Vor
über 100 Jahren haben sich die Könige aus dem Winterland
zurückgezogen. Seitdem sind die in diesem rauhen, unfreundlichen
Land zurückgebliebenen Menschen den Überfällen der
Barbaren und Eisreiter, den Angriffen von Wölfen sowie weitaus
unheimlicheren Geschöpfen - wie den Flüsterern,
Menschenfressern, Sumpfderwischen, Dämonen und auch Drachen -
ausgesetzt. In dieser Landschaft lebt seit nunmehr 37 Jahren Jenny
Waynest. Sie ist eine Zauberadeptin, eine Hexe, außerdem die
einzige Hebamme und Heilerin weit und breit.
Auf ihrem Weg durch die Ruinen der alten Stadt rettet sie den jungen
Adligen Gareth von Magloshaldon vor drei Wegelagerern, obwohl dieser
eigentlich Jenny helfen wollte - aber Gareth ist mehr Philosoph und
Dichter als Krieger und Kämpfer. Er versteht sich eher auf die
alten Balladen; er glaubt unerschütterlich an Ehre,
Ritterlichkeit und Tugend. Und die Balladen sind es, die ihn weit von
seiner Heimat weg ins Winterland geführt haben. Denn das Reich
Belmarie wird von einem Drachen bedroht, der ins Tal von Ylferdun
eindrang und die Gnome aus ihrer Heimat, der Tiefe, vertrieb. Zudem
scheint es einen Aufstand zu geben, denn der Neffe des Königs
erhob sich, kurz vor Erscheinen des Drachen, gegen seinen Onkel und
verteidigt nun die Festung Halnath gegen das Heer des Königs. In
den Balladen las Gareth von den ehrenhaften, heroischen Kämpfen
der Drachentöter; und das letzte lebende Exemplar dieser
seltenen Gattung Mensch ist Lord John Aversin, der Than von
Alynfeste, der Lord von Wyr und damit einziger Oberherr im Winterland
und Schutz der Menschen vor den vielfältigen Gefahren.
Beim Kampf mit den Wegelagerern verletzte sich Gareth, und so wird er
von Jenny nach Alynfeste begleitet, da sie ihn dort besser behandeln
kann. Zu seinem Entsetzen muß Gareth feststellen, daß die
herrschaftliche Feste des letzten Drachentöters nur eine
verfallene, ehemalige Burg ist, die von einem heruntergekommenen Dorf
umsäumt wird. Der edle Lord Aversin lebt mit seinen Verwandten
im letzten funktionstüchtigen, wenn auch schon recht
baufälligen Turm. Zu Gareths Schrecken steht er bei ihrer
Ankunft gar im Schweinedreck und unterhält sich mit den Bauern
über die Wetterfühligkeit von Schweinen. (Also nicht, das
Gareth Lord Aversin ohne die Vorstellung durch Jenny erkannt
hätte.) Für Gareth bricht schließlich eine ganze Welt
von Ritterlichkeit und Ruhm zusammen, entspricht Aversin doch
überhaupt nicht seinem Bild des edlen Helden. Zu allem
Unglück für Gareth ist Jenny auch noch Aversins
Mätresse und hat zudem noch zwei Söhne mit ihm. Aber
nichtsdestotrotz bittet der junge Bote Aversin um dessen Hilfe. Er
verspricht ihm auch im Namen des Königs die Rückkehr und
den Schutz des Landes durch dessen Truppen, falls es Aversin gelingen
sollte, Belmarie von der Geißel des Drachen zu befreien. Doch
John Aversin kennt nur zu gut die Gefahren eines solchen
Unternehmens. Nur mit außerordentlichem Glück erschlug er
einst den goldenen Drachen von Wyr. Er selbst kam nur knapp mit dem
Leben davon; und der Drache in der Tiefe scheint ein weit
größeres Exemplar zu sein. (Schön dazu ist auch eine
grafische Darstellung im Buch über den
Größenvergleich zwischen Mensch und Drache.) Aversin
weiß auch, daß er das Winterland nicht immer allein gegen
Gefahren schützen kann und daß Hilfe sehr wichtig
wäre; außerdem fühlt er sich immer noch als Ritter
des Königs. So bricht Aversin schließlich auf, begleitet
von Gareth und Jenny, die mit ihren Hexenkräften fühlt,
daß sie ihren Geliebten nicht allein gegen den Drachen ziehen
lassen darf, um das Ungeheuer zu besiegen und dem Land neue Hoffnung
zu geben. Aber Gareth hat seinen Begleitern nicht alles erzählt,
denn der König scheint im Bann einer Hexe zu stehen, und eine
viel größere Gefahr als der Drache bedroht das Reich.
Diese Geschichte von Barbara Hambly ist schon fünfzehn Jahre alt
und wurde neu aufgelegt, da ein Folgeroman erschienen ist (wird auch
noch rezensiert). Hambly versteht es geschickt, den Grad zwischen
Realismus (das einfache, harte Leben eines kleinen Lords und der
Menschen, genauso wie der Schrecken des Krieges und des Tötens)
und doch auch heldenhaftem Handeln zu gehen. (Naja, in der
Realität soll es ja auch schon Helden gegeben haben - nicht nur
im Sport!) Ihr Lord Aversin ist Gelehrter und eher Pragmatiker denn
schwertschwingender, losstürmender, heldenhafter Ritter.
Auch gelingt es ihr, die Geschichte mit Humor und Ironie zu
würzen und mit der richtigen Portion Spannung abzustimmen. Der
Roman bringt keine neuen Ideen, er ist eine weitere Variation eines
schon oft gelesenen Themas. Aber für mich stellt er die richtige
Mischung dar und ist ausgesprochen kurzweilig zu lesen. Mit der im
Moment freien Zeit hatte ich ihn schnell verschlungen und freue mich
schon auf die Fortsetzung.
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