Steven Erikson:

"Die Gärten des Mondes"

(Das Spiel der Götter - Band 1)
OT: Gardens of the Moon. A Tale of the Malazan Book of the Fallen
(798 Seiten, Blanvalet 24932, ISBN: 3-442-24932-5, DM 25,-)
- erschienen: August 2000 -

Das malzanische Imperium zieht von einer siegreichen Schlacht zur nächsten und verleibt sich einen Landstrich nach dem anderen ein. Doch auf dem Kontinent Genabackis scheint der Marsch ins Stocken zu kommen. Zwar fällt hier die Stadt Fahl nach einem harten Kampf mit der fliegenden Festung Mondbrut, doch kommen mehr und mehr Gerüchte auf, daß der charismatische und beliebte Führer Dujek den Aufstand gegen die Imperatrix plant. Zugleich soll das Reich der freien Städte vor der offenen Rebellion stehen, und das kann sich die Herrscherin nicht gefallen lasse.
Doch es sind ganz andere, die unter diesen Auswirkungen von Gerüchten und Gegenmaßnahmen zu leiden haben. Da wären zum einen Kommandant Elster und seine Brückenverbrenner - die Elitegarde des alten Imperators - die unter der Imperatrix in Ungnade gefallen sind; oder Hauptmann Paran, ein Adliger, der zum einen von der rechten Hand der Imperatrix als auch den Zwillingsgöttern Oponn (* Danke für die diesbezügliche Anmerkung, aber da ich nicht im Buch nachsehen kann, hätte ich das - wenn auch mit gemischten Gefühlen - sowieso stehengelassen... ;-) Heike) gleichzeitig benutzt wird.
Alles konzentriert sich auf die letzte freie Stadt des Kontinents, Darujhistan. Hier haben viele verschiedene Parteien ihre Pläne - mal davon abgesehen, daß die Bewohner der Stadt es recht gern vermeiden würden, erobert zu werden (* ...was ja wohl auch nur zu verständlich ist... ;-) Heike) - und es gibt auch noch ein paar Götter bzw. andere alte Wesen, die hier ein wenig mitreden wollen.

Was sich dem Leser auf den ersten Blick bietet, ist ein weiterer Zyklus mit einem großen klassischen Rahmen und sehr dicken Büchern. Das Thema ist auf den zweiten Blick aber komplexer, als der erste es vermuten lassen mag. Zwar heißt der Zyklus "Das Spiel der Götter" (* Erinnert mich irgendwie an Sheri S. Teppers "Das Große Spiel"... Heike), aber ein Blick auf die Originalnamen zeigt, daß hier lediglich einmal mehr die Übersetzer zugeschlagen haben, denn der englischsprachige Titel ist doch um einiges weniger kitschig.
Götter kommen zwar durchaus in der Handlung vor, doch sind sie hier noch lange nicht an so exponierter Stelle, wie der Name vermuten lassen mag. Steven Erikson läßt in seiner Geschichte eine Menge großer und kleiner Mächte aufeinandertreffen, und es sind nicht nur die "kleinen" Menschen, die Federn lassen müssen - so mancher von ihnen kann sich durchaus mit dem einen oder anderen Gott messen.
Das führt dazu, daß hier eine Menge Parteien in die Handlung eingreifen und der Leser so manchen dankbaren Blick ins hinten aufgeführte, sehr umfangreiche Personenverzeichnis wirft. Vielleicht hätte Steven Erikson hier beim einen oder anderen Volk ein paar Erklärungen mehr einfließen lassen sollen, denn so findet man hinten lediglich den Vermerk "nicht-menschlich" und hängt dann und wann ein bißchen in der Luft.
Die Geschichte an sich fängt recht klassisch an: Ein großes Imperium ist auf dem Vormarsch; das Hindernis zur Vorherrschaft ist die Stadt Darujhistan, die sich das nicht so einfach gefallen lassen will und ein Bündnis mit der fliegenden Festung Mondbrut eingeht. Dabei läßt es der Autor jedoch nicht einfach bleiben, und so füllt er sein Buch mit einer recht komplexen Geschichte und vielen Unterebenen. Der Herr von Mondbrut hat nämlich so seine eigene Motivation, gegen das Imperium zu kämpfen, und die Geheimkommandos um die Brückenverbrenner und ihren Kommandanten Elster sind auch nicht einfach so einzuordnen. Schließlich sind da aber noch Hauptmann Paran, seine göttlichen Protektoren, der Gott der Schatten wird quasi mit hineingezogen, und der Verteidiger des Kontinents und Hauptgegner des Imperiums - Kriegsherr Caladan Bruth - mag auch noch mitmischen.
Hiermit sei nur kurz angerissen, mit wie vielen Namen und Schauplätzen sich der Leser herumzuschlagen muß, aber im Gegensatz zu manch anderem Roman wirkt der Roman nicht überladen, auch wenn er nicht einfach zu lesen ist.
Die Atmosphäre ist mitreißend und spannend, aber düster und dramatisch. Viele Charaktere finden den Tod, auch wenn sich der Autor nicht in Einzelkämpfen verliert, um zu zeigen welcher Methoden sich das Imperium bedient. Dadurch fehlt auch so manche Grausamkeit, wie sie z.B. in einem Salvatore-Roman zu finden ist.

Fazit:
Abwechslungsreich und spannend, eingebettet in eine düstere Atmosphäre, schildert der Autor eine vollbepackte Geschichte großen epischen Ausmaßes. Ein sehr hoffnungsvoller Auftakt.
12 Punkte

Alexander Haas


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