Wendelin Abt: 

"Testfall Delos"

(Perry Rhodan Fan-Edition Band 3)
D 2000
(66 Seiten, DIN A5-Heft, Perry Rhodan Fan-Zentrale, DM 6,- + P&V)
- erschienen: September 2000 -

Der Roman ist zeitlich vor dem Thoregon-Zyklus einzuordnen. Die Unsterblichen haben sich bereits nach Camelot zurückgezogen und beobachten von dort das wiedererstarkende Arkoniden-Imperium. Delos ist eine Welt im Einflußbereich des Kristallimperiums. Vor mehreren Jahrtausenden haben sich dort Arkoniden angesiedelt, die jedoch zwischenzeitlich ihre Ursprünge vergessen haben und in mehrere, einander bekämpfende Staaten zerfallen sind. Technik und Gesellschaft entsprechen etwa der des terranischen Spätmittelalters.
Atlan fliegt diesen Planeten an, da er Hinweise darauf erhalten hat, daß der Geheimdienst des Kristallimperiums auf Delos starke Aktivitäten entwickelt. Des weiteren sollen auf dem Planeten lemurische Hinterlassenschaften in Form rätselhafter Artefakte zu finden sein. Bereits kurz nach der Landung gerät der Aktivatorträger mit der Kristallimperialen Abwehr (KIA) aneinander. Neben dieser ist auch der Kristallimperiale Entwicklungsdienst, eine weitere arkonidische Organisation, auf Delos aktiv; außerdem ist der Geheimdienst der LFT, der TLD, hier vertreten. Während sie Delos einerseits für eine Eingliederung in das Kristallimperium vorbereiten, bekämpfen sich die beiden arkonidischen Gruppierungen auch untereinander. Ein TLD-Agent, der von der KIA gefangengenommen wurde, kann von Atlan befreit werden; daneben versucht dieser, den Einfluß der Arkoniden einzudämmen und sich außerdem noch um die lemurischen Artefakte zu kümmern.
Und dann sind da noch die Akonen aktiv. Das akonische Energiekommando hat eine Station der ausgestorbenen Lemurer entdeckt und erforscht dort deren Technik. Und so gerät Atlan im Verlauf der Geschichte auch noch in die Gewalt der Akonen...

Atlan als Hauptperson für einen Fan-Roman zu verwenden, ist sicherlich mutig. Es gelingt dem Autor sogar, diese Figur ansprechend zu schildern. Doch hätte sich Wendelin Abt auf die Konfrontation mit den Arkoniden beschränken und diese ausführlich schildern sollen.
In der vorliegenden Form ist der Roman mit Stoff stark überfrachtet. Da bleibt bei weitem nicht genug Raum, um alle angerissenen Konflikte zu schildern, geschweige denn aufzulösen. Scharfe Sprünge in der Handlung sind die Folge. Der Leser muß von Kapitel zu Kapitel nachvollziehen, was zwischenzeitlich passiert ist. So gleicht das Ganze über weite Strecken einem Puzzle.
Die Nebenhandlungen, die keinen Bezug zur eigentlichen Story haben, werden zu breit ausgewalzt, ohne daß sie zu einem Ende geführt werden (können). Der dadurch vergeudete Platz geht auf Kosten der eigentlichen Geschichte. Arkoniden, Terraner, letztlich noch Akonen, dazu Atlan als Vertreter Camelots und noch die lemurischen Hinterlassenschaften - das alles in einem Roman ist ein bißchen viel. Wie so oft gilt auch hier der von mir schon fast gebetsmühlenartig in anderen Rezensionen wiederholte Kommentar: "Weniger wäre mehr gewesen." Mehr Haupthandlung, deutlichere Konzentration auf Atlan (der entschieden zu selten auftaucht), Vermeidung von Stories neben der eigentlichen Story (und die heißt hier ATLAN) - das alles hätte den Roman und sein an sich interessantes Thema deutlich aufgewertet. So aber bleibt der Eindruck: Nett gemeint, aber leider unausgegoren und nicht konsequent durchstrukturiert. Durch die vielen Nebenplots geht die Hauptstory unter.
Auch eine sorgfältigere Bearbeitung hätte man sich gewünscht, wenngleich dies dem Normalleser nicht sonderlich auffallen wird. So weist die Silbentrennung einige Aussetzer auf, und einmal fehlt ein kompletter Halbsatz. Doch das sind nur Kleinigkeiten am Rande. Daß die Arkoniden allerdings über "imperiale Sturmtruppen" verfügen, war mir ebenso neu wie die mehrfach erwähnte "Erste sozio-ethische Direktive" des Galaktikums. Die erwähnten Begriffe sind eindeutig belegt. Star Wars und Star Trek lassen grüßen.
Hinzu kommt ein weiterer Wermutstropfen, der allerdings mit dem Romaninhalt selbst nichts zu tun hat. Gemeint sind die konsequenten Preiserhöhungen der Fan-Edition. Wurde der erste Band noch für 4,00 DM angeboten, kostete die Nummer 2 schon 5,00 DM (dies unter Hinweis auf die um acht erhöhte Seitenzahl). Nummer 3 kostet jetzt schon 6,00 DM. Pro Roman eine DM mehr... Wenn das weiterhin fortgesetzt wird, werden diese Romane wohl bald selbst Sammlern zu teuer sein.
5 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Wendelin Abt wählt für seinen Fan-Roman (den dritten der Reihe) den Arkoniden Atlan als Hauptperson und den Zeitrahmen des Bandes 1800 Der Serie ("Zeitraffer") als Handlungszeit. Die Unsterblichen sind dabei, Camelot aufzubauen, während Atlan die IPRASA ins Leben gerufen hat.
Vor diesem Hintergrund entwirft Wendelin Abt ein durchaus interessantes Szenario, bei dem der Arkonide in einem Sonnensystem nicht nur auf seine genetischen Brüder (der Planet wird von mutierten Kolonialarkoniden auf Mittelalterbasis bewohnt, von Arkoniden der Jetztzeit unterwandert und von Terranern bespitzelt), sondern auch noch auf Hinterlassenschaften der Lemurer trifft. Ein eher chaotisches Szenario also, auf dem Abt seinen Roman aufbaut.
Und dieser chaotische Eindruck zieht sich dann auch durch die Handlung. Hier fehlt z.B. schon der einleuchtende Grund, weshalb Atlan sich eigentlich um diesen Planeten kümmert(!) und dazu auch noch gleich alleine(!!) anreist. Seiner IPRASA scheint er wohl nicht zu trauen, wenn man dies mal genauer betrachtet...
Aus diesen Vorbedingungen entwickelt sich dann eine Agentenstory, die zwar recht flott, in ihrer Motivation jedoch eher hanebüchen daherkommt. Das Ganze ist eher verwirrend, als daß es eine homogene Geschichte darstellt.
Hierzu tragen vor allem die oft unmotivierten Sprünge in der Handlung bei, die sich jeglichem Verständnis des Lesers entziehen und diesen eher verwirrt als gespannt zurücklassen. Beispielhaft sei hier der letzte Sprung genannt, wenn die Arkoniden die lemurische Basis angreifen, Atlan notgedrungen durch den Transmitter springt und das Bewußtsein verliert. Der nächste Abschnitt beginnt dann an Deck eines Segelschiffes... Ähem... Und wie ist er dahingekommen? Einen Transmitter hat der Segler nicht an Bord, statt dessen war man eigentlich in Richtung von Atlans Raumer gesprungen, der Gefahr lief, entdeckt zu werden. Die hier aufgebaute Spannung wird dann folgerichtig auch gleich bis auf den Grund zerstört, und der Leser schaut verwirrt durch die Gegend.
Doch dies geschieht ihm innerhalb des ganzen Romans. Die Handlungsführung läßt es nicht zu, daß der Leser über einen längeren Zeitraum der Geschichte einfach nur folgen kann. Immer wieder wird er vor den Kopf gestoßen und sitzt verwirrt vor dem Roman. Ein flüssiges Lesen, wie es von den Beschreibungen selber her eigentlich möglich wäre, wird ihm hier ziemlich unmöglich gemacht.

Fazit:
Eine verworrene und in weiten Teilen nicht so einfach nachvollziehbare Handlungsführung läßt die an sich eigentlich recht flotte Story recht blaß aussehen. Eine gute Idee geht hier in manchen Stellen den Bach hinunter.
5 Punkte.

Winfried Brand

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