Anne Kelleher Bush:

"Tochter der Weissagung"

(Königskinder-Trilogie - Band 1)
OT: Daughter of Prophecy
Ü: Norbert Stöbe
USA 1995
(445 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9082, ISBN 3-453-17215-9, DM 16,90)
- erschienen: Mai 2000 -

&

"Des Prinzen Heilerin"

(Königskinder-Trilogie - Band 2)
OT: Children of Enchantment
Ü: Norbert Stöbe
USA 1996
(415 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9083, ISBN 3-453-17218-3, DM 16,90)
- erschienen: Juni 2000 -

Band 1: Tochter der Weissagung
König Abelard von Meriga errettet die Hexe Nydia vor dem Flammentod. In ihr sieht er die Möglichkeit, sein Land zu einen und die ständigen Kriege zu verhindern, die von den machthungrigen Lords angezettelt werden. Dazu kommen noch die Überfälle der entstellten Mutanten und der unfaßbaren Harleys.
Doch die wunderschöne Nydia wehrt sich gegen die Pläne, denn sie hat Angst davor, ihre mächtigste Waffe, die Magie, einzusetzen. Die ist seit dem großen Armageddon nämlich verboten, und alle Wissenden wurden seitdem gejagt und getötet. Dennoch schwört sie Abelard ihre Gefolgschaft und folgt ihm bis zu einem Punkt, an dem sie ihm ihre Magie nicht mehr versagen kann...

Band 2: Des Prinzen Heilerin
Der alte König Abelard kehrt von einer Reise nicht mehr zurück und gilt als verschollen. Nun übernimmt der junge Roderic die Regentschaft - nicht gerade zum Glück aller seiner zahllosen Halbgeschwister. Besonders der bis zu seiner Geburt als Thronfolger gehandelte Amanander sät Haß und Zwietracht, bis er aus seinem Schatten hinaustritt und ganz offen gegen Roderic rebelliert. Denn schließlich ist es ihm gelungen, Quellen anzuzapfen, vor denen vor langer Zeit die geheimnisvolle Nydia gewarnt hat. Nydia wohnt unbeachtet seit langen Jahren in einem kleinen abgelegenen Turm, und erst jetzt sieht es so aus, als ob die Ereignisse von früher ihre Früchte tragen...

Beginnt man mit der Lektüre dieses Romans, so ist man schnell versucht, der Autorin eine unglaubliche Ideen- und Einfallslosigkeit vorzuwerfen, aber nach und nach gelingt es dann, die zahlreichen Zeichen so zu deuten, daß man sich hier nicht einfach in einer beliebigen Welt befindet, die der Phantasie der Autorin entsprungen ist, sondern in einer Variation der unsrigen. Vor dem Hintergrund, daß die Menschheit eines Tages an ihrer eigenen Wissenschaft zugrundegegangen ist und eine weltweite Katastrophe ausgelöst hat, spielt die Geschichte in den Trümmern der USA. So bekommen die Länder und Städtenamen auf einmal eine ganz neue Bedeutungen. Namen wie Mondana oder Kora-Lado klingen dann eher spaßig denn albern. (* Allein schon Meriga - grins... Heike)
Auf den Trümmern der alten Republik herrscht nun eine Monarchie, und vom schönen Kongreß ist nur noch der Senat übriggeblieben, der dem König aber auch allein das Leben manchmal recht schwer machen kann.
Beide bisher vorliegenden Bände konzentrieren sich sehr stark auf die Hauptcharaktere. In Band eins ist König Abelard mit der Festigung seines Reiches beschäftigt und muß sich nebenbei noch mit allerhand Intrigen und Widrigkeiten beschäftigen. Doch gerade er ist nicht der klassische strahlende König, der alles, was er anfaßt, in Gold verwandelt. Vielmehr hat man nicht selten den Eindruck, es hier mit einem ausgemachten Machtmenschen zu tun zu haben, der bereit ist, jede Grausamkeit zu begehen, wenn es seinem Ziel dienlich ist. Ihm wird der sensible Phineas gegenübergestellt, der als Nebenfigur und des Königs ergebenster Diener die großen Dinge ausbaden darf, für die Abelard kein Gewissen hat. Der auch dann einspringen muß, wenn er eigentlich viel lieber in Trauer und Scham verschwinden würde.
In Band zwei geht Roderic doch etwas gemächlicher vor, obwohl auch er schwer zulegen kann, wenn es vonnöten ist zu zeigen, welche Familie auf dem Thron von Meriga sitzt.

Fazit:
Die Königskinder-Trilogie bietet strenggenommen nichts Neues und wird sich wohl kaum in die Klassiker-Liste der Fantasy einschreiben können. Aber es handelt sich um gut geschriebene Romane, die zwar keine tieferen Überlegungen zu bieten haben, und sie haben auch keinen Endzeitcharakter, wie der Hintergrund es vielleicht vermuten ließe. Doch auf der anderen Seite versucht die Autorin, den Lesern auch etwas zu bieten, das ein wenig neben dem Fantasy-Mainstream liegt. Hier gibt es keine rundum strahlenden Helden, sondern eher Machtmenschen, die sich ihrem Ziel verschworen haben. Und dennoch hat es auch nichts mit Dark Fantasy zu tun, sondern vielmehr mit der Hoffnung auf eine Welt, in der der nächste Krieg der letzte sein wird.
11 Punkte

Alexander Haas


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