Professor Zamorra

Band 682: "Trink das Schlagenblut"

Commander Nick Bishop erpreßt aus dem ehemaligen Sektenmitglied Gianna Informationen über die "Brüder der seligen Krake", um deren Versteck für eigene Zwecke nutzen zu können. Danach macht er Gianna auch zu einer seiner Dienerinnen.
Bishop plant, die unterirdische Höhle des toten Dämons Oktomola als ersten Stützpunkt des Ssacah-Kults in Europa zu nutzen, um seinen Herrschaftsbereich weiter auszudehnen.
Dummerweise hat Nicole Duval bei dem letzten Einsatz genau dort einige Kleinigkeiten vergessen, wie z.B. Ausweispapiere und den Dhyarra-Kristall 4. Ordnung.
Zamorra unterrichtet derweil Ted Ewigk über die neuesten Entwicklungen in Florida. Der wieder aufgetauchte Robert Tendyke gab sich als Ty Seneca aus, was Rhet Riker dazu veranlaßt, seinen Boß auf dessen Geisteszustand hin überprüfen zu lassen. Auch Zamorra fällt dabei das seltsame Verhalten Carlottas auf, Teds Freundin, die sich an den Geister-Reporter zu klammern scheint und ihn möglichst wenig "im Einsatz" sehen möchte.
In der unterirdischen Grotte stolpert Bishop über Nicoles Kampf-Overall und - den Dhyarra. Da dieser nicht auf Duval verschlüsselt und Bishop stark genug ist, kann er ihn auch benutzen.
Als Köder für seine Falle setzt das neue Oberhaupt des Ssacah-Kult das neue Mitglied Gianna ein. Er gibt ihr drei Messing-Kobras, die sie schlucken muß. Bei einer günstigen Gelegenheit soll sie ihre Gegner mit dem Keim infizieren.
Nicole bemerkt bei ihrer Ankunft zwar das Verschwinden des Kristalls; da Teri jedoch eine menschliche Präsenz in der Nähe spürt, springen sie zunächst dorthin. Dort finden sie die - scheinbar - verängstigte Gianna, mit der Teri gleich weiter springt. Gianna ist verwirrt, da Bishop, der ihr die Trägerin des schwarzen Overalls als "Duval" angekündigt hatte, diese mit der Fähigkeit der Telepathie behaftet schilderte. Diese Frau jedoch beherrscht die Teleportation. Daß Rheken Duvals Anzug anzieht, konnte die Italienerin nicht wissen. In Giannas Gedanken sieht Teri deren Boot im Hafen von Pescara - das nächste Ziel der beiden. Wo Teri kurz darauf eins übergebraten bekommt, was sie in Ohnmacht fallen läßt.
In seinem neuen Stützpunkt erteilt unterdessen Bishop den Angriffsbefehl. Nicole ruft MERLINS STERN zu sich und will sich erst einmal aus der Enge der Höhle absetzen. Doch sie kann weder einen Fluchtweg öffnen, noch wird das Amulett gegen die Angreifer aktiv. Der Versuch, mit den Wesen zu reden und darauf zu drängen, zu Bishop gebracht zu werden, scheitert. Nicole wird von einer der Kobras verschlungen.
Auf dem Boot hat unterdessen Gianna die erste Kobra ausgewürgt und sich selbst zum ersten Mal in eine Schlange verwandelt, wird in ihrem Tun jedoch von ihrem Freund Nero, einem Soldat, unterbrochen, der unerwartet mit zwei Carabinieri im Schlepptau auftaucht. Da Bishop bei seinem Eindringen in Giannas Wohnung einigen Schaden verursacht hatte, wollte Nero auf dem Boot nachschauen, ob sie vielleicht dort ist. Zusammen mit einem Kommissar begeben sie sich in Giannas Wohnung, um die Schäden des Einbruchs zu besichtigen.
Auf dem Boot erwacht Teri aus der Ohnmacht, sieht die Ssacah-Skulpturen und bringt sich sofort in Ted Ewigks Villa in Sicherheit, wo sie an Händen und Füssen gefesselt auftaucht und den Hausbesitzer sowie Zamorra über die Geschehnisse informiert.
In der Höhle ist auch Nicole aus ihrer Ohnmacht erwacht. Die Kobra hat sie zwar verschlungen, aber wieder ausgespuckt. Bishop nimmt sich ihrer an, will Informationen. Als sie ihm diese verweigert, setzt er einen seiner Diener als Folterknecht ein.
Nach dem ersten Einsatz roher Gewalt erzählt Duval ihrem Peiniger, daß der Kristall verseucht sei und er binnen 24 Stunden sterben wird.
Gianna hat das Verschwinden der Silbermond-Druidin vom Schiff bemerkt. Noch bevor sie etwas unternehmen kann, taucht erneut ihr Freund auf, dem sie in einer Karaffe etwas von dem Schlangenblut reicht.
Über dem Stützpunkt sind nun auch Teri, Zamorra und Ted angekommen. Da es jedoch scheinbar keinen Zugang mehr gibt - Bishop hat den Abwehrkreis magisch verstärkt - will man sich zunächst Gianna widmen. Ted geht jedoch einen anderen Weg und setzt seinen Machtkristall ein, den Sternenstein 13. Ordnung, um ein Loch in die Erde zu sprengen.
Dort kommt es zu einem Kampf gegen die Ssacah-Diener, und Nicole kann befreit werden. Bishop sieht seine Felle davonschwimmen und will sich absetzen. Er wird jedoch von Nicole gestoppt, die ihm mit dem Blaster - auf Laser geschaltet! - in den Rücken schießt und tötet. An dem Tor, durch das Bishop flüchten wollte, positioniert sie auf dem Leichnam die Batterie aus einem Blaster und schießt aus sicherer Entfernung auf diese, wodurch der Leichnam und das Tor zerstört werden.

"Nicht schon wieder Ssacah" war mein erster Gedanke, als ich den Roman in die Hand nahm. Und ehrlich gesagt brauchte ich einige Zeit, um mit dem Lesen zu beginnen.
Selten genug, daß ein Einzelroman gleich am "Tatort" des vorigen anschließt.
Sowohl hierfür als auch für die Folterszene und die Hinrichtung gibt’s Pluspunkte. Erst recht dafür, daß das Kapitel "Schlange" jetzt hoffentlich endgültig beendet wäre - ein würdiger Abschluß wäre es durchaus.
Carlottas Angst um Ted, Roberts (?) seltsames Aufheben um seinen neuen Namen Seneca, Nicoles Rachegelüste, Rhet Rikers Wiederauftauchen... So kann’s weitergehen!
Befriedigend Plus

Guido Latz

Nach dem noch gar nicht so lange zurückliegenden Ende des Schlangendämons Ssacah hat es nun also auch dessen ehemaligen Befehlsempfänger Nick Bishop erwischt. Und wie so oft bei Zamorra kam der Tod für den Commander doch ziemlich überraschend und abrupt. Zwar sollte es selbst dem dümmsten Gauner eigentlich klar sein, daß man einem bewaffneten Gegner niemals den Rücken zuwenden darf; auf der anderen Seite muß man aber konstatieren, daß bei PZ die Zahl der erfolgreichen Abgänge diverser Oberbösewichte bereits Legion ist, und daß dieses schnelle Sich-aus-dem-Staub-machen am Schluß eines Romans auch nicht immer nachvollziehbar war. Daß Bishop nun kurz vor Erreichen des Tores durch einen Schuß in den Rücken erwischt würde - nun, damit dürfte in dieser Situation wohl niemand wirklich gerechnet haben. Andererseits läßt Nicoles blindwütiges Verhalten doch ein paar berechtigte Zweifel an der Notwendigkeit dieser Tat aufkommen. Was hat Bishop ihr denn nun tatsächlich so Grausames angetan, daß sie das alte Heftroman-Heldengesetz, niemals einen Gegner in den Rücken zu schießen, brechen mußte? Und man darf bei dieser Frage nicht vergessen, daß es sich bei Nicole um eine erfahrene Dämonenjägerin handelt, die sich öfter in einer lebensbedrohlichen Situation befand, als unsereins von wildgewordenen "Kampfhunden" angekläfft wurde. Zwar hat Bishop ihr die grausamsten Foltermethoden angedroht, die ein Mensch sich nur vorstellen kann, aber was ist davon letztendlich in die Tat umgesetzt worden? Nicoles Fuß wurde ein bißchen verdreht, vermutlich aber nicht einmal soweit, daß man von einer Verstauchung sprechen könnte - schließlich hat sie sich anschließend wieder munter ins Kampfgetümmel gestürzt. Mit dem kurzen Aufenthalt im Schlund der Schlange kann die Haßtirade auch nichts zu tun haben, denn da hat Bishop sie sogar noch befreit. Wie also läßt sich diese wutentbrannte Hinrichtung nun erklären? Daß der Autor die Figur Nick Bishop abservieren wollte, dürfte allein schon für Unverständnis bei einigen Lesern sorgen. Allerdings hätte man es m. E., wenn es denn schon sein muß, bei einem gezielten, tödlichen Schuß belassen sollen. Die anschließende Vernichtungsorgie war dann ganz einfach maßlos übertrieben.
Trotz dieses etwas unbefriedigenden Finales hat Werner hier einen ziemlich spannenden Roman abgeliefert, auch wenn es eigentlich erst in der zweiten Hälfte so richtig losgeht.
Auffällig sind hier die Parallelen zum letzten Heft: Schon wieder erleben wir eine Nicole Duval, die dem Gegner in die Falle tappt und von ihm gefangengenommen wird. Allerdings schafft es der Autor, das Ganze wesentlich fesselnder zu gestalten als im letzten Band, zumal die Bedrohung hier eine ganz andere ist.
Daß es nach Bishops Ende nun mit der Schlangenthematik endgültig vorbei ist, die bei vielen Lesern ja nicht so gut ankam, sei dahingestellt. Im Moment sieht es zwar eher so aus, als ob Ssacahs Erbe doch noch irgendwann wieder durchschlägt, aber da sollte man abwarten.
Die Figur Nick Bishop schien Werner dann wohl keine großen Perspektiven mehr zu bieten. Schade eigentlich, denn die Ära Bishop ist somit zu Ende, noch bevor sie wirklich begonnen hat. Allerdings erschienen mir die Methoden des neuen Schlangenbändigers, bzw. das merkwürdige Ritual, doch auch etwas an den Augenzähnen herbeigezogen...

Fazit:
Der Autor legt erst in der zweiten Hälfte des Roman richtig los, dann wird’s am Schluß aber richtig rasant. Das Ende des Nick Bishop durch Nicole Duval läßt den Leser etwas verwirrt zurück.
10 Punkte

Stefan Robijn

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