Zum Inhalt:
Kurz vor dem Abschuß löst sich eine "Kralle" aus dem Wal,
der abgeerntet werden soll - ein Vorgang, der bisher einzigartig ist.
Denn die Krallen sind genetisch erzeugte Lebewesen, deren einziger
Daseinszweck die Führung der Wale darstellt.
Die Patinis, die herrschende Familie auf Confringet, haben
unterdessen telepathisch begabte Menschen hervorgebracht, die von der
Flotte zu Höchstpreisen genommen werden, da sie als einzige die
Abstimmung der interplanetarischen Flüge vornehmen können,
die mit relativistischen Geschwindigkeiten erfolgen.
Meta ist eine der wenigen telepathisch Begabten, und sie findet sich
plötzlich in einer telepathischen Verbindung mit Om wieder - der
Kralle, die abgesprungen ist...
"Meamones Auge" stellt einen der ersten Romane dar, den Heyne als
eBook veröffentlicht hat. Dabei outet sich der Verlag aber auch
gleich noch als nicht auf der Höhe der Zeit, denn die
Preisgestaltung ist schlichtweg eine ziemliche Unverschämtheit,
gleicht der Preis sich doch wahrscheinlich dem des 1997 erschienen
Taschenbuchs an - wenn er ihn angesichts des sehr geringen Umfangs
von rund einem Heftroman nicht sogar noch übertrifft.
Berücksichtigt man, daß andere Verlage ihre Preise rund
ein Drittel unter dem Print-Preis ansiedeln, ist hier schon fast von
Wucher zu sprechen. Immerhin gilt zwar eine Buchpreisbindung, aber
diese eben nur für das jeweilige Objekt in der jeweiligen
Ausstattung - wenn die Preisbindung auf den Inhalt abzielen
würde, müßten Taschenbücher wohl genauso teuer
sein wie das zuvor erschienene Hardcover gleichen Inhalts... Das ist
noch nicht alles zum technischen Aspekt - doch hierzu später
mehr.
Kommen wir zuerst einmal zum inhaltlichen Teil:
"Meamones Auge" macht es dem Leser zu Anfang nicht gerade leicht, die
Handlung auch nur ansatzweise nachzuvollziehen. Vieles bleibt im
Dunkeln und löst sich erst im Lauf der Handlung, so daß
man ein gewisses Maß an Stehvermögen mitbringen muß,
um diesen Roman zu lesen. Denn erst nach fast der Hälfte der
Handlung beginnt sich diese dem Leser zu erklären.
Doch dies ist notwendig, wie sich nun herausstellt. Wolfgang Jeschke
erläutert zwar auch hier nicht alles, doch entwickelt er einen
Roman der Extraklasse, der sich vor allem auf die philosophischen
Elemente bezieht. Der Leser wird dazu angetrieben, seinen Verstand zu
benutzen und die Handlung mit seinem eigenen
Vorstellungsvermögen zu füllen.
Zum Ende führt Jeschke den Leser dann bis zu der Frage hin, was
denn nun "Gott" ist und was "Menschen" eigentlich bedeuten. Die
Kralle entwickelt hier eine Gottergebenheit, die sie auf ihre
Schöpfer bezieht, während Meta sie eher als einen
gleichwertigen Menschen sieht. Hier schält sich dann die
Erkenntnis heraus, daß die Frage nach dem Unterschied zwischen
"Schöpfer", "Schöpfung" und "Produkt" die zentrale Aussage
- oder wohl besser: Frage dieses Romans bildet.
Am Ende läßt Jeschke einen verwirrten und höchst
nachdenklichen Leser zurück, der sich auch nach der letzten
Seite noch einige Zeit mit diesem Roman beschäftigen wird.
Soviel zum Inhaltlichen.
Erschwert wird die ohnehin nicht leichte Lektüre jedoch durch
die äußerlichen Mängel der Präsentation des
Romans.
Wer immer auch für die Umsetzung des Romans ins eBook-Format
zuständig ist, hat gleich mehrere Tritte in den Allerwertesten
verdient, da seine Schlampigkeit seinesgleichen sucht.
Hier wimmelt es nur so von unnötigen Absätzen, in denen die
Originalabsätze einfach am Zeilenende in verschiedene
Absätze getrennt werden. Hierfür ist noch nicht einmal ein
Satzende erforderlich. Auch drängt sich der Eindruck auf,
daß bei einem Großteil der Trennungen im Taschenbuch der
Trennstrich einfach durch ein Leerzeichen ersetzt wurde. Der Lesbar
keit ist hier sicher lich nichts Gu tes ge tan wor den. Man merkt,
was ich meine... ;-)))
Dabei drängt sich natürlich der Eindruck auf, daß die
Umsetzung ins eBook rein automatisch erfolgte und das Ergebnis von
niemandem mehr auch nur im geringsten begutachtet wurde. Angesichts
des im Vergleich mehr als nur happigen Preises ist dies nur noch als
Unverschämtheit zu werten.
So begrüßenswert Heynes Erscheinen im eBook-Markt ist, so
beklagenswert ist dieses Ergebnis. Gerade von einem großen
Verlag kann man wohl mehr Sorgfalt erwarten.
Allerdings muß man in einem Punkt der Umsetzung doch noch eine
komfortable Bedienbarkeit bescheinigen: Nicht nur, daß die
einzelnen Kapitel im Inhaltsverzeichnis anspringbar sind (dies ist
leider immer noch nicht Standard), es findet sich am jeweiligen
Kapitelende auch noch eine Rücksprungadresse zum
Inhaltsverzeichnis - ein Feature, das zwar einfach zu realisieren
ist, jedoch bisher äußerst selten auch angewandt wird. Die
gute Navigierbarkeit sorgt dann für die Punkte im Bereich
"Umsetzung".
Fazit:
Ein faszinierender Roman, der im eBook endlich wieder der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Leider leidet das
Ergebnis an der Schlampigkeit der Umsetzung, die ich selten
schlechter gesehen habe...
Roman:
13 Punkte.
P.S.:
Inzwischen hat Heyne auf die Hinweise reagiert und die genannten
Produktionsmängel beseitigt. Die eBook-Umsetzung bewegt sich nun
im gewohnten Maß, weshalb ich die Bewertung hierfür auf 14
Punkte heraufsetzten möchte. Wenn man dem ganzen jetzt noch ein
(zugegeben Alibi-) Titelbild verpaßt hätte, wäre das
perfekt gewesen. Hervorzuheben ist hier vor allem das
Kapitelverzeichnis am Anfang, das von jedem Kapitelanfang selber per
Hyperlink aufgerufen werden kann, ebenso wie die Möglichkeit,
über das "gehe zu"-Menü einzelne Teile des Buches
anzuspringen - beileibe keine Selbstverständlichkeit, denn
selbst beim bisherigen Spitzenreiter in Sachen Gestaltung, der
Verlagsgruppe Pabel-Moewig (die alle ihre Produkte bisher
vorzüglich ausgestattet haben), sind diese Rückverweise
leider noch nicht zu finden...
Bewertung eBook-Umsetzung: