Band 15: "Die Heiler"

Autor: Claudia Kern

Nach ihrem Abenteuer in Paris sind Matt und Aruula auf dem Weg nach Norden. Unterwegs bricht Aruula fiebernd zusammen - eine Wunde, die vom Avtar stammt, hat sich entzündet. Daß sich ein paar Lupas auf die Fährte der beiden geheftet haben, verschlimmert die Lage noch. Doch Matt und Aruula werden von Urk und seinen Jägern gerettet. Als Urk erfährt, daß Aruula krank ist, verweist er Matt an die Heiler und stellt ihn unter seinen Schutz.
Vergangenheit: Einen Tag vor dem Einschlag des Kometen versammeln sich die Ärzte des Charlemagne Hospital, um sich an einen Ort zurückzuziehen, an dem sie bleiben können, bis die Ordnungsmächte wieder alles unter ihrer Kontrolle haben. Sie ziehen ins Atomium - und bald wird ihnen klar, daß die Welt nicht so schnell wieder normal werden wird. Damit das Wissen über die Medizin nicht verloren geht, beschließt Jon, der Führer der Gruppe, daß man Abschriften eines medizinischen Wörterbuches anfertigt, die dann von Generation zu Generation weitergegeben werden sollen. Nachdem die Ärzte gegen Bezahlung die Kranken geheilt haben, die zu ihnen gebracht werden, hat sich ein System etabliert, das bis in die Zukunft Bestand haben soll.
Als Matt in das Dorf namens Bryssels eingelassen wird, erlebt er die Heilung von Ruut mit, dem Sohn von Häuptling Tschak. Doch kurze Zeit später erkrankt Ruut an der Pest. Matt vermutet einen Zusammenhang zwischen der Heilung und dem Krankheitsausbruch. Trotz seiner Vorsorgemaßnahmen breitet sich die Krankheit rasch aus. Zudem verschlimmert sich Aruulas Zustand. Dann schlägt auch noch die Stimmung im Dorf um - der Haß gegen die Heiler wächst mit jeder Stunde. Matt beschließt, in das Atomium einzudringen.
Dort trifft er auf die degenerierten Nachfahren der Ärzte. Matt erfährt, daß der Anführer versehentlich das Glas mit den Pestbakterien geöffnet hat - Meedecin Shrewjinn handelte in dem festen Glauben, Antibiotika verabreicht zu haben. In letzter Sekunde kann Matt verhindern, daß ihm die Bakterien eingeimpft werden.
Tschak hat keinen geringen Anteil daran - denn die Dorfbewohner haben das Atomium gestürmt. Matt kann mit Hilfe des medizinischen Wörterbuches die passenden Antibiotika gegen die Pest und Aruulas Krankheit finden, bevor das Atomium in Flammen aufgeht. Die Kranken werden gesund, und Matt und Aruula bleiben eine Zeitlang in Bryssels.

Mit "Die Amazonen von Berlin" hat Claudia Kern einen guten Einstand in die Serie gegeben. Dieser Roman ist zwar nicht so gut wie der erste, aber immer noch gut genug. Warum er nicht so gut ist wie der erste - nun:
Zum einen mag das daran liegen, daß der Plot nicht besonders spannend ist. Daß Aruula also an den Folgen der Krankheit sterben wird, ist mehr als unwahrscheinlich - schließlich sterben Serienhelden nie, außer in der letzten Folge. <zwinker> So verfolgt man die Handlung, die durchaus ihre reizvollen Stellen hat, mit einem milden Interesse, aber mit mehr auch nicht.
Zum anderen haben wir in diesem Roman drei Erzählhandlungen - einmal Matt und seine Versuche, Aruula zu retten, die Rückblicke in die Vergangenheit und dann die Traumszenen, in denen Aruula ein ganz normales Leben auf den dreizehn Inseln führt. Haben die ersten beiden Handlungsebenen noch Berührungspunkte, so fragt man sich, warum die Träume Aruulas geschildert werden. Gut, es ist zwar ein interessantes "Was-wäre-wenn" - aber man steht doch etwas ratlos vor diesen Szenen.
Daß dieser Roman jedoch immer noch gut ist, liegt an der Art, wie Claudia Kern Aruula und Matt schildert, wie sie es schafft, selbst den Nebenfiguren Leben einzuhauchen.
Brillant sind ihre Rückblicke in die Welt vor dem großen Crash. Aus den Halbgöttern in Weiß werden mit der Zeit perfekte Idioten - wobei Idioten durchaus nicht negativ gemeint ist. Sie wissen zwar noch einigermaßen, was sie tun, aber von der eigentlichen Welt haben sie nicht die geringste Ahnung.
Und obwohl die Traumszenen Aruulas etwas deplaziert erscheinen mögen, kann Claudia Aruula so besser charakterisieren und sie plastischer, greifbarer erscheinen lassen.

Fazit:
Ein Maddrax, der gegenüber dem Erstling der Autorin etwas schwächer ist, aber dennoch unterhält.
8 Punkte

Christian Spließ

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