Barbara Hambly:

"Die dunkle Brut"

OT: Dragonshadow
Ü: Susanne Tschirner
GB 1999
(508 Seiten, Taschenbuch, Bastei Lübbe 20389, ISBN 3-404-20389-5, DM 16,90)
- erschienen: Juli 2000 -

Vier Jahre sind seit den Ereignissen um den schwarzen Drachen Morkeleb im Reich von Belmarie und den Winterlanden (im Gegensatz zum ersten Buch spricht man hier nicht vom Winterland, sondern von den Winterlanden - Übersetzungsprobleme?!) vergangen. Die Soldaten des Königs sind zurückgekehrt, und einige Landesteile sind wieder befriedet. Ansiedler aus dem Süden haben neue oder auch alte Siedlungen wieder errichtet. Lord John Aversin, der Drachentöter, und Jenny Waynest, die durch die Magie der Drachen jetzt ziemlich machtvolle Hexe, haben als drittes Kind ein kleines Mädchen bekommen. Ian, der älteste Sohn, zeigt auch Begabung für die Magie, während der jüngere Sohn Adric mehr den Fähigkeiten seines Vaters nachkommt und sich zum Beispiel eher für die Jagd interessiert.
Da erreicht die Nachricht eines neuen Drachenangriffs Alynfeste, die Heimstatt Aversins. Mit Jenny macht John sich in die Gegend von Skep Dhû auf, um der Gefahr zu begegnen. Natürlich soll der Drache noch größer sein als Morkeleb (kleiner wäre ja auch langweilig). Übrigens werden die Drachen in diesem Buch in Fuß gemessen und nicht in Meter wie im Vorband - wie gehabt, die Übersetzer. Doch bei der Ankunft in Skep Dhû stellen Aversin und Jenny fest, daß der Drache nur eine Illusion ist - das Werk einer anderen Hexe - und alles nur eine Falle für sie beide darstellt. Denn gleich darauf werden sie von Banditen angegriffen. Doch zum Glück kommen ihnen Soldaten von den im Land stationierten Truppen zu Hilfe, die unter dem Oberbefehl von Rocklys stehen, einer nahen Verwandten von Gareth, dem jetzigen Regenten von Belmarie.
Jenny läßt sich von Rocklys überreden, die Banditenhorde mit einer Einheit Soldaten zu verfolgen, um so die fremde Zauberin unschädlich zu machen, sie vielleicht gar in den Dienst des Königs zu stellen, denn magiebegabte Menschen sind äußerst selten im Reich. John kehrt währenddessen nach Alynfeste zurück, um dort nach dem Rechten zu sehen.
Mit der Trennung unserer beiden Helden beginnt das Unglück. Kaum drei Wochen nach Jennys Abmarsch bedroht ein echter Drache die Winterlande, und John macht seine Waffen ohne Jennys Magie für den Kampf fertig. Mit Müh' und Not gelingt es ihm, das Gift für die Speere herzustellen. Ian möchte seinem Vater helfen und macht sich zu Jennys alter Hütte auf der Frosthöhe auf, um dort Bücher mit den Todeszaubern zu finden. In der Hütte trifft er einen fremden Zauberer, der ihm eine seltsame gläserne Muschel zeigt.
John Aversin, der nichts von der Unternehmung seines Sohnes weiß, bricht schließlich allein auf, um den Drachen zu besiegen. In den Ruinen von Cair Dhû kommt es zum Kampf mit dem blau-goldenen Drachen. Mit Glück und Geschick kann John das Geschöpf schwer verwunden, doch auch er selbst wird erheblich verletzt. Als er sich verzweifelt gegen die Ohnmacht aus seinen Verletzungen stemmt, sieht er die Ankunft eines fremden Zauberers, der zu dem Drachen eilt und diesen von seinen Verletzungen heilt. John beachtet er dabei gar nicht.
Doch dies ist nicht das Schlimmste: Ian ist bei dem Fremden, aber er scheint John nicht mehr zu kennen, er tritt gar auf seinen verletzten Vater ein. Schließlich schwingt er sich mit dem Unbekannten auf den Drachen, der mit ihnen davonfliegt, den Schwerverletzten zurücklassend. Währenddessen sieht sich Jenny in der Siedlung Palmorgin schweren Angriffen der Banditenhorde und deren Zauberin ausgesetzt und muß mit den überlebenden Soldaten und den Einwohnern um ihr Leben kämpfen.
Die Geschichte spitzt sich immer mehr zu; fremde, unheimliche Mächte, deren Kräfte weit über die von Jenny und den Drachen hinausgehen, versuchen nach langer Zeit wieder nach der Macht zu greifen.

"Die dunkle Brut", Barbara Hamblys zweiter Band um die Geschichte von Lord Aversin, Jenny Waynest und den Drachen Morkeleb, ist weit düsterer als der erste Roman "Der schwarze Drache". Die positive Grundeinstellung des ersten Bandes, es wird trotz aller Gefahren alles gut gehen, ist hier nicht mehr so zu spüren. Die Handlungsträger sind von den zurückliegenden Ereignissen gezeichnet, und durch die vor ihnen liegenden wird sich dies noch steigern. Im Ganzen wirkt der Roman dadurch natürlich realistischer.
Ein bißchen krankt er auch an den zeitweise zu langen Dialogen, die den Fortgang der Geschichte hemmen und den Spannungsfaden immer wieder bremsen.
Hambly hat hier wohl ganz bewußt keinen leichten, einfach gestrickten Fantasyroman geschrieben. Immerhin ist der Nachfolgeroman fast fünfzehn Jahre nach dem ersten Band erschienen, und da kann sich schon etwas an der Schreibweise ändern. Leider hat sie sich von einem Übel anstecken lassen - oder von einem Zwang?! Die Gefahren in nachfolgenden Romanen müssen immer größer sein als im vorhergehenden, sonst macht es ja keinen Spaß, und für die Leser ist es auch langweilig. Bäh, schon wieder gegen einen Drachen, hatten wir doch schon, ein bißchen mehr muß es schon sein - und das ist es hier ganz bestimmt, und zwar ein bißchen viel mehr.
Zeitweise habe ich mich mit dem Lesen recht schwer getan; wie gesagt, dieser Roman ist nicht so locker zu lesen wie der erste Band. Doch die Entwicklung der Hauptpersonen entschädigt für manches. Barbara Hambly schildert Menschen, die mit den Auswirkungen ihrer Taten leben müssen, im Guten wie im Bösen, die nicht unbeschadet aus so einem Konflikt kommen können.
Zugegeben hat mir vom Lesen her der erste Roman besser gefallen, dafür ist der zweite näher an der Realität - natürlich nicht in der Handlung, sondern eher in den Auswirkungen auf die Akteure.
10 Punkte

Bernd Krosta


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