Band 2033: "Tod im Türkisozean"

Autor: Andreas Findig

Auf Auroch-Maxo-55 lebt die kleine Zivilisation der Rautak - unter ihnen die eigenwillige Fischerin Jamaske. Wohnort ist die große Pflanzenintelligenz Paumyr, die wie eine lebende Insel über den Kontinent treibt.
Jamaske gilt unter ihren Kameraden eher als Außenseiterin, da sie sich über viele Anweisungen hinwegsetzt und mit ihrer Art so manchen Streit vom Zaum bricht. Aber sie macht auch derzeit keine leichte Zeit mit, denn so allein, wie sie im wirklichen Leben ist, so verliebt ist sie in ihren Träumen. Hier trifft sie regelmäßig einen Rautak, den sie noch nie in ihren Leben gesehen hat, der dann aber doch tatsächlich eines Tages vor ihr steht. Er heißt Latruiz, entstammt der Kaste der Wissenden und ist auf diese Weise unendlich weit entfernt - glaubt Jamaske. Doch als sie eines Tages bei einer Ausfahrt eigentlich zu Tode kommt, wacht sie bei den Pflanzern auf und hat hier von diesem Moment an eine neue Aufgabe, die es ihr ermöglicht, ein wenig über die Oberfläche von Paumyr zu streifen. Hier trifft sie Lautriz, und von einem Moment auf den anderen ist alles so wie in ihren Träumen. Immer wieder treffen sie sich in verschiedenen Verstecken, und für eine kleine Weile erleben die beiden eine unglaubliche glückliche Zeit - bis ihre Verbindung auffällt. In ihrer Verzweiflung schwimmt Jamaske aufs offene Meer hinaus und wird dort von Raubfischen getötet.
Doch wieder ist ihr Tod nicht endgültig. Wieder wacht sie auf und findet sich diesmal in der Clique der Wissenden wieder. Hier trifft sie auch wieder auf ihren geliebten Latruiz. Eifrig studiert sie die Kristallbücher und erfährt viel über das Sternenmeer von Segafrendo und ESTARTU. Aber es gibt auch ein dunkles Geheimnis der Rautak, das Jamaske eines Tages erfährt, denn die Rautak von Paumyr existieren gar nicht wirklich, sondern sind nur Traum-Projektionen der Inselintelligenz - sogenanntes "Gaukelleben".
Gemeinsam mit Latruiz dringt sie ins Herz von Paumyr ein, wo sie das Pflanzenwesen zur Rede stellen. Hier finden sie nicht nur ein paar Antworten, sondern auch die Eier von Kym-Jorier, die von Paumyr bewacht werden. Nun erfährt Jamaske, daß sie als Botin auserwählt wurde. Sie wird auf eine Mission geschickt - zu einem großen goldenen Raumschiff in Hantelform...

O.K., nun wissen wir auch endlich und endgültig über das Schicksal der Rautak Bescheid. Auch wenn ich nicht ständig mit Wörtern wie "Füllbände" um mich schmeißen will, so wäre es dennoch nicht schlecht, wenn hin und wieder einmal doch etwas passieren würde. War das Tempo der Handlung schon nicht besonders hoch, so hat es sich in den letzten Bänden noch weiter verlangsamt und scheint jetzt fast ganz stehengeblieben zu sein. Das ist auf jeden Fall der Eindruck, den man bekommt, wenn man darauf schaut, was denn in den letzten beiden Romanen passiert ist: Die SOL dringt in die Dunkelwolke ein, entgeht den Verfolgungsversuchen und gelangt ganz am Ende nach Auroch-Maxo-55. Das ist nicht gerade viel, und soo toll waren die beiden Romane auch nicht, als daß man sie nicht ein wenig hätte zusammenfassen können. Aus diesem hätte man durchaus eine etwas größere erste Ebene machen können, und dann hätte man die Hauptebene aus der Nr.2032 für eine kleinere Nebenhandlung gehabt - das hätte uns so ganz nebenbei auch noch die Dookie-Ebene erspart.
Ansonsten lag für sich gesehen ein doch ganz anständiger Roman vor - mal davon abgesehen, daß sich so mancher Leser gefragt haben dürfte, wofür man diesen Roman überhaupt gelesen hat.
Die Welt um Jamaske ist durchaus faszinierend geschildert, und Andreas Findig hat die Geduld, einige Dinge aufzubauen, die den Leser im ersten Moment etwas abstoßen, die dann aber im Nachhinein Sinn machen. Man beachte z.B. das Aufeinandertreffen von Latruiz und Jamaske auf der Pflanzerebene. Sie liegen sich sofort in den Armen und sind die verliebtesten Menschen auf der Welt. Im ersten Moment war ich doch sehr überrascht von dieser Entwicklung, bzw. ging das doch alles ein bißchen arg schnell, um auf diese Weise überzeugend zu wirken. Betrachtet man diese Szene aber im Nachhinein unter der Sichtweise des "Gaukellebens", so macht das ganze wiederum durchaus Sinn, denn so gesehen gibt es ja keinen Unterschied zwischen den Träumen der Rautak und ihrer Realität. In dem Moment, da die beiden einander begegnen, setzen sie lediglich die Ereignisse aus Jamaskes Traum fort, der so für beide Realität war - ein bißchen verwirrend, aber ganz in Ordnung. Das System der selbstfühlenden Prophezeiungen ist schon faszinierend und führt schnell in philosophische Dimensionen, die hier zum Glück nicht angetastet werden, von denen ich auch nicht unbedingt viel weiß, weshalb ich auch lieber die Finger davon lasse. Ich kann mich aber auch an eine STAR TREK-Folge erinnern, die ein ähnliches Muster hatte - nämlich eine Stadt voller Holofiguren, die auch ein eigenes Leben entwickelten, ohne das zu merken. (* Deep Space Nine, wenn ich mich recht erinnere... Heike) Ich möchte zwar nicht unterstellen, daß dies hier Pate gestanden haben muß. Dennoch hat man auch an anderer Stelle schon mal den Eindruck, daß hier jüngste Ereignisse der Filmgeschichte als Inspirationsquelle herhalten mussten. So hat mich die letzte Ausfahrt von Jamaske und ihrer Fischergruppe doch ein wenig an Wolfgang Petersens "Der Sturm" erinnert. Zufall oder einfach Bewältigung eines Kinobesuchs? Wer weiß - wer weiß? (* Hey, bist Du überhaupt echt? Oder sind wir alle nur der Traum eines schlafenden Hundes? ;-) Heike)

Fazit:
Ein ganz netter - leider aber auch recht überflüssiger - Roman. Langsam könnte mal wieder was passieren. (* Es stellt sich heraus, daß das gesamte Perry Rhodan-Universum nur eine Illusion ist? >:-))) Heike)
8 Punkte

Alexander Haas

Was ich nach dem letzten Roman schon befürchtete, ist jetzt leider eingetreten - die Füllromane geben sich wohl die Klinke in die Hand. Denn so faszinierend Andreas Findig zu schreiben weiß, so überflüssig ist dieser Roman von der handlungsrelevanten Seite auch. Hier hätte man mit Leichtigkeit den Vorgänger auf fünf Seiten kürzen und in diesen Roman integrieren können - es wäre uns einiges erspart geblieben.
Ansonsten weiß Andreas Findig jedoch sehr gut zu unterhalten. Seine Schilderungen sind interessant und faszinierend, so daß die Lektüre dieses Romans zumindest Spaß macht - allerdings ist er dann doch an einzelnen Stellen etwas zu ausufernd geraten, was aber der Stimmung nicht wirklich Abbruch tut.
Viel mehr kann man über diesen schönen Roman eigentlich nicht schreiben. Immerhin wissen wir jetzt, wonach die SOL direkt sucht - schließlich wurden die Kym-Eier gesichtet. Und wir wissen, daß es sich bei diesen wohl um die "Überreste" ESTARTUs handelt, womit auch die Frage geklärt ist, weshalb die Existenz der Menschheit von diesem Auftrag abhängt. Denn mit dem Überleben ESTARTUs dürfte wohl auch die Geburt von ES zusammenhängen.
Und nächste Woche gibt uns Vlcek dann den Mundänen, bevor Anton zur Rettung des Kym-Jorier bläst - mal sehen, was dabei herauskommt.

Fazit:
Andreas Findig gelingt es, aus einer minimalen Expo-Vorlage einen interessanten und stimmungsvollen Roman zu zaubern. Zwar ist dieser nicht ganz so stark gelungen wie sein Erstling, doch ist mir ein solcher "Füllroman" allemal lieber als so mancher mit vollgepackter Handlung.
11 Punkte.

Winfried Brand

Segafrendo, zweiter Roman von (wieder einmal) vier.
Die Aufteilung der Handlung in Blöcke zu jeweils vier Heften ist ein deutlicher Schwachpunkt der derzeitigen Serien-Struktur. Unabhängig von der Stoffmenge werden vier Hefte geschrieben. Und da man die Stoffmenge wohl eher dehnt als strafft, führt dies zwangsläufig zu einer größeren Zahl von Lückenfüllern. Etwas mehr Flexibilität wäre deutlich vonnöten... (Man betrachte etwa den Aphilie-Zyklus).
Mit dem Problem hat auch dieser Roman zu kämpfen.
Die Segafrendo-Ebene spielt von der Zahl der Romane her - im Verhältnis zur Milchstraßenhandlung - nur eine Nebenrolle. Nach zwölf Bänden Milchstraße ist Segafrendo wieder einmal an der Reihe, und Füller sollten da eigentlich nicht vorkommen. Doch das ohnehin schon enge Zeitfenster, das aus dramaturgischen Gründen im Vorgängerband nochmals künstlich verengt wurde, läßt keine längeren Handlungen in Verbindung mit der SOL mehr zu. Damit muß zwangsläufig das, was in den beiden Folgebänden geschieht (nach den vorliegenden Informationen wird in PR 2035 dann wohl hoffentlich der Auftrag erledigt), irgendwie vorbereitet werden.
Man muß hier deutlich zwischen der schriftstellerischen Leistung des Autors und dem Inhalt/Gehalt des Romans differenzieren. Andreas Findig ist eine Bereicherung für das Autoren-Team. Schriftstellerisch gibt es an dem Roman nichts auszusetzen.
Der Autor hat eine sehr dichte metaphorische Sprache. Die Pflanzenintelligenz Paumyr und die Pseudokultur der Traum-Rautak werden sehr intensiv beschrieben. Leider fehlt ein echter Spannungsbogen. Das Ganze läuft zielgerichtet darauf hinaus, daß die Protagonistin dazu ausgewählt wird, als Bote der Inzaila die SOL herbeizurufen. Weshalb Paumyr dafür unter den von ihr selbst geschaffenen Traumwesen eine Art Auswahlwettbewerb betreibt, bleibt jedoch unerklärlich.
Sehr nett sind die philosophischen Anklänge am Rande: Können Wesen, die nur in einem Traum existieren, sich ihrer eigenen Existenz bewußt werden? (* Versuch mal, Dich an Deine Träume zu erinnern. Wie oft siehst Du die gleichen Leute? Tun sie immer dasselbe? Tun sie das, was Du willst, oder entziehen sie sich Deiner Kontrolle? Bist Du schon mal aufgewacht, weil jemand in Deinem Traum etwas völlig Unvorhergesehenes gesagt oder getan hat? Heike)
Das Heft hat uns kaum etwas Neues verraten, doch der PR-Kosmos wird durch solche Lückenfüller schillernder, bunter und facettenreicher. Lieber ein guter "Füll-Roman" als so mancher schlechte, der die Handlung vorantreibt. Wie die Pflanzenintelligenzen denn nun genau mit ES zusammenhängen, läßt sich noch nicht beurteilen. Um weitere Informationen zu erhalten, muß man wohl auf den Band 2035 warten.

Fazit:
Etwas schwächer als der erste Roman, aber Andreas Findig bewegt sich immer noch im oberen Drittel der Skala. Wenn er sich dabei einpendelt, wird es den Lesern recht sein.
10 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Startseite