Barbara Hambly:

"Der schwarze Drache"

OT: Dragonsbane
Ü: Andreas Brandhorst
GB 1985
(507 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 20388, ISBN 3-404-20388-7, DM 16,90)
- Neuauflage -
- erschienen: Juli 2000 -

Vor über 100 Jahren haben sich die Könige aus dem Winterland zurückgezogen. Seitdem sind die in diesem rauhen, unfreundlichen Land zurückgebliebenen Menschen den Überfällen der Barbaren und Eisreiter, den Angriffen von Wölfen sowie weitaus unheimlicheren Geschöpfen - wie den Flüsterern, Menschenfressern, Sumpfderwischen, Dämonen und auch Drachen - ausgesetzt. In dieser Landschaft lebt seit nunmehr 37 Jahren Jenny Waynest. Sie ist eine Zauberadeptin, eine Hexe, außerdem die einzige Hebamme und Heilerin weit und breit.
Auf ihrem Weg durch die Ruinen der alten Stadt rettet sie den jungen Adligen Gareth von Magloshaldon vor drei Wegelagerern, obwohl dieser eigentlich Jenny helfen wollte - aber Gareth ist mehr Philosoph und Dichter als Krieger und Kämpfer. Er versteht sich eher auf die alten Balladen; er glaubt unerschütterlich an Ehre, Ritterlichkeit und Tugend. Und die Balladen sind es, die ihn weit von seiner Heimat weg ins Winterland geführt haben. Denn das Reich Belmarie wird von einem Drachen bedroht, der ins Tal von Ylferdun eindrang und die Gnome aus ihrer Heimat, der Tiefe, vertrieb. Zudem scheint es einen Aufstand zu geben, denn der Neffe des Königs erhob sich, kurz vor Erscheinen des Drachen, gegen seinen Onkel und verteidigt nun die Festung Halnath gegen das Heer des Königs. In den Balladen las Gareth von den ehrenhaften, heroischen Kämpfen der Drachentöter; und das letzte lebende Exemplar dieser seltenen Gattung Mensch ist Lord John Aversin, der Than von Alynfeste, der Lord von Wyr und damit einziger Oberherr im Winterland und Schutz der Menschen vor den vielfältigen Gefahren.
Beim Kampf mit den Wegelagerern verletzte sich Gareth, und so wird er von Jenny nach Alynfeste begleitet, da sie ihn dort besser behandeln kann. Zu seinem Entsetzen muß Gareth feststellen, daß die herrschaftliche Feste des letzten Drachentöters nur eine verfallene, ehemalige Burg ist, die von einem heruntergekommenen Dorf umsäumt wird. Der edle Lord Aversin lebt mit seinen Verwandten im letzten funktionstüchtigen, wenn auch schon recht baufälligen Turm. Zu Gareths Schrecken steht er bei ihrer Ankunft gar im Schweinedreck und unterhält sich mit den Bauern über die Wetterfühligkeit von Schweinen. (Also nicht, das Gareth Lord Aversin ohne die Vorstellung durch Jenny erkannt hätte.) Für Gareth bricht schließlich eine ganze Welt von Ritterlichkeit und Ruhm zusammen, entspricht Aversin doch überhaupt nicht seinem Bild des edlen Helden. Zu allem Unglück für Gareth ist Jenny auch noch Aversins Mätresse und hat zudem noch zwei Söhne mit ihm. Aber nichtsdestotrotz bittet der junge Bote Aversin um dessen Hilfe. Er verspricht ihm auch im Namen des Königs die Rückkehr und den Schutz des Landes durch dessen Truppen, falls es Aversin gelingen sollte, Belmarie von der Geißel des Drachen zu befreien. Doch John Aversin kennt nur zu gut die Gefahren eines solchen Unternehmens. Nur mit außerordentlichem Glück erschlug er einst den goldenen Drachen von Wyr. Er selbst kam nur knapp mit dem Leben davon; und der Drache in der Tiefe scheint ein weit größeres Exemplar zu sein. (Schön dazu ist auch eine grafische Darstellung im Buch über den Größenvergleich zwischen Mensch und Drache.) Aversin weiß auch, daß er das Winterland nicht immer allein gegen Gefahren schützen kann und daß Hilfe sehr wichtig wäre; außerdem fühlt er sich immer noch als Ritter des Königs. So bricht Aversin schließlich auf, begleitet von Gareth und Jenny, die mit ihren Hexenkräften fühlt, daß sie ihren Geliebten nicht allein gegen den Drachen ziehen lassen darf, um das Ungeheuer zu besiegen und dem Land neue Hoffnung zu geben. Aber Gareth hat seinen Begleitern nicht alles erzählt, denn der König scheint im Bann einer Hexe zu stehen, und eine viel größere Gefahr als der Drache bedroht das Reich.

Diese Geschichte von Barbara Hambly ist schon fünfzehn Jahre alt und wurde neu aufgelegt, da ein Folgeroman erschienen ist (wird auch noch rezensiert). Hambly versteht es geschickt, den Grad zwischen Realismus (das einfache, harte Leben eines kleinen Lords und der Menschen, genauso wie der Schrecken des Krieges und des Tötens) und doch auch heldenhaftem Handeln zu gehen. (Naja, in der Realität soll es ja auch schon Helden gegeben haben - nicht nur im Sport!) Ihr Lord Aversin ist Gelehrter und eher Pragmatiker denn schwertschwingender, losstürmender, heldenhafter Ritter.
Auch gelingt es ihr, die Geschichte mit Humor und Ironie zu würzen und mit der richtigen Portion Spannung abzustimmen. Der Roman bringt keine neuen Ideen, er ist eine weitere Variation eines schon oft gelesenen Themas. Aber für mich stellt er die richtige Mischung dar und ist ausgesprochen kurzweilig zu lesen. Mit der im Moment freien Zeit hatte ich ihn schnell verschlungen und freue mich schon auf die Fortsetzung.
11 Punkte

Bernd Krosta


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