Imperator
Bostich I. tritt vor das Galaktikum und rechtfertigt hier den Angriff
und die Besetzung des Kreit-Systems. Gleichzeitig greift er die LFT
an und beschuldigt sie, die ertrusischen Terroristen zu
unterstützen.
Anschließend läßt er sich in seinen fliegenden
Palast bringen, und hier erinnert er sich an den Weg seiner
Karriere:
Im Alter von fünf Jahren reist der junge Gaumarol da Bostich
nach Arkon und besucht hier die Ahnengalerie der arkonidischen
Imperatoren. Hier beschließt er, alles, was es gibt, über
diese Menschen in Erfahrung zu bringen - einfach alles.
Einer der wichtigsten Weggefährten seines Lebens wird sein
Freund Aktakul (den Gaumarol später einmal - als Bostich I. -
zum Erzherzog von Ertrus machen wird). Gemeinsam machen sie sich auch
daran, die Prüfungen der Ark-Summia zu bestehen, an deren Ende
die Aktivierung des arkonidischen Logiksektors steht.
Unter den Kandidaten, die es schließlich bis zum Ende geschafft
haben, befinden sich aber auch andere hochrangige Arkoniden, so auch
die Tochter der Imperatrix Hertaso Jasmyne.
Die eigentliche Aktivierung läuft bei Gaumarol dann ein wenig
schief. Anstatt die Stimme seines Extrasinns zu hören, besuchen
ihn auf einmal die verstorbenen Imperatoren im Schlaf und reden mit
ihm. Immer wieder erlebt der die sogenannte "Traumzeit", in der sich
die Imperatoren zu seinem Ratgeberstab entwickeln. Ein alter Arzt
seines Vaters teilt ihm später mit, daß dies hin und
wieder vorkommt und eine Weile dauern kann, bis der eigentliche
Extrasinn auftaucht und die Traumbilder verschwinden
läßt.
Seiner Karriere tut das keinen Abbruch, denn Gaumarol wird eines
Tages Imperator. Zwar steht er am Anfang nur als Marionettenherrscher
in der Öffentlichkeit, aber seine Pläne gehen weit
darüber hinaus. Ganz vorsichtig manövriert er Leute seines
Vertrauens in wichtige Positionen, bis er eines Tages zum
großen Schlag ausholt und seine "Puppenspieler" beseitigt.
Nun beginnt er mit dem Ausbau seines Kristallimperiums. Unter anderem
beauftragt er seinen engsten Ratgeber Aktakul mit der Entwicklung
eines Kristallschirms, der das Gegenstück zum ATG-Feld der
Terraner werden soll.
Am Ende gelingt es ihm auch noch, die alten Imperatoren aus seinem
Kopf zu vertreiben, und als er auch noch PSI-Netze zum Schutz vor
Morkhero Seelenquell bauen läßt, glaubt er sich in einer
guten Position. Er ahnt nicht, daß Seelenquell seine Reihen
längst unterwandert hat...
Rainer Castor - der Arkonide. Eigentlich sollte man den Herrn einmal
röntgen - und dann würde es mich kaum wundern, wenn bei ihm
Knochenplatten statt Rippen zu finden wären. Zu Beginn des
Romans wird dies für mich besonders deutlich. Die Schilderungen
des jungen Gaumarol da Bostich sind einfach nur grandios - kurz, aber
gut.
Dann aber wird die Struktur ein wenig wirr. Der Sprung vom Kind
Gaumarol zum Jungen, der mit seinem Freund Aktakul in eine schwierige
Situation gerät, ist ungeklärt, nicht eingeordnet und zum
vorherigen Teil der Geschichte genauso abgetrennt wie zum
nachfolgenden Rest. Zwar erklärt sich hier sehr schön, wie
eng die beiden zusammengehören, nur ist der Episodencharakter
doch ein wenig zu stark. Es ist aber jene Episodenstruktur, die sich
durch den ganzen Roman zieht. Auf der einen Ebene wird die Geschichte
von Gaumarol sowie sein Werdegang zum Imperator erzählt. Auf der
anderen wird die Traumzeit geschildert. Das sind die Gespräche
zwischen Gaumarol und seinen arkonidischen "Ratgebern". Hier werden
aber auch die Ereignisse in der Milchstraße kommentiert, und
die hängen nicht zwangsläufig mit denen der anderen
Handlung zusammen, die parallel dazu im Roman behandelt werden - und
das hat bei mir doch für eine Menge Verwirrung gesorgt. Da wird
der Tod der Imperatrice kommentiert und das Verschwinden ihrer
Tochter, was auf der anderen Ebene noch gar nicht passiert ist.
Castor greift also in der Traumzeit vor und hinter die Handlung der
anderen Ebene. Eine stärkere Trennung der Inhalte oder eine
bessere Ordnung der beiden Ebenen hätte der Lesbarkeit des
Romans doch sehr gutgetan. So aber wußte ich erst einmal nicht,
was ich von der Geschichte denn nun zu halten hatte, als ich den Band
fertiggelesen hatte und aus der Hand legte.
Keine Frage, daß hier eine Menge drinsteckt und daß die
Person des Imperators recht gut dargestellt wird, aber die
verschiedenen Episoden erscheinen einfach zu unabhängig und zu
durcheinander, als daß der Roman sich gut lesen
ließe.
Pluspunkte sind aber auf alle Fälle die Hintergründe, die
hier präsentiert werden. Wir erfahren ein paar Sachen über
das göttliche Imperium und über die Einflüsse, die auf
den Imperator wirken. So scheint mir der Kristallschirm doch eher aus
einem Neid auf die Terraner entstanden zu sein, frei nach dem Motto:
"Die haben das ATG-Feld - und was haben wir?"
Und doch gibt es noch zwei Punkte, von denen ich nicht so recht
weiß, was ich davon zu halten habe. So sind mir die Hinweise
auf ES doch recht seltsam vorgekommen. Habe ich das richtig
verstanden - hatten bzw. haben die Arkoniden Kontakt zu ES? Das
würde doch eigentlich nicht so richtig zu dem passen, was wir
wissen. So hatten Crest und Thora damals kein Wissen über einen
Kontakt, und auch ich hatte aus den kosmischen Rückblicken
bisher immer den Eindruck, daß die Arkoniden eigentlich nur
Atlan hervorbringen und daß die Terraner schon eher die
Lieblinge der SI waren.
Auf der anderen Seite zieht man langsam, aber sicher die beiden
Ebenen Arkon und Morkhero zusammen. Der Mutant plant also, nach der
Übernahme der Blues nun auch die Arkoniden in seinen Bann zu
ziehen, und mit Julian Tifflor hat er ja auch einen prominenten und
sehr einflußreichen Terraner in seiner "Hand".
Ich fürchte nur die Entwicklungen, die sich aus dieser Situation
ergeben. Da scheint mir doch, daß Morkhero in nächster
Zeit sehr viel Einfluß und Macht gewinnen wird - und wenn man
ihn dann beseitigt hat, dürfte sich das Arkon-Problem auch
relativieren. Das fände ich dann doch sehr schade.
Um Morkhero aber jetzt abzuservieren, müßte man die
Mutanten noch ein wenig in Szene setzen, und ich weiß nicht, ob
dafür noch genügend Zeit ist, denn immer noch kriecht die
Handlung eher langsam denn schnell. Ich könnte mir also
vorstellen, daß wir mit einer ganz extremen Situation in die
nächsten 50 Bände gehen: Die Milchstraße unter der
Herrschaft eines Mutanten - warum eigentlich nicht.
Fazit:
Faszinierender Inhalt, gute Psychologie, aber verwirrende Struktur.
Eigentlich ein ganz guter Roman, aber mit einem Fehler im System,
deswegen auch nur
8 Punkte
Vorbemerkung: Rainer Castor ist wieder am Werk;
dementsprechend haben wir es hier wohl mit einem "wichtigen"
Roman zu tun... ;-)))
Zweite Vorbemerkung: Es schadet nun sicherlich nicht, wenn
man sich die Arkon-Trilogie der Atlan-Blaubände zu
Gemüte geführt hat - dies erleichtert an manchen
Stellen des Romans das Verständnis doch ungemein.
Mindestens jedoch den Atlan-Sonderband zur Mini-Serie sollte
man jedenfalls als Nachschlagewerk bei diesem Roman
griffbereit halten...
Dritte Vorbemerkung: Nein, dieser Roman ist keine Anspielung
auf die zum Erscheinungszeitpunkt laufenden Olympischen
Spiele in Sydney - und er hat auch nichts mit australischen
Ureinwohnern zu tun... ;-)
Vielmehr bezeichnet der Begriff "Traumzeit" Bostichs
Extrasinn, bei dessen Aktivierung etwas schiefgegangen ist
und der nun über Jahre hinweg eine multiple
Traumpersönlichkeit in Gestalt der bisherigen
Imperatoren entwickelt, mit denen sich Bostich im Traum
berät und die ihn zu seinem Plan des Huhany'Tussan
bringen.
Folgerichtig haben wir es bei der "Traumzeit" mit einem
"Geschichts"-Roman zu tun - diesmal wird der Lebensweg
Bostichs beleuchtet. Immerhin erfahren wir hieraus,
daß Bostich nicht wahnsinnig und auch nicht von
Morkhero Seelenquell übernommen ist (dafür jedoch
sein engster Vertrauter Aktakul - die Spekulation lag also
doch nicht so ganz daneben... <g>), sondern einfach
nur ein krankhaft gesteigertes Machtbedürfnis, gepaart
mit latentem Größenwahn, sein eigen nennt (*
Echt nur latent? Heike) - auch keine ungefährliche
Mischung, wenn sie denn in Verbindung mit hoher Intelligenz
daherkommt, wie dies bei Bostich wohl der Fall ist. Hier
deutet sich dann an, daß das "Göttliche Imperium"
noch innerhalb der nächsten zehn Bände ausgerufen
- und fast im gleichen Atemzug noch in Band 2050 von
Morkhero Seelenquell nach seinem Entwicklungssprung
einkassiert wird. Also gleich ein doppelter Schlag unter die
Gürtellinie aus terranischer Sicht. Mal sehen, welche
Rolle die M&Ms (Monochrom-MuTäntchen) da noch
spielen werden...
Und dann war da noch der alte Mann und seine Andeutungen in
Bostichs Traum-Konferenz mit seinem multiplen
Extrasinn-Persönlichkeiten. Sicherlich, hier schreit
des Lesers Gespür förmlich nach ES - doch sei die
Frage erlaubt, ob das Team sich die Sache wirklich so
einfach macht. Dies wäre dann doch, gelinde gesagt, ein
wenig enttäuschend. Zu einfach mutet diese Lösung
an, so sie denn Wirklichkeit werden sollte. Das gesunde
Mißtrauen jedenfalls sagt, daß es sich hier wohl
um etwas völlig anderes gehandelt haben muß -
wobei der Gedanke natürlich in Richtung KUH'GAR (*
SCHWEIN'ROH? >;-))) Heike) oder einer anderen SI
abwandert. Aber dies ist jetzt nun wirklich nur noch das
reine Reich der Spekulation.
Kommen wir lieber zum vorliegenden Roman zurück.
Rainer Castor hat diese Lebensgeschichte des arkonidischen
Imperators geradezu mit einer inflationären Verwendung
Arkon-spezifischer Begriffe angefüllt, so daß
dieser fast schon zu einem arkonidischen Lexikon mutiert.
Hier ist die Kenntnis diverser Nebenwerke der Serie sehr von
Vorteil - doch diese Kenntnis einfach vorauszusetzen, halte
ich persönlich für sehr gewagt.
Rainer Castor schildert die Handlung dann auch wie gewohnt
eher in einem sehr sachlichen Stil, was zwar nicht schlecht
sein muß (er hat immerhin seit seinem Einstieg auf
diese Art diverse Highlights der Serie verfaßt), doch
stört dies hier doch ein wenig. Erwartet man doch
gerade von einem solchen Roman, in dem die Entwicklung einer
Person beleuchtet werden soll, eher ein gefühlvolleres
Herangehen an das Thema. Und hierzu ist Rainer (seien wir
doch mal ehrlich) sicherlich nicht in der Lage. Seine
Stärken liegen nun einmal woanders - eben in dieser
trockenen und sachlichen Präsentation der Geschehnisse.
Tieferes Verständnis für die Figur des Gaumarol da
Bostich kann er auf diese Weise jedenfalls nicht beim Leser
hervorrufen. Hier bleibt ein stark distanzierter
Nachgeschmack zurück, der die Figur des Bostich jedoch
auch wieder sehr unnahbar macht. Vielleicht war dies ja auch
gewollt...
Fazit:
Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus. Die
Entwicklung Bostichs wird dem Leser aus distanzierter
Perspektive nahegebracht, was m.E. nicht unbedingt die
richtige Wahl der Mittel war. So bleibt er zwar unnahbar und
geheimnisvoll - dem Leser wird so jedoch ein tieferer
Einblick in seine Persönlichkeit verwehrt.
9 Punkte.
Rainer Castor als Autor, das heißt in diesem
Zyklus: Man hat einen wichtigen Roman vor sich.
Der Autor schildert den Lebensweg von Gaumarol da Bostich
zum Arkon-Imperator. Da Bostich bereits seit dem
Thoregon-Zyklus eine tragende Rolle in der Serie spielt, war
diese Geschichte wirklich fällig. Und sie kommt im Zuge
der sich anbahnenden Ereignisse auch noch rechtzeitig.
Man erfährt viel über Bostichs Werdegang und vor
allem über dessen Motive. Die laufende Handlung wird
damit deutlich abgerundet, und nebenher erfährt man
noch etliche Dinge über die Vergangenheit des
Kristallimperiums, die meines Wissens bisher so in der Serie
noch nicht ausgesagt wurden. So erhielten mehrere
arkonidische Imperatoren der fernen Vergangenheit
Zellduschen von ES. Derartige Aussagen zur PR-Historie sind
auch immer wieder ganz nett.
Doch trotz des umfangreichen Informationsgehaltes schafft
Rainer Castor es auch, dem Leser die Spannung auf die
weitere Handlung zu erhalten, indem er mehrfach geschickt
Andeutungen fallen läßt. Ein Beispiel sei
genannt: "Bostich plante für die nahe Zukunft einen
umfassenden Paukenschlag, nach dem man Ertrus keine
Nachrichtenzeile mehr widmen würde." (Seite 7). Was
soll da noch kommen??? Da darf man wirklich gespannt
sein.
Auch eine mysteriöse Begegnung des Imperators mit einem
alten, weißbärtigen Mann wird geschildert, wobei
wahrscheinlich jeder der erfahrenen Leser sofort an ES denkt
(was zwar nicht zwangsläufig sein muß, aber nach
allem doch naheliegt). Spielt Bostich und mit ihm das
Kristallimperium in ES' Plänen eine Rolle, die die
Terraner möglicherweise derzeit noch gar nicht
durchschauen?
Beim letzten Roman blieb die Frage offen, weshalb die LFT
dem Kristallimperium trotz der mit der Spionagemission
verbundenen Erkenntnisse gleich 3500 Tonnen des CV-Embimiums
liefern mußte. Dieser Roman liefert die
Auflösung.
Julian Tifflor und Aktakul, einer der engsten Vertrauten des
Imperators, stehen unter Morkhero Seelenquells
Einfluß. Damit wird auch klar, wieso Tifflor sich
wieder nach Arkon begeben hat. Bostich hat den
Exekutionsbefehl aufgehoben, und natürlich hat Tifflor
das über Aktakul erfahren. Manchmal lohnt es sich doch,
auf die Auflösung offener Fragen zu warten...
Was hat Aktakul, der Chefwissenschaftler des
Kristallimperiums, außer den KrIso-Netzen (* Meinst
Du die PsIso-Netze, oder kriegst Du die Krise? ;-)
Heike) sonst noch alles sabotiert?
Durch diese Figur sind auch Bostichs Pläne deutlich
gefährdet. Am 26.12.1303 soll das "Göttliche
Imperium" entstehen. Bis dahin dauert es gar nicht mehr so
lange. Ich tippe auf Band 2050. Dann wird Subtor, der
bisherige 20. Planet des Arkon-Systems, aus seiner
Umlaufbahn entfernt werden, auf die von Arkon I und II
bugsiert und in Arkon III umbenannt. Dann wäre die Welt
der drei Planeten wieder komplett, doch das ist relativ
egal, denn zu diesem Zeitpunkt wird die arkonidische Elite
schon unter Seelenquells Einfluß stehen. (Trägt
Band 2050 den Titel: "Das Göttliche Imperium"?)
Damit wären die Terraner Imperator Bostich als Gegner
erst einmal los.
Dafür hätten sie dann den Seelenquell am Hals, der
das Kristallimperium und damit auch die arkonidischen
Raumflotten kontrolliert - und zusätzlich wohl noch die
Blues. Sollten die Terraner dies alles durchstehen und
Morkhero letztlich mit Hilfe der Monochrom-Mutanten
besiegen, hätten sie wieder das Kristallimperium gegen
sich. Wie auch immer, für die LFT sieht es düster
aus. Da ist die Frage: Wie löst der gute Robert
Feldhoff das auf?
Stoff bis Band 2099 bietet der Zyklus auf der
Milchstraßen-Ebene damit allemal. Der (bisherige)
Eindruck von aufkommender Langeweile relativiert sich
jedenfalls nach diesem Roman erst einmal wieder deutlich.
Nichts ist, wie es scheint?!
Fazit:
Trotz der eher rückwärts gewandten Story wartet
der Band mit einigen deutlichen Aha-Erlebnissen auf.
13 Punkte