Band 2031 :"Die Sprinter von Ertrus"

Autorin: Susan Schwartz

Eutrom Facrelli ist ein etwas ungewöhnlicher Ertruser, denn für einen seines Volkes ist er recht schmächtig und lange nicht so stark wie seine Verwandten - dafür ist er ein um so besserer Leichtathlet. Zugleich ist er Sympathisant der Untergrundregierung und auch für diese tätig. Diese hat ihren momentanen Sitz in der Nähe von Fin Calley, der - nun - größten Stadt auf dem Planeten. Von hier aus plant sie neue Schritte, den Besatzern das Leben möglichst schwer zu machen. Darauf will sich Tato Forman da Ricce aber nicht einlassen und ordnet eine Gewaltwelle gegen die einheimische Bevölkerung an. Überall werden wahllos Ertruser aus der Menge herausgefischt und verschleppt - wenn jemand bei der Nahrungsverteilung auffällt, wird er sofort hingerichtet.
Unterstützung kommt für den Untergrund von ungewöhnlicher Seite: Die versammelte kleine USO-Flotte springt ins System und greift die Arkoniden an - zieht sich aber nach einem kurzen Gefecht wieder zurück. Sinn der Aktion: Bei dem ganzen Gefecht fällt nicht auf, daß eine kleine Kapsel über dem Planeten abgeworfen wird, in der sich USO-Chef Monkey höchstpersönlich befindet. Dieser läßt am Boden nichts anbrennen und nimmt sofort Kontakt zum Untergrund auf. Er teilt mit, daß in einer weiteren Aktion einige Transmitter abgeworfen werden sollen, mit denen man aus dem System heraus- bzw. dort hineinkommt. So würde sich die Möglichkeit bieten, Rhodan herauszuschaffen sowie Waffen und Unterstützung nach Ertrus zu bringen.
Während man also diesen Plan in Angriff nimmt, laufen weitere Aktionen des Widerstandes an. Gezielt picken sich Widerstandsgruppen jene heraus, die an Übergriffen auf die Ertruser beteiligt waren, und töten diese. Zugleich droht "Präsident" Kim Tasmaene über das Radio Freies Ertrus allen Arkoniden, die sich an derartigen Übergriffen beteiligen, den Tod an.
Es kommt, was kommen muß. Die Arkoniden erzittern bald vor der Rache der Ertruser, und Tato da Ricce bangt immer mehr um seinen Job. Schließlich wird er von Bostich zurückbeordert, um sich zu erklären. Dazu wird es aber nie kommen, denn bei seinem Abflug wird sein Transportgleiter von einem Attentäter gerammt, wobei er und sein gesamter Stab ums Leben kommen.
Bei einem weiteren Angriff wirft die USO die Transmitter ab. Dies fällt zwar diesmal auf, doch der Untergrund ist vorbereitet, und es gelingt, die Geräte zu bergen. Als Perry Rhodan aber Ertrus verläßt und auf der anderen Seite aus dem Transmitter steigt, trifft er auf seinen Sohn Roi Danton - ein Wiedersehen ohne viel Freude, denn beide sind sehr distanziert - schließlich hatte sich Michael Rhodan von seinem Vater zurückgezogen, um herauszufinden, wo und wie er in der Welt steht.

Tja, das war vorerst der letzte Band der "Ertrus-Ebene", und weiterhin werde ich ihr mit einem weinenden Auge hinterherblicken, denn mit diesem Band hat sie einen guten Abschluß gefunden. Weiterhin entwickelt sich die Ebene sehr gut und mit viel Dramatik und Spannung. Sehr gut hat mir gefallen, daß es nun so aussieht, als ob die Ertruser die Arkoniden nicht aus eigener Kraft besiegen müssen, sondern nun endlich Hilfe von Außen bekommen werden. Das macht die Sache doch etwas realistischer, denn wie kann sich eine Untergrundarmee dieser Art auf Dauer gegen eine technische Übermacht wie die der Arkoniden durchsetzen? Nun kann man wenigstens durch die wenigen Transmitter Hilfe nach Ertrus bringen und so die Lage dort ein wenig bessern.
Dabei zeigt auch Susan Schwartz, welche Ausnahmesituation auf dem Planeten herrscht, denn hier scheint sich tatsächlich ein ganzes Volk dem Widerstand angeschlossen zu haben. Diejenigen, die nicht aktiv sind, sind mindestens Sympathisanten. Dabei stellt sich hier aber doch am Rande die kleine Frage, was denn aus dem virtuellen Präsidenten geworden ist, den Tato da Ricce eingesetzt hat? Der sollte doch eigentlich bei der provisorischen Regierung für ziemliche Aufregung gesorgt haben; dennoch ist mir da nichts aufgefallen.

Sehr schön aber, wie sich der Roman präsentiert. Hier geht es nicht einfach darum, unpersönlich ein Volk zu beschreiben, das sich einfach nicht anpassen will. Die Darstellung geht im Gegenteil über eine Vielzahl von Charakteren, und so wird der Widerstand allen Orten personifiziert. Lediglich die Racheaktionen der Ertruser werden am Rande abgehandelt, aber die wesentlichen Planungen und Aktionen werden von individuell entwickelten Charakteren ausgearbeitet und durchgeführt. Dabei wird weiterhin betont, wie sehr individualistisch die Ertruser zu sein scheinen; etwas, das sie hier sehr stark an die Haluter heranführt: groß, stark, eigentlich sehr gutmütig - aber wehe, wenn sie losgelassen. So wird vom ertrusischen Volk ein sehr schönes und vor allem äußerst sympathisches Bild gezeichnet. Aber nicht nur die Charaktere haben mir hier recht gut gefallen. Auch die Handlung macht im richtigen Augenblick eine entscheidende Wendung. Anstatt sich zu sehr auf den Kampf auf Ertrus zu konzentrieren und hier vielleicht in die Gefahr zu geraten, sich entweder totzulaufen oder zu sehr zu wiederholen und dadurch überflüssig und langweilig zu werden, bringt man von außen neue Elemente ein, die dafür sorgen können, daß man hier mehr Möglichkeiten bekommt, die Handlung zu variieren. Hinzu kommt, daß man sich endlich mal wieder die Zeit genommen hat, eine Geschichte in vollem Umfang am Stück zu erzählen. Ertrus ist zwar immer noch unter arkonidischer Besatzung, aber ich erwarte, daß das auch noch eine ganze Weile andauert. Deshalb finde ich es schön, daß man sich immerhin dazu durchgerungen hat, hier eine zusammenhängende Ebene von vier Romanen am Stück aufzubauen. So muß der Leser sich nicht ständig an eine fremde Umgebung gewöhnen, sondern man kann die Handlung in einem größeren Umfang genießen. Bzw. die, die mit der Ertrus-Ebene nichts anfangen können, wissen, welche Romane sie eher überfliegen können.

Fazit:
Ein Roman, der sich sehr flüssig lesen läßt, obwohl ihm die dramatische Klasse des Vorgängers fehlt. Dennoch hat man in meinen Augen in der Ertus-Ebene so ziemlich alles richtig gemacht.
12 Punkte

Alexander Haas

Soso, jetzt greift also endlich die USO ein. Nachdem inzwischen drei Hefte dieser Handlungsebene vorüber sind, hatte ich mich langsam gewundert, wann diese denn in der eigenen Ebene aktiv werden würde. Dies einen Roman vorzuziehen, wäre wohl der bessere Weg gewesen, doch das hat wohl die starre Vier-Hefte-Regel bis zum Ebenenwechsel, die zur Zeit angewandt wird, verhindert. Angesichts des Vorgängers wären hier wohl drei Hefte sinnvoller gewesen...
Daß aber auch die NUSO nicht immer die Wende zum Guten (Roman) bringen kann, merkt man hier leider deutlich. Die ganze Rettungsmission ist doch recht seltsam konzipiert. Warum z.B. hat Monkey den dringend benötigten Spezialtransmitter nicht gleich mitgebracht? Die angebotene Erklärung hinkt hier doch ziemlich - immerhin fußt sie auch zu einem großen Teil darauf, daß die Arkoniden beim zweiten Ablenkungsmanöver aufmerksamer sein werden. Mit ein wenig technischem Aufwand hätte man also beim ersten Mal wesentlich mehr Freiheiten gehabt. Dummerweise wären dann die 60 Seiten dieses Romans nicht voll geworden...
Ansonsten werden die Arkoniden auch immer brutaler, wobei man sich so langsam wirklich fragt, weshalb man in den 2000 Jahren Handlungsgeschichte anscheinend immer noch keine Methoden der Unterwerfung entwickelt hat, die man nicht schon seit Jahrzehnten kennt. He, das ist eine SF-Serie - da könnte man doch ein bißchen mehr Phantasie und Erfindungsreichtum erwarten, oder?!?
Ansonsten legt Susan Schwartz hier einen Roman vor, der zumindest atmosphärisch als recht gelungen bezeichnet werden kann. Vor allem die Szene zwischen Perry und Roi Danton kann man nicht anders als vollkommen gelungen bezeichnen. Hier verabschiedet sich Roi Danton nun endgültig von seinem bisherigen Charakter, zeigt sich zerrissen und nachdenklich. Man darf gespannt sein, wie sich dieser Charakter in der nächsten Zeit noch entwickeln wird.

Fazit:
Handlungsmäßige Ungereimtheiten werden von dem atmosphärischen Aspekt des Romans durchaus aufgefangen. Zwar kein Highlight der Serie, aber doch durchaus annehmbarer Durchschnitt.
7 Punkte.

Winfried Brand

Ertrus, Band 4 von (zunächst) 4.
Insgesamt verliert der Handlungskomplex im Lauf dieser vier Bände beträchtlich an Tempo.
Ob der arkonidische Imperator vom Vorgehen seines neuen Gouverneurs begeistert ist? Andererseits kennt Bostich den Mann, den er da zum Tato ernannt hat, wohl gut genug. Doch auch der kennt außer dem bereits bekannten Aushungern des Planeten und wahllosem Terror unter der Zivilbevölkerung keine neuen Methoden, um die Bevölkerung unter Kontrolle zu bringen und den Widerstand zu brechen.
Gerechterweise bleibt er dann auch auf der Strecke; der ertrusische Widerstand macht kurzen Prozeß mit ihm.
Spätestens nach vier Romanen auf/um Ertrus muß sich das Autoren-Team die Frage gefallen lassen: Gibt es außer den schon im Zweiten Weltkrieg gebräuchlichen Mitteln nichts Neues, um Aufstände zu bekämpfen? Hier wären Ideen gefragt gewesen. Die Aphiliker hatten schon solche Dinge wie den PIK (Personal-Identifizierungs-Kodegeber): Das ist ein winziger elektronischer Sender, den man der Bevölkerung in den Körper implantiert, um den jeweiligen Aufenthaltsort festzustellen (zugegeben, eher etwas für die längerfristige Planung, aber man könnte ja einmal damit anfangen). Schon zu Zeiten der Dritten Macht wurden Psychostrahler zur Beeinflussung verwendet. Das dürfte technisch in größerem Maßstab ohne weiteres machbar sein. Wenn man das ganze Technik-Repertoire des rhodanschen Kosmos plündert, wird man noch Dutzende weiterer solcher Sachen finden. Das dürfte doch nicht so schwierig sein. Schon heute könnte man das Trinkwasser mit irgendwelchen Stoffen versetzen, und gerade auf Ertrus läuft viel über die Nahrungsmittelzuteilung... Nicht vergessen: PR ist eine Science Fiction-Serie! Unter diesem Aspekt gesehen, ist die Umsetzung doch beinahe enttäuschend. Nur die KATSUGO-Kampfroboter sind letztlich einfach zu wenig.
Also bleibt letztlich der heroische Widerstand der Ertruser, gegen dessen Schilderug man nichts einwenden kann: Die Ertruser wehren sich schließlich nur und dürfen in der Wahl ihrer Mittel kaum wählerisch sein. Gegner der Rebellen ist das Imperium, die militärisch überlegenen, aber ansonsten tumben Arkoniden:. STAR WARS läßt grüßen. Ertrus dürfte wohl, wenn man das Vorgehen der Besatzer sieht, tatsächlich niemals fallen.
Über Perry Rhodan regt man sich schon fast auf. Trotz allem, was passiert ist, gibt der sich noch immer friedliebend und humanistisch (irgendwie erinnert er hier doch an Jean-Luc Picard), Motto: "Tu keinem weh - die armen fehlgeleiteten Arkoniden sind ja nicht alle so brutal, nur ihre Entscheidungsträger". Merkt der Mann es noch??? (* Hat vielleicht was ins Trinkwasser gekriegt, wie weiland Marge Simpson... ("Die Wände schmelzen schon wieder!") ;-) Heike) Als politisch verantwortlicher Regierungschef der LFT hat PR sich in diesem Zyklus schon mehrfach ins Abseits gestellt. Beschwichtigungspolitik führt bei solchen Aggressoren nicht weiter. Das wird ihm gerade auf Ertrus deutlich vor Augen geführt. Weshalb wird der Mann so dargestellt? Hier hätte man sich den guten, alten Arkon-Admiral Atlan als Hauptperson gewünscht.
Prompt muß PR sich dann von einem Ertruser auch vorhalten lassen: "Ich glaube eher, daß du schon zu weit entfernt von diesen Dingen bist", und: "Wer soll es sonst tun und auf welche Weise? Deine gepriesene LFT ist ja nicht hier!" Da hat der Sprecher wohl recht ... Man verlangt ja nicht gleich, daß Rhodan bombenwerfend durch die Gegend läuft, aber einige Pläne zum weiteren Vorgehen gegen die Invasoren hätte er schon liefern dürfen. An Erfahrung mangelt es dem Mann nicht. Leider wurden hier viele Möglichkeiten verschenkt.
Zu allem Überfluß sitzt er immer noch auf Ertrus fest. Er muß aber heim nach Terra, denn dort wird er wohl wesentlich dringender gebraucht. Doch: "Immer, wenn man meint, es gibt keinen Ausweg mehr, kommt von irgendwo die Neue USO her."
Monkey selbst läßt sich über Ertrus abwerfen, um PR zu evakuieren. Der NUSO-Chef wieder einmal an vorderster Front. Einleuchtend. Wen schickt man am besten auf eine Welt mit hoher Schwerkraft? Jemanden, der von einer Welt mit noch höherer Schwerkraft stammt.
Doch spätestens in dem Moment, in dem Monkey PR den Rettungsplan erläutert, muß der laute Lacher kommen. Da hat die Neue USO ein ganzes Geschwader mitten ins Gefecht geschickt, um den Chef auf Ertrus abzusetzen, und dann soll (direkt vor den aktivierten Geschützrohren der sicherlich aufmerksamen Arkoniden) das Ganze noch einmal stattfinden, um den dringend benötigten Spezial-Transmitter nachzuliefern? Wieso bringt Monkey das Gerät nicht direkt mit? Die Raumschlacht im Orbit war Ablenkung genug, um die Landung des Oxtorners zu verschleiern. Da hätte man auch einen Behälter mit einem Transmitter bequem abwerfen können. Die im Roman nur angedeutete Begründung überzeugt nicht. Gut, ein Transmitter ist ein empfindliches Gerät, aber mit etwas Technik hätte man den Abwurf eines Containers bewerkstelligen können, ohne die Arkoniden aufmerksam zu machen. Damit hätte dem Rest des Romans dann allerdings die Grundlage gefehlt.
Die Begegnung zwischen Rhodan und seinem Sohn wurde dann beeindruckend in Szene gesetzt. Die Charakterisierung Roi Dantons überzeugt: Er wirkt düster und zerrissen und befindet sich auf der Suche nach einer Identität. Er ist längst nicht mehr der strahlende Spaßbold von früher, und so bietet sich hier die Chance, diese Figur vollkommen neu aufzubauen. Daraus kann man einiges machen, und das geschieht wohl auch schon.

Fazit:
Das Grundkonzept mit den "Sprintern" war wohl ernstgemeint, hält aber einigem Nachdenken über Sinn und Unsinn nicht stand. Damit fehlt dem Roman dann die Grundlage. Susan Schwartz hat die undankbare Aufgabe, das umzusetzen, achtbar gelöst.
6 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Fazit zum Handlungskomplex Ertrus: Starker Beginn, dann stark nachgelassen.

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