Sarah Dreher:

"Stoner McTavish - Gefangene der Zeit"

OT: A Captive in Time
Ü: Doris Jahnsen
USA 1990
(352 Seiten, Taschenbuch, Argument Verlag, Ariadne Social Fantasies 2055, ISBN 3-88619-955-X, DM 19,80)
- erschienen: Juni 2000 -

Eigentlich soll Stoner nur das Auto eines Kunden von Colorado nach Kansas überführen. Doch auf der Fahrt nach Hause hat Stoner eine Panne - mitten im Nirgendwo auf der I-70. Seufzend und mit ihrem Schicksal hadernd macht sie sich zu Fuß auf, um Hilfe zu holen.
Als sie ein kleines Städtchen namens Tabor erreicht, kommt ihr ein Pferdekarren entgegen, der sie abholen soll. Offensichtlich ist sie schon erwartet worden. Zudem sieht das Städtchen wie eine typische Westernstadt aus - und als Stoner erfährt, daß man hier das Jahr 1871 schreibt, kann sie es zuerst nicht glauben.
Blue Mary, die ihrer eigenen Tante Hermione sehr ähnlich ist, erklärt Stoner, daß sie hier etwas zu erledigen hat. Bald begreift Stoner auch, was: Seit einiger Zeit geht ein Brandstifter um. Der Verdacht der Bewohner richtet sich gegen Billy - das ist der Junge, der Stoner abholen sollte.
Doch Billy ist nicht das, was er zu sein scheint. Und während weitere Farmen in Flammen aufgehen, kommt Stoner dem Täter immer näher...

Eine lesbische Heldin ist im Fantasy-Genre durchaus etwas Ungewöhnliches. Vielleicht, weil es so schwer ist, eine glaubhafte lesbische Heldin zu schildern, ohne gleich in Klischees und Vorurteile abzurutschen. Sarah Dreher umgeht diese Klippen und schafft es, daß sich auch der männliche Leser mit Stoner voll und ganz identifizieren kann.
Und wenn man dann auch noch die Handlung des Romans im Wilden Westen spielen läßt, sind die möglichen Fettnäpfchen, in die die Autorin da treten kann, doppelt groß. Desto mehr nötigt einem die Tatsache Respekt ab, daß Sarah Dreher all die typischen Westernmotive konsequent vermeidet.
Die Autorin erzählt eine spannende und rasante Geschichte. Ganz in der Tradition der amerikanischen Krimis weiß der Leser recht früh, wer der Täter ist. Doch langweilig wird dieser Roman deswegen an keiner Stelle. Gewiß, so gegen Ende des Romanes gerät die Handlung etwas ins Stocken. Der furiose Höhepunkt jedoch läßt diesen kleinen Durchhänger vergessen.
Nach dem Lesen des Romans fragt man sich, warum es nicht mehr solche Heldinnen wie Stoner McTavish gibt. (Wobei ich mich frage, gibt es eigentlich einen ernsthaft gezeichneten schwulen Raumschiffkapitän? Und ich denke jetzt nicht an Kork aus der "Bullyparade". ;-))

Fazit:
Eine spannend erzählte Fantasy-Krimi-Romanze, die so richtig ans Herz geht, ohne kitschig zu sein.
12 Punkte

Christian Spließ


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