Band 2041: "Absolute Finsternis"

Autor: Hubert Haensel

Auf Terra manövrieren sich die Monochrom-Mutanten weiter ins Abseits. Aus nicht bekannten Quellen haben sie sich einen Paratron-Schirm besorgt, den sie über Para-City spannen. Außerdem kommt eine TLD-Agentin, die die Stadt observiert, durch mysteriöse Umstände ums Leben. Die Art und Weise riecht jedoch förmlich nach dem neuen Anführer der Mutanten, Parkinson. Auf Anfragen reagieren die Mutanten ablehnend. Sie sind nicht bereit, mit Nicht-Mutanten Kontakt aufzunehmen. Die einzige Ausnahme bildet der Ara-Mediziner Zheobitt, der sich dem Problem der Mutanten annehmen will.
Perry Rhodan hat indes andere Sorgen. Immer noch ist sein Galornen-Anzug defekt, auch wenn die terranischen Wissenschaftler ihm eigentlich Funktionstüchtigkeit bescheinigen. Hilfe bringt Druu Katsyria, die zweite Botin von Thoregon, vom Volk der Galornen.
Sie berichtet vom Chaos in den anderen zentralen Galaxien des Thoregon-Bündnisses, das die Völker in seinem Bann hält. Auf dieser Ebene kann sie zwar keine guten Nachrichten bieten, aber sie kann im Fall des Anzuges helfen. Das Problem ist, daß Moo sich nicht im Anzug befindet. Er hat die Flucht ergriffen, und erst der Galornin gelingt es, ihn ausfindig zu machen. Sie berichtet, daß Moo ein Instrument des Friedens ist, mit Perry Rhodan aber viel Tod und Verderben erleben mußte. Dadurch wurde er so geschockt, daß er sich zurückgezogen hat.
Doch die Reihe der Ereignisse reißt nicht ab. Überall auf Terra kommt es zum Auftauchen von seltsamen Dunkelfeldern, die die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen. Reginald Bull und Gucky machen es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was denn dahinter steckt.
Zunächst werden die Dunkelfelder nur von Panik begleitet, doch dann tauchen seltsame Objekte auf, z.B. ein Kampfroboter unbekannter Bauart, der sofort auf alles schießt, was sich bewegt. Oder ein seltsames Artefakt, aus dem bisher noch keiner schlau geworden ist. Doch dann taucht etwas auf, das Reginald Bull kennt, denn eines der Felder läßt einen Stabroboter Morkhero Seelenquells zurück. Bull entdeckt auch, daß die Felder immer näher an Para-City auftauchen. Es scheint also jemand auf die Stadt der Mutanten zu zielen - keiner weiß jedoch, wieso.
Perry Rhodan entschließt sich zum Handeln. Er läßt Truppen um die Stadt aufmarschieren, und als diese massiv psionisch angegriffen werden, macht er sich zusammen mit Gucky nach Para-City auf, um herauszufinden, was hier vor sich geht.

Na - was ist das denn? Ich frage mich, ob es möglich ist, mehr Handlungsebenen in einem Roman unterzubringen. Da hätten wir: Bully und Gucky auf der Jagd nach den Dunkelfeldern, Perry Rhodan, die zweite Botin und sein Anzug, Perry und die Mutanten - und ein paar kleine Einzelepisoden gibt es auch noch.
Alles in allem passiert ja wirklich viel, aber anstatt alles richtig voranzubringen, bleibt man wieder in den Anfängen der einzelnen Episoden stecken. Nach einer harten Jagd hinter den Dunkelfeldern her erfahren wir lediglich, daß da wohl Morkhero Seelenquell seine Finger im Spiel hat. Die Galornin kommt vorbei und flickt Rhodans Anzug, und die Mutanten drehen mal wieder am ganz großen Rad. Überhaupt scheinen die Mutanten die einzigen zu sein, die hier einen Ausblick auf die Zukunft erhaschen lassen. Sie setzen die Tendenzen fort, sich von der Umgebung abzukapseln - auch wenn dahinter wohl der ominöse Parkinson stehen dürfte. Die Ebene mit Morkhero dürfte insofern dort hineinspielen, daß dieser wohl weiß, welche Gefahr die Monochrommutanten für ihn bedeuten. Ich deute deshalb die Dunkelfelder als Angriff, mit dem er sich dieser Gefahr zu entledigen versucht. Da Morkhero uns auch im nächsten Zyklus erhalten bleiben wird und als Lösung für ihn am Ende dieser Episode wohl die Mutanten stehen werden, dürfte dieser Angriff aber ohne Folgen bleiben. Ich tippe deshalb auf einen Exodus von Terra, denn auch Parkinson dürfte die Gefahr, die von Morkhero ausgeht, nicht unterschätzen. Aber uns stehen ja jetzt zwei weitere Mutantenromane ins Haus. Danach werden wir wohl wissen, wie es denn mit den Damen und Herren aus Para-City weitergehen wird.
Kommen wir zur "Galornen-Ebene" zurück. Zwar ist es ganz interessant, ein wenig mehr über die anderen Galaxien zu erfahren, aber hier hätte man ruhig ein paar Neuigkeiten einbringen können. So aber bleibt alles beim alten. Diejenigen, die schon Probleme hatten, haben jetzt noch mehr Probleme! Alles in allem keine wirklich spannende Sache. Aber auch der Rest der Ebene ist recht unspektakulär, ein wenig Rumrätseln hier, ein wenig Rumsuchen da - und fertig.
Mit den Mutanten geht's ähnlich. Ein wenig Rummorden hier, ein wenig Abkapseln da. Alles bleibt - wie schon erwähnt - unspektakulär, ja schon fast langweilig. Zwar haben die jetzt ihren Mediziner, aber der ist in Nr. 2041 auch nicht aufgetaucht, ist also gewissermaßen untergetaucht. Ich will mal hoffen, daß wir am Heilungsprozeß noch ein wenig beteiligt werden und nicht einfach die fertigen Mutanten vorgesetzt bekommen.

Fazit:
Ein Puzzlespiel, bei dem wenig zusammenpaßt. Quasi: Viel Lärm um nichts.

Alexander Haas

 Und wieder ein Roman aus der Feder Hubert Haensels - und hätte er sich darauf beschränkt (bzw. hätte man ihn gelassen), diesen nur um Bully herum aufzubauen, wäre sicherlich etwas besseres dabei herausgekommen. Doch leider dachten die Expokraten (naja - der Expokrat und sein Berater) in anderen Bahnen.
So wird in diesem Roman alles mögliche angerissen - nur nicht zur Fortführung gebracht. Da haben wir die titelnden Dunkelfelder (von Morkhero gesandt), die zwar auftauchen, mit denen es aber nicht so recht weitergeht. Dann hätten wir da die Mutanten, die auch nichts Neues von sich geben und eher dem altgewohnten frönen. Oder auch die Galornin, die von den anderen Thoregon-Galaxien erzählt und bei der Reparatur von Perrys Anzug hilft.
Gerade von den anderen Thoregon-Völkern zu hören, wäre in diesem Zusammenhang recht interessant gewesen - doch mehr als die altbekannten Platitüden ("Alle haben Probleme") kommt dabei eigentlich nicht heraus. Und über die "Reparatur" des Anzugs decken wir wohl lieber den Mantel des Schweigens. Ich frage mich wirklich, wie man auf die Idee kommen kann, ein Anzug mit derartigen Möglichkeiten wäre nur für "Friedenszeiten" gedacht, und "Moo" büxt aus, weil er die Kampfhandlungen nicht mehr ertragen kann. (* Um ehrlich zu sein, ich finde die Galornen so undurchsichtig, daß ich dieser Thoregon-Botin kein Wort davon glaube... Heike) Also, als Raumanzug allein kann man auch einen SERUN gut gebrauchen - stärkere Kaliber werden nun mal nur in Gefahrenzonen gebraucht, die zwar nicht zwingend, aber doch meistens mit kriegerischen Auseinandersetzungen zu tun haben... (mittelschweres Kopfschütteln des Rezensenten...)
Aber auch Haensels Paradedisziplin "Bully" zeigt Schwachstellen - wenn auch nicht in der namensgebenden Person. Immerhin haben wir es hier noch mit den besten Teilen des Romans zu tun, denn hier wird wenigstens noch ein bißchen Atmosphäre aufgebaut. Weshalb man dann jedoch Gucky mehr oder weniger als reinen "Fiktivtransmitter" für Bully bereitstellt, ist allerdings nicht so ganz verständlich. Das Gespann hätte bei einer andersgearteten Zusammenarbeit der beiden sicherlich mehr Potential gehabt.
Und Morkhero schießt sich auf Para-City ein. Nun ja, jedem das seine. Schade nur, daß er nicht zielen kann und so seinen Gegner warnt...
Wenn er sich dann jedoch einmal eingeschossen hat, wird er unerwarteterweise wohl auch PR in Para-City vorfinden, der sich am Heiligabend mit seinem Anzug in die Stadt begibt - immerhin zwei Tage vor Bostichs Ausrufung des "Göttlichen Imperiums". Was uns jetzt erwartet, sind erst einmal ein Mutanten-Doppelband (der wohl insgesamt über zwei Tage schleichen wird...), dann ein Ebenenwechsel (4 Bände - davon kann man einmal mehr ausgehen...) und zum 40/50-Wechsel die sich überschlagende Handlung.

Fazit:
Die Handlungsstränge überschlagen sich - leider nicht von der Handlung her, sondern von ihrer Menge. Vieles wird angefangen, aber nicht wirklich weitergeführt. Das ganze schildert Hubert Haensel zwar annehmbar, jedoch merkt man dem Roman an, daß ihm ein reines Bully-Expo sicherlich mehr gelegen hätte als dieser Handlungswirrwarr.
8 Punkte.

Winfried Brand

Hubert Haensel als Autor, das heißt: Reginald Bull als Hauptperson. Und die Beschreibung von Bully ist (wieder) gut gelungen. Es scheint sich auszuzahlen, wenn sich ein Autor einer bestimmten Person für längere Zeit annimmt.
Gucky hat in diesem Band ebenfalls einen der in letzter Zeit überaus seltenen Auftritte.
Der Mausbiber als Hauptperson im bekannten Kästchen auf Seite 4 ist in den letzten Jahren eine ausgesprochen rare Erscheinung. Ausgenommen einen kurzen Auftritt nach Bullys Rückkehr von Arkon, ist dies erst sein zweites Erscheinen nach Band 2000. Leider darf er sich hier auf eine Rolle als Bullys persönlicher Teleporter beschränken (immerhin rettet er einigen Terranern das Leben). Etwas mehr Gucky wäre trotzdem wünschenswert. Der Mausbiber scheint momentan überhaupt keine Funktion zu haben, obwohl er der einzige fähige Mutant an PRs Seite ist (die Monochrom-Mutanten haben bekanntlich andere Probleme). Schade. Eine Kombination Bull/Gucky wäre, Hubert Haensel als Autor vorausgesetzt, sicherlich ein Highlight.
Nach längerer Zeit hört man auch wieder etwas über die Lage in den anderen Thoregon-Galaxien. Die Thoregon-Idee ist mit der Gründung der Koalition in PR 1999 noch lange nicht abgehandelt. Immerhin warten noch komplexe Rätsel auf unsere Helden: die Brücke in die Unendlichkeit und ihre Konstrukteure, die Helioten usw. Daher ist es wünschenswert, daß diese Story nicht aus den Augen verloren wird. Indem das Team den einen oder anderen Thoregon-Boten im Solsystem erscheinen läßt, erspart man der Serie heftelange Umblendungen in die anderen Thoregon-Galaxien und bringt trotzdem Informationen über die dortigen Ereignisse. Angenehm.
Bei den Katastrophen, die sich in allen sechs Galaxien derzeit abspielen, wird man schon recht nachdenklich: Für Thoregon insgesamt sieht es derzeit mindestens ebenso düster aus wie für die LFT. Dafür haben sechs Superintelligenzen ihre Mächtigkeitsballungen quasi aufgegeben - zumindest aber wohl für eine längere Zeit verlassen???
Druu Katsyria gelingt es immerhin, Perry Rhodan dazu zu bewegen, ihr Hilfsangebot für die LFT anzunehmen, das dieser bereits einmal abgelehnt hatte. So kann man damit rechnen, daß früher oder später eine galornische Shifting-Flotte in der Milchstraße auftauchen wird. Ob die dann mit dem Shifting der Arkoniden beginnen, ist eine andere Frage. Ohnehin werden die Galornen drei bis vier Monate Flugzeit bis zur Milchstraße brauchen. Derzeit müssen die Terraner ihre Probleme allein lösen. Und bis wieder eine Diskussion über die moralischen Probleme des Shifting beginnt, werden noch einige Monate Handlungszeit vergehen.
Jedenfalls scheint Perry Rhodan seine zögerliche Haltung der letzten Monate und Jahre langsam aufzugeben. Statements aus seinem Mund wie: "Trotzdem muß das Gesetz des Handelns wieder von Terra bestimmt werden" und "...ich werde nicht zusehen, wie alles, wofür ich mein Leben lang eingestanden bin, plötzlich mit Füßen getreten wird. Und schon gar nicht werde ich mich damit abfinden, Terra eines Tages als arkonidische Kolonie zu sehen. Ich habe mir geschworen, [...] künftig zu agieren" (Seite 16, 17) hat man lange vermissen müssen. Nach den Vorfällen um Ertrus scheint auch PR endlich wachzuwerden. So möchte man den Serienhelden sehen: agierend, nicht nur reagierend.
Auch die Episode um den beschädigten Galornenanzug und den kleinen Roboter Moo vermag zu gefallen, wenngleich die Galornin Druu Katsyria relativ verschlossen bleibt. Immerhin "repariert" sie den Roboter. Den Anzug wird PR wohl noch dringend brauchen - demnächst in Para-City etwa. Wie wäre es mit etwas galornischer Technik für die Terraner? Schließlich ist man verbündet. Schon der Galornenanzug hat überaus beeindruckende Fähigkeiten...
Zudem suchen mysteriöse Dunkelfelder die Erde heim. Morkhero Seelenquell wird auch auf Terra aktiv, was bei seiner Furcht vor den Mutanten nicht verwundert.
Koo Parkinson und seine Leute scheinen ihre Aktivitäten ebenfalls auszudehnen. Endlich kümmert sich Perry Rhodan auch einmal darum, nachdem er bisher der unter dem Einfluß des "Para-Fürsten" stehenden Ministerin Moharion Mawrey mehrere Monate lang freie Hand gelassen hat. Und daß Rhodan dieses Problem (mittlerweile) offensichtlich ernstnimmt, beweist schon der Aufmarsch der drei ENTDECKER-Raumer über Mor Jueglo/Para-City. Bisher haben die terranischen Sicherheitskräfte sich hier nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
PR begibt sich schließlich in die Stadt. Wieso nimmt er Gucky nicht mit?
Man achte auch auf das Datum: 24.12.1303 NGZ. Der 26. ist der entscheidende Termin der Arkoniden. Bostich plant, an diesem Tag sein "Göttliches Imperium" auszurufen. Na dann: Frohe Weihnachten. Zeitlich wird es also eng bis zum Zyklusende, denn zum Thema "Para-City" wartet ein Doppelband. Danach kommen allerdings vier Bände SOL.

Fazit:
Viele kleine, miteinander verwobene Geschichten, durch die ein guter Einblick in die Verhältnisse auf Terra vermittelt wird.
11 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

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