Maureen F. McHugh:

"ABC Zhang"

OT: China Mountain Zhang
Ü: Michael Windgassen - überarbeitet von Hannes Riffel und Iris Konopik
USA 1992/1997
(353 Seiten, Taschenbuch, Ariadne Social Fantasies 2053, ISBN 3-88619-953-3, DM 19,80)
- erschienen: Juni 2000 -

Im 22. Jahrhundert hat sich China zu einer Weltmacht entwickelt. Sowohl die USA als auch der Mars stehen unter der Kontrolle des Kommunismus.
Zhang, der in den USA geboren ist, scheint als einfacher Bautechniker zwar dem System zu entsprechen, doch er ist im höchsten Maße gefährdet. Schwule werden gnadenlos verfolgt und als Kriminelle eingestuft. Als Zhang das lukrative Angebot eines Bauleiters ausschlagen muß, der ihn mit seiner Tochter verheiraten möchte, verschlägt es ihn an den Nordpol.
Nachdem er ein Jahr den kanadischen Wissenschaftlern dort assistiert und sich auf das Studium der Systemtechnik vorbereitet hat, geht er nach China. Dort lernt er Haitaio kennen, der zunächst nur sein Tutor ist, dann aber sein Freund wird. Haitaio begeht jedoch Selbstmord, als das Regime ihn verfolgt. In Zhang entsteht eine große Leere. Er füllt sie mit Arbeit auf und bekommt ein Praktikum an einer der bedeutendsten Ingenieurfabriken, der Wuxi Engineering Technologies.
Er kehrt nach dem Praktikum wieder in die USA, nach New York, zurück. Er erkennt, daß nicht nur er sich verändert hat, sondern auch die Welt um ihn her...

Es ist eine sehr ruhige Geschichte, die dieser Roman erzählt. Geschickt benutzt die Autorin die Möglichkeit, nicht nur die Geschichte um Zhang zu erzählen, sondern sie läßt in mehreren Kapiteln auch Nebenfiguren auftreten. Diese berühren zwar am Rand die eigentliche Geschichte, doch sie zeigen gleichzeitig auch, wie diese Welt beschaffen ist, in der Zhang lebt.
Stilistisch und erzählerisch ist der Roman auf einem sehr hohen Niveau. Allerdings hält diese hohe Stilistik den Leser auch auf Abstand. Er schafft eine Barriere, hinter der man die Geschichte mit mildem Interesse verfolgt. Jedoch vermag die Autorin keine wirkliche Spannung aufzubauen. Vielleicht gehört das auch zum Stil von McHugh, aber dennoch: Man muß sich regelrecht zwingen, das Buch komplett zu Ende zu lesen.
Seine Hugo- und Nebula-Nominierung hat das Buch zweifellos verdient. Dennoch, am Ende bleibt die Frage, warum Utopien immer langweilig erzählt werden müssen.
7 Punkte

Christian Spließ


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