Dieser
Roman von Katherine Kurtz führt uns wieder in die Welt der
Deryni, ins frühe Mittelalter im Jahr 921. Drei Jahre sind seit
der Handlung im Vorband "Das Martyrium von Gwynedd" vergangen. Javan,
der Zwillingsbruder von Alroy, der zum König von Gwynedd
gekrönt wurde, ist ins Kloster gegangen und hat sich wenigstens
zeitweise mit seinem Schicksal abgefunden, aber er hat immer noch
nicht die endgültigen Gelübde fürs Priesterdasein
abgelegt. In Rhemuth, der Hauptstadt des Reiches, herrscht in
Wirklichkeit der Kronrat, der sich aus den ehemaligen Regenten
zusammensetzt. Der inzwischen sechzehnjährige, kränkliche
Alroy ist nur eine Marionette. Alroys Lungen sind durch Krankheit so
zerfressen, daß selbst der noch am Hof geduldete Deryniheiler
Oriel nurmehr eine gewisse Linderung verschaffen kann. Der Kronrat
hätte gern den jüngeren Bruder des Königs Rhys,
Michael, zu dessen Nachfolger, da dieser noch leicht lenkbar und
fügsam gegenüber den Ratschlägen der ehemaligen
Regenten ist.
Aber auf den Wunsch des sterbenden Alroy hin holt eine Eskorte Javan
aus der Abtei Arx Fidei, einer Priesterschule des Custodes
Fidei-Ordens, der explizit zur Verfolgung und Vernichtung der Deryni
gegründet wurde. So kann Javan noch zur Todesstunde bei seinem
Bruder sein. Er entschließt sich endlich, die teils aus Zwang
gegebenen Gelübde zu verwerfen und neuer König von Gwynedd
zu werden.
Dadurch macht er sich einen Großteil der Kronräte zum
Feind, denn diese sind keineswegs begeistert über einen
eigenständig denkenden König. Zum Glück hat Javan
Verbündete am Hof. Viele der jungen Ritter sind auf seiner
Seite; auch verschiedene Adelige halten zu ihm. So steht zum Beispiel
Baron de Courcy mit seinem Sohn zu ihm. Tatsächlich stellen sich
die Courcys als noch unentdeckt lebende Deryni heraus, die Kontakt
zum Camberischen Rat pflegen. Javan kann den Kontakt zum Rat mit
Joram McRoarie und dem ehemaligen Bischof Niallan intensivieren und
von den noch versteckt in der michaelitischen Fluchtburg lebenden
Deryni einige Hilfe bekommen. Schließlich erhält Javan
durch einen Ritus, der mit den Mitgliedern des Rates
durchgeführt wurde, gar die vollkommene Gewalt über die
Haldanischen Geisteskräfte, die denen der Deryni sehr
ähneln. Er verfügt damit über eine enorme
Machtfülle. Aber genauso befindet er sich in der
Zwickmühle, denn durch die Ähnlichkeit mit den
Derynikräften darf er seine Fähigkeiten nicht offenbaren,
um nicht selbst in Gefahr zu geraten. Denn trotz seiner
Königsstellung ist es ihm nicht gelungen, die Verfolgung der
Deryni auch nur zu mildern oder den ungeliebten Kronrat durch eigene
Günstlinge zu ersetzen. Zu unsicher ist noch seine Stellung; die
Kronräte haben zuviel Macht am Hof und achten auf jedes
Anzeichen einer Schwäche seinerseits. Ein gefährliches
Ränkespiel beginnt, aus dem nur eine Gruppierung als Sieger
hervorgehen kann, während die andere Seite dem Untergang geweiht
ist.
Katherine Kurtz zieht geschickt ein Szenario von Verschwörung
und Gegenbewegung auf, wobei sie sehr detailliert auf das Leben von
Javan eingeht und versucht, uns den Tagesablauf und die vielen
Aufgaben eines Königs genau zu schildern - ein König
muß schon ein verdammt guter Manager sein. Wie die Könige
in anderen Fantasyreihen immer ihre Abenteuer geschafft haben und
trotzdem noch regierten, ist mir schon ein Rätsel. (* Mir
auch - man blicke nur mal in ein Geschichtsbuch seines Vertrauens...
;-) Heike)
Relativ schnell gewinnt man den Eindruck, daß die Kronräte
einen fast unüberwindbaren Gegner für Javan und selbst
seine Deryni-Freunde darstellen. Nur mit Raffinesse sowie List und
Tücke kann es gelingen, an der Macht der ehemaligen Regenten zu
kratzen; und eine Zeitlang hat Javan Erfolg damit. Aber
grundsätzlich haben die Methoden der guten wie auch der
sogenannten bösen Seite eines gemeinsam: Mit einem Gegner wird
vielleicht nicht immer direkt, sondern auch ein bißchen
hinterrücks, aber mit wenig Skrupel umgesprungen. Die
Durchsetzung der Macht benötigt in diesen Zeiten auch eine harte
Hand, und da Javan König bleiben will, greift er mitunter auch
zu drastischeren Methoden gegenüber seinen Feinden. Dies
paßt nicht unbedingt zu der Vorstellung des guten, jungen
Königs. der im Kampf gegen seine verderbten Feinde nur
ehrenhafte Mittel anwendet, aber es macht die Sache realer.
Extrem finde ich das Schwarz-Weiß-Schema in Bezug auf die
Religion (was natürlich in den Vorbänden genauso war). Bei
vielen ihrer Riten ziehen die Deryni, bzw. hier der Camberische Rat,
den Schutz der Erzengel hinzu, deren Anwesenheit für die daran
beteiligten Personen dann deutlich zu spüren ist. Was bedeutet,
daß die Deryni, oder wenigstens eine gewisse Gruppe, näher
zu Gott und Christus stehen, während natürlich die normale
Kirche nur eine verblendete Irrlehre verbreitet, die sich, wie in der
Realität des Mittelalters, mit dem Ausmerzen aller
Andersdenkenden beschäftigt. Mit dem Wissen um Inquisition,
Kreuzzüge und alle anderen Untaten der Kirche ist dies leicht
nachvollziehbar. Nur dieses übertriebene Herausstellen der
richtigen, positiven Seite, die auch mit Gottes Einwilligung wirkt,
ist mir zuviel - für einen Roman vielleicht aber gerade
richtig.
Das Übel (?) dieses Zyklus liegt darin, daß man als
regelmäßiger Leser (ohne die Vorgeschichte zu kennen,
würde ich dieses Buch auch nicht empfehlen) schon weiß,
wie es ausgeht, wer also gewinnt. Der Titel des Romans heißt ja
auch "König Javans Jahr". Spricht nicht gerade für eine
lange Herrscherperiode. Natürlich kennen wir auch schon die
Zukunft, mit dem Späten Deryni-Zyklus und den Geschichten um
König Kelson. Dann gibt es auch den immer wieder auftretenden
Stammbaum der Hauptfamilien, wie eben auch den der Haldane in den
Romanen. Dies macht es schon schwierig, jedenfalls für mich, den
Roman locker zu lesen. (Kann man als Rezensent eh nicht, oder sollte
man nicht?) Was bringen schließlich alle positiven Taten in der
Handlung, wenn man von Anfang an weiß, wann Javan stirbt, wie
lange die übrigen Hauptpersonen leben?! Man weiß, es geht
nicht unbedingt gut aus (vorsichtig ausgedrückt). Dem kann ich
dann nur gegenüberhalten, dieser Roman ist gut geschrieben
(trotz des offenen Auges in den Untergang rennen), unterhaltsamer und
mit mehr Action als der Vorband. Und die Deryni überleben
letztendlich, wenn vielleicht auch nur knapp. In zweihundert Jahren,
im Späten Zyklus, gibt es sie ja noch, und die Vorarbeit zum
Überleben mag auch mit den Taten eines Javan Haldane
zusammenhängen. Das bringt uns dann doch zu einem wenigstens ein
bißchen positiven Ende.
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