Walter
Ernsting - die meisten werden ihn wohl hauptsächlich unter dem
Namen "Clark Darlton" kennen"... Zu seinem 80. Geburtstag wird ihm
nun eine Biographie gewidmet - eine Ehrung, die er sicherlich
verdient hat. Diese Arbeit wurde in die Hände von Heiko Langhans
gegeben, der sich als Kenner der Perry Rhodan-Serie schon einen Namen
gemacht hat und nun auch mit dieser Biographie brillieren kann.
Langhans beleuchtet das Leben Walter Ernstings hier in all seinen
Facetten und begeht auch nicht den Fehler, diesen in einem allzusehr
geschönten Licht darzustellen - und natürlich ist Walters
Zeit bei Perry eines der zentralen Themen dieses Buches.
Aber viele begehen den Fehler, in Walter Ernsting nur den
Mitschöpfer der PR-Serie zu sehen - dabei hat er bereits Jahre
zuvor für die Entwicklung der SF in Deutschland
maßgeblichen Beistand geleistet. Der Leser erfährt hier
nicht nur, daß Ernsting überhaupt erst daran schuld ist,
daß es in Deutschland einen Markt für SF-Heftromane gibt
(er "gründete" z.B. die Reihen "Utopia" und "Terra"), sondern
auch, daß er für das Entstehen des SF-Fandoms in
Deutschland eine mehr als nur tragende Rolle gespielt hat. Und Perry
war erst wesentlich später...
Heiko Langhans faßt Ernstings Leben in diesem Buch hervorragend
zusammen - bietet einen Überblick über das, was dieser
Begründer der SF in Deutschland überhaupt geleistet hat.
Sicherlich gab es in Deutschland schon vor ihm SF-Autoren, doch die
SF hätte es in Deutschland sicherlich noch schwerer gehabt,
hätte Walter Ernsting sich nicht für sie eingesetzt.
"Nebenbei" bietet diese Biographie auch einen interessanten Einblick
in die Entstehung des SFCD und all die Querelen des Fandoms in seinen
Frühzeiten - zumindest soweit, wie Walter hierin involviert war.
Auch so manch alter Fandom-Hase wird hier Anekdoten und Geschichten
finden, die ihm bisher unbekannt waren. Heiko Langhans hat in Sachen
Recherche auf jeden Fall hervorragende Arbeit geleistet.
Und nicht nur das: Es ist ihm gelungen, diese Recherche-Arbeiten in
einen sehr vergnüglich und interessant zu lesenden Zusammenhang
zu bringen - von der Trockenheit einer Biographie ist hier nicht viel
zu merken. Die Lektüre der gut 200 Seiten macht eindeutig
Spaß, was dazu führt, daß man dieses Buch wohl kaum
vor der letzten Seite aus den Händen legen wird (allerdings auch
bedingt durch seinen recht geringen Umfang und die zahlreich
auftretenden Foto-Seiten, die die Zeit, die man für die
Lektüre benötigt, auf ein recht geringes Maß
zurückschrauben...). Aufgemacht im Stil der Silberbände -
nur das 3D-Bild fehlt - macht sich dieses Buch ganz hervorragend
neben den "richtigen" Silberbänden im Bücherschrank. Doch
dies ist beileibe nicht der einzige Grund, sich dieses Werk
zuzulegen, zumal es sich preislich in einem recht moderaten Rahmen
bewegt. Mir fällt jedenfalls kaum noch eine Verbesserung ein,
die man an dieser Biographie hätte vornehmen können. Der
einzige Wermutstropfen ist die nach Jahren geordnete und über
den kompletten Text verteilte Bibliographie Walter Ernstings, die
diese als Nachschlagewerk bezüglich seiner Romane ziemlich
wertlos macht - zumindest, wenn man nicht genau weiß, wann der
gesuchte Roman erschienen ist. Hier wäre eine
(zugegebenermaßen seitenlange) Aufstellung seiner Werke am Ende
des Buches sicherlich sinnvoller gewesen. Manchmal ist halt die
beabsichtigte Auflockerung des Textes nicht unbedingt das sinnvollste
- vor allem, wenn der Text allein diese Auflockerung eigentlich gar
nicht braucht, weil er locker genug geschrieben ist, um den Leser
auch so bei der Stange zu halten. Zudem passen die
Jahres-Bibliographien auch nicht immer zum geschriebenen Text, der
teilweise schon Jahre weiter fortgeschritten ist. Hier hat der
Layouter dann unerbittlich zugeschlagen und die Form dem Nutzwert in
einer Weise vorgezogen, die schwer nachvollziehbar ist...
Fazit:
Heiko Langhans ist es gelungen, Walter Ernstings Biographie sowohl
umfassend als auch interessant und flott lesbar zu Papier zu bringen.
Langweilen wird sich der Leser bei der Lektüre jedenfalls nicht
- und nebenbei erfährt er auch auch paar Dinge über die
Anfänge des deutschen SF-Fandoms, ebenso wie über die
Anfänge des SFCD, die er eventuell noch nicht kannte. Ein
wirklich kurzweiliges und empfehlenswertes Buch. Schade nur,
daß man sich entschlossen hat, die Bibliographie Walter
Ernstings in kleine Häppchen zerhackt über die gut 200
Seiten zu verteilen.
13 Punkte.
Interesse? Hier
kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und
das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.