Band 2037: "Der Gejagte von Santanz"

Autor: Arndt Ellmer

Julian Tifflor ist es als einzigem der terranischen Delegation gelungen, vor Morkhero Seelenquell zu fliehen. Todesmutig hat er sich durch den Transmitter der ermordeten Roten Santilligenz gestürzt. Sein Ankunftsort ist deren Wohnsitz, der ein gutes Stück vom Raumhafen entfernt ist. Aber das ist nicht Tifflors einziges Problem, denn nun, da Morkhero die Macht über die Blues übernommen hat, wird überall auf dem Planeten fieberhaft nach ihm gefahndet.
Es gelingt ihm auch nicht, sich einfach einen Gleiter zu schnappen und damit zum Raumhafen zu fliehen. Vielmehr bringt ihn eine abenteuerliche Flucht immer weiter von seinem Ziel weg.
Allein und verlassen trifft er in der Wildnis letztendlich die Anti-Santilligenten, die sich von der Roten Santilligenz distanzieren und in kleinen Dörfern ein naturnahes, friedliches Leben führen. Nach anfänglichem Mißtrauen beschließen sie, Tifflor zu unterstützen; sie helfen ihm, zu seinem Raumschiff zu gelangen. Das funktioniert auch bis zum Raumhafen ganz gut, aber hier beginnen die Probleme. Morkhero war nämlich so schlau, das Gelände abzuriegeln, und so muß Julian Tifflor sich mächtig anstrengen.
Als er dann endlich an Bord seines Schiffes gelangt, muß er eine schreckliche Feststellung machen. Es ist dem Mutanten schon lange gelungen, die terranische Delegation zu übernehmen; und statt in die Freiheit zu fliehen, ist nun wieder ein terranischer Minister in den Händen eines Feindes, der es mit der Erde gar nicht gut meint.

Also nun: Doppelband Teil 2.
War Band 1 ein Roman mit dem Schwerpunkt Diplomaten-Agenten-Milieu, so liegt nun ein reiner Actionroman vor. Die Geschichte ist dementsprechend simpel gestrickt: Tifflor versucht, durch eine ihm feindlich gesonnene Welt zu fliehen, und er muß dabei eine Menge Qualen und Leid ertragen.
Zum Glück unterläßt Arndt Ellmer es jetzt, sich der ganzen Übertreibungen des ersten Romans zu erinnern, was diesen Teil der Geschichte um ein vielfaches glaubwürdiger erscheinen läßt. Diesmal ist die Handlung sogar recht spannend. Zugegeben, etwas wirklich Neues passiert nicht, und der Inhalt ließ sich auch recht schnell zusammenfassen, aber es handelt sich halt um einen Roman, der sich im wesentlichen mit einem einzigen Thema beschäftigt: der Flucht von Julian Tifflor. Zwar ist das Ende des Romans eigentlich von vorneherein klar, aber wenn man dies ein wenig beiseite drängt, dann sind die Episoden sogar recht gut und spannend geschrieben. Wenn allerdings die Ebene um Morkhero Seelenquell nicht wäre, so würde man diesen Roman sehr schnell wieder vergessen, denn allen Elementen zum Trotz, die ihn über seinen Vorgänger erheben, bleibt er doch sehr leichte Kost.
Auf der zweiten Ebene wird zum einen noch einmal alles zusammengefaßt, was man bisher über den geheimnisvollen Mutanten erfahren hat, und es wird noch eine ganze Menge über seine Herkunft und seine Beweggründe zugelegt. Seine einzige Motivation scheint in der Tat zu sein, die Milchstraße in ihrer Gesamtheit zu unterjochen; und dort, wo er herkommt, scheint es noch mehr von seiner Sorte zu geben. Ein vermutlich sehr altes Volk, das seine "Kinder" aussendet, um im weiten Universum Erfahrungen zu sammeln. Eine sehr extreme Vorstellung.
Es bleibt abzuwarten, was wir in diesem Zyklus noch alles vorgesetzt bekommen, denn sooo viel Zeit ist nicht mehr, und so richtig in die Gänge gekommen ist man auch erst auf der Arkon-Ebene. Es würde mich daher nicht wundern, wenn sich die Morkhero-Ebene erst in den nächsten 50 Bänden so richtig auf die Handlung auswirken würde. Dann könnte man sich im aktuellen Teil erst einmal auf die Arkoniden und die Handlung in Segafrendo konzentrieren - was aber auch nur noch 6 Bände pro Ebene wären. Wenn Morkhero in gleichem Anteil dazukommt, sind es schon pro Ebene nur noch 4. Das sieht für mich nun doch ein wenig arg knapp aus, besonders, da auf allen drei Ebenen noch eine Menge Potential steckt. Ich hoffe, daß man nicht versucht, alles noch bis Band 2049 aufzulösen, sondern daß man sich ruhig noch etwas Zeit nimmt, ein paar Dinge etwas ausführlicher zu behandeln.

Fazit:
Viel hab ich diesmal einfach nicht zu sagen. Ein Roman, der sich flüssig liest, bei dem man sich aber am Ende fragt, ob das alles wirklich nötig gewesen wäre. Die Ebene um Morkhero ist zwar recht interessant, scheint sich aber erstmal nicht so auszuwirken (die großen Geheimnisse werden wohl noch kommen); und die Ebene um Tifflor steht von vorneherein unter einem schlechten bzw. vorhersehbaren Stern.
8 Punkte

Alexander Haas

Und wieder befindet sich Dr. Kimble auf der Flucht - diesmal in der Gestalt Julian Tifflors, der sich vor Morkhero Seelenquell versteckt und von Santanz entkommen will.
Diese Flucht führt ihn dann ziemlich weit herum - und ist auch recht annehmbar in Szene gesetzt, wenn sich auch manchmal ein paar Ungereimtheiten ergeben. Das größte Manko dürfte wohl sein, daß wir mit Perry auf Ertrus gerade erst einen gejagten ZAC-Träger hatten, die Wiederholung des Motivs mit anderen Akteuren also nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinreißen kann.
Aber das Ende der Jagd ist dann doch wieder überraschend und wirft die Frage auf, wieviel von dieser Flucht denn insgesamt noch gestellt war - was immerhin erklären würde, weshalb man auf Individual-Taster vollkommen verzichtet hat, wie auch so manche andere Ungereimtheit. Daß Morkhero Tifflor eine Falle in dessen eigenem Schiff stellt, läßt ihn jedenfalls wesentlich intelligenter erscheinen als die anderen Gegner der Menschheit in diesem Zyklus.
Zumindest hat er jetzt Tifflor in seiner Gewalt - und es ist nicht unbedingt unwahrscheinlich, daß es ihm gelingt, diesen umzudrehen und als Gegenspieler der Menschheit auftreten zu lassen. Damit würde Morkhero ein weiterer Schlag gegen die Menschheit gelingen - um die es zur Zeit nun wirklich nicht gut steht.
Nimmt man einmal an, daß das Stillhalten der Arkoniden wirklich daran liegt, daß Bostich ebenfalls von Morkhero übernommen ist, stünde Terra im Kampf gegen den Mutanten nun ganz alleine da. Angesichts des nächsten Unterzyklus, bzw. besser: dessen Titel "Seelenquell", deutet sich hier an, daß sich mit Band 2049 diesmal nicht besonders viel zum Guten wenden wird. Vielmehr könnte es eher darauf hinauslaufen, daß Terra von allen Verbündeten abgeschnitten dasteht, während Morkhero Seelenquell seine Umwandlung in den "Seelenquell" vollendet. Das wäre dann doch einmal ein vollkommen anderes Unterzyklus-Ende - und sicherlich sehr reizvoll und unerwartet. Aber ich befürchte, daß hier wohl der Wunsch der alleinige Vater der Spekulation war...

Fazit:
Mal wieder einer der Flucht-Romane, die man in letzter Zeit recht häufig gelesen hat. Recht unterhaltsam, aber nicht wirklich spektakulär. Die Morkhero-Ebene jedoch bietet Anlaß zu reichlich Spekulationen und rettet den Roman vor dem schnellen Vergessen.
8 Punkte.

Winfried Brand

Julian Tifflor befindet sich auf der Flucht vor seinen Verfolgern, allein und ohne technische Hilfsmittel auf einer fremden Welt.
Doch seine Jäger, die Blues, sind auch nicht gerade mit allen Geistesgaben gesegnet. Da gibt es die moderne Technik, und man setzt lediglich Infrarot-Spürer zur Suche ein. Gibt es keine Individual-Taster mehr? Aber dann hätten die Blues Tifflor wohl schon nach fünf Minuten gefunden, das wäre ja viel zu einfach... Hier wird die verfügbare Technik gedreht, wie man es gerade braucht. Schade.
Damit bestimmt das "Dr. Richard Kimble"-Motiv (Motto: Immer auf der Flucht) (* Sachichdoch - damals wie heute ein Renner! Heike) einen Großteil des Romans, der so nicht einmal an den Durchschnitt herangekommen wäre.
Doch es gibt auch Lichtblicke. Schon im Hauptpersonen-Kästchen wird Morkhero Seelenquell aufgeführt, und diesmal taucht er tatsächlich als Figur auf. Da er seit Band 2000 als Bedrohung durch die Handlung geistert, war das längst überfällig.
Man kann jetzt erstmalig einige Spekulationen über den Seelenquell anstellen, doch bleiben die meisten Hinweise eher kryptisch. Das ist in Ordnung, denn Morkhero soll wohl erst nach Band 2050 schwerpunktmäßig in die Handlung kommen. Man beachte die Ankündigungen der Redaktion: Der (Unter-)Zyklus ab 2050 soll den Namen "Seelenquell" tragen. (* Ich tippe mal darauf, daß Morkhero in Band 2049 die "Schwelle" überschreitet und zum "Seelenquell" wird - denn daß man wirklich hingeht, und seine Entwicklung auf die nächsten 60 Hefte ausdehnt, traue ich selbst den derzeitg seeeehr ausufernden Expos nicht zu... Winy)
Man könnte zu den Hintergründen und Motiven einiges von sich geben, doch reicht hier ein kurzer Verweis auf den (wieder einmal) hervorragenden PR-Kommentar. Der enthält eine große Menge an Informationen und Spekulationen, so daß sich der Rezensent nicht überflüssigerweise auch hierzu noch auslassen muß. Doch man hätte sich gewünscht, diese Infos im Roman selbst zumindest angerissen zu sehen (schließlich ist der Kommentar nur informatives Beiwerk).
Morkhero befindet sich noch in der Entwicklung; er muß demnächst irgendeine "Schwelle" überschreiten und bereitet sich auch auf einen "ultimaten Fall" vor.
Seelenquell ist eine Art Supermutant, er dürfte ein Hypno und/oder Suggestor sein. Doch seine Fähigkeiten sind offenbar noch immer deutlich begrenzt - zu schwach (jedenfalls derzeit), um eine wirkliche Bedrohung zu sein. Da gibt es eine aufschlußreiche Passage (Zitat:) "Morkhero war nach seiner (Tifflors) Einschätzung nicht stark genug, um die Bewohner des gesamten Planeten geistig zu versklaven." Zudem braucht er das Fluut, das er bei den Kraverkern erbeutet hat, als eine Art Doping zur Verstärkung seiner Fähigkeiten.
Damit hat er ein geringeres Potential als der selige Ribald Corello. Gestehen wir Morkhero Seelenquell zu, daß er in der Entwicklung begriffen ist, dann stellt sich die nächste Frage: Weshalb läßt die PR-Redaktion einen "halben" Gegner auf die Menschheit los?
Offenbar zittert Morkhero vor den terranischen Monochrom-Mutanten. Das betrifft zumindest ein Kollektiv, wie immer dieses auch beschaffen sein mag. Man kennt ältere Spekulationen: Die Mutanten wurden aufgebaut, um am Ende des Zyklus Morkhero Seelenquell ins Jenseits zu befördern. Sollte die PR-Redaktion wirklich so einfallslos sein? Das würde diesen Zyklus, der ohnehin schon nicht begeisternd ist, dann nochmals erheblich abwerten...
Wieso hat Morkhero Seelenquell überhaupt die Terraner im Visier? Dabei müßte er sich bei den Machtverhältnissen in der Milchstraße zunächst vorrangig um das arkonidische Kristall-Imperium kümmern. Wenn dieses Wesen nur die Machtübernahme in der Milchstraße plant, spielen die Terraner eher eine untergeordnete Rolle.
Dem wird allerdings sogleich vorgebeugt: Morkhero kam über den Begriff "Thoregon" auf die Terraner. Warten wir also ab (aber logisch ist das nach dem jetzigen Informationsstand trotzdem nicht).
Auch eine Abwehrwaffe gegen Seelenquells Einfluß gibt es schon: die PsIso-Netze, die gegen die Fähigkeiten der Monochrom-Mutanten entwickelt wurden. Wie praktisch.
Was macht Tifflor mit einem PsIso-Netz auf Santanz? Der Mann ist doch bereits mentalstabilisiert. Und die anderen Besatzungsmitglieder seines Schiffes dürften so etwas nur auf Planeten tragen, wo mit Monochrom-Mutanten zu rechnen ist (man spannt seinen Regenschirm ja auch erst auf, wenn es tatsächlich regnet).

Fazit:
Der Roman ist zwar um einiges besser als sein Vorgänger, doch eines der Highlights des Zyklus ist er wahrlich nicht. Morkhero Seelenquell, ein bisher geheimnisvoller Gegner, wird entzaubert. Nach der Gigantomanie der SOL-Ebene wird eher tiefgestapelt: Trotz einer immens aufgebauten Bedrohungsperspektive zeigt sich Morkheros erster wirklicher Auftritt von eher mäßiger Qualität.
Der End-Plot dieses Problems ist durchsichtig; Langeweile ist damit vorprogrammiert. Selten war PR so berechenbar. Hoffen wir, daß es anders kommt...
8 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

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