Anne Kelleher Bush:

"Der falsche König"

(Dritter Roman der Königskinder-Trilogie)
OT: The Misbegotten King
Ü: Norbert Stöbe
USA 1997
(318 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9084, ISBN 3-453-17222-1, DM 16,90)
- erschienen: August 2000 -

Roderic ist immer noch Regent von Meriga, und immer noch sind viele Soldaten auf der Suche nach seinem Vater. Da entkommt sein Bruder Amanander aus der Gefangenschaft und beginnt erneut seinen Krieg gegen den Bruder, der statt seiner auf dem Thron sitzt. Heimlich gelingt es ihm, Intrige um Intrige gegen Roderic zu spinnen und so das Reich zu entzweien, bis es an den Rand eines blutigen Bürgerkrieges gedrängt wird. Dabei hat er auch keine Hemmungen, das einzusetzen, was vor Hunderten von Jahren beinahe die Welt vernichtet hätte: Magie...

So geht sie denn nun zu Ende, die Königskinder-Trilogie. Im letzten Teil fährt die Autorin noch einmal alles auf, was die anderen beiden Bände bisher zu bieten hatten: Große Kriege, fiese Bösewichter, finstere Pläne und Intrigen auf beiden Seiten.
Die Geschichte wird noch einmal kurz von Teil 2 auf Teil 3 übergeleitet; dann steuert die Handlung konsequent auf ihr Finale zu. Der machtgierige ältere Halbbruder des Regenten, Amanander, schafft es immer mehr, eine Situation zu schaffen, die für den "guten" Roderic immer dramatischer und verzweifelter wird.
Hinzu kommt noch eine flüssige und gut lesbare Führung der Geschichte und der einzelnen Ebenen, und so paßt sich der Roman auf dieser Ebene sehr gut an die Vorgängerbände an.
Je länger sich die Geschichte jedoch zieht, desto mehr baut das Buch ab. Zu schnell wird klar, wer hier gegen wen kämpft, was der Handlung viel Spannung nimmt. Das wird zunächst noch durch die große Dramatik ausgeglichen, die sich immer mehr aufbaut. Aber je länger die Geschichte geht, desto mehr fragt man sich langsam, wie das Gute am Ende über das Böse triumphieren soll, das in immer mehr blutigen Ereignissen beweist, wie sehr es von sich und seiner Macht überzeugt und der Gegenseite überlegen ist. So scheint es fast unvermeidlich, daß gerade das Ende eine große Enttäuschung wird. Die Charaktere agieren nicht mehr, sondern stolpern nur noch von einer Reaktion zu anderen; und zum Schluß kommt doch ein wenig das Gefühl auf, daß das Böse sich mehr oder weniger selbst besiegt hat und die Guten eigentlich gar nichts dafür können.
Zudem wird hier am Ende nur noch so mit Magie um sich geschmissen. Also mit jenem Element, das die Welt doch einst in so großes Chaos gestürzt hat. Erklärungen gibt's dafür keine.

Fazit:
Eigentlich eine nette Geschichte in einer faszinierenden Fantasy-Welt, ein paar hundert Jahre in der Zukunft. Doch gerade am Ende zu kitschig und zu langweilig umgesetzt. Hinzu kommen doch starke Widersprüche zu der Welt der anderen zwei Bände. Was bleibt, ist ein recht unbefriedigender Schluß.

7 Punkte

Zyklus gesamt 9 Punkte

Alexander Haas


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