John Brunner:

"Morgenwelt"

(Reihe: High 8000)
OT: Stand on Zanzibar
Ü: Horst Pukallus
USA 1986
(858 Seiten, Hardcover im Taschenbuchformat, Heyne 06/8004, ISBN 3-453-16182-3, DM 29,90)
- erstmals auf Deutsch erschienen: 1980 als Heyne 06/3750 -
- erschienen: Juli 2000 -

Norman Hiblock House und Donald Hogan teilen sich zwar eine Wohnung, aber sie wissen so gut wie nichts voneinander. Norman hat eine hohe Position bei der GT, einem multinationalen Konzern, während Donald bei der Regierung beschäftigt ist - ein passiver Schläfer, der Informationen sammelt.
Als Norman erfährt, daß ein alter Freund namens Elihu Masters, Botschafter des afrikanischen Landes Beninia, mit GT in Kontakt getreten ist, ahnt er schon, daß weit mehr als nur wirtschaftliche Interessen hinter dem Besuch stecken.
Währenddessen wird Donald in den aktiven Dienst versetzt. In Jatakang, einem ostasiatischen Land, scheint ein Wissenschaftler die Optimalisierung des menschlichen Gens vervollkommnet zu haben. Nach der Meinung der führenden Wissenschaftler ist dies unmöglich. Und Donald soll Beweise für diese Hypothese sammeln und den Wissenschaftler Sugaiguntun mit Hilfe der Widerstandsbewegung - Jatakang ist eine Diktatur - außer Landes bringen.
Als Norman hört, daß Elihu vom Präsidenten Beninias bevollmächtigt wurde, das Land praktisch an die GT zu verkaufen, ist er zunächst sprachlos, wird dann jedoch zum Leiter des Projektes. Die GT wird für Stabilität und Frieden in der Region sorgen. Beninia scheint außerdem noch das Paradies auf Erden zu sein: Keine Gewalt, keine amoklaufenden Menschen, keine Morde - seit fünfzehn Jahren. Das erregt das Interesse des Soziologen Chad Mulligan, eine Berühmtheit auf seinem Gebiet. Und während Chad zusammen mit Norman nach dem Grund der Friedfertigkeit Beninias forscht, hat Donald seinen Auftrag fast erfüllt...

Es ist erstaunlich, wie nahe Brunner an manche Erfindungen der modernen Welt kommt, denn der Roman ist bereits 1968 erschienen. Zwar ist Manhattan nicht unter einer riesigen Kuppel verschwunden, und wir sind auch noch weit entfernt von den rassenhygienischen Gesetzen, die in manchen Ländern der Erde wirksam sind - dennoch, der Pegel der amoklaufenden Menschen nähert sich dem des Buches doch bedrohlich an.
Zugegeben, man muß sich erst an John Brunners Stil gewöhnen. Die erzählte Handlung um Norman und Donald wird immer wieder durch Einschübe unterbrochen; Textdokumente, beschriebene Fernsehszenen, Pseudo-Essays von Chad Mulligan, Gedichte, Songtexte - alles das dient dazu, die komplexe Welt zu verdeutlichen, in der die Protagonisten leben. Mit dieser Fragmentierung kommt Brunner dann doch wieder unserer modernen Welt recht nahe.
Nach einer kurzen Einlesezeit wird einem schon recht schnell klar, warum John Brunner mit diesem Roman Maßstäbe gesetzt hat. Seine hervorragenden Charakterisierungen, seine teils ironische, teils kritische Sicht auf die Welt von morgen garantieren für einen Lesegenuß erster Güte.
Offensichtlich hat sich Wolfgang Jeschke - in der von ihm herausgegebenen Reihe "High 8000" ist der Roman in solider Hardcoverausstattung erschienen - die Perlen des Heyne-Verlags herausgesucht. Wer also noch mehr von John Brunner lesen will, der greife zu "Schafe blicken auf" aus derselben Reihe.

Fazit:
Hochklassige SF in einer hochwertigen Ausstattung. Zugreifen.
15 Punkte

Christian Spließ


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