Professor Zamorra

Band 683: "Monster aus dem Schlaf"

Im Chateau Montagne treffen regelmäßig E-Mails von einem Unbekannten ein, der von übersinnlichen Phänomenen schreibt. Zamorra und Nicole machen sich auf nach London, genauer gesagt ins East End, wo sie noch vor Betreten des Hauses des E-Mail-Verfassers erst von den herabstürzenden Splittern einer Glasscheibe traktiert werden und einem hinterher fallenden Fernseher nur knapp ausweichen können.
Die alleinerziehende Catherine Hale wohnt mit ihren Söhnen David und Chris im zehnten Stockwerk des Hochhauses, wobei ihr vor allem der Ältere, Chris, Sorgen bereitet, da er aufsässig ist und sogar versucht, in einer Straßengang Fuß zu fassen.
Im Jahre 1888 machte Sir Henry Clifford St. John Robertson Jagd auf einen Serienkiller, der im gleichen Viertel seine Opfer fand. Sein Lao Shi, also sein Meister, hatte ihn auf etwas Düsteres hingewiesen, doch verhindern konnte er die Morde nicht. Erst als Sir Henry Mary Jane, eine der Prostituierten, als Lockvogel einsetzte - in die er sich zu allem Überfluß auch noch verliebt hatte - kam er dem Mörder näher, konnte jedoch den Mord an seiner Geliebten nicht verhindern.
Sir Henry, 1888 ein um die ganze Welt gereister Adliger, lebt auch 112 Jahre später noch. Nicole begegnet ihm bei ihren Nachforschungen in einer Art Heimatmuseum, in dem Sir Henry die Unterlagen, auch zum Ripper, beaufsichtigt. Nach einer Attacke einer übersinnlichen Macht, der sich Nicole nur durch das herbeirufen von Merlins Stern erwehren kann, setzt dieser magische Kräfte ein, um die im Raum verstreuten Papiere wieder einzusammeln.
Zuvor hatte Nicole den jüngeren der beiden Hales verfolgt; dieser war jedoch in einem Kellerraum verschwunden. Zamorra war hingegen Chris gefolgt, dessen Spur sich aber auf einer Baustelle verlor - auf der er es mit Godzilla zu tun bekam, der ihm mit seinem Schwanz einen Schlag verpaßte, der ihn ohnmächtig werden ließ.
Später, im Hochhaus der Hales, begegnet Zamorra noch dem Hulk, der ihn ebenfalls k.o. schlägt, als er erneut Chris Hale nachsetzt. Als der Dämonenjäger wieder erwacht, sieht er David Hale auf dem Flur des fünften Stockwerks.
Eine übersinnliche Kraft bemächtigt sich des jungen Hale, der auch - un(ter)bewußt um Hilfe gerufen hat. Dabei scheint es sich um den Geist von Jack zu handeln, der in den Körper des Jungen eindringt und durch seine Beeinflussung dafür sorgt, daß der Junge im Schlaf Monster aussendet. Der Haß gegen Zamorra ist jedoch nicht groß genug, so daß die Monster ihn nicht zu töten vermögen.
Sir Henry spielt den beiden eine von ihm gefälschte Zeitung zu, in der steht, daß in dem Haus bereits sechs Menschen verschwunden seien. Wie Zamorra weiß, starben jedoch bereits 1988 fünf - und sechs Menschen in den letzten zwei Monaten.
Die Dämonenjäger spekulieren, daß jemand versucht, zum Dämon zu werden - und das in dieser Nacht. Als Davids Verschwinden auffällt, erinnert sich Zamorra an Davids Anwesenheit im fünften Stockwerk. Mit dem Amulett können sie die Quelle der Macht zwar lokalisieren und David aus der Kontrolle der gegnerischen Macht befreien, sie können aber nicht verhindern, daß diese zum Dämon wird und sich absetzt.

Während mir die Story um die beiden Jungs und die Monster aus dem Schlaf (Godzilla, Hulk) weniger gefiel (die Beschreibung des Londoner East Ends und des familiären Umfelds fand ich sehr gelungen), war die Geschichte um den Ripper,Sir Henry in der Vergangenheit und die Machtgelüste des Möchtegern-Dämons um einiges interessanter. Vielleicht liegt es aber auch daran, daß das Titelbild vor einigen Jahren zu Werbezwecken von Bastei bereits verwendet wurde, und ich glaube, es auch schon mal woanders auf einer Titelseite gesehen zu haben. Da macht man sich seine eigenen Gedanken, wie eine Story um das Bild herum aussehen könnte.
Sehr schön, daß Zamorra und Nicole am Ende nicht nur mit leeren Händen dastehen, sondern zudem die "Geburt" des Dämons nicht verhindern konnten; auch die Figur Sir Henry finde ich durchaus interessant. Vielleicht sollte man ihn selber aber nicht wieder auftauchen lassen, sondern eher auf seinen "Meister" eingehen. (* Meiner Meinung nach deutet sich so etwas ja schon durch Zamorras Äußerung am Ende an - anscheinend weiß er ja nicht, wieso er Nicole das erklären konnte... Ach, übrigens: Die Erklärung, was "Cockney" ist (Londoner Slang, der auf Reimen beruht), war mir ja völlig neu - zumindest das mit den Reimen, daß es ein Londoner Slang ist, wußte ich schon. Dann verstehe ich aber nicht, wieso ich früher in Romanen schon mal gelesen habe: "X verfiel von Zeit zu Zeit in einen leichten Cockney-Akzent" (oder so ähnlich). Kann mir da vielleicht mal jemand erklären, wie ich mir das vorzustellen habe? Heike)
Gut

Guido Latz

Wieder ein Roman aus der Feder Claudia Kerns, welche hier eine wirklich interessanten Story präsentiert, wenn diese auch hauptsächlich in der Vergangenheitsebene überzeugt.
Sicherlich ist zum Thema Jack the Ripper nun wirklich schon mehr als genug geschrieben worden (sogar in der Sinclair-Serie gabs mal einen Ripper); aber die Autorin hat hier ganz gekonnt ein eigenes Szenario entworfen, welches sich sehr gut in den Zamorra-Kosmos eingliedern läßt. Hat man zu Beginn noch den Eindruck, die Handlung sei recht vorhersehbar, da der Geist, der den Jungen die Monster heraufbeschwören läßt, relativ früh auftaucht, so zeigt sich spätestens mit der Vergangenheits-Epsiode um den Ripper, daß die Autorin es sich und dem Leser mit der Lösung doch nicht ganz so einfach machen wollte. Auch das Ende überrascht, da hier wohl nicht damit zu rechnen war, daß die Dämonwerdung tatsächlich gelingen und somit praktisch ein neuer Gegner für das Zamorra-Team auf den Plan treten würde. Lediglich das Auftauchen der Monster läßt einen doch eher kalt. Diese stellten keine wirklich ernsthafte Bedrohung und angesichts der Vergangenheits-Episode auch keine nennenswerte Bereicherung der Handlung dar. Wieder mal ein Beweis dafür, daß man nicht immer vom Titel und dem Cover auf den Inhalt eines Romans schließen sollte...
Der Auftritt einer alleinerziehenden Sozialhilfeempfängerin, einer für Heftromane eher völlig untypischen Figur, hinterläßt dagegen einen positiven Eindruck. So etwas wäre vor zwanzig Jahren schlichtweg undenkbar gewesen. Hier ist es gelungen, einen solchen Aspekt ganz ohne die üblichen TV-Klischees in die Handlung einzubinden.

Fazit:
Ein wirklich gelungener Einzelroman, der sogar noch Perspektiven für die Zukunft erhoffen läßt.
10 Punkte

Stefan Robijn

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