"Roswell" #1

(Ein Grünling auf Erden)
OT: Roswell 1 - The Untold Story
Ü: Rodrigo Sabor Vidal
USA 1996
(36 Seiten, Comic, Dino, DM 4,90)
- erschienen: Oktober 2000 -

Zum Inhalt:
Per Zufall gerät der kleine Grünling in ein Raumschiff, das den Planeten Erde erkunden soll. Dieses stürzt ab, und der Kleine wird nunmehr gejagt. Dabei trifft er auf die Kellnerin Julienne...

Nun gut, zugegeben, das Ganze klingt nicht besonders aufregend - und vor allem alles andere als originell...
Der Simpsons-Zeichner Bill Morrison hat hier seine Version des Roswell-Zwischenfalls zu Papier gebracht, und dabei handelt es sich um eine humoristische.
M.W. hat Dino bisher noch um keine Serie so einen Wirbel gemacht wie um diese. Hier werden Leseproben in andere Serien eingelegt und das ganze Teil als absolut hypergigantisch verkauft.
M.E. ist dies jedoch eher ein Etikettenschwindel. Denn "Roswell" erweist sich zumindest in der ersten Ausgabe als zwar vergnüglich, jedoch keineswegs als der absolute Renner, zu dem es hochgejubelt wird.
Dies mag zwar an der Übersetzung liegen (ich habe so den Eindruck, daß hier mehr als nur ein Gag pro Bild verlorengegangen ist), doch bietet das Heft bestenfalls ein durchschnittliches Unterhaltungspotential. Manche Gags wirken flach, andere sind erst gar nicht vorhanden, und nur wenige sind überhaupt bemerkbar. Den Wortwitz, der die Serie laut Dino auszeichnen soll, sucht man über weite Strecken jedenfalls vergebens.
Und auch zeichnerisch bietet "Roswell" eigentlich nichts aufregendes. Stilistisch merkt man dem Zeichner die Simpsons-Herkunft an. Nicht, daß diese unbedingt schlecht wäre, doch ist dieser Zeichenstil doch eher konventionell und wenig aufregend. Vor allem, da Morrison seine Darstellung der Figuren dann doch eher an konservative Darstellungen anlehnt. Von Glubschaugen und Überbiß ist hier keine Spur zu sehen. Zusammen mit der eher harmlosen Story ergibt sich hier ein halbwegs amüsanter Comic, der jedoch Meilen von dem entfernt ist, was Dino dem Leser vorgaukeln will. Konsequenterweise hat man dann ja auch eine der besten Stellen für das Preview innerhalb der anderen Comics verwendet. Hier wußte der Verantwortliche wohl recht gut, was er tat...
Vielleicht ändert sich an dieser Sache noch etwas, wenn die nächsten Ausgaben der Serie erscheinen. Doch der erste Eindruck, der meistens der bleibende ist, ist recht mittelmäßig. Schade eigentlich, denn daß man aus dem abgelutschten Thema "Roswell" auch etwas zumindest halbwegs Interessantes machen kann, zeigt z.Zt. im Fernsehen Super RTL mit der Serie "Roswell Conspiracies", die zwar auch nicht das Gelbe vom Ei ist, diesen Comic jedoch locker übertrifft...

Fazit:
Eher lahm kommt diese "Roswell"-Variante daher. Es drängt sich der Eindruck auf, daß viel vom Wortwitz des Originals in der Übersetzung verlorengegangen ist. Das Potential ist dabei durchaus erkennbar - doch leider wird es ist diesem ersten Band nur bedingt genutzt. Es bleibt die Hoffnung auf die weiteren Hefte - und das Urteil für das erste: Halbwegs vergnüglich - aber auch nicht mehr.
7 Punkte

Winfried Brand

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