L.E. Modesitt jr.:

"Krieg der Ordnung"

(Recluce-Zyklus - Band 4)
OT: The Order War
Ü: Jürgen Langowski
USA 1995
(830 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9053, ISBN 3-453-16227-7, DM 19,90)
- erschienen: Juni 2000 -

Während die Insel Recluce in ihrer abgeschiedenen Position blüht und gedeiht, herrscht in Candar weiterhin Krieg. Immer weiter bauen die weißen Chaos-Magier ihren Einflußbereich mit brutaler Gewalt aus. Im Kampf gegeneinander kann aber weder die schwarze noch die weiße Seite einen Vorteil erringen.
Eines Tages bittet eines der letzten freien Länder des Kontinents um Hilfe, und diesmal beschließt der Rat, Hilfe zu senden. Eine kleine Abteilung Freiwilliger zieht aus, unter ihnen der Junge Ingenieur Justen und sein Bruder, der Wettermagier Gunnar. Es scheint jedoch, als ob jede Hilfe zu spät kommen würde. Dann aber entdeckt Justen, daß das wahre Mysterium dieses Krieges nicht in Candar liegt, sondern zu Hause - in Recluce...

Vier Bände von Modesitts großer Saga hat man nun schon auf die Leser losgelassen; und in einem vorgezogen Fazit muß ich sagen, daß auch dieser Band im großen und ganzen das recht gute Niveau der Vorgänger halten kann, bzw. zwar ein wenig abschwächelt, aber immer noch den Vergleich mit vielen anderen Romanen nicht scheuen muß.
Wieder ist der Roman in sich geschlossen und könnte auch recht gut allein für sich gelesen werden, auch wenn die Lektüre der vorherigen viele Informationen liefern könnte, die das Rundumverständnis um einiges erleichtern. Allerdings spielt er wieder in einer ganz eigenen Zeit, und jeder Leser muß sich mit den Charakteren völlig neu zurechtfinden und sich durch einen völlig neuen Handlungschauplatz kämpfen (die meiste Strecke zumindest, denn für ein paar Kapitel kehrt die Geschichte auch mal nach Recluce zurück).
Wer die ersten Bände gelesen hat, wird für einen Moment beim Erzählstil innehalten. Der "Krieg der Ordnung" ist nämlich der erste des Zyklus, der im klassischen Stil geschrieben wurde. So kehrt nun auch nach Recluce die dritte Person der Vergangenheit ein. Ich finde das sehr schade, denn auch dadurch hatten die anderen Bände doch eine ganz eigene Note bekommen. Aber wie schon angedeutet, ist dieser Band der bisher schwächste.
Das liegt auch ein wenig am Inhalt, denn so richtig Neues bringt der Autor auch nicht; er bleibt im großen und ganzen im System der anderen. Eine Einzelperson bestimmt die Geschichte, die eigentlich gar keine so richtig gute Meinung von sich hat, die aber alle anderen Leute in die Tasche steckt. Diese - junge - Person geht nun also hin und rettet die Welt. Das ändert sich hier auch wenig, nur daß das Ende diesmal ein wenig alterniert wird - mehr wird hier nicht verraten. Auch steckt der Hauptheld diesmal nicht nur in der Aufbauphase und darf am Ende den Bösen hauen, sondern diesmal muß er einen ziemlich harten Weg gehen, um schließlich zu sehen, daß die bisherigen Definitionen von Gut und Böse nicht ganz so sind, wie man ihm das daheim immer beigebracht hat. Was aber nicht heißt, daß sich das Bild einfach nur dreht, denn das wäre ja wiederum viel zu einfach.

Fazit:
Langsam aber sicher gewinnt dieser Zyklus seine Eigendynamik, entwickelt seine eigenen Regeln und Systeme, und das auf ziemlich gutem und konstantem Niveau. Wer's nicht glaubt, soll's selber lesen.
10 Punkte

Alexander Haas


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