit den Toten ermöglichen - doch der Preis dafür ist hoch...

Eine Verknüpfung zweier Genres - SF und Horror. Brillant aufgebaut und ebenso gut erzählt, ist diese Geschichte ein guter Abschluß der Sammlung.
14 Punkte

Fazit:
Frank Festa hat in dieser Sammlung das breite Spektrum der modernen Horrorgeschichten versammelt. Nicht für jeden Geschmack, und der Preis für die knapp 170 Seiten ist auch etwas happig, aber durchaus lohnend, wenn man sich für die modernen Gegenwartsautoren interessiert.

Christian Spließ


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