John Barnes:

"Der Wein der Götter"

OT: One for the Morning Glory
Ü: Andreas Decker
USA 1996
(397 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9085, ISBN 3-453-17217-5, DM 16,90)
- erschienen: Juni 2000 -

Seit Prinz Amatus vom Wein der Götter getrunken hat, ist er nur noch ein halber Mensch. Und das im wahrsten Sinne des Wortes - seine gesamte linke Körperhälfte fehlt. Denn der Wein der Götter darf selbst von Erwachsenen nur in kleinsten Mengen genossen werden.
Der königliche Leibwächter, die Hexe, der königliche Alchimist und die Amme werden für ihre fehlende Sorgfalt geköpft. Kurze Zeit später tauchen vier Bewerber auf, die ihre Plätze einnehmen.
Der Prinz wächst zu einem jungen Mann heran und besteht seine erste Queste, als er mit seinen Gefährten in das unterirdische Koboldreich eindringt, um eine schöne Maid zu befreien. Es gelingt ihm auch, doch der königliches Alchimist muß sein Leben lassen - und Amatus entdeckt, daß er einen Teil seiner linken Körperhälfte wiederbekommen hat. Die Schlußfolgerung, daß sämtliche seiner Gefährten sterben müssen, damit er wieder ein ganzer Mensch wird, hebt die Laune des Prinzen nun wirklich nicht.
Nachdem der Prinz eine Bedrohung innerhalb des Königreiches abgewehrt hat, kommt die nächste von außen: König Waldo, der das Nachbarreich regiert, erstürmt mit einer Armee von Kobolden, Nachtgeschöpfen und Dingen, die nicht menschlich erscheinen, Amatus' Reich. Dem Prinzen gelingt die Flucht. Doch kann er, mit nur einer geringen Zahl von Getreuen, tatsächlich Waldo vertreiben? Es sieht alles andere als gut aus...

Wer einen komischen Fantasy-Roman schreibt, muß sich früher oder später mit dem Werk von Terry Pratchett messen lassen. (* Ich erdreiste mich, Dir aufs heftigste zu widersprechen! ;-) Naja, Terry Pratchett wird sich jedenfalls freuen, daß Du ihn hier zum Maß (fast) aller Dinge erhoben hast. >;-))) Heike) In diesem Fall könnte der Vergleich leider zu Ungusten dieses Romans ausfallen.
Der Roman leidet daran, daß Barnes die Handlung in mehrere separate Teile aufgesplittet hat. Die eigentlich Haupthandlung ist die vierte - und man fragt sich, warum der Autor nicht einfach diese eine Geschichte anständig erzählt. Zwar bereiten die ersten Teile einiges vor - unter anderem tauchen Personen auf, die in der Handlung eine gewichtige Rolle spielen - aber notwendig sind sie eigentlich nicht. Die Geschichte spult sich vor einem ab, und von Zeit zu Zeit stellt sich Langeweile ein. Zu standardmäßig agieren die Figuren, zu sehr verfällt Barnes in einen Stil, der oberflächlich dahinfließt.
Barnes hätte sich sicherlich einen Gefallen damit getan, die vier Teile als einzelne Novellen zu veröffentlichen - denn als Einzelepisoden haben die Teile durchaus ihren Reiz. Ab und an trifft Barnes' Humor das Lachzentrum des Lesers. Terry Pratchetts Niveau erreicht er nicht, aber über weite Strecken unterhält und amüsiert er.

Fazit:
Alles in allem ein Roman, der zwar unterhält, aber einen Pratchett bei weitem nicht erreicht.
6 Punkte

Christian Spließ


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