Robert N. Charette:

"König des Unheils"

(Zweiter Roman der Schattenkrieg-Trilogie)
OT: A King Beneath the Mountain
OT: Christian Jentzsch
USA 1995
(509 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9091, ISBN 3-453-17227-2, DM 16,90)
- erschienen: August 2000 -

Seit den Ereignissen um König Artus und dessen Schwert Caliburn sind ein Jahr vergangen. John lebt auf der Straße, immer noch unsicher darüber, ob er nun wirklich ein Elf ist oder vielleicht doch nur ein normaler Mensch.
Pamela Martinez arbeitet mittlerweile am Projekt Charybdis, das ein Tor zwischen der Anderswelt und der normalen Realität bildet. Es gelingt ihnen tatsächlich, Sörli und eine Truppenarbeit in die Anderswelt zu schicken - allerdings verlaufen die Ereignisse anders ab als geplant. Der Einsatz scheitert, und zu allem Überfluß mischt sich Nakaguchi, eine Art Feuerwehrmann des Konzerns, in Pamelas Angelegenheiten, worüber diese gar nicht erfreut ist.
Dr. Spae sitzt mehr oder weniger freiwillig in einer Zentrale des ECSS fest. Ihr Ausflug in die Anderswelt macht sie in den Augen der Leiter verdächtig - zumal diese auch nicht recht an diese Welt glauben möchten. Der zahllosen Verhöre überdrüssig, quittiert Spae ihren Dienst. Allerdings gelingt es ihr erst mit David Beryle, den ECSS tatsächlich zu verlassen.
Als John in seinem Heim von mehreren Schlägern angegriffen wird, schaltet sich eine weitere Partei in das Geschehen ein, zu der der kleinwüchsige Wilson gehört. Er erzählt John, daß Artus seine Hilfe braucht. John, der Artus trotz allem nicht im Stich lassen will, geht freiwillig mit ihm mit. Sue jedoch, die zu den Schlägern gehört hat, wird unfreiwillig mitgenommen. Als John in ein unterirdisches Tunnelsystem gebracht wird, stellt er überrascht fest, daß er offenbar unter Zwerge geraten ist. Diese wollen Artus, der sich in einem komaähnlichen Zustand befindet (woran sie nicht ganz unschuldig sind), mit Hilfe von Simulationen wieder auf die Beine bringen.
Unterdessen hat Nagakuchi einen Schläfer erweckt - Quetzalcoatl, den Schlangengott. Pamela ist nicht sicher, was Nagakuchi mit ihm vorhat. Quetzal scheint aber eine Gefahr darzustellen. Als ein Vertreter der Zwerge mit ihr Kontakt aufnimmt, erklärt sie sich zur Zusammenarbeit bereit.
Und noch jemand anders ist Quetzal auf der Spur: Charley Gordon, Ermittler einer Sondereinheit für unerklärliche Phänomene, bekommt seit einiger Zeit anonyme E-Mails. Leute, die auf der Straße leben, verschwinden spurlos, um einige Zeit später leblos wieder aufzutauchen. Allmählich stößt Charley auf Spuren, die zum Mitsutomo-Konzern führen.
Als John und Sue das Tunnelsystem nach einer Fluchtmöglichkeit für Sue untersuchen, stoßen sie auf Bennet. Er bietet ihnen seine Hilfe an, wenn John ihm hilft. John gelingt es, Artus auf die Beine zu bekommen, und zusammen fliehen sie.
Mit dem Angriff Quetzals auf Dr. Spae laufen die Ereignisse auf ihren Höhepunkt zu. John und Faye machen sich für den Kampf gegen Quetzal bereit...

Wie auch im ersten Band der Schattenkrieg-Trilogie bietet Robert N. Charrette hier eine Mischung aus SF und Fantasy, wobei diesmal der Fantasy-Anteil deutlich überwiegt. Der zweite Roman bietet ebenfalls das, was auch der erste Roman der Trilogie geboten hat: Eine durchaus spannende Handlung, dazu noch recht passabel erzählt. Teilweise ist sie zwar sehr voraussehbar, was aber nicht allzusehr beim Lesen stört.
Leider sind die Mängel des ersten Bandes nicht behoben worden. Anstatt die Charaktere, die ja durchaus einen interessanten Hintergrund haben, etwas differenzierter zu gestalten und auszuloten, bleiben sie sehr oberflächlich. Es findet so gut wie keine Entwicklung statt. Weder John als Held noch Quetzal als Bösewicht vermag so recht zu überzeugen. Dadurch stellt sich nach ungefähr der Hälfte des Buches gepflegte Langeweile ein. So richtig interessiert ist man an den Helden dieses Romanes nicht, und eigentlich ist es einem auch egal, welche Absichten und Pläne diese verfolgen.
Da bleibt dann nur noch, sich auf die spannend erzählte Handlung zu konzentrieren. Daß diese auf den knapp fünfhundert Seiten dann nicht immer zu fesseln vermag und zuweilen recht vorhersehbar ist, ist dabei vielleicht unausweichlich.

Fazit:
Der Nachfolger des ersten Bandes hat sowohl die Stärken als auch die Schwächen des Vorgängers. Wer eine actionreiche Handlung bevorzugt, ist hier genau richtig, darf aber auch nicht mehr erwarten. Literarisches Fastfood halt. (* Ha, sowat gibbet auch? Heike)
7 Punkte

Christian Spließ


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