Inhalt
Eins:
Die Ärztin Vossil kommt aus dem fernen Drezzren, das eine etwas
freiere Erziehung hat als das Königreich, in dem sie derzeit
tätig ist. Schritt für Schritt avanciert sie zur Vertrauten
des Königs, was seine Berater selbstverständlich nicht
gerne sehen. Mit ihren eigenen Ansichten eckt sie in ihrer
männlichen Umgebung nicht selten an. Hin und wieder zeigt sich
aber auch, daß die Ärztin Geheimnisse hat, die noch keiner
aus ihrer Umgebung ergründet hat.
Inhalt Zwei:
DeWar ist Leibwächter von Protektor UrLeyn, der den alten
König gestürzt hat und nun an seiner Stelle regiert. Einst
herrschte ein großes Kaiserreich über die ganze Welt, das
nun in viele kleine Einzelreiche zerbrochen ist und in dem Kampf und
Kriege an der Tagesordnung sind. Das sorgt dafür, das DeWar
reichlich zu tun hat. Wenn er aber nicht auf seinen Herrn aufpassen
muß - was ihm dann auch ganz und gar nicht paßt -
verbringt er die Zeit mit der obersten Konkubine der Dame Perrund und
UrLeyns Sohn Latten. Dabei offenbar sich, daß sich hinter dem
kalten Rechner DeWar auch ein wunderbarer Geschichtenerzähler
verbirgt.
Eines vorweg: Ian Banks ist ein Klasse-Autor, der auf wunderbare Art
und Weise erzählt. Besonders hat es mir hier die Geschichte um
den Leibwächter DeWar angetan. Schön wird geschildert, wie
der eiskalte Mörder zwischen seinem "Beruf" und den zarten
Geschichten hin- und herspringt, dem Zwiespalt zwischen
Pflichterfüllung und ungewollter Freizeit, denn wenn es nach ihm
ginge, wäre er immer im Dienst.
Ihm gegenüber steht die Ärztin, um die sich mehr und mehr
Mysterien ranken und die der Gesellschaft, in der sie lebt, weit
voraus ist. Während diese im Feudalismus versinkt, verstreut
Vossil Gedankengut von Demokratie und Gleichberechtigung.
Beide Geschichten werden jeweils im Wechsel erzählt - Kapitel
für Kapitel. Je länger der Roman dauert, desto mehr sucht
man nach Verbindungen zwischen Vossil und DeWar, und man wartet
eigentlich nur noch darauf, daß die beiden Ebenen
schließlich zusammenlaufen. Aber plötzlich endet jede der
Geschichten für sich, und der Roman ist zu Ende.
Erklärungen oder Aufklärungen sucht man vergebens. Es
werden nur ein paar kleinere Gerüchte eingestreut, mit deren man
sich das eine oder andere vielleicht erklären kann.
Schade ist auch, daß die Geschichten einfach nicht richtig
vorwärts kommen. Es gibt keine durchgängige Handlung, und
man kann nicht ersehen, wohin die Absicht des Autors geht und was
denn am Ende herauskommen könnte. Spannung und spannungstragende
Elemente sucht man ebenfalls vergeblich; vielmehr plätschert der
Roman so vor sich hin. Zwar mit schönen Worten und einer
angenehmen Atmosphäre, aber plätschern ist halt
plätschern.
Ansonsten hat man aber einen historischen Roman, den man ohne
Probleme auch auf der Erde hätte spielen lassen können -
andere SF- oder Fantasy-Elemente sucht man vergebens. Das einzige,
was auf einen solchen Zusammenhang hinweist, ist der Klappentext, der
von einer Welt erzählt, die Technik ablehnt. Das aber ist
schlichtweg falsch. Es liegt lediglich eine Gesellschaft vor, die
für bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen noch nicht bereit
ist. Zudem wird diese Welt als Zufluchtsort für Aussteiger aus
der Galaxis beschrieben, die jedoch nicht in die Gesellschaft
eingreifen dürfen. Dies erklärt vielleicht etwas am Ende,
aber ansonsten sucht man die Außerirdischen und ihren
Einfluß vergebens.
Fazit:
Ein exzellent geschriebener Roman mit einer faszinierenden Struktur.
Dennoch hätte es in meinen Augen mehr Sinn gemacht, die beiden
Geschichten als voneinander getrennte Kurzromane darzustellen, denn
so ist das Ende doch recht unbefriedigend.
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