Band 16: "30 Meilen unter dem Meer"

Autor: Timothy Stahl

Endlich haben Matt und Aruula die französische Küste erreicht. Während Matt hofft, daß der Tunnel nach England die Jahrhunderte überstanden hat, fühlt sich Aruula in der stürmischen Umgebung Caalajs nicht wohl. Kein Wunder, schließlich ist der Eingang des Tunnels mit Skeletten gepflastert. Aruulas Unbehagen führt zum ersten Streit zwischen Matt und ihr. Matt erkennt, daß er die ganze Zeit nur an seinen Weg gedacht - und darüber Aruulas Bedürfnisse ganz vergessen hat. Zwar dringen Matt und Aruula gemeinsam in den Tunnel ein, aber sie reden kaum miteinander.
Daß die beiden nicht allein sind, merken sie zuerst nicht. Nachdem sie einem mutierten Blutegel mit knapper Not entkommen sind, werden sie von Taratzen angegriffen. Erst der unbekannte Helfer, der sich als Abn el Gurk Ben Amar Chat Ibn Lot Fuddel der Sechste vorstellt, kann sie mit einer umgebauten Draisine aus der Situation retten.
In dessen Hauptquartier erfährt Matt, daß Gurk zusammen mit seiner Familie und seinem Sohn auf dem Weg zur "Insel der Könige" war - England, wie Matt schlußfolgert. Schon viele hätten sich auf den Weg gemacht, doch nur wenige seien zurückgekehrt. Gurks Familie geriet an die Taratzen, die seinen Sohn mitnahmen. Gurk glaubt fest daran, daß dieser noch lebt, und er bittet Matt und Aruula, nach ihm zu suchen.
Währenddessen erstatten die Taratzen ihrem König Bericht. Der Versager Yarrl wird von seinem König Tarman geköpft. Tarman ersinnt einen Plan, wie die Taratzen in das Versteck Gurks eindringen können, das mit zahlreichen Fallen gesichert ist.
Matt glaubt nicht daran, daß Gurks Sohn noch lebt. Obwohl Aruula anderer Meinung ist, machen sie sich wieder auf den Weg und geraten in einen Hinterhalt der Taratzen. Aruula gelingt die Flucht.
Diese ist jedoch nur ein Teil von Tarmans Plan. Da Aruula schnurstracks zu Gurk zurückkehrt und dessen Fallen umgehen kann, können die Taratzen ihr ohne weiteres folgen.
Matt erwacht im Hauptquartier der Taratzen - einem ehemaligen Eurozug. Als Tarman Gurk und Aruula in das Quartier bringt, stellt sich heraus, daß Tarman der Sohn von Gurk ist. Allerdings ist sein Gedächtnis nicht das Beste. Erst, als Gurk das goldene Kreuz, das seine Mutter getragen hat, hervorholt, kann sich Tarman erinnern.
Die Situation eskaliert, als die Taratze Ammog einen Aufstand anzettelt. Da Tarmans telepathische und telekinetische Kräfte durch einen Kometensplitter enorm vervielfacht worden sind, kann er für kurze Zeit den Aufstand bekämpfen. Als Gurk jedoch von einer Taratze getötet wird, setzt Tarman seine Kräfte ein und läßt die Decke einstürzen. Matt und Aruula haben sich die Draisine geschnappt. Nur kurz kann ein ehemaliges Brandschutzschott die Wassermengen aufhalten. Ein enormer Geysir speit die beiden, die ihren Streit längst beigelegt haben, in England an Land.

Tja, jetzt hat der legendäre Abn el Gurk Ben Amar Chat Ibn Lot Fuddel der Sechste auch Maddrax heimgesucht. Der kleine häßliche Araber, der von Michael Schönenbröcher erfunden wurde, hat schon einige Heftromanserien mit seinen Gastauftritten bereichert. Und Maddrax wird sicherlich nicht die letzte gewesen sein - aber bevor der Rezensent jetzt vollkommen vom Thema abkommt, fährt er lieber mit der Romanbesprechung fort. ;-)
Der Roman beginnt schon einmal vielversprechend - der Sturm in Caalaj, die Skelette, die den Tunneleingang pflastern schaffen eine wunderbar gruselige Atmosphäre. Auch als Matt und Aruula in den Tunnel eindringen, gelingt es dem Autor, das drohende Gefühl von Gefahr noch zu verstärken.
Hinzu kommt, daß Matt und Aruula zum ersten Mal in der Serie handfesten Krach haben. Dadurch bekommen sie Profil - und zudem hat Aruula ja auch in gewisser Weise recht, wenn sie bemerkt, daß Matt bisher vollkommen egoistisch gehandelt hat. Zum ersten Mal weigert sich Matt übrigens auch, jemandem zu helfen. Das ist nur konsequent, unterstützt es doch Aruulas Bemerkung.
Bis zur Mitte des Romans gelingt es Timothy, den Leser exzellent zu unterhalten. (Wer eifrig das Forum liest, den wird der Gastauftritt eines gewissen Yrral sehr freuen. ;-)) Und auch Gurk wird passabel charakterisiert - und die erotische Szene mit Aruula vermag den Leser angenehm zu erfreuen. Zumal es ja schon vorher dezente Anspielungen gab, man achte nur auf das Ende der ersten Gurk-Szene im Saal der tausend Augen.
Zum Ende hin jedoch scheint aus dem Roman allmählich die Luft rauszugehen. Zugegeben, die "Tarzan"-Episode um Gurks Sohn ist durchaus amüsant. Der Komet findet auch mal wieder Erwähnung, und die Erklärung für das enorme Potential Tarmans ist logisch. Schade, daß sein bisheriges Leben in einigen Zeilen abgehandelt wird - da hätte durchaus noch ein Folgeband draus werden können.
Je mehr das Romanende naht, desto schneller wechseln die Szenen - unwillkürlich hat man das Gefühl, Timothy wollte jetzt ganz, ganz schnell fertig werden. Schade, hier hätte man sich mehr Zeit lassen können.

Fazit:
Alles in allem ein Roman, der exzellent beginnt, aber zum Ende hin etwas nachläßt.
8 Punkte

Christian Spließ

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