Robert N. Charette:

"Prinz des Dunkels"

(Erster Roman der Schattenkrieg-Trilogie)
OT: A Prince Among Men
Ü: Christian Jentzsch
USA 1994
(412 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9090, ISBN 3-453-17221-3, DM 16,90)
- erschienen: Juli 2000 -

John Reddy lebt in einem Amerika, das von japanischen Konzernen beherrscht wird. Als er seinen Job als Nachtwächter im Waffenmuseum antritt, wird er Zeuge, wie Nym - eine junge Frau aus der Anderswelt - König Artus erweckt. Als Bennett, ein vorgeblicher Bundesagent, auftaucht, kommt es zu einer magischen Auseinandersetzung. Gemeinsam mit Artus flieht John. Etwas vorher tritt eine Abteilung des Konzerns Mitsutomo in Aktion. Sörli und Pamela Martinez befürchten, daß die sogenannte Anderswelt mit der normalen Welt konvergieren, verschmelzen will. Ihre Befürchtungen scheinen berechtigt, gibt es doch von überall auf der Welt Meldungen, die von magischen und eigentlich unmöglichen Begegnungen mit magischen Wesen berichten. Pamela und Sörli sind auf der Jagd nach Nym, in der sie eine Agentin von der anderen Seite sehen. Eine dritte Partei ist der Sicherheitsbeauftrage Holger Kun und seine Chefin Spae, die magische Auren fühlen kann. Als die Konzernleute auf die Spur Johns und Artus' kommen, ist es Kun, der sie rettet. Kurze Zeit später trifft Bennet zum Team. Er und Artus scheinen sich zu kennen - allerdings ist diese Bekanntschaft durch starkes Mißtrauen geprägt. Artus ist auf der Suche nach Caliburn. John, der seinen Vater nie gesehen hat, ist mehr als überrascht, als Bennet ihm eröffnet, daß er erstens sein Vater und zweitens ein Elf sei. Zudem sei er ein Prinz von Faelry. John weigert sich zuerst, Bennet zu glauben. Doch nachdem das Team mit Bennets Hilfe in die Anderswelt gewechselt ist, wo Artus Caliburn versteckt hat, verwandelt sich John tatsächlich in einen Elfen.
Schließlich erreichen sie das Versteck Caliburns - doch sie werden von einer Einsatzgruppe des Konzerns angegriffen. Und fast scheint es, als würde das ungleiche Team den Kampf verlieren...

Wenn die Shadowrun-Fans jetzt sagen, daß ihnen diese Welt irgendwie bekannt vorkommt, haben sie recht. Schließlich ist Robert N. Charrette "Autor der besten Shadowrun-Romane", wenn man dem Cover Glauben schenken darf.
Dem unbefangenen Leser, der bisher nur vage von Shadowrun gehört hat - so wie der Rezensent - wird dieser Mix aus Cyberpunk und Fantasy zwar munden, aber so richtig zufrieden ist man nach der letzten Seite nicht.
Zugegeben, der Autor vermag flüssig und angenehm zu schreiben. An keiner Stelle ist der Roman langweilig, und die actionreiche Handlung läßt Langeweile auch nicht zu. Neben den Actionszenen ist jedoch auch Platz für ruhigere und nachdenklichere Stellen. Charrette ist ein sehr routinierter Autor. Leider merkt man diese Routine nach der ersten Hälfte des Romans. Gewiß, man bekommt als Leser durchaus wunderschöne Bilder vorgesetzt, und wie bei Hochglanzillustrierten können diese für eine Zeit begeistern - mehr aber auch nicht. Das gilt auch für die Charaktere, die einen nicht richtig fesseln können und sehr oberflächlich gezeichnet sind. Vielleicht liegt es daran, daß man sich nach dem Lesen des Romans nicht mehr so recht an die Handlung erinnern kann - sprich: Einen großen Eindruck hat der Roman beim Rezensenten nicht hinterlassen.

Fazit:
Als literarisches Fastfood hat der Roman einen recht guten Unterhaltungswert. Wer allerdings hochklassige Fantasy erwartet, sollte sich einen anderen Roman zulegen.
9 Punkte

Christian Spließ


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