London,
November 2011: Der Historiker und Kunstgeschichtler Richard Jagger
bereitet im British Museum eine Ausstellung über die
untergegangenen Kulturen Südamerikas vor. Christopher-Floyd ist
zwar seit einigen Monaten auf dem Weg zur Erde, aber so richtig ernst
hat Richard dies nicht genommen. Erst als die Wissenschaftler
bescheinigen, daß der Koment voraussichtlich mit der Erde
kollidieren wird, beginnt Jagger im British Museum für die
Nachfahren der Katastrophe ein riesiges digitales Archiv einzurichten
- Scans von Zeitungen, Musikstücke sowie eine persönliche
Chronik über die Wochen vor und nach dem Kometen.
Gegenwart: Nur noch etwa fünfzig Kilometer trennen Matt und
Aruula von London. Von der dortigen Community erhofft sich Matt
Antworten auf seine Fragen. Als sie rasten, begegnen sie einer Gruppe
von Landan-Bewohnern, die im Auftrag des Grandlords von London Jagd
auf entflohene Frauen machen - der Landlord hat einen recht
großen Harem, aus dem die beiden Frauen ausgebüchst sind.
Matt, der zuerst zugestimmt hat, sich von der Gruppe nach Landan
führen zu lassen, ist entsetzt darüber, wie die Männer
die eingefangenen Frauen behandeln. Er mischt sich ein und tötet
dabei den Anführer der Gruppe. Lu, die als einzige von den
Frauen die bewaffnete Auseinandersetzung überlebt, erklärt
sich bereit, Matt und Aruula nach London zu führen.
Unterdessen sticht Rulfan von Coelln aus mit seinem Raddampfer in
See, nachdem er von einem Kolkraben eine Nachricht aus Britannien
bekommen hat. Nach etwas mehr als zwei Wochen gelangt er vor die
Küste - und trifft dort auf eine Flotte der Disuuslachter. Nach
einem heftigen Kampf verliert er sein Schiff und gelangt schwimmend
an Land - sein Weg führt ihn offensichtlich nach Salisbury, zu
seinem Vater.
Vergangenheit: Während Jaggers Archiv wächst, bricht die
Welt allmählich auseinander. Jaggers Frau schließt sich
einer radikalen christlichen Sekte an. Kurz vor dem Einschlag des
Kometen nimmt sie sich zusammen mit Jaggers Tochter das Leben. Jagger
gelingt es, sich in die British Library zu flüchten und seine
Chronik fortzusetzen.
Währenddessen bleibt die Ankunft Matts in London nicht
unbeobachtet. Zudem scheint die Community von seiner Ankunft bereits
informiert worden zu sein. Als King Roger III. sieht, daß die
Lords von London Matt in die British Library locken, muß er
eingreifen.
Kurz vor der Library wird Matt, der den Lords folgt, der Gefahr
ansichtig, die in der Library sitzt: Eine Riesenspinne. Da die Lords
Verstärkung bekommen, bleibt Matt, Lu und Aruula nur eine Wahl -
sie müssen in die Library flüchten. Nur knapp entkommt Matt
dort den Angriffen der Spinne. Als die drei tiefer in das
Gebäude eindringen, findet Matt Jaggers Archiv. Kurz darauf
treffen die Mitglieder der Community ein. Zusammen mit ihnen bricht
Matt in die Zentrale auf.
Der erste Teil des ersten Zweiteilers der Serie - es klingt zwar
nicht besonders toll, aber eine bessere Formulierung ist mir partout
nicht eingefallen - ist Jo Zybell durchaus gelungen.
Zuerst einmal gelingt Jo der Wechsel zwischen Vergangenheit und
Zukunft - bei drei Handlungsebenen könnte es schon mal
passieren, daß sich der Autor verzettelt. Diese Gefahr besteht
bei Jo nicht.
Die Vergangenheitsszenen sind sehr gut geschildert und machen Appetit
auf den Hardcoverband, der im Oktober erscheinen wird. Die
Ängste und Motive der Menschheit vor dem Eintreffen des Kometen
sind nachvollziehbar. (Dank der Fußnote an der richtigen Stelle
weiß der Fan auch, daß das Hardcover am 15. erscheinen
wird, ähem.) Zudem ist der gute Doktor Jagger ein ferner
Bekannter von einem gewissen Mick (* Wie - nur Bekannter, nicht
Verwandter??? Heike) - was die diversen Stones-Titel
erklärt, die im Roman auftauchen. Für den Weltuntergang mag
"Paint it black" ja auch durchaus die richtige Wahl sein...
Mit diesem Roman kommt nun auch der bisher doch sehr
vernachlässigte SF-Fan zu seinem Recht: Die Szenen, die in der
Londoner Community spielen, vermitteln einen guten Einblick in den
technischen Entwicklungsstand, über den die Bunkermenschen
verfügen. Die perfekte virtuelle Realität würzt Jo mit
einer Prise Humor - die Softwareagenten treten in der Gestalt von
Sokrates und Micky Maus auf.
Schön ist auch, daß endlich einmal direkter Bezug auf
vergangene Ereignisse genommen wird: Der Leser erfährt, wie es
in Coelln nach Matts Besuch weiterging. Und offensichtlich hat Rulfan
sehr gute Kontakte nach England.
Als einziger Kritikpunkt bleibt da nur - die Spinne. Nicht schon
wieder, seufzte der Renzensent, als er auf die Szene im Lesesaal der
British Library stieß. Da haben die Autoren eine Welt
erschaffen, in der es eigentlich nur so von Mutationen wimmelt -
mögen sie nun glaubwürdig sein oder nicht - und Matt
stolpert immer wieder über dieselben. Hmmm. Da könnte
durchaus ein wenig mehr Originalität angebracht sein. Es mag ja
sein, daß Spinnen auf die meisten Leser eklig wirken und ein
Gefühl der Beklemmung auslösen (* Meine Spinnenangst war
mal so schlimm, daß ich mir keine Bilder von Achtbeinern
anschauen konnte, ohne mich zu schütteln und in jeder aus dem
Augenwinkel wahrgenommenen Bewegung sofort so ein Biest zu sehen...
Heike) - aber allmählich könnte man aus den Ecken der
Welt von 2516 einige nettere "Viecher" hervorzaubern. (*
Unterschreib! Heike)
Fazit:
Jo Zybell hat einen gelungenen Roman verfaßt, der Appetit auf
den zweiten Teil macht.
9 Punkte