Band 2039: "Traumzeit"

Autor: Rainer Castor

Imperator Bostich I. tritt vor das Galaktikum und rechtfertigt hier den Angriff und die Besetzung des Kreit-Systems. Gleichzeitig greift er die LFT an und beschuldigt sie, die ertrusischen Terroristen zu unterstützen.
Anschließend läßt er sich in seinen fliegenden Palast bringen, und hier erinnert er sich an den Weg seiner Karriere:
Im Alter von fünf Jahren reist der junge Gaumarol da Bostich nach Arkon und besucht hier die Ahnengalerie der arkonidischen Imperatoren. Hier beschließt er, alles, was es gibt, über diese Menschen in Erfahrung zu bringen - einfach alles.
Einer der wichtigsten Weggefährten seines Lebens wird sein Freund Aktakul (den Gaumarol später einmal - als Bostich I. - zum Erzherzog von Ertrus machen wird). Gemeinsam machen sie sich auch daran, die Prüfungen der Ark-Summia zu bestehen, an deren Ende die Aktivierung des arkonidischen Logiksektors steht.
Unter den Kandidaten, die es schließlich bis zum Ende geschafft haben, befinden sich aber auch andere hochrangige Arkoniden, so auch die Tochter der Imperatrix Hertaso Jasmyne.
Die eigentliche Aktivierung läuft bei Gaumarol dann ein wenig schief. Anstatt die Stimme seines Extrasinns zu hören, besuchen ihn auf einmal die verstorbenen Imperatoren im Schlaf und reden mit ihm. Immer wieder erlebt der die sogenannte "Traumzeit", in der sich die Imperatoren zu seinem Ratgeberstab entwickeln. Ein alter Arzt seines Vaters teilt ihm später mit, daß dies hin und wieder vorkommt und eine Weile dauern kann, bis der eigentliche Extrasinn auftaucht und die Traumbilder verschwinden läßt.
Seiner Karriere tut das keinen Abbruch, denn Gaumarol wird eines Tages Imperator. Zwar steht er am Anfang nur als Marionettenherrscher in der Öffentlichkeit, aber seine Pläne gehen weit darüber hinaus. Ganz vorsichtig manövriert er Leute seines Vertrauens in wichtige Positionen, bis er eines Tages zum großen Schlag ausholt und seine "Puppenspieler" beseitigt.
Nun beginnt er mit dem Ausbau seines Kristallimperiums. Unter anderem beauftragt er seinen engsten Ratgeber Aktakul mit der Entwicklung eines Kristallschirms, der das Gegenstück zum ATG-Feld der Terraner werden soll.
Am Ende gelingt es ihm auch noch, die alten Imperatoren aus seinem Kopf zu vertreiben, und als er auch noch PSI-Netze zum Schutz vor Morkhero Seelenquell bauen läßt, glaubt er sich in einer guten Position. Er ahnt nicht, daß Seelenquell seine Reihen längst unterwandert hat...

Rainer Castor - der Arkonide. Eigentlich sollte man den Herrn einmal röntgen - und dann würde es mich kaum wundern, wenn bei ihm Knochenplatten statt Rippen zu finden wären. Zu Beginn des Romans wird dies für mich besonders deutlich. Die Schilderungen des jungen Gaumarol da Bostich sind einfach nur grandios - kurz, aber gut.
Dann aber wird die Struktur ein wenig wirr. Der Sprung vom Kind Gaumarol zum Jungen, der mit seinem Freund Aktakul in eine schwierige Situation gerät, ist ungeklärt, nicht eingeordnet und zum vorherigen Teil der Geschichte genauso abgetrennt wie zum nachfolgenden Rest. Zwar erklärt sich hier sehr schön, wie eng die beiden zusammengehören, nur ist der Episodencharakter doch ein wenig zu stark. Es ist aber jene Episodenstruktur, die sich durch den ganzen Roman zieht. Auf der einen Ebene wird die Geschichte von Gaumarol sowie sein Werdegang zum Imperator erzählt. Auf der anderen wird die Traumzeit geschildert. Das sind die Gespräche zwischen Gaumarol und seinen arkonidischen "Ratgebern". Hier werden aber auch die Ereignisse in der Milchstraße kommentiert, und die hängen nicht zwangsläufig mit denen der anderen Handlung zusammen, die parallel dazu im Roman behandelt werden - und das hat bei mir doch für eine Menge Verwirrung gesorgt. Da wird der Tod der Imperatrice kommentiert und das Verschwinden ihrer Tochter, was auf der anderen Ebene noch gar nicht passiert ist. Castor greift also in der Traumzeit vor und hinter die Handlung der anderen Ebene. Eine stärkere Trennung der Inhalte oder eine bessere Ordnung der beiden Ebenen hätte der Lesbarkeit des Romans doch sehr gutgetan. So aber wußte ich erst einmal nicht, was ich von der Geschichte denn nun zu halten hatte, als ich den Band fertiggelesen hatte und aus der Hand legte.
Keine Frage, daß hier eine Menge drinsteckt und daß die Person des Imperators recht gut dargestellt wird, aber die verschiedenen Episoden erscheinen einfach zu unabhängig und zu durcheinander, als daß der Roman sich gut lesen ließe.
Pluspunkte sind aber auf alle Fälle die Hintergründe, die hier präsentiert werden. Wir erfahren ein paar Sachen über das göttliche Imperium und über die Einflüsse, die auf den Imperator wirken. So scheint mir der Kristallschirm doch eher aus einem Neid auf die Terraner entstanden zu sein, frei nach dem Motto: "Die haben das ATG-Feld - und was haben wir?"
Und doch gibt es noch zwei Punkte, von denen ich nicht so recht weiß, was ich davon zu halten habe. So sind mir die Hinweise auf ES doch recht seltsam vorgekommen. Habe ich das richtig verstanden - hatten bzw. haben die Arkoniden Kontakt zu ES? Das würde doch eigentlich nicht so richtig zu dem passen, was wir wissen. So hatten Crest und Thora damals kein Wissen über einen Kontakt, und auch ich hatte aus den kosmischen Rückblicken bisher immer den Eindruck, daß die Arkoniden eigentlich nur Atlan hervorbringen und daß die Terraner schon eher die Lieblinge der SI waren.
Auf der anderen Seite zieht man langsam, aber sicher die beiden Ebenen Arkon und Morkhero zusammen. Der Mutant plant also, nach der Übernahme der Blues nun auch die Arkoniden in seinen Bann zu ziehen, und mit Julian Tifflor hat er ja auch einen prominenten und sehr einflußreichen Terraner in seiner "Hand".
Ich fürchte nur die Entwicklungen, die sich aus dieser Situation ergeben. Da scheint mir doch, daß Morkhero in nächster Zeit sehr viel Einfluß und Macht gewinnen wird - und wenn man ihn dann beseitigt hat, dürfte sich das Arkon-Problem auch relativieren. Das fände ich dann doch sehr schade.
Um Morkhero aber jetzt abzuservieren, müßte man die Mutanten noch ein wenig in Szene setzen, und ich weiß nicht, ob dafür noch genügend Zeit ist, denn immer noch kriecht die Handlung eher langsam denn schnell. Ich könnte mir also vorstellen, daß wir mit einer ganz extremen Situation in die nächsten 50 Bände gehen: Die Milchstraße unter der Herrschaft eines Mutanten - warum eigentlich nicht.

Fazit:
Faszinierender Inhalt, gute Psychologie, aber verwirrende Struktur. Eigentlich ein ganz guter Roman, aber mit einem Fehler im System, deswegen auch nur
8 Punkte

Alexander Haas

Vorbemerkung: Rainer Castor ist wieder am Werk; dementsprechend haben wir es hier wohl mit einem "wichtigen" Roman zu tun... ;-)))
Zweite Vorbemerkung: Es schadet nun sicherlich nicht, wenn man sich die Arkon-Trilogie der Atlan-Blaubände zu Gemüte geführt hat - dies erleichtert an manchen Stellen des Romans das Verständnis doch ungemein. Mindestens jedoch den Atlan-Sonderband zur Mini-Serie sollte man jedenfalls als Nachschlagewerk bei diesem Roman griffbereit halten...
Dritte Vorbemerkung: Nein, dieser Roman ist keine Anspielung auf die zum Erscheinungszeitpunkt laufenden Olympischen Spiele in Sydney - und er hat auch nichts mit australischen Ureinwohnern zu tun... ;-)
Vielmehr bezeichnet der Begriff "Traumzeit" Bostichs Extrasinn, bei dessen Aktivierung etwas schiefgegangen ist und der nun über Jahre hinweg eine multiple Traumpersönlichkeit in Gestalt der bisherigen Imperatoren entwickelt, mit denen sich Bostich im Traum berät und die ihn zu seinem Plan des Huhany'Tussan bringen.
Folgerichtig haben wir es bei der "Traumzeit" mit einem "Geschichts"-Roman zu tun - diesmal wird der Lebensweg Bostichs beleuchtet. Immerhin erfahren wir hieraus, daß Bostich nicht wahnsinnig und auch nicht von Morkhero Seelenquell übernommen ist (dafür jedoch sein engster Vertrauter Aktakul - die Spekulation lag also doch nicht so ganz daneben... <g>), sondern einfach nur ein krankhaft gesteigertes Machtbedürfnis, gepaart mit latentem Größenwahn, sein eigen nennt (* Echt nur latent? Heike) - auch keine ungefährliche Mischung, wenn sie denn in Verbindung mit hoher Intelligenz daherkommt, wie dies bei Bostich wohl der Fall ist. Hier deutet sich dann an, daß das "Göttliche Imperium" noch innerhalb der nächsten zehn Bände ausgerufen - und fast im gleichen Atemzug noch in Band 2050 von Morkhero Seelenquell nach seinem Entwicklungssprung einkassiert wird. Also gleich ein doppelter Schlag unter die Gürtellinie aus terranischer Sicht. Mal sehen, welche Rolle die M&Ms (Monochrom-MuTäntchen) da noch spielen werden...
Und dann war da noch der alte Mann und seine Andeutungen in Bostichs Traum-Konferenz mit seinem multiplen Extrasinn-Persönlichkeiten. Sicherlich, hier schreit des Lesers Gespür förmlich nach ES - doch sei die Frage erlaubt, ob das Team sich die Sache wirklich so einfach macht. Dies wäre dann doch, gelinde gesagt, ein wenig enttäuschend. Zu einfach mutet diese Lösung an, so sie denn Wirklichkeit werden sollte. Das gesunde Mißtrauen jedenfalls sagt, daß es sich hier wohl um etwas völlig anderes gehandelt haben muß - wobei der Gedanke natürlich in Richtung KUH'GAR (* SCHWEIN'ROH? >;-))) Heike) oder einer anderen SI abwandert. Aber dies ist jetzt nun wirklich nur noch das reine Reich der Spekulation.
Kommen wir lieber zum vorliegenden Roman zurück.
Rainer Castor hat diese Lebensgeschichte des arkonidischen Imperators geradezu mit einer inflationären Verwendung Arkon-spezifischer Begriffe angefüllt, so daß dieser fast schon zu einem arkonidischen Lexikon mutiert. Hier ist die Kenntnis diverser Nebenwerke der Serie sehr von Vorteil - doch diese Kenntnis einfach vorauszusetzen, halte ich persönlich für sehr gewagt.
Rainer Castor schildert die Handlung dann auch wie gewohnt eher in einem sehr sachlichen Stil, was zwar nicht schlecht sein muß (er hat immerhin seit seinem Einstieg auf diese Art diverse Highlights der Serie verfaßt), doch stört dies hier doch ein wenig. Erwartet man doch gerade von einem solchen Roman, in dem die Entwicklung einer Person beleuchtet werden soll, eher ein gefühlvolleres Herangehen an das Thema. Und hierzu ist Rainer (seien wir doch mal ehrlich) sicherlich nicht in der Lage. Seine Stärken liegen nun einmal woanders - eben in dieser trockenen und sachlichen Präsentation der Geschehnisse. Tieferes Verständnis für die Figur des Gaumarol da Bostich kann er auf diese Weise jedenfalls nicht beim Leser hervorrufen. Hier bleibt ein stark distanzierter Nachgeschmack zurück, der die Figur des Bostich jedoch auch wieder sehr unnahbar macht. Vielleicht war dies ja auch gewollt...

Fazit:
Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus. Die Entwicklung Bostichs wird dem Leser aus distanzierter Perspektive nahegebracht, was m.E. nicht unbedingt die richtige Wahl der Mittel war. So bleibt er zwar unnahbar und geheimnisvoll - dem Leser wird so jedoch ein tieferer Einblick in seine Persönlichkeit verwehrt.
9 Punkte.

Winfried Brand

Rainer Castor als Autor, das heißt in diesem Zyklus: Man hat einen wichtigen Roman vor sich.
Der Autor schildert den Lebensweg von Gaumarol da Bostich zum Arkon-Imperator. Da Bostich bereits seit dem Thoregon-Zyklus eine tragende Rolle in der Serie spielt, war diese Geschichte wirklich fällig. Und sie kommt im Zuge der sich anbahnenden Ereignisse auch noch rechtzeitig.
Man erfährt viel über Bostichs Werdegang und vor allem über dessen Motive. Die laufende Handlung wird damit deutlich abgerundet, und nebenher erfährt man noch etliche Dinge über die Vergangenheit des Kristallimperiums, die meines Wissens bisher so in der Serie noch nicht ausgesagt wurden. So erhielten mehrere arkonidische Imperatoren der fernen Vergangenheit Zellduschen von ES. Derartige Aussagen zur PR-Historie sind auch immer wieder ganz nett.
Doch trotz des umfangreichen Informationsgehaltes schafft Rainer Castor es auch, dem Leser die Spannung auf die weitere Handlung zu erhalten, indem er mehrfach geschickt Andeutungen fallen läßt. Ein Beispiel sei genannt: "Bostich plante für die nahe Zukunft einen umfassenden Paukenschlag, nach dem man Ertrus keine Nachrichtenzeile mehr widmen würde." (Seite 7). Was soll da noch kommen??? Da darf man wirklich gespannt sein.
Auch eine mysteriöse Begegnung des Imperators mit einem alten, weißbärtigen Mann wird geschildert, wobei wahrscheinlich jeder der erfahrenen Leser sofort an ES denkt (was zwar nicht zwangsläufig sein muß, aber nach allem doch naheliegt). Spielt Bostich und mit ihm das Kristallimperium in ES' Plänen eine Rolle, die die Terraner möglicherweise derzeit noch gar nicht durchschauen?
Beim letzten Roman blieb die Frage offen, weshalb die LFT dem Kristallimperium trotz der mit der Spionagemission verbundenen Erkenntnisse gleich 3500 Tonnen des CV-Embimiums liefern mußte. Dieser Roman liefert die Auflösung.
Julian Tifflor und Aktakul, einer der engsten Vertrauten des Imperators, stehen unter Morkhero Seelenquells Einfluß. Damit wird auch klar, wieso Tifflor sich wieder nach Arkon begeben hat. Bostich hat den Exekutionsbefehl aufgehoben, und natürlich hat Tifflor das über Aktakul erfahren. Manchmal lohnt es sich doch, auf die Auflösung offener Fragen zu warten...
Was hat Aktakul, der Chefwissenschaftler des Kristallimperiums, außer den KrIso-Netzen (* Meinst Du die PsIso-Netze, oder kriegst Du die Krise? ;-) Heike) sonst noch alles sabotiert?
Durch diese Figur sind auch Bostichs Pläne deutlich gefährdet. Am 26.12.1303 soll das "Göttliche Imperium" entstehen. Bis dahin dauert es gar nicht mehr so lange. Ich tippe auf Band 2050. Dann wird Subtor, der bisherige 20. Planet des Arkon-Systems, aus seiner Umlaufbahn entfernt werden, auf die von Arkon I und II bugsiert und in Arkon III umbenannt. Dann wäre die Welt der drei Planeten wieder komplett, doch das ist relativ egal, denn zu diesem Zeitpunkt wird die arkonidische Elite schon unter Seelenquells Einfluß stehen. (Trägt Band 2050 den Titel: "Das Göttliche Imperium"?)
Damit wären die Terraner Imperator Bostich als Gegner erst einmal los.
Dafür hätten sie dann den Seelenquell am Hals, der das Kristallimperium und damit auch die arkonidischen Raumflotten kontrolliert - und zusätzlich wohl noch die Blues. Sollten die Terraner dies alles durchstehen und Morkhero letztlich mit Hilfe der Monochrom-Mutanten besiegen, hätten sie wieder das Kristallimperium gegen sich. Wie auch immer, für die LFT sieht es düster aus. Da ist die Frage: Wie löst der gute Robert Feldhoff das auf?
Stoff bis Band 2099 bietet der Zyklus auf der Milchstraßen-Ebene damit allemal. Der (bisherige) Eindruck von aufkommender Langeweile relativiert sich jedenfalls nach diesem Roman erst einmal wieder deutlich. Nichts ist, wie es scheint?!

Fazit:
Trotz der eher rückwärts gewandten Story wartet der Band mit einigen deutlichen Aha-Erlebnissen auf.
13 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

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