Nach ihrem
Abenteuer in Paris sind Matt und Aruula auf dem Weg nach Norden.
Unterwegs bricht Aruula fiebernd zusammen - eine Wunde, die vom Avtar
stammt, hat sich entzündet. Daß sich ein paar Lupas auf
die Fährte der beiden geheftet haben, verschlimmert die Lage
noch. Doch Matt und Aruula werden von Urk und seinen Jägern
gerettet. Als Urk erfährt, daß Aruula krank ist, verweist
er Matt an die Heiler und stellt ihn unter seinen Schutz.
Vergangenheit: Einen Tag vor dem Einschlag des Kometen versammeln
sich die Ärzte des Charlemagne Hospital, um sich an einen Ort
zurückzuziehen, an dem sie bleiben können, bis die
Ordnungsmächte wieder alles unter ihrer Kontrolle haben. Sie
ziehen ins Atomium - und bald wird ihnen klar, daß die Welt
nicht so schnell wieder normal werden wird. Damit das Wissen
über die Medizin nicht verloren geht, beschließt Jon, der
Führer der Gruppe, daß man Abschriften eines medizinischen
Wörterbuches anfertigt, die dann von Generation zu Generation
weitergegeben werden sollen. Nachdem die Ärzte gegen Bezahlung
die Kranken geheilt haben, die zu ihnen gebracht werden, hat sich ein
System etabliert, das bis in die Zukunft Bestand haben soll.
Als Matt in das Dorf namens Bryssels eingelassen wird, erlebt er die
Heilung von Ruut mit, dem Sohn von Häuptling Tschak. Doch kurze
Zeit später erkrankt Ruut an der Pest. Matt vermutet einen
Zusammenhang zwischen der Heilung und dem Krankheitsausbruch. Trotz
seiner Vorsorgemaßnahmen breitet sich die Krankheit rasch aus.
Zudem verschlimmert sich Aruulas Zustand. Dann schlägt auch noch
die Stimmung im Dorf um - der Haß gegen die Heiler wächst
mit jeder Stunde. Matt beschließt, in das Atomium
einzudringen.
Dort trifft er auf die degenerierten Nachfahren der Ärzte. Matt
erfährt, daß der Anführer versehentlich das Glas mit
den Pestbakterien geöffnet hat - Meedecin Shrewjinn handelte in
dem festen Glauben, Antibiotika verabreicht zu haben. In letzter
Sekunde kann Matt verhindern, daß ihm die Bakterien eingeimpft
werden.
Tschak hat keinen geringen Anteil daran - denn die Dorfbewohner haben
das Atomium gestürmt. Matt kann mit Hilfe des medizinischen
Wörterbuches die passenden Antibiotika gegen die Pest und
Aruulas Krankheit finden, bevor das Atomium in Flammen aufgeht. Die
Kranken werden gesund, und Matt und Aruula bleiben eine Zeitlang in
Bryssels.
Mit "Die Amazonen von Berlin" hat Claudia Kern einen guten Einstand
in die Serie gegeben. Dieser Roman ist zwar nicht so gut wie der
erste, aber immer noch gut genug. Warum er nicht so gut ist wie der
erste - nun:
Zum einen mag das daran liegen, daß der Plot nicht besonders
spannend ist. Daß Aruula also an den Folgen der Krankheit
sterben wird, ist mehr als unwahrscheinlich - schließlich
sterben Serienhelden nie, außer in der letzten Folge.
<zwinker> So verfolgt man die Handlung, die durchaus ihre
reizvollen Stellen hat, mit einem milden Interesse, aber mit mehr
auch nicht.
Zum anderen haben wir in diesem Roman drei Erzählhandlungen -
einmal Matt und seine Versuche, Aruula zu retten, die Rückblicke
in die Vergangenheit und dann die Traumszenen, in denen Aruula ein
ganz normales Leben auf den dreizehn Inseln führt. Haben die
ersten beiden Handlungsebenen noch Berührungspunkte, so fragt
man sich, warum die Träume Aruulas geschildert werden. Gut, es
ist zwar ein interessantes "Was-wäre-wenn" - aber man steht doch
etwas ratlos vor diesen Szenen.
Daß dieser Roman jedoch immer noch gut ist, liegt an der Art,
wie Claudia Kern Aruula und Matt schildert, wie sie es schafft,
selbst den Nebenfiguren Leben einzuhauchen.
Brillant sind ihre Rückblicke in die Welt vor dem großen
Crash. Aus den Halbgöttern in Weiß werden mit der Zeit
perfekte Idioten - wobei Idioten durchaus nicht negativ gemeint ist.
Sie wissen zwar noch einigermaßen, was sie tun, aber von der
eigentlichen Welt haben sie nicht die geringste Ahnung.
Und obwohl die Traumszenen Aruulas etwas deplaziert erscheinen
mögen, kann Claudia Aruula so besser charakterisieren und sie
plastischer, greifbarer erscheinen lassen.
Fazit:
Ein Maddrax, der gegenüber dem Erstling der Autorin etwas
schwächer ist, aber dennoch unterhält.
8 Punkte