Heiko Langhans:

"Clark Darlton - Der Mann, der die Zukunft brachte"

D 2000
(224 Seiten, Hardcover, Moewig, ISBN 3-8118-2098-2, DM 16,80)
eBook:
(703 kB, ISBN 3-8118-5924,-2, DM 11,50)
- erschienen: Oktober 2000 -

Walter Ernsting - die meisten werden ihn wohl hauptsächlich unter dem Namen "Clark Darlton" kennen"... Zu seinem 80. Geburtstag wird ihm nun eine Biographie gewidmet - eine Ehrung, die er sicherlich verdient hat. Diese Arbeit wurde in die Hände von Heiko Langhans gegeben, der sich als Kenner der Perry Rhodan-Serie schon einen Namen gemacht hat und nun auch mit dieser Biographie brillieren kann.
Langhans beleuchtet das Leben Walter Ernstings hier in all seinen Facetten und begeht auch nicht den Fehler, diesen in einem allzusehr geschönten Licht darzustellen - und natürlich ist Walters Zeit bei Perry eines der zentralen Themen dieses Buches.
Aber viele begehen den Fehler, in Walter Ernsting nur den Mitschöpfer der PR-Serie zu sehen - dabei hat er bereits Jahre zuvor für die Entwicklung der SF in Deutschland maßgeblichen Beistand geleistet. Der Leser erfährt hier nicht nur, daß Ernsting überhaupt erst daran schuld ist, daß es in Deutschland einen Markt für SF-Heftromane gibt (er "gründete" z.B. die Reihen "Utopia" und "Terra"), sondern auch, daß er für das Entstehen des SF-Fandoms in Deutschland eine mehr als nur tragende Rolle gespielt hat. Und Perry war erst wesentlich später...
Heiko Langhans faßt Ernstings Leben in diesem Buch hervorragend zusammen - bietet einen Überblick über das, was dieser Begründer der SF in Deutschland überhaupt geleistet hat. Sicherlich gab es in Deutschland schon vor ihm SF-Autoren, doch die SF hätte es in Deutschland sicherlich noch schwerer gehabt, hätte Walter Ernsting sich nicht für sie eingesetzt.
"Nebenbei" bietet diese Biographie auch einen interessanten Einblick in die Entstehung des SFCD und all die Querelen des Fandoms in seinen Frühzeiten - zumindest soweit, wie Walter hierin involviert war. Auch so manch alter Fandom-Hase wird hier Anekdoten und Geschichten finden, die ihm bisher unbekannt waren. Heiko Langhans hat in Sachen Recherche auf jeden Fall hervorragende Arbeit geleistet.
Und nicht nur das: Es ist ihm gelungen, diese Recherche-Arbeiten in einen sehr vergnüglich und interessant zu lesenden Zusammenhang zu bringen - von der Trockenheit einer Biographie ist hier nicht viel zu merken. Die Lektüre der gut 200 Seiten macht eindeutig Spaß, was dazu führt, daß man dieses Buch wohl kaum vor der letzten Seite aus den Händen legen wird (allerdings auch bedingt durch seinen recht geringen Umfang und die zahlreich auftretenden Foto-Seiten, die die Zeit, die man für die Lektüre benötigt, auf ein recht geringes Maß zurückschrauben...). Aufgemacht im Stil der Silberbände - nur das 3D-Bild fehlt - macht sich dieses Buch ganz hervorragend neben den "richtigen" Silberbänden im Bücherschrank. Doch dies ist beileibe nicht der einzige Grund, sich dieses Werk zuzulegen, zumal es sich preislich in einem recht moderaten Rahmen bewegt. Mir fällt jedenfalls kaum noch eine Verbesserung ein, die man an dieser Biographie hätte vornehmen können. Der einzige Wermutstropfen ist die nach Jahren geordnete und über den kompletten Text verteilte Bibliographie Walter Ernstings, die diese als Nachschlagewerk bezüglich seiner Romane ziemlich wertlos macht - zumindest, wenn man nicht genau weiß, wann der gesuchte Roman erschienen ist. Hier wäre eine (zugegebenermaßen seitenlange) Aufstellung seiner Werke am Ende des Buches sicherlich sinnvoller gewesen. Manchmal ist halt die beabsichtigte Auflockerung des Textes nicht unbedingt das sinnvollste - vor allem, wenn der Text allein diese Auflockerung eigentlich gar nicht braucht, weil er locker genug geschrieben ist, um den Leser auch so bei der Stange zu halten. Zudem passen die Jahres-Bibliographien auch nicht immer zum geschriebenen Text, der teilweise schon Jahre weiter fortgeschritten ist. Hier hat der Layouter dann unerbittlich zugeschlagen und die Form dem Nutzwert in einer Weise vorgezogen, die schwer nachvollziehbar ist...

Fazit:
Heiko Langhans ist es gelungen, Walter Ernstings Biographie sowohl umfassend als auch interessant und flott lesbar zu Papier zu bringen. Langweilen wird sich der Leser bei der Lektüre jedenfalls nicht - und nebenbei erfährt er auch auch paar Dinge über die Anfänge des deutschen SF-Fandoms, ebenso wie über die Anfänge des SFCD, die er eventuell noch nicht kannte. Ein wirklich kurzweiliges und empfehlenswertes Buch. Schade nur, daß man sich entschlossen hat, die Bibliographie Walter Ernstings in kleine Häppchen zerhackt über die gut 200 Seiten zu verteilen.
13 Punkte.

Winfried Brand


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.


Startseite