Norman
Hiblock House und Donald Hogan teilen sich zwar eine Wohnung, aber
sie wissen so gut wie nichts voneinander. Norman hat eine hohe
Position bei der GT, einem multinationalen Konzern, während
Donald bei der Regierung beschäftigt ist - ein passiver
Schläfer, der Informationen sammelt.
Als Norman erfährt, daß ein alter Freund namens Elihu
Masters, Botschafter des afrikanischen Landes Beninia, mit GT in
Kontakt getreten ist, ahnt er schon, daß weit mehr als nur
wirtschaftliche Interessen hinter dem Besuch stecken.
Währenddessen wird Donald in den aktiven Dienst versetzt. In
Jatakang, einem ostasiatischen Land, scheint ein Wissenschaftler die
Optimalisierung des menschlichen Gens vervollkommnet zu haben. Nach
der Meinung der führenden Wissenschaftler ist dies
unmöglich. Und Donald soll Beweise für diese Hypothese
sammeln und den Wissenschaftler Sugaiguntun mit Hilfe der
Widerstandsbewegung - Jatakang ist eine Diktatur - außer Landes
bringen.
Als Norman hört, daß Elihu vom Präsidenten Beninias
bevollmächtigt wurde, das Land praktisch an die GT zu verkaufen,
ist er zunächst sprachlos, wird dann jedoch zum Leiter des
Projektes. Die GT wird für Stabilität und Frieden in der
Region sorgen. Beninia scheint außerdem noch das Paradies auf
Erden zu sein: Keine Gewalt, keine amoklaufenden Menschen, keine
Morde - seit fünfzehn Jahren. Das erregt das Interesse des
Soziologen Chad Mulligan, eine Berühmtheit auf seinem Gebiet.
Und während Chad zusammen mit Norman nach dem Grund der
Friedfertigkeit Beninias forscht, hat Donald seinen Auftrag fast
erfüllt...
Es ist erstaunlich, wie nahe Brunner an manche Erfindungen der
modernen Welt kommt, denn der Roman ist bereits 1968 erschienen. Zwar
ist Manhattan nicht unter einer riesigen Kuppel verschwunden, und wir
sind auch noch weit entfernt von den rassenhygienischen Gesetzen, die
in manchen Ländern der Erde wirksam sind - dennoch, der Pegel
der amoklaufenden Menschen nähert sich dem des Buches doch
bedrohlich an.
Zugegeben, man muß sich erst an John Brunners Stil
gewöhnen. Die erzählte Handlung um Norman und Donald wird
immer wieder durch Einschübe unterbrochen; Textdokumente,
beschriebene Fernsehszenen, Pseudo-Essays von Chad Mulligan,
Gedichte, Songtexte - alles das dient dazu, die komplexe Welt zu
verdeutlichen, in der die Protagonisten leben. Mit dieser
Fragmentierung kommt Brunner dann doch wieder unserer modernen Welt
recht nahe.
Nach einer kurzen Einlesezeit wird einem schon recht schnell klar,
warum John Brunner mit diesem Roman Maßstäbe gesetzt hat.
Seine hervorragenden Charakterisierungen, seine teils ironische,
teils kritische Sicht auf die Welt von morgen garantieren für
einen Lesegenuß erster Güte.
Offensichtlich hat sich Wolfgang Jeschke - in der von ihm
herausgegebenen Reihe "High 8000" ist der Roman in solider
Hardcoverausstattung erschienen - die Perlen des Heyne-Verlags
herausgesucht. Wer also noch mehr von John Brunner lesen will, der
greife zu "Schafe blicken auf" aus derselben Reihe.
Fazit:
Hochklassige SF in einer hochwertigen Ausstattung. Zugreifen.
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