Vier Jahre
sind seit den Ereignissen um den schwarzen Drachen Morkeleb im Reich
von Belmarie und den Winterlanden (im Gegensatz zum ersten Buch
spricht man hier nicht vom Winterland, sondern von den Winterlanden -
Übersetzungsprobleme?!) vergangen. Die Soldaten des Königs
sind zurückgekehrt, und einige Landesteile sind wieder
befriedet. Ansiedler aus dem Süden haben neue oder auch alte
Siedlungen wieder errichtet. Lord John Aversin, der
Drachentöter, und Jenny Waynest, die durch die Magie der Drachen
jetzt ziemlich machtvolle Hexe, haben als drittes Kind ein kleines
Mädchen bekommen. Ian, der älteste Sohn, zeigt auch
Begabung für die Magie, während der jüngere Sohn Adric
mehr den Fähigkeiten seines Vaters nachkommt und sich zum
Beispiel eher für die Jagd interessiert.
Da erreicht die Nachricht eines neuen Drachenangriffs Alynfeste, die
Heimstatt Aversins. Mit Jenny macht John sich in die Gegend von Skep
Dhû auf, um der Gefahr zu begegnen. Natürlich soll der
Drache noch größer sein als Morkeleb (kleiner wäre ja
auch langweilig). Übrigens werden die Drachen in diesem Buch in
Fuß gemessen und nicht in Meter wie im Vorband - wie gehabt,
die Übersetzer. Doch bei der Ankunft in Skep Dhû stellen
Aversin und Jenny fest, daß der Drache nur eine Illusion ist -
das Werk einer anderen Hexe - und alles nur eine Falle für sie
beide darstellt. Denn gleich darauf werden sie von Banditen
angegriffen. Doch zum Glück kommen ihnen Soldaten von den im
Land stationierten Truppen zu Hilfe, die unter dem Oberbefehl von
Rocklys stehen, einer nahen Verwandten von Gareth, dem jetzigen
Regenten von Belmarie.
Jenny läßt sich von Rocklys überreden, die
Banditenhorde mit einer Einheit Soldaten zu verfolgen, um so die
fremde Zauberin unschädlich zu machen, sie vielleicht gar in den
Dienst des Königs zu stellen, denn magiebegabte Menschen sind
äußerst selten im Reich. John kehrt währenddessen
nach Alynfeste zurück, um dort nach dem Rechten zu sehen.
Mit der Trennung unserer beiden Helden beginnt das Unglück. Kaum
drei Wochen nach Jennys Abmarsch bedroht ein echter Drache die
Winterlande, und John macht seine Waffen ohne Jennys Magie für
den Kampf fertig. Mit Müh' und Not gelingt es ihm, das Gift
für die Speere herzustellen. Ian möchte seinem Vater helfen
und macht sich zu Jennys alter Hütte auf der Frosthöhe auf,
um dort Bücher mit den Todeszaubern zu finden. In der Hütte
trifft er einen fremden Zauberer, der ihm eine seltsame gläserne
Muschel zeigt.
John Aversin, der nichts von der Unternehmung seines Sohnes
weiß, bricht schließlich allein auf, um den Drachen zu
besiegen. In den Ruinen von Cair Dhû kommt es zum Kampf mit dem
blau-goldenen Drachen. Mit Glück und Geschick kann John das
Geschöpf schwer verwunden, doch auch er selbst wird erheblich
verletzt. Als er sich verzweifelt gegen die Ohnmacht aus seinen
Verletzungen stemmt, sieht er die Ankunft eines fremden Zauberers,
der zu dem Drachen eilt und diesen von seinen Verletzungen heilt.
John beachtet er dabei gar nicht.
Doch dies ist nicht das Schlimmste: Ian ist bei dem Fremden, aber er
scheint John nicht mehr zu kennen, er tritt gar auf seinen verletzten
Vater ein. Schließlich schwingt er sich mit dem Unbekannten auf
den Drachen, der mit ihnen davonfliegt, den Schwerverletzten
zurücklassend. Währenddessen sieht sich Jenny in der
Siedlung Palmorgin schweren Angriffen der Banditenhorde und deren
Zauberin ausgesetzt und muß mit den überlebenden Soldaten
und den Einwohnern um ihr Leben kämpfen.
Die Geschichte spitzt sich immer mehr zu; fremde, unheimliche
Mächte, deren Kräfte weit über die von Jenny und den
Drachen hinausgehen, versuchen nach langer Zeit wieder nach der Macht
zu greifen.
"Die dunkle Brut", Barbara Hamblys zweiter Band um die Geschichte von
Lord Aversin, Jenny Waynest und den Drachen Morkeleb, ist weit
düsterer als der erste Roman "Der schwarze Drache". Die positive
Grundeinstellung des ersten Bandes, es wird trotz aller Gefahren
alles gut gehen, ist hier nicht mehr so zu spüren. Die
Handlungsträger sind von den zurückliegenden Ereignissen
gezeichnet, und durch die vor ihnen liegenden wird sich dies noch
steigern. Im Ganzen wirkt der Roman dadurch natürlich
realistischer.
Ein bißchen krankt er auch an den zeitweise zu langen Dialogen,
die den Fortgang der Geschichte hemmen und den Spannungsfaden immer
wieder bremsen.
Hambly hat hier wohl ganz bewußt keinen leichten, einfach
gestrickten Fantasyroman geschrieben. Immerhin ist der Nachfolgeroman
fast fünfzehn Jahre nach dem ersten Band erschienen, und da kann
sich schon etwas an der Schreibweise ändern. Leider hat sie sich
von einem Übel anstecken lassen - oder von einem Zwang?! Die
Gefahren in nachfolgenden Romanen müssen immer größer
sein als im vorhergehenden, sonst macht es ja keinen Spaß, und
für die Leser ist es auch langweilig. Bäh, schon wieder
gegen einen Drachen, hatten wir doch schon, ein bißchen mehr
muß es schon sein - und das ist es hier ganz bestimmt, und zwar
ein bißchen viel mehr.
Zeitweise habe ich mich mit dem Lesen recht schwer getan; wie gesagt,
dieser Roman ist nicht so locker zu lesen wie der erste Band. Doch
die Entwicklung der Hauptpersonen entschädigt für manches.
Barbara Hambly schildert Menschen, die mit den Auswirkungen ihrer
Taten leben müssen, im Guten wie im Bösen, die nicht
unbeschadet aus so einem Konflikt kommen können.
Zugegeben hat mir vom Lesen her der erste Roman besser gefallen,
dafür ist der zweite näher an der Realität -
natürlich nicht in der Handlung, sondern eher in den
Auswirkungen auf die Akteure.
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