Band 2023: "Der Para-Fürst"

Autor: H.G. Francis

Die Einsatztruppe der Mutanten hat in Para-City immer mehr zu tun, und nach dem Tod ihrer Ärztin ist die Situation um nichts besser geworden. Da taucht Moharion Mawrey auf. Nachdem Perry Rhodan die gebrochene Frau nicht hat zurücktreten lassen, versucht sie sich jetzt in Wiedergutmachung. Immerhin kann sie Falo Gause einige Informationen über Koo Parkinson und seine Truppe zukommen lassen; dann muß sie die Stadt wieder verlassen, weil die Mutanten keine Nicht-Mutanten dulden. Moharion will das zwar nicht akzeptieren, aber gegen einen Teleporter kann sie sich kaum verteidigen.
Unterdessen ist Koo Parkinson dabei, seine Machtübernahme vorzubereiten. Er läßt die Suggestorin Hegrim Mihori - aus dem Rat - entführen. In einer langen und anstrengenden Prozedur gelingt es ihm, sie von sich abhängig zu machen und mit seinen mentalen Kräften ihren Willen zu brechen. Von nun an glaubt sie, daß wie bei ihm eine kleine Puppe auf ihrer Schulter sitzt und ihr sagt, was sie zu tun hat.
Aber auch außerhalb von Para-City gehen die Dinge ihren Weg. Die Bewohner der nahen Stadt La Paz können sich an die Nähe der Mutanten nur schwer gewöhnen und führen Böses im Schilde. Sie versuchen, einen Virus in die Stadt einzuschleusen, der alle Mutanten töten soll. Das wird dadurch angeheizt, daß eine Gruppe von Mutanten einen Laden in der Stadt überfällt und völlig zerstört, wodurch sie Furcht, Angst und Vorurteilen einen wunderbaren Nährboden bereiten.
In Para-City arbeiten verschiedene Mutanten unterdessen an der Errichtung von Para-Blocks, mit denen sie sich zusammenschließen und versuchen wollen, ihren unvermeidlichen Tod aufzuhalten. Dabei kommt es zum Kontakt mit einer bisher unbekannten Macht, die zu ihnen spricht, sich aber zunächst nicht näher definieren läßt.
Die versammelten Mutanten sind verwirrt, aber neugierig. Sie wollen wissen, wer versucht hat, mit ihnen Kontakt aufzunehmen.
Doch dann überschlagen sich die Ereignisse:
Moharion taucht bei Perry Rhodan auf und ist voll des Lobes über Koo Parkinson, worauf PR sofort klar ist, daß hier etwas nicht in Ordnung sein kann; der biologische Angriff der Stadtbewohner fliegt auf; Koo schnappt sich Falo, kann diesen jedoch nicht "bekehren", was ihn aber sein Leben kostet. Doch nun scheint Koo in der Stadt die Fäden in den Händen zu halten. Er fordert einen Schirmprojektor für Para-City, damit man sich vor Übergriffen von außen schützen kann, und erhält diesen auch.
Schließlich kommt es auch wieder zu einer Kontaktaufnahme der fremdem Macht aus den Tiefen des Universums, und sie verspricht den Mutanten das Leben...

Hoffnung, oh süße Hoffnung. (* Hähähä, freu Dich nicht zu früh. >:-))) Heike) Ein Hauch von Hoffnung durchströmt mich, wenn ich an die letzten Zeilen dieses Romans denke; vielleicht hat man die Leser einfach nur ein wenig auf die falsche Fährte geführt, hat mit den Mutanten möglicherweise doch mehr vor, als sie lediglich als Waffe gegen Morkhero Seelenquell zu verheizen. Aber es bleibt abzuwarten, was sich hinter dieser geheimnisvollen Macht verbirgt, die hier zu den Mutanten spricht und von der ich glaube, daß sie nicht mit Seelenquell identisch ist, sondern hier ein neues Element mit ins Spiel bringt. Aber so richtig mag ich daran nicht glauben, sondern gehe weiterhin davon aus, daß sich mit Ende des Zyklus auch das neue Thema Mutanten wieder erledigt hat, auch wenn ich durchaus glaube, daß Charaktere wie Startac Schroeder oder Trim Marath ein gewisses Potential haben. Vielleicht bleiben uns ja doch ein paar von diesen Kerlen erhalten. Ich denke eigentlich schon, daß sie in der Welt der Konsumenten ihre Fans finden würden, und ich mag Mutanten auch!
Dennoch geht hier das Trauerspiel Monochrom-Mutanten für mich erst einmal weiter. Daß die Terraner ein angeblich sooo zivilisiertes Volk sind, kann man kaum bemerken. Da grübeln in einer zweitklassigen Kneipe ein paar Frustrierte einfach einen Plan aus, um so nebenbei 35.000 Menschen umzubringen. Auch wenn sich kurz danach der Katzenjammer einstellt, so finde ich diese Episode doch ziemlich armselig; und wenn man sie mit dem kleinkarierten Beamten aus dem letzten Band vergleicht, so finde ich das auch noch recht einfallslos. Daß die Mutanten in der Bevölkerung nicht besonders beliebt sind, hatten wir schon zur Genüge, auch auf andere und bessere Weise. Mal davon abgesehen, daß die Terraner hier in ein ziemlich schlechtes Licht gerückt werden. Natürlich gibt es gute und schlechte Menschen, aber es ist für mich doch schon ein Unterschied, aus Frust eine Fensterscheibe einzuschmeißen oder einen Anschlag auf 35.000 Menschenleben zu planen.
Aber was hat der Roman im Hinblick auf die Mutanten zu bieten? Immerhin wird die Handlung jetzt von einem Hauch Dramatik erfaßt, indem Koo Parkinson hingeht und mit seiner Truppe Stück für Stück die wichtigen Leute aus dem Rat übernimmt, auch wenn er sich bei Moharion doch ziemlich dämlich anstellt. Ich hoffe wirklich, daß Perry Rhodan sich hier nicht auf die "Man kann nichts beweisen"-Schiene festnageln läßt, sondern entsprechende Schritte ergreift. Sonst müßte man sich bald mal fragen, wie der Knabe so alt geworden ist. (* Äh - ich hab mal gehört, Zellaktivatoren sollen allgemein lebensverlängernd wirken! Hab ich doch richtig mitgekriegt, oder? ;-) Heike)
Am Ende habe ich mich dann aber doch noch gefragt, wie Koo denn nun die Macht in der Stadt übernommen hat. Reicht es, einfach ein Ratsmitglied zu übernehmen und den Vorsitzenden zu töten? Wenn ja, dann hätte ich das ganz gerne noch erfahren, denn das kann man am Ende nur aus dem Zusammenhang schließen, wenn Moharion wieder von Perry Rhodan zurückkehrt.

Fazit:
Ein paar Verbesserungen zum Vorgänger, ein wenig Hoffnung in Bezug auf die Mutanten, dennoch aber immer noch eine für mich recht traurige Sache.
5 Punkte

Alexander Haas

Ich hab's befürchtet - die Handlung(?) des letzten Heftes wird gar noch untertroffen. Was Francis hier leistet, ist nun wirklich unter aller Kanone.
Weiterhin gilt: Die Personen handeln durch die Bank weg unmotiviert - doch hier paart sich das Ganze dann gleich auch noch mit massiven logischen Fehlern, die sich größtenteils mit dem Vorgängerband beißen. Ja, meine Güte, weiß der Francis inzwischen noch nicht mal mehr, was er einen Band vorher geschrieben hat? Hier muß ich gleich noch eine Bemerkung des letzten Bandes korrigieren: Dieser Doppelband wirkt so, als ob beide Romane innerhalb einer Nacht unter Zuhilfenahme eines Kastens Bier bei Überschreitung des Abgabetermins um drei Wochen entstanden wären. Ganz ehrlich gesagt: Das hier ist nicht mehr auszuhalten.
Nun gut, nachdem ich schon mit der Lektüre des letzten Heftes den Redaktionsschluß des Flash überschritten hatte, blieb mir nicht viel anderes übrig, als diesen Band in einem Rutsch durchzulesen (seitdem beneide ich Nicht-Rezensenten umso mehr, die es sich leisten können, einfach einen Band links liegen zu lassen - der Prozentsatz der Leser, die dies mit diesem Roman getan haben, dürfte wohl ungleich höher liegen als bei so ziemlich jedem anderen Band der Serie).
Waren die Handlungen der Hauptpersonen schon im letzten Roman nicht nachvollziehbar, so setzt sich das in diesem Machwerk fort. Da finden sich die M&Ms™ zu einem Parablock zusammen (dazu später noch was), wissen aber nicht, warum eigentlich. Naja, versuchen sie's halt mal eben mit einem galaktischen Hilferuf auf Geistesebene, was vielleicht auch Francis hätte versuchen sollen. Egal, ob da jemand geantwortet hätte oder nicht - schlechter wäre das Ergebnis jedenfalls nicht mehr geworden.
Perry ist auch wieder die Hilflosigkeit in Person, fürchtet er doch seit Anbeginn der Mutantenansammlung den Parablock; jetzt aber fällt ihm überhaupt nichts dazu ein, was man dagegen unternehmen könnte. Selbst der unbedarfteste Leser fragt sich schon länger, weshalb hier keine Schutzschirme eingesetzt werden - aber dies ist ja wohl mit der Freiheit der Person nicht vereinbar. Wie dann damit vereinbar sein soll, daß die Satellitenbeobachtung durchgehend in Perrys Büro auf Großbildschirm läuft, bleibt eine der großen unbeantworteten Fragen.
Sicherlich ist eine solche Beobachtung nicht nur machbar, sondern wird auch durchgeführt. Doch bisher konnte man davon ausgehen, daß erst einmal nur NATHAN die Ergebnisse zu Gesicht bekommt und im Gefahrenfall selbständig entscheidet, ob er andere Stellen informiert. Hier wird lustig der Big Brother vorgeführt, ohne auch nur im Geringsten darüber zu reflektieren, welche Persönlichkeitsrechte (die immerhin auch in der PR-Zukunft vorhanden sind, wie uns mehrfach versichert wurde) hier nun mit welcher Rechtfertigung mit Füßen getreten werden. Weia: So bitteschön nicht!
Auch Falo Gause schreit nicht gerade nach Logik, wenn ihm über Tage hinweg nicht auffällt, daß seine Leibwächter schon lange auf ihre Schultern schauen, während ihm gleiches überall sonst schon im Gedächtnis bleibt. Hier hätte man ja noch akzeptieren können, daß die fünf freiwillig mit Parkinson zusammenarbeiten - aber so? Nein, danke!
Fragwürdig ist hierbei dann auch, wieso Gause diese Anzeichen selber bemerkt, sie jedoch niemandem mitteilt; immerhin wäre in diesem Fall wohl eine Warnung Parkinsons nicht möglich gewesen, als die Truppe dort nach Gause suchen wollte...
Überhaupt: Nach Gause suchen. Da haben wir massenweise Telepathen an Bord, und keiner kommt auf die Idee, diese nach dem Sprecher suchen zu lassen?!? Sehr seltsam...
Und was dieser Schirm denn am Ende nun soll, ist auch mehr als fraglich, da die Außenwelt immer noch von den Geschehnissen innerhalb informiert werden kann. Denn wenn schon Teleporter das Zeugs durchdringen können, dann sollten die Telepathen ebenfalls dazu fähig sein - und damit ist die Möglichkeit gegeben, zumindest Gucky über den Stand der Dinge in Kenntnis zu setzen. Logik, wo bist Du?!?
Dies fragt man sich dann auch, wenn der Herr Parkinson nach jeder Übernahme mal eben zwei bis drei Tage ausruhen muß und man dies in Relation zu der Menge der Übernommenen setzt. Nach rund zwei Monaten sollte er also bestenfalls in der Lage gewesen sein, etwa 20-30 Mutanten zu übernehmen. Selbst wenn man in Betracht zieht, daß er vielleicht auf Lepso schon mal die gleiche Menge an sich gebunden hat, kommt man nur auf rund 50 Stück. Wenn dann jedoch die Beschreibungen in diesem Roman einen Wert vorgaukeln, der weit darüber liegt, fragt sich der Leser dann doch, was das eigentlich soll.
Dafür gibt's den einen oder anderen Parablock zu lesen - nur leider interessiert dies den Leser genausowenig, wie es den Autor anscheinend interessiert hat. Diese fürchterlich gefährliche Möglichkeit mutiert (passender Ausdruck) zur Lächerlichkeit und ruft ob ihrer Harmlosigkeit bestenfalls noch ein Gähnen hervor.
Tja, und auch die Projektion Alaskas kann diesen Roman nicht mehr retten. Völlig wirr und planlos eingebaut wirken diese Szenen; sie stehen in keinerlei Zusammenhang mit dem Roman. Da sich dann auch keine der Personen auch nur halbwegs darum kümmert oder auch nur beginnt, darüber nachzudenken, bleibt dies auch für den Leser nur als vergessenswertes Zwischenspiel in Erinnerung. Wenn man bei der Lektüre dieses Roman sowieso geschlafen hat, kann dies nur ein Wunschtraum gewesen sein. Dementsprechend interessant gestaltet sich das Ganze dann auch...
Einen gewissen Galgenhumor kann der Leser jedoch noch entwickeln, wenn er sich die zahlreichen Unstimmigkeiten ansieht, die allein dieser Roman und sein Vorgänger aufweisen. Da hätten wir zum Bleistift die offensichtlich von einem Band zum anderen geschrumpfte "Sanfte Riesin" (eine Bezeichnung, die dem Leser schon im letzten Band zum Hals heraushing ob ihres permanen- und penetranten Auftretens - kennt denn Francis keine Synonyme hierfür? (* Also, ich kenne den Ausdruck "Sanfte Riesen" ja bisher nur für Wale und Seekühe, aber hier wird wohl eine Menschin damit gemeint gewesen sein... Heike), die jetzt nur noch gut 1,70m groß ist - und im letzten Band offensichtlich schon übernommen wurde, dafür aber am Anfang diesen Romans dann wieder normal agiert, nur um dann übernommen zu werden. (Und die, während sie in Parkinsons Bungalow hockt, auch noch bei einer Ratssitzung in Erscheinung tritt...)
Da fällt dann gar nicht mehr ins Gewicht, daß die "normalen" Menschen mal eben ein Attentat planen (dümmlich und in übelster Stammtischmanier, ohne auch nur halbwegs nachzudenken - Schwamm drüber!) und dann bei Beginn einer Positiv-Kampagne für die Mutanten (Ähm, immerhin kommt Perry wohl nach 17 Jahren auf die Idee, sowas überhaupt mal zu starten - ja, er ist ein wahrer Sofortumschalter, ganz eindeutig...) (* Oh Schreck, oh Graus, das kann nur eins bedeuten - sein Zellaktivator hat einen Virus!!! Diesmal nicht grinsend, Heike) anscheinend reuig werden, und schon schlägt weltweit die Stimmung um. Die Haare, an denen dies herbeigezogen ist, möchte ich gar nicht auf einem Haufen sehen...
Erkenntnisse nach diesem Roman: Nun ja, die Lichtgestalt ist ausgeknipst, die M&Ms™ eingesperrt, PR hat trotz Überwachung keinen Plan - und der Autor ebensowenig. Den Leser langweilt's, und glücklicherweise wechseln mit dem nächsten Band Ebene und Autor. Letzteres ist eindeutig der beste Punkt dieses Romans.

Fazit:
Selbst die "legendären" Traumblasen-Romane hatten gegen diesen Doppelband doch glatt noch Spannung. Die Handlungsträger agieren wirr und unbegründet, ohne daß die Handlung auch nur ansatzweise nachvollziehbar wäre. Der zweite Teil dieses Viechs würde jedenfalls noch weniger Punkte erhalten als der erste - wenn dies denn überhaupt möglich wäre. (* Also, wenn ich das hier so lese, möchte ich Dir ja fast Spaß am 'auf-anderen-rumhacken' unterstellen. Ich hab die Romane zwar nicht gelesen, wie üblich, aber kannst Du Dich denn gar nicht mit der Hoffnung anfreunden, daß das Ganze doch noch einen tieferen, wie auch immer gearteten Sinn haben könnte? Heike)

0 Punkte.

Winfried Brand

Nach dem Roman der letzten Woche beschleichen den Leser schon dunkle Vorahnungen. Derselbe Autor, die gleiche Handlungsebene...

Die Figur, die dem Roman den Titel verleiht, tauchte schon in Band 2022 auf, aber erst jetzt legt Koo Parkinson richtig los.
Das Thema "Supermutant" ist zwar nicht gerade innovativ, paßt aber in den Ablauf des Zyklus.
Leider wurde vor 20 Bänden mit Vincent Garron gerade ein solcher um die Ecke gebracht (ich vermute, man wußte nicht, was man mit ihm noch machen sollte). Wenn jetzt wieder ein Supermutant gebraucht wird (wofür auch immer), hätte man den Todesmutanten praktischerweise auch am Leben lassen können. Der konnte wenigstens einiges, und der Leser wußte vor allem, WAS. Die Fähigkeiten Koo Parkinsons sind hingegen nicht genau zu beschreiben (heißt es). Da wird der Begriff "Psi-Charismatiker" verwendet. Doch es handelt sich lediglich um ein neues Wort für Altbekanntes ("alter Wein in neuen Schläuchen"): die Fähigkeit der Fremdbeeinflussung.
Wir hatten schon Hypnos, Suggestoren, Hypno-Suggestoren. Als Leticron auftauchte, hieß das Ganze dann "Hirnoffensor". Bei Boyt Margor hat sich das Team dann schon mehr Mühe mit ausgefallenen Wortschöpfungen gegeben: Der war dann ein "parasensitiver Motivlenker". Aber die genannten Begriffe wurden wenigstens noch plausibel erklärt. Man konnte sich unter den jeweiligen Fähigkeiten etwas vorstellen. Koo Parkinson ist nur noch mysteriös. Das muß ausreichen. Hier stellt sich die Frage: Ist das geplant, oder weiß die Expo-Factory/der Autor es AUCH nicht und läßt es deshalb verschwommen?
In einer Stadt mit werweißwievielen Telepathen "übernimmt" Koo Parkinson eine Person nach der anderen. Fällt das niemandem auf??? Wohl doch, denn die übernommenen Personen schauen ständig auf ihre rechte Schulter. Dort sitzt in ihrer Einbildung (?) nämlich diese mysteriöse Puppe.
So wundert es, wie Parkinson sich überhaupt so lange in Para-City halten kann. Sein Auftreten ist von Anfang an auffällig, und er läßt an seinen Zielen keinen Zweifel. Er läßt Mutanten von seinen Helfern zusammenschlagen und später auch töten, doch man kommt nur zu dem Schluß, daß es sich bei ihm um einen üblen Zeitgenossen handelt. Unternommen wird NICHTS. Sogar Perry Rhodan verhält sich passiv, selbst nachdem ihm klargeworden ist, daß Moharion Mawrey unter den Einfluß Koo Parkinsons geraten ist. PR ordnet nicht einmal eine Untersuchung der Angelegenheit an. So wird gesagt: "Rhodan hätte die weitere Entwicklung gern aufgehalten, doch er wußte, daß er es nicht konnte." WESHALB NICHT? (* Oder wenigstens: Woher wußte er das denn so genau? Heike)
Mehrfach wird erwähnt, daß Parkinson nach jeder "Installation" eine Ruhepause von zwei bis drei Tagen braucht. Rechnen wir einmal kurz. Am 10.08.1303 NGZ befand sich Parkinson noch nicht auf Terra. Wann er genau eingereist ist, spielt aber auch keine Rolle, denn bereits am 21.09. hat er die Macht in Para-City übernommen. Das sind sechs Wochen. Seine Maximalrate dürfte in dieser Zeit bei ca. 20 Mutanten liegen... Selbst wenn die von ihm kontrollierten Hypnos und Suggestoren währenddessen in seinem Auftrag weitere Personen unter ihre Kontrolle bringen, dürfte eine Übernahme der ganzen Mutantenstadt in dieser Zeit kaum möglich sein.
Auch bei den Reaktionen der Terraner auf die Mutanten ist sich der Autor nicht schlüssig. Da fassen einige Leute in La Paz dann gleich den Plan, die ganzen Mutanten durch eine Seuche umzubringen. Und das alles auf Grund eines Einbruchs. Da sollen etwa 35.000 Menschen getötet werden, darunter viele Kinder. Nichts gegen Panik und Hysterie, aber das steht in keinem Verhältnis zur Situation. (* Wie stehts mit Fanatismus? Heike)
Derjenige, der den Einfall hatte, steht dann später da und kommt wieder zu klarem Verstand? Da haben wir erst einmal eine größere Gruppe, die das ganze Vorhaben plant, durchdenkt und umsetzt. Und das sollte schon einige Zeit dauern. Dann kommt beim Anstifter der plötzliche Bewußtseinswandel? Schon merkwürdig. Belangt wird dann später auch niemand.
Die Art und Weise, wie dieser Plan dann aufgedeckt und verhindert wird, kann auch nicht überzeugen. Da wird der Zufall einmal mehr überstrapaziert (vgl. auch schon den Anschlag auf Koo Parkinson im letzten Band).
Setzt man eine derartige Psi-Phobie voraus, hätte es zudem schon längst zu massiven Aktionen gegen die Mutanten kommen müssen. Was macht man beispielsweise mit den auf Terra lebenden Antis?
Und dann ruft Perry Rhodan eine Gruppe für Öffentlichkeitsarbeit ins Leben, und sogleich kommt es zu einem Stimmungsumschwung in der Bevölkerung! Das geht schnell, wurden die Mutanten doch soeben noch für diverse Naturkatastrophen verantwortlich gemacht (vgl. Seite 20). (* Interessant - etwa so wie im Mittelalter die Hexen? Heike)
Weitere Widersprüche finden sich in nicht gerade kleiner Zahl. Einige Beispiele:
Im Band 2023 wird Hegrim Mihori von Koo Parkinson übernommen, aber bereits im Roman der Vorwoche schaut sie ständig auf ihre Schulter (dort Seite 50). Zudem verkleinert sich die Frau von knapp zwei Metern Größe (PR 2022, Seite 18) auf knapp 1,70 Meter (PR 2023, Seite 12). Da hatte der Autor wohl einen kurzzeitigen Gedächtnisausfall. Man darf doch erwarten, daß jemand, der einen Doppelband schreibt, sich wenigstens bei solchen Dingen nicht widerspricht.
Auch stilistische Schwächen sind anzumerken: Bei jedem Auftritt werden Koo Parkinson und seine Puppe beschrieben. Das ist ein-, zweimal pro Roman okay, aber wenn man es dann alle paar Seiten liest, wirkt es schon störend. Außerdem schauen sowohl Parkinson als auch diverse andere Personen ständig auf ihre rechte Schulter. Das ist ebenfalls dort angebracht, wo klar werden soll, daß auch diese und jene Person bereits "übernommen" worden sind, aber dann reicht es auch.
Weshalb die Mutanten plötzlich darauf kommen, einen Parablock zu bilden und mit irgendjemandem Kontakt aufzunehmen, der ihnen helfen soll, wird nicht erklärt. Wer sollte da gerufen werden? Der tote Monos? Das wäre wohl der einzige, der über das Horrikos-Mutantenprogramm Bescheid gewußt hätte. Umso erstaunlicher ist dann, daß es auf diesen Ruf eine Antwort gibt. Das dürfte dann wohl Morkhero Seelenquell gewesen sein.
Insgesamt habe ich das Desaster halt mit zusammengebissenen Zähnen durchgestanden. Auch das Auftauchen von Alaska Saedelaeres Projektion im Umfeld des einst von Ganerc-Callibso deaktivierten Zeitbrunnens hätte mir früher Jubelrufe entlockt, wirkt in diesem Roman aber nur noch fade. Weiter geschieht nämlich nichts. Dabei hätte man gerade daraus eine interessante Nebenhandlung machen können. So aber fragt sich der Leser nur noch verzweifelt: WESHALB?

Fazit:
Auch dieser Roman strotzt vor Widersprüchen und Ungereimtheiten. Die Personen handeln teilweise ohne jedes Motiv. Der Autor sollte Begriffe wie "Plausibilität" dringend in seinen Wortschatz aufnehmen.
0 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Einige letzte Anmerkungen zu diesem Doppelband:
Zwei grottenschlechte Bände direkt hintereinander. Das Ganze wirkt, als hätte H. G. Francis seine beiden Manuskripte anderthalb Tage vor Abgabetermin versehentlich von der Festplatte gelöscht und in seiner Not in einer Mammutschicht mit viel Dosenbier neu geschrieben. (* Nanana, ich kann mir viel vorstellen, aber das... Allerdings habe ich den ersten Teil auch nur angelesen, dann forderte Eric wieder sein Recht, wie immer. Heike)
Der Doppelband taugt nur noch als Strafe. Ich sehe schon den Richter vor mir, wie er das Urteil gegen einen Angeklagten verkündet: "Im Namen des Volkes verurteile ich Sie dazu, die Perry Rhodan-Hefte 2022 und 2023 am Stück hintereinander zu lesen - und zwar 50mal." (* Hmmm - ob sie dann wohl alle nach der Wiedereinführung der Todesstrafe schreien werden? Heike)
Wir wissen glücklicherweise, daß das PR-Team zu ganz anderen Leistungen in der Lage ist.
Ich jedenfalls habe mich lange Zeit nicht mehr so über PR geärgert.

home...