Zum
Inhalt:
Eine "galaktische Katastrophe" hat die beiden Stationen Cosmopol und
Astropol in eine Zone geschleudert, in der die Zeit nicht existiert.
Der Kontakt zueinander ist seit nicht meßbarer Zeit (immerhin
gibt es hier keine Zeit) abgebrochen, ebenso wie zur Mutterwelt - der
Erde. Mark Brandis, ein ausgebildeter SCOUT-Pilot auf Cosmopol, wird
jedoch von Sehnsucht geplagt - der Sehnsucht nach der Erde, die
unerreichbar scheint. Die beiden Stationen Cosmopol und Astropol
dienten ursprünglich dazu, einen Weg zu finden, die Menschen
für extrasolare Ausflüge zu befähigen - sprich: ihr
Lebensalter künstlich zu erhöhen.
Dieser Mark Brandis - künstlich geboren und von keinerlei
Gefühlen beherrscht - scheint jedoch einen Drang in sich zu
spüren, die geborgene Welt von Cosmopol zu verlassen, die Erde
zu suchen. Er bekommt eine SCOUT und auch eine Co-Pilotin namens Ruth
O'Hara, wobei er letztere eigentlich von ganzem Herzen abgelehnt,
diese sich jedoch an Bord des Schiffes geschmuggelt hat. Das
ungewollte Zweiergespann begibt sich schließlich auf die Suche
nach der verlorenen Erde und entdeckt dabei menschliche Facetten, die
ihnen bisher unbekannt waren...
Der Held unserer Jugend ist zurückgekehrt!
Wer erinnert sich nicht an die Büchereibesuche, das fieberhafte
Suchen nach Mark Brandis-Romanen, die man noch nicht kannte - und vor
allem die Glücksgefühle, wenn man eines dieser Bücher
in den Regalen entdeckte, das man ausleihen konnte?
Mark Brandis - das ist in der deutschen SF fast schon eine Legende.
Der ältere Leser kennt die Romane, weiß über ihren
Wert - und weiß vor allem, was sie ihm bedeutet haben.
Geschrieben in der Zeit des Kalten Krieges, stand Mark Brandis
für die demokratischen Werte, die als die Werte des absolut
Guten galten. Er kämpfte gegen das Böse, seien dies nun die
Versuche, diktatorische Herrschaftssysteme an die Macht zu bringen,
oder auch "nur" der kleine, faschistisch angehauchte Fanatiker, der
einmal wieder die Demokratie und die Menschenrechte bedrohte.
Dies alles - verpackt in eine unwiderstehliche Mischung aus
intelligenter Handlung und vor allem ungewöhnlich
anspruchsvollem Stil (in Hinsicht auf ein Jugendbuch) - machte damals
den Reiz der Mark Brandis Romane aus, die heutzutage gesuchte
Sammlerstücke darstellen. Der Schwierigkeitsgrad, die alten
Romane zu komplettieren, dürfte locker den übertreffen,
einen originalen Plüsch-Gucky zu organisieren - und zudem ist
dies in etwa auch noch genauso teuer (da wird m.E. doch reichlich
übertrieben...). Selbst in mittelmäßigem Zustand
(zerlesene Bücherei-Exemplare) kann man bei einem erfahrenen
Händler Preise von DM 30 pro Buch schon als Schnäppchen
bezeichnen. (Naja, mir half der Zufall zur Komplettierung: Die
letzten 15 Romane, die noch fehlten, wurden mir nach einjähriger
Insertion in einem Offertenblatt von einer Schulbibliothekarin
angeboten. Die Bestände wurden im Zuge der Erneuerung aufgrund
der Rechtschreibreform (Bäh! Hat sich aber demnächst wohl
gegessen, wenn selbst die FAZ und der Hochschulverband sich weigern,
hier weiter mitzumachen; ein grinsendes "glücklicherweise" kann
ich mir nicht verkneifen... (* Ich auch nicht, ich gönne mir
gar ein spöttisches "Höhöhö"... {:-))) Heike))
wohl aussortiert...)
Aber zurück zur Serie - oder vielleicht doch besser direkt zu
diesem neuen Roman.
Brandis, respektive Michalewski, hat wohl einige Zeit nach einem
Verlag gesucht - und keinen gefunden. Erschwerend kommt hinzu,
daß Bertelsmann mit seinem Omnibus-Label für Jugendliche
die Neuauflage (in neuer Rechtschreibung - argl!) wohl eingestellt
hat. So blieb Brandis anscheinend nichts anderes übrig, als
diesen Roman in Eigenregie als "Book on Demand" zu
veröffentlichen - glücklicherweise!!!
Abgesehen von der Aufmachung (zur "B-Note" kommen wir gleich
noch...), bietet dieses neue Abenteuer Mark Brandis' eine
hervorragende Kost für den Konsumenten.
Doch Mark Brandis ist nicht mehr Mark Brandis. Nicht nur, daß
sich der Charakter gewandelt hat, auch die physikalische Person ist
eine andere geworden und trägt nur noch den gleichen Namen. Der
Autor vollzieht hier eine vollkommene Trennung zwischen den
bisherigen Romanen und den jetzt erscheinenden - und das hat durchaus
etwas für sich. Denn diese Romane sind mit Sicherheit nicht mehr
für ein jugendliches Publikum geschrieben, herrscht hier doch
eher ein philosophischer Ton vor, der dem jugendlichen Leser kaum
behagen wird. Statt der Suche und Verteidigung der demokratischen
Werte geht Mark Brandis nun daran, die menschlichen Werte auszuloten.
Ein völlig gefühlloser Held entdeckt in diesem Roman die
Liebe, und dies in einer Art, die ihresgleichen sucht. Die Art der
Spannungserzeugung in diesem Roman ist ziemlich einzigartig zu
nennen.
Doch dies hat auch seinen Preis: Die logische Konsistenz der Handlung
ist in weiten Teilen vernachlässigbar. Ein Raum außerhalb
des Universums, in dem die Zeit nicht vorhanden ist, ist ebenso
unvereinbar mit den bekannten physikalischen Gesetzen wie das
"Hin-und-Her-Wechseln" zwischen den Zonen mit und ohne Zeit - oder
auch die Endsequenz auf der Suche nach der Erde. Ich möchte
nicht wissen, mit welcher Lichtgeschwindigkeit man hier unterwegs
ist. Die Geschwindigkeit, mit der man hier die Sonnensysteme
abfliegt, steht in keinem Zusammenhang mit der Tatsache, daß
man eigentlich gar nicht in der Lage war, das eigene Sonnensystem zu
verlassen... Dem Physiker (und nicht nur diesem...) sträuben
sich hier die Haare...
Doch der Philosoph freut sich. Denn der philosophische Aspekt steht
hier eindeutig im Vordergrund. Und wenn man jegliche Physik erst
einmal außer Acht läßt, kann man mit diesem Roman
wunderbar leben. Die philosophisch geprägte Handlung sowie die
ihr untergeordnete Spannung selber lassen diesen Roman zu einem
Vergnügen für den mehr geistig interessierten SF-Leser
werden. Dies ist eindeutig der richtige Schritt in die richtige
Richtung, und es läßt auf noch viele folgende Romane
hoffen!
Soviel zur A-Note - kommen wir zur B-Note.
(Angesichts dieses Romans muß ich hier definitiv
unterscheiden...)
Die Aufmachung des Romans ist allein schon vom Titelbild her ziemlich
bescheiden (der geneigte Leser wird dies schon oben erkannt
haben...), doch dies ist noch so ziemlich das beste an der
eigenverantwortlichen Präsentation dieses Romans.
Der Text an sich wird dargeboten in leseflußhemmender "Times
New Roman" - hier wäre eine "New Century Schoolbook" mehr als
nur leseflußfördernder gewesen... Ich könnte
angesichts des schmaleren Schriftschnitts durchaus noch verstehen,
wenn man hiermit Seiten, bei bod gleichbedeutend mit heftigen Kosten,
sparen wollte. Doch diesem entgegen steht die überaus
unverständliche Praxis, jeden Absatz durch eine Leerzeile vom
nächsten zu trennen. Die hiermit verschwendeten 25 bis 30% Platz
hätte man problemlos für eine bessere Lesbarkeit durch
Schriftschnittänderung opfern können - vor allem, da diese
Leerzeilen (mit Verlaub gesagt) einfach nur Schwachsinn sind. Hieran
merkt man überdeutlich, daß dies ein reines Privatprodukt
ist - auch wenn dieser Roman diese Beurteilung mit all ihrem
schlechten Beigeschmack nicht verdient.
Hinzu kommt, daß der Roman offensichtlich nicht im Geringsten
korrekturgelesen wurde. Grammatikalische wie auch (selten)
Schreibfehler tragen zur weiteren Verwirrung des Lesers bei . Hier
wird der Lektor doch stark vermißt (vor allem angesichts des
teils stark verwirrenden Stils und der ebenfalls nicht ganz
durchsichtigen Handlungsführung).
Nun wir wollen uns eigentlich gar nicht beschweren: Mark Brandis ist
zurück! Und das sollte eigentlich reichen.
Tut's aber irgendwie nicht so richtig...
Mark Brandis ist erwachsener geworden - das ist richtig. Doch der
Inhalt steht in keinem Verhältnis zur Präsentation.
Fazit:
Ja, der neue Mark Brandis-Roman hat was - jedoch hauptsächlich
für die Philosophen unter den Lesern. Wer sich mit philosophisch
angehauchter SF-Literatur zurechtfindet, sollte hier bedenkenlos
zugreifen. Diese Literatur hat durchaus Großartiges zu bieten -
wenn denn die Bearbeitung und Aufmachung einmal entsprechend
erfolgt.
11 Punkte.
Interesse? Hier
kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und
das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.